• Die heutige Folge vom restauranttestenden Christian Rach führt eine Tradition der vorherigen Staffeln fort: Der Sternekoch bearbeitet diesmal keinen neuen Fall, sondern besucht ein paar seiner früheren Kunden und guckt, ob sie seine Rosskur überlebt haben und wenn ja, was aus ihnen geworden ist. Das ist aus Sicht von RTL eine günstige Sache, denn die Sendung besteht überwiegend aus hektisch geschnittenen Rückblenden und jeweils nur ein paar kurzen aktuellen Szenen.

    Die erste Station der Rach’schen Erinnerungstour ist das “Alte Kloster” in Gelsenkirchen. Hier herrscht ein gewisser Herr Plinge als Geschäftsführer über ein Etablissement, das aussieht wie ein großer Schnellimbiss, aber gern ein Restaurant sein möchte. Plinge hat mal in Paris gearbeitet und hängt irgendwie an dem überzogenen Anspruch, in seiner Frittenbraterei französische Küche anbieten zu wollen (z.B. gibt Champagner für 99,- Euro pro Flasche!). Tatsächlich serviert man hier aber nur dürftige Fertigkost, von der Küchencrew lieblos zusammengepanscht nach Bauanleitungen vom Beinahe-Meisterkoch Plinge. Christian Rach zwingt den Geschäftsführer, selbst mal von dem gerade servierten zähen Stück Kabeljau zu probieren, der verzieht den Mund und behauptet, seine Mitarbeiter seien daran schuld. Der Sternekoch besichtigt die Küche, ekelt sich über Dreck, Essensreste und altes Fritteusenfett, findet ein paar Blätter mit Soßen-Bauanleitungen und will nun das Übel an der Wurzel packen. Das Hauptübel scheint allerdings der verhärmt wirkende Geschäftsführer selbst zu sein, der bei allen gezeigten Ausschnitten nur schlecht gelaunt in der Gegend herummisanthropiert und für den “Mitarbeiterführung” offenbar ein Fremdwort ist.

    Der Gutmensch aus Hamburg organisiert ein paar Pötte weiße Farbe und ganz viel Spülmittel und rückt dann mit der ganzen Belegschaft dem Dreck zu Leibe. Einzig Geschäftsführer Plinge steht teilnahmslos daneben und weiß nicht, was er tun soll. Das scheint symptomatisch zu sein, wie auch die nächste Szene zeigt: Es ist der Tag der Wiedereröffnung und Rach ist schwer enttäuscht, den Plinge missachtet nicht nur sämtliche Kochtipps des Hamburgers, sondern torpediert auch aktiv dessen Plan, draußen in der Fußgängerzone kleine Häppchen als Werbung für das “Alte Kloster” zu verteilen. Am liebsten soll alles so bleiben, wie es vorher war. Warum man dafür extra den Sternekoch bemühen musste, bleibt mir allerdings schleierhaft.

    Wenig überraschend ist dann das Ergebnis von Rachs Besuch etwa ein Jahr später: Plinge und sein unseliger Laden sind längst Geschichte, am selben Ort ist ein neues “Altes Kloster” unter anderer Leitung, mit neuem Konzept und mit einer völlig neuen Inneneinrichtung – schade um die von RTL gestiftete weiße Farbe…

    Der nächste Fall spielt in Brühl bei Heidelberg im Restaurant “Entenjakob”. Den Laden hatten wir damals hier in Mülltv schon besprochen, nun ist die Sache schon bald ein Jahr her und Rach will sehen, was weiter passiert ist. Der “Entenjakob” gehört Klaus und Gabriele Herm, die das Lokal seit vier Jahren mit schnell nachlassendem Erfolg betreiben und in ihrer Not nun RTL zu Hilfe gerufen haben. Sternekoch Christian Rach kommt vorbei und riskiert mal wieder Geschmackssinn und Gesundheit und tritt zum Selbstversuch an. Der ergibt auch schnell einen Anhaltspunkt für die Misere: Abgesehen davon, dass der Hamburger eh schon grantelt, weil es im “Entenjakob” nur Ente auf Vorbestellung gibt, schmecken ihm die ersatzweise aufgefahrenen Speisen nicht besonders. Das Ambiente passt ihm auch nicht, der Zaun ist zu hoch, wirkt wie ein Gefängnis. Rach spendiert einen Kamin für den Gastraum und einen Konvektomaten für die Küche, stutzt den Zaun und kreiert neue Gerichte – natürlich mit Entenbeteiligung. Die obligatorische Wiedereröffnung nach dem Umbau wird, wie immer, ein voller Erfolg und die als Gästeimitation eingeflogene Laienschauspielertruppe verbreitet gute Laune. Es hagelt Bestellungen und Anerkennung insbesondere für die neuen Entenmenüs, was Rach natürlich mit Befriedigung zur Kenntnis nimmt. Die vorher völlig verzweifelten Wirtsleute sind dem großen Kollegen aus Hamburg unendlich dankbar.

