• In der heutigen Folge besucht Christian Rach, der gastronomischen Pannenhelfer, das Restaurant “Hexenhäuschen” in Lengerich zwischen Osnabrück und Münster. Der Laden liegt in einer dunklen Passage abseits der Verkehrsströme und gehört einem gewissen Thomas Windmöller, der gleichzeitig auch der Chefkoch ist. Rach gibt sich keine Mühe mehr mit Überraschungen, sondern kommt einfach zum vereinbarten Termin. Buh! Der wohlgenährte Oberhexer Windmöller begrüßt ihn und erklärt zunächst die kulinarischen Spezialitäten des Hexenhäuschens, das auf den ersten Blick nicht wie ein Restaurant, sondern eher nach Kneipe aussieht. “Lasagne Hollo Bollo” sei einer der Bestseller auf der Speisekarte, erfährt der Hamburger Sternekoch, dabei sei “Hollo” die Abkürzung für “Sauce Hollandaise” und “Bollo” stehe für “Bolognese”. Dass er eine starke Affinität für diese kleinen Kalorienmonster hat, wie wir noch erleben werden, sieht man dem undürren Windmöller sofort an. Momentan plagen ihn finanzielle Sorgen, trotz – oder wegen? – “Hollo Bollo” bleiben die Kunden weg und wenn sich das nicht ziemlich schnell ändert, gehen bald die Licht aus im Hexenhaus.

    Rach ist offenbar ein geiziger Schlaufuchs, isst unter der Woche gar nichts, schlägt nur noch montags zur Sendung zu und lässt dabei immer schön das Fernsehen zahlen. Anders sind die georderten Mengen nicht mehr zu erklären. ;-) Als Ouvertüre kommen heute die viel gepriesene Lasagne Hollo Bollo (küchenintern auch “Lasibollo” genannt) und ein Hexensalat. Während Rach sich noch weitere Wünsche überlegt, verschwindet der Oberhexer Windmöller schon mal in seiner Hexenküche und beginnt mit der Zubereitung. Was Rach – im Gegensatz zur Stimme aus dem Off – nicht mitbekommt, ist die besondere Art, wie hier gekocht wird: Windmöller schüttet auf alle Speisen literweise Sauce Hollandaise aus dem Tetrapak. Offenbar ist diese kalorienträchtige Methode im “Hexenhäuschen” schon immer gängige Praxis, behauptet der Off-Mensch. Hmmm, kurz mal reflektiert: Logisch, Gäste, die so etwas jahrelang in sich hineinschaufeln, bleiben zwangsläufig irgendwann mal aus, wenn sie nämlich wegen Herzverfettung der Sensenmann geholt hat.

    Rach beäugt stirnrunzelnd die ersten hereinbrechenden Speisen, die komplett in der gelben Sauce verschwunden sind, bestellt aber todesmutig weitere Köstlichkeiten: Hollo-Töpfchen, Jägerschnitzel und diverse Wraps. Als der Hollo-Topf kommt, ist er kurzzeitig fassungslos, denn dabei handelt es sich tatsächlich um einen mittelgroßen Topf warmer Sauce Hollandaise mit Kelle darin und dazu ein paar Brötchen, sonst nichts. Herzlichen Glückwunsch, mit dieser Kalorienbombe wandelt Windmöller klar im gastronomischen Niemandsland zwischen Frittenbude und Körperverletzung. Auch das Jägerschnitzel spottet jeder ordentlichen Beschreibung, die zugehörigen Champignons kommen aus der Dose, die Bratkartoffeln aus der Tüte. Rach erkennt das mit einem Blick am gleichmäßigen Schnitt der Kartoffelscheiben, der Hexer windet sich mit Ausreden heraus, aber erfolglos. Auch die Pilze sind sekundenschnell entlarvt und dann hält auch das Schnitzel dem kritischen Auge des Sternekochs nicht mehr stand: Es ist nur Formfleisch, die fehlenden Sehnen haben es verraten!

