• Während andere Jecken Karneval feiern, muss Sternekoch Christian Rach am Rosenmontag raus zu einem Einsatz: Passenderweise führt der ihn heute ins Ruhrgebiet nach Recklinghausen, in das notleidende libanesische Restaurant “Maroush”. Das im Keller gelegene Etablissement wird von einer unklaren Anzahl von Brüdern der Familie Omirate betrieben. Wer der Oberchef ist, fragt Rach und löst damit schon mal Ratlosigkeit aus: Alle sind irgendwie Boss für einen bestimmten Bereich und Entscheidungen treffen sie alle gemeinsam in einer Art demokratischen Palaver-Prozess. Hmmm, das kennt Rach normalerweise irgendwie anders.

    Wer denn der Koch sei, ist die nächste Frage. Einer der Brüder bekennt sich, hat aber zufällig gerade heute alle seine Kochutensilien irgendwie weggegeben, wie er sagt, steht stattdessen in Zivil und mit Schlabberlatschen im Laden und sucht nun auf die Schnelle wenigstens noch eine Gummischürze. Offenbar hat man den Gastropapst heute noch gar nicht erwartet – hat sein angestaubter Termin-Trick also mal wieder geklappt. Während die RTL-Redaktion im Hintergrund “das Lied der Schlümpfe” einspielt, högt sich der Hamburger und widmet sich schon mal der Speisekarte. Vorweg bestellt er sechs Vorspeisen, nämlich drei kalte und drei warme. Kurioser Stille-Post-Effekt: Bis zur Küche ist daraus eine Bestellung von jeweils vier kalten und warmen Vorspeisen geworden, die nun zwei der Omirate-Brüder etwas unorganisiert (weil ungelernt), aber sehr schnell zusammenfrickeln. Tatsächlich stehen kurz darauf sieben (und nicht sechs oder acht) Vorspeisen auf Christian Rachs Tisch, sehen lecker aus, sind es auch und beweisen damit, dass die Küche nicht das Problem des “Maroush” ist. Zur Sicherheit bestellt der Meisterkoch dann auch noch ein Kalbskotelett und eine Dorade, ist wieder begeistert und gleichzeitig frustriert, denn nun muss er tiefer in die Problemlage einsteigen. Dem geneigten Zuseher ist schon klar: Das wird heute wieder keine Koch-Sendung, sondern geht eher in Richtung Organisations- und Ambiente-Verbesserung.

    Am zweiten Tag kommt wieder die allseits beliebte Rubrik “Hausbesichtigung”; die fällt diesmal reichlich skurril aus. Rach lässt sich von den diversen Omirates alle Räumlichkeiten vorführen, stößt auf eine vollgemüllte Rumpelkammer und lacht sich dann über das so genannte Büro kaputt, eine Kleiderschrank-große Nische mit PC-Tischchen auf den nackten Fliesen. Mehrere Stapel Papiere liegen auf dem Tischchen und quellen aus einer Schublade: Das sei die Buchhaltung mit den offenen Rechnungen, erfährt der staunende Sternekoch. Nein, den Überblick habe man schon vor einiger Zeit verloren, gestehen die Omirates. In einem Seitenflur brennt kein Licht, man wisse leider nicht, warum es hier dunkel sei, erzählen die vier oder fünf oder sechs Brüder. Rach hat die Lösung nach einer halben Sekunde: In der Lampe ist keine Birne drin! Ja, an solchen Stellen können wir Normalbegabten vor dem Genie nur neidlos den Hut ziehen, der Mann ist uns einfach über…

    Schließlich erreicht die kleine Karawane die Küche; hier sieht es ziemlich spackig aus und Rach rümpft die berühmte Nase. Man habe nur gestern mal nicht geputzt, schon nach zwei Tagen sehe das immer so aus, behauptet der Koch-Bruder allen Ernstes. Das ist ganz offensichtlich eine ziemliche Untertreibung und obendrein noch reichlich dämlich, denn Rach kann man in puncto Küchendreck nichts vormachen, das ist sein Spezialgebiet. Er beginnt spontan, mit spitzen Fingern diverse vollgestaubte und fettige Gerätschaften aus den Küchenregalen zu pflücken, die eigentlich längst entsorgt oder geputzt gehören. Beim Anblick von ein paar unfachmännisch lose im Kühlschrank gelagerten Hähnchenkeulen gefriert Rach das Lachen, jetzt wird die Sache ekelig bis illegal. Er bittet die Herren kurz zum Gespräch, legt ihnen dringend nahe, mal aufzuräumen und schlägt außerdem vor, den ältesten Bruder Silat (?) ab jetzt zum Chef zu machen. Danach haut er schnell ab und lässt die Brüder allein in ihrem Chaos, genug zu tun haben sie ja jetzt.