    Zehn Monate später ist die Stimmung immer noch euphorisch, der von Rach ausgelöste Boom ist geblieben, die Enten gehen weg wie “geschnitten Brot”, der “Entenjakob” ist aus der Krise und jedes weitere Wort wäre hier zu viel…

    Nun kommt die Werbepause mit dem allseits beliebten Gewinnspiel für Leute mit einem IQ über 130. Für die korrekte Antwort auf folgende, mir unlösbar scheinende, Frage rückt das Fernsehen tatsächlich 3.000 Euro raus: “Ein beliebtes Nudelgericht ist Spaghetti… a) Bolognese   b) Blankenese”. Aus dem Festnetz kostet ein Anruf 50 Cent, d.h. ab dem sechstausendsten Anrufer ist RTL in der Gewinnzone. Aber herrjemine, wo sollen denn so plötzlich 6.000 Anrufer herkommen, glauben die Fernsehleute etwa, heute Abend gucken nur Professoren und Nobelpreisträger zu? Wer sonst sollte denn so eine komplizierte Frage beantworten können???

    Ich bin wegen des Gewinnspiels noch ganz außer mir, da beginnt schon Fall Nummer 3. Der führt Christian Rach in ein Restaurant mit dem mystischen Namen “versunkene Glocke” in die aus Wende-Zeiten bekannte Stadt Wandlitz bei Berlin. (Soweit ich memoriere, wohnten hier mal die DDR-Bonzen in einem von der sozialistischen Außenwelt abgeschotteten piefigem Feriendorf.) Die “versunkene Glocke” ist ein Ausflugslokal im Grünen und wird von Vater Wolfgang und Sohn Martin Rakitin in Stil einer Männer-WG geführt. Alles ist ungepflegt, überall liegt Gerümpel herum, es sifft, mieft und fault und vermittelt insgesamt den Eindruck einer Müllhalde. “Im Prinzip müsste man ‘ne Abrissbirne nehmen und das Ding platt machen.”, ist Rachs gnadenloses Fazit. Leider gilt das auch für die Küche, der offenbar schon seit Jahren eine dringende Grundreinigung fehlt.

    Rach organisiert ein heftiges Großreinemachen, wobei Seniorchef Wolfgang durch kontinuierliches Nichtstun und In-der-Gegend-herumstehen negativ auffällt. Das setzt sich auch bei der Wiedereröffnung der “versunkenen Glocke” fort: Als Sternbesitzer Rach mitten im Akkordkochen für die offenbar wieder zahlreichen Gäste mal einen gehetzten Blick aus dem Fenster wirft, sieht er Wolfgang draußen in aller Gemütsruhe beim Lustwandeln im ungepflegten Garten und kriegt deswegen die Pimpernellen. Das schändliche Tun ahndet Rach mit ein paar üblen Verwünschungen direkt in die Kamera. Einziger Lichtblick ist heute Sohn Martin, der sich in der Küche bewährt.

    Ein Jahr später ist Chefvisite in der Männerwirtschaft. Das Geschäft läuft inzwischen tatsächlich besser, der Sommer brachte lt. Rakitin Senior und Junior gute Umsätze, die Schulden sind bezahlt. Zwar ist mittlerweile wieder etwas die Flaute ausgebrochen, aber für richtigen Pessimismus ist es wohl noch zu früh.

    Auch der nächste Fall spielt in der Ehemaligen, nämlich in Güstrow. Hier gab es bei Rachs erstem Besuch ein Eiscafé mit Behelfsküche und dem saukomischen Namen “Eisheidi”. Besitzerin Heidi Hamel pflegte damals selbst vor der Kamera einen rüden Umgangston mit ihren Gästen und Angestellten. Immerhin verprügelte die Kratzbürste ihre Kunden während der Bestellung nicht, aber das war an Service auch schon so ziemlich alles. Die Beziehung von Rach und Heidi beginnt sogleich mit Spannungen, denn der Hamburger korrigiert ihre falsche Aussprache von “Expresso”. Rach sitzt an einem klapperigen Campingtisch draußen in der Fußgängerzone vor dem Eiscafé (!) und ordert Bratkartoffeln mit Leber, zwar eine “Gaga-Bestellung”, wie er findet, aber komischerweise schmeckt es ihm. Während die Tische draußen gut frequentiert werden, herrscht drinnen im Laden tote Hose, ein Ambiente wie im Krematorium. Rach überzeugt die kühle Heidi davon, dass Konzept und Name geändert werden müssen.