    Rach spürt die verheerende Wirkung der Überdosis Sauce Hollandaise, er fängt zwischen den Menügängen an zu rappen und quatscht Windmöller seltsam von der Seite an: “Kennst Du eigentlich das Hollo-Deck auf der Enterprise?”, will er wissen. Dann widmet er sich wieder dem Essen. Jetzt seziert er die Weizentortillas, die enttäuschenderweise ohne die Sauce Hollandaise auskommen müssen – die Packung ist wohl gerade alle. Einer alten RTL-Tradition folgend, nimmt Super-Chrischan den fast ungegessenen Teller mit der Hollo-Bollo-Lasagne, verlangt etwas lallig das Rezept (worauf er und der Wirt zusammen surreal lachen) und trägt das Zeug zurück in die Hollo-Abfüllstation des Etablissements. Die Küche des “Hexenhäuschens” ist schnell erkundet, ich kenne Gästeklos, die größer sind. Der Hamburger scheint unsicher, ob das ganze überhaupt in seine Sendung passt, im engeren Sinne fehlt “Rach, dem Restauranttester” hier das Restaurant - eigentlich ist das nur eine Kneipe mit Tütensoße. Für heute Abend hat er genug gesehen und gegessen. Der Sternekoch macht den Abgang und wird sich im Hotel vermutlich erstmal so richtig gemütlich übergeben.

    Am nächsten Morgen wirkt das Hollo-Bollo-Trauma noch nach, Rach ist böse vergnaddelt und besieht sich bei Tage die Passage, in der das Hexenhäuschen untergebracht ist. Genau genommen gibt es da gar kein Tageslicht und Passanten kommen auch nicht viele vorbei. Ist vielleicht auch besser bei der Küche… Rach reagiert erstmal seinen verstimmten Magen an Windmöller ab: So viel Fertigprodukte (100%) habe er noch in keinem Betrieb gesehen, das habe aber auch gar nichts mit Kochen zu tun, nicht mal “Null Komma Null Null Null Prozent”. Rach meckert über die bunkerartige Lage des Hexenhäuschens, ohne Tageslicht im Inneren einer dunklen Passage, findet die Dart-Apparate mitten im Schankraum problematisch (Windmöller stimmt zu) und begreift so langsam, welche Herausforderung dieser völlig vermurkste Laden darstellt. Tja, ist nichts mit der leicht verdienten RTL-Kohle, diesmal muss selbst der Meister tief in die Ideenschublade greifen. “Lage, Küche, Ambiente, Einrichtung… hier stimmt im Grunde gar nichts”, souffliert die RTL-Stimme haufenweise Gründe für eine ausgewachsene Depression. Vermutlich hat Rach intern schon die Sprengung des ganzen Wohnblocks ins Kalkül gezogen, aber das gibt sein Budget wohl nicht her.

    Die traditionelle Küchenbesichtigung ist im Hexenhäuschen schnell erledigt. Die garagengroße Küche ist sauber, wird ja aber auch kaum als solche gebraucht, sondern dient nur zum Aufreißen und Zusammenkippen von Tüten- und Doseninhalten. Im kleinen Lagerraum findet Rach eine Batterie von Sauce-Hollandaise-Tetrapaks und einen Haufen Bolognese-Tüten. “Selbst das Hackfleisch ist hier Fleischersatz, gibt es bei Euch überhaupt IRGENDWAS Frisches?”, will er wissen, kennt die Antwort aber wohl schon… Ansonsten verfällt er in tiefes Grübeln, will sich erst mal die Stadt Lengerich zeigen lassen, um zu sehen, was es dort gibt und wo vielleicht Nischen bestehen, die Windmöller mit seinem Soßenbunker erobern könnte. Gibt es aber nicht, bessere Restaurants als das Hexenhäuschen finden sich in der Stadt in Hülle und Fülle. Rach trommelt die gesamte Belegschaft zusammen, fragt hier nach Ideen für neue Gerichte und bekommt immer wieder seine Befürchtung bestätigt: Egal, was er macht, aber ohne Hollo-Bollo geht es absolut nicht.

    Nach vier depressiven Tagen in Lengerich kommt Meisterkoch Rach die Erleuchtung: Das Hexenhäuschen ist kein Restaurant und wird auch nie eines werden, lasst uns eine Kneipe daraus machen, in der der Spaß regiert. Thomas Windmöller muss wohl oder übel mitspielen, denn ihm bleiben nur noch drei Tage, dann ist der RTL-gesponserte Gastropapst wieder weg. Zusammen steigen Thomas und sein Gast aus Hamburg in den Windmöllerschen Keller und fördern Kitsch ohne Ende zutage, u.a. grässliche Ölschinken à la “Röhrender Hirsch”, Hexen-Stehrumchen und eine Art künstlichen Kamin mit Feuerimitation aus Plastik.