    Als Rach am dritten Tag die orientalische Kellerhöhle betritt, sind die Brüder gerade wieder in trauter Runde am Palavern. Jaja, sauber gemacht hätten sie jetzt, die Küche sei fertig – bis auf die Dunstabzugshaube, die mache man aber auch noch. Der Hamburger glaubt das nicht und saust mit diversen Omirate-Brüdern im Schlepptau in die Küche. Eine schnelle Überprüfung zeigt: Die Arbeitsflächen sind weiterhin fettig, Küchengeräte liegen offen in staubigen Regalen, der Ofen riecht nach “toter Katze” und überall liegen speckige Drecklappen herum. Rach ordnet die sofortige Reinigung der gesamten Küche an, die restlichen Brüder werden hinzugerufen und – erstmals – übernimmt Silat das Kommando. Damit läuft angeblich alles besser, Rachs Einführung eines Chefbruders mache sich schon positiv bemerkbar, sagt die Off-Stimme. Ach, unser Chrischan ist schon ein Guter.

    Danach werden Ideen gesammelt, was man in Richtung Marketing machen könne. Silats toller Vorschlag, auf einem Kamel durch Recklinghausen zu reiten, wird von Rach direkt abgelehnt, keine Vierbeiner-Ideen mehr, bitte. Wie wäre es, wenn das “Maroush” ab sofort einen eigenen Stand auf dem Markt in der Stadt hätte, damit einerseits Geld verdiente und andererseits die Leute so auf das versteckte Restaurant aufmerksam machte? Die Brüder sind sofort Feuer und Flamme. Der Rest des Tages geht mit Putzarbeiten drauf. Die Omirates hängen mehrheitlich beim Schrubben in den Dunstabzugshauben in der Küche, währenddessen Rach eine von der Off-Stimme frenetisch bejubelte Epochal-Tat vollbringt: Er organisiert für das lächerlich kleine Büroloch einen neuen Schreibtisch und ist darauf offenbar so stolz, wie Justus von Liebig bei der Erfindung des Brühwürfels (um bei einem gastronomischen Vergleich zu bleiben).

    Der vierte Tag beginnt mal nicht Untertage, sondern Rach stattet den Besitzern des oberhalb des “Maroush” liegenden Hotels einen Besuch ab. Er erwärmt sie – warum auch immer – für den Vorschlag, die Hotelfassade neu zu gestalten und dabei den Restauranteingang mit einzubeziehen, so dass das mehr wie aus einem Guss aussieht. Mir ist schleierhaft, weshalb sich die etwas sprachlosen Hotelmenschen darauf einlassen – sie sehen für mich so aus, als ob sie selbst ein wenig Hilfe gebrauchen könnten, aber vielleicht täuscht das auch. Rach kommt richtig in Fahrt, zerrt die beiden Oberweltbewohner zu der langen Treppe in die libanesischen Katakomben, deutet hierhin und dorthin: “das muss weg”, “das geht so nicht” und “das ist ja ganz schlimm”. Seine Nippes-Stehrumchen-Allergie schlägt wieder voll durch und am Ende soll von dem orientalisch überladenen Treppenhaus außer der Treppe selbst nur noch der angestrahlte Name “Maroush” übrig bleiben, befiehlt er. Als die beiden Hotelbesitzer während der Predigt eine kurze Atempause zur Flucht nutzen, stiefelt der Meisterkoch allein hinunter in das Höhlenrestaurant und setzt seinen Kreuzzug gegen den Kitsch dort unverdrossen fort. Etwa ein halbes Dutzend erschreckter Omirates-Augenpaare verfolgt, wie er das Weinlaub-Imitat aus Plastik von den Wänden reißt und sich an den schmiedeeisernen Kerzen-Mobiles vergeht. Später helfen sie dem Mann sogar dabei, den unsäglichen Goldregen-Baum aus dem Treppenhaus zu schleppen.

    Nicht so gut läuft das mit der Kopfarbeit. Rach hatte sich 25 Vorschläge ausbedungen, was man denn in dem Marktstand so verkaufen könnte. Chefbruder Silat und Normalbruder Haider (?) setzen sich in der Küche an einen Tisch und warten auf eine Eingebung. Und warten. Und warten. Leider kommt keine Idee vorbei, stattdessen beginnen sie, an der Marktidee an sich zu zweifeln, wissen nicht, was und schon gar nicht wie sie das machen sollen. Rach wird wegen ihrer Lethargie sauer und spult mal so eben im Vorbeigehen zehn Ideen herunter. Derweil geht er nach hinten in einen der Nebenräume, kramt dort hörbar herum, während sich die Brüder verwundert ansehen und kommt nach kurzer Zeit schnaufend mit einigen Warmhaltekästen aus Metall zurück. “Ich kenn’ mich in Eurer Scheißküche schon besser aus als ihr!”, raunzt er sie ungehalten an. Der Hamburger “hat die Samthandschuhe ausgezogen” und kommt so langsam in den Kameltreibermodus.