    Gemeinsam entsorgen sie das bisherige Campingmobiliar draußen und schleppen dafür die Tische und Stühle vom Gästeraum auf die Straße. Heidi mäkelt, das passe alles nicht richtig, aber Rach lässt sich nicht beirren. Es beginnt der sendungsübliche Umbau des Etablissements, wobei die Chefin durch ausgedehnte Nichtanwesenheit glänzt. Der Sternekoch zeigt der Küchencrew ein paar neue Rezepte (u.a. Flammkuchen), spendiert eine neue Kaffeemaschine und denkt sich auch noch einen megaoriginellen neuen Namen für das Lokal aus: “Markt 7″. Die eigenwillige Heidi steht den Neuerungen durchaus kritisch gegenüber, ihre Begeisterung für Rachs Ideen beschränkt sich meist auf ein kurzes “aha!”. Das Eis schmilzt erst, als die Gäste – lt. RTL-Off-Stimme – die neuen Gerichte bestens annehmen, insbesondere der Flammkuchen geht ohne Ende.

    Der Besuch ein Jahr später offenbart die Göttlichkeit Christians Rachs, denn aus der einstigen Eisheidi ist eine glühende Verehrerin des Sternekochs geworden. Die ganze Belegschaft trägt schwarze T-Shirts mit der Aufschrift “Von Rach getestet und für gut befunden!”. Selbiger fühlt sich maßlos geschmeichelt. Der Laden läuft besonders wegen der Flammkuchen supergut, hier hat sein segensreiches Wirken wirklich Früchte getragen.

    Zum Finale fährt Christian Rach zur “Paulanerscheune” nach Nordhausen. Der Laden im bayerischen Landhausstil gehört Anett Woythe und Marcel Etzrot. Die Spezialität ist aufgetauter Mikrowellenfraß. Nichts schmeckt, alles ist hart, sauer oder schwimmt vor Fett. Rach fühlt sich in seiner Berufsehre als Koch beleidigt: “das ist nicht mal Imbiss-Niveau!” Er nimmt sich die ganze Küchenbelegschaft zur Brust und verdonnert sie zu einem intensiven mehrtägigen Strafkochen unter seinen meisterlich-strengen Augen. Es dürfen nur noch “echte” Zutaten verwendet werden. Stefan, der junge Paulanerscheunen-Koch, muss in den Garten gehen und selbst Majoran besorgen, wofür er ein Buch mit Pflanzenabbildungen dabei hat und 30 Minuten benötigt.

    Im Restaurant findet der obligatorische Umbau statt, neue Gerichte werden eingeübt und dann kommt wie immer die erfolgreiche Wiedereröffnung mit den zufriedenen Gästestatisten. 14 Monate später ist der Rach wieder da und bittet zum Rapport. Ja, es sei anfänglich gut gelaufen, erzählt Anett, aber dann sei das Gerücht aufgekommen, dass der Laden pleite sei und ab diesem Zeitpunkt liefe es nicht mehr richtig. Co-Besitzer Marcel und Küchenfee Adelheid sind über alle Berge, aber Stefan kocht weiter. Rach tröstet Anett, sie sei auf dem richtigen Weg, man müsse in der Branche einfach einen langen Atem haben. Das bestellte Essen schmeckt ihm gut, der Besuch in der Küche lässt ebenfalls hoffen und damit endet diese Folge einigermaßen optimistisch.

    Fazit: Immerhin vier von fünf Altfällen haben Rachs Besuch nicht nur ein Jahr überlebt, sondern sie gedeihen einigermaßen bis prächtig. Tusch und Fanfare!!! Eine 80-Prozent-Quote, das kann sich sehen lassen! Bin gespannt, was uns der Sternekoch in der nächsten Woche zum Abschluss dieser Staffel serviert. Hoffentlich wird endlich mal wieder richtig gekocht, Ambiente und Teambuilding war diesmal schon mehr als genug, finde ich.

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    Posted by TV-Glotzer @ 1:58 am

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  • One Response

    WP_Modern_Notepad
    • Flüge Says:

      Diese Sendung gestern, ging einem wirklich ans Herz, wirklich schlimm zu sehen mit welchen Schicksalsschlägen manche Menschen zu kämpfen haben! Zum Glück konnte Christian Rach, der Frau helfen und ihr ein bisschen Hoffnung schenke! Ich wünsche der Frau alles Gute und ganz viel Glück! Hoffentlich hat sie mit dem Restaurant viel Erfolg.

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