• DSDS (RTL) 28.02.2010 1 Comment

    Samstagabend in Deutschland. Im ZDF zelebriert Thomas Gottschalk mit “Wetten, dass???” wie seit gefühlten hundert Jahren das televisionäre Hochamt der Kuckident-Generation. Den demografischen Gegenpol besetzt auch heute wieder Dieter Bohlens – in den letzten Jahren meist vergebliche – Suche nach dem Superstar. Aus ursprünglich 35.000 Bewerbern sind mittlerweile nur noch neun geworden, davon lediglich zwei Frauen. Wir sind mal gespannt, ob heute wieder eine von ihnen daran glauben muss. Wenn man ihre Leistungen der letzten Wochen ins Kalkül zieht, eine nicht völlig unberechtigte Ahnung.

    Übrigens geht es in der heutigen zweiten Mottoshow um das Thema “Die größten Pop-Hymnen aller Zeiten”. Nach dem pompösen Einzug der Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kommen auch in dieser Woche die Kandidaten mit einem gemeinsamen Lied in die Halle. Heute gibt es aus den mittlerweile “goldenen” 80ern den Kracher “The Final Countdown” von Europe . Das Stück ist 24 Jahre alt und und damit älter als viele der Kandidaten.

    Das Los für den ersten Auftritt ist auf den “Checker” Thomas Karaoglan gefallen. Der mag sich offensichtlich noch immer sehr und wenn es möglich wäre, hätte er sich bestimmt auch schon längst selbst geheiratet. Das geht aber nicht so einfach, denn erstens ist er erst 16 und würde zur Eheschließung die Genehmigung seiner Eltern benötigen und zweitens ist die katholische Kirche dagegen, glaube ich. Thomas singt heute “Looking for Freedom” des ebenfalls an erheblicher Selbstüberschätzung leidenden David Hasselhoff. (Allen Ernstes behauptete letzterer auch in nüchternem Zustand, mit ebendiesem Song zum Fall der Mauer Anno 1989 beigetragen zu haben!) Der “Checker” fährt zu Beginn seines auch ansonsten recht ordentlichen Auftritts mit einem Kettcar auf die Bühne. Die Jury fühlt sich gut unterhalten und attestiert dem jüngsten und kleinsten Teilnehmer eine achtbare