    Mit einem kleinen roten Verkaufswagen fährt Rach am nächsten Tag beim “Maroush” vor. Das Auto kriegen die Omirates-Brüder für ein Jahr kostenlos (RTL zahlt) gestellt und sollen es für den Markt nutzen. Kenner der Serie wissen es, am fünften Tag wird traditionell immer gekocht, die heutige Folge ist keine Ausnahme: Man bereitet die Speisen für den ersten Markttag vor. Rach hat dazu körbeweise frische Lebensmittel mitgebracht, außerdem zwei weiße Kochmützen für die Küchen-Brüder. Ein dritter Bruder beömmelt sich darüber: “Die sehen aus wie Zwerge!” Egal, Rach duldet keine Schwachheiten, die Mützen müssen natürlich trotzdem aufgesetzt werden.

    Am nächsten Tag geht es dann tatsächlich zum Wochenmarkt und wir können drei Brüder plus einen Sternekoch dabei beobachten, wie sie den etwas misstrauisch wirkenden Recklinghausern die orientalischen Köstlichkeiten nahezubringen versuchen. Rach ist am Ende ganz zufrieden, es sind noch alle Brüder da, keiner wurde verprügelt und der Marktstand nicht abgefackelt, die Aktion wird zum Erfolg erklärt. Derweil ist mit RTL-Mitteln vor dem Eingang zum “Maroush” eine kleine Terrasse mit drei Tischen entstanden, an denen Gäste mit Vorliebe für Tageslicht sitzen können. Drinnen wurden die Gästeräume, wie von Rach vorgeschlagen, von diversem Schnickschnack befreit und sind bereit für die sogenannte Wiedereröffnung. (Ja war der Laden denn überhaupt zu, ich habe davon jedenfalls nichts mitgekriegt!)

    Der Abend klappt dann auch noch sehr gut und die übliche Busladung von Gäste-Statisten äußert sich positiv überrascht und verspricht geflissentlich, oft wiederzukommen. Rach schwebt ob der eigenen Genialität auf Wolke sieben und doziert mit kaum unterdrückter Selbstzufriedenheit in die Kamera. Danach gibt es einen tränenreichen Abschied von der Omirates-Brüderschar, in die Rach inzwischen offenbar ehrenhalber aufgenommen wurde.

    Acht Wochen später kommt der übliche Kontrollbesuch des gastronomischen Halbgotts. Erst sieht er sich den Marktstand an, alles bestens! Abends setzt sich Rach dann eine bekloppt aussehende rothaarige Perücke und eine Sonnenbrille auf und betritt in dieser Verkleidung das “Maroush”, um “seine Brüder” zu erschrecken. Mal wieder hält uns das Fernsehen dabei für geistig minderbemittelt, wir sehen von innen, wie die Brüder scheinbar ahnungslos ihrer Arbeit nachgehen, da tritt “völlig überraschend” Rach mit Eva-Pflug-Gedächtnisfrisur in die Küchentür. Ob sich nicht einer der Brüder vorher gefragt hat, warum da ein Kamerateam mit Tonmokel im Restaurant aufgebaut hat? Na, egal, spielen wir halt mal mit. Nach großem Hallo folgt der bange Moment, als Rach die Sauberkeit in der Küche prüft. Die neuralgischen Stellen sind tipptopp und der Sternekoch begeistert. Danach wird gefuttert, einmal quer durch die Speisekarte. Rach scheint es hier wirklich zu schmecken, auch privat. Und damit ist er nicht allein, denn der Laden ist voll heute Abend. Als Nachtisch gibt es anschließend sogar noch einen – angeblich nicht extra inszenierten – echt orientalischen Schleiertanz.

    Fazit: Die Wucht in Tüten, der Meister hat’s wieder geschafft und aus einem versifften Kellerloch ein angesagtes Restaurant für gehobene Ansprüche gemacht. Nach sechs von acht Folgen in dieser Staffel scheint der Heiligsprechung Christian Rachs nichts mehr im Wege zu stehen. Halleluja! :-)

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    Posted by TV-Glotzer @ 1:35 am

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  • One Response

    WP_Modern_Notepad
    • Topsy Kretts Says:

      Sehr schöne Zusammenfassung. Habe die Folge eben gesehen und nach dem lesen der Zusammenfassung Tränen gelacht. Bitte unbedingt weiter so!!!!

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