    Christian Rach, eigentlich weltweit als Feind von Deko und Nippes bekannt, macht aus dem bisher sehr kahlen und altmodischen Schuppen ein konsequent überzuckertes Retro-Lokal mit Kult-Charakter. Höchstselbst schwingt der Meister den Pinsel und übermalt eine fies orange Wand mit knall-laubfroschgrüner Farbe. Und damit es schön kultig bleibt, erlaubt Rach auch weiterhin die Herstellung von Hollo-Bollo und anderen Lebensmittel-Persiflagen. Er stellt sogar eine Packung Hollandaise-Schlotze auf einen kleinen Sockel an der Wand, links und rechts je eine Kerze, quasi als Altar im Soßentempel.

    Die von RTL gemieteten Eröffnungs”kunden” bevölkern am letzten Tag in großer Zahl das neu erstandene Etablissement, kosten auch mal von den leckeren Rumpsteaks à la Rach, bestellen aber doch überwiegend die Cholesterinbomben mit gelber Tunke. Rach ist irgendwie zufrieden mit sich, kann auch gut mit dem jetzt fröhlich wirkenden Besitzer und verspricht, sich in ein paar Wochen den Laden nochmal anzusehen. Ohne eine abschließenden Portion Hollo-Bollo entschwindet der Meister gen Hamburg.

    Nach sieben Wochen ist er wieder da, alles hat sich prächtig entwickelt, Windmöller spricht sogar von einer hundertprozentigen Umsatzsteigerung seit Rachs Einsatz. Tatsächlich sitzt trotz der frühen Tageszeit schon eine ganze Reihe (freiwilliger?) Gäste im Lokal. Neben Hollo-Bollo ist in der Speisekarte jetzt auch eine “Frikadelle mit Loch” aufgetaucht, angeblich wird die im Hexenhäuschen sogar selbst hergestellt, behauptet der Wirt. Einen neuen Pizzaofen hat er auch, in der Küche wirbelt die Köchin geschäftig hin und her und gießt gerade gelbe Soße auf eine fertige “Pizza mit Gyros und Hollo” (!). Rach ist zufrieden, so hat er es sich in seinen kühnsten Hollo-Bollo-Alpträumen wohl vorgestellt, gibt Windmöller einen Kuss auf die Backe und schwadroniert vor der Kamera noch etwas über seine tolle Idee mit dem Soßenkult.

    Eine etwas ungewöhnliche Folge, weil sie fast gar nicht in der Küche spielt und kaum richtiges Essen darin vorkommt. Aber ganz ehrlich gesagt, wenn ich mir die Online-Speisekarte des Hexenhäuschens so durchlese, kriege ich direkt Hunger auf eine Gyrostasche mit Hollo. Schade, dass ich nicht in Lengerich wohne…

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    Posted by TV-Glotzer @ 11:57 pm

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  • 3 Responses

    WP_Modern_Notepad
    • XY Says:

      Ein sehr guter Artikel.
      Mir war langweilig im Job und habe nach “Hollo Bollo” gesurft, da wir uns im Kollegenkreis gerad über Herrn Rach unterhielten.
      Und siehe da, diese kleine, niedliche Text.
      Sie schreiben sehr gut.

    • Thomas Windmöller Says:

      Vielen Dank für die lustige kommentierung meiner Sendung ich denke ich werde es ausdrucken und bei mir in den Laden hängen .Wenn Ihr mögt kommt doch mal rin wenn Ihr in der Gegend seit viele Grüße und ein kräftiges Hollo Bollo euer Thomas

    • Frank Furt Says:

      “Rach ist offenbar ein geiziger Schlaufuchs, isst unter der Woche gar nichts, schlägt nur noch montags zur Sendung zu und lässt dabei immer schön das Fernsehen zahlen. Anders sind die georderten Mengen nicht mehr zu erklären. ”

      Trotz Smilie – das machen alle Restauranttester so. Wie willst Du denn sonst einen Überblick über die Qualität der Speisen bekommen? Außerdem ist Rach nicht so doof und isst diesen Mansch auch komplett auf.

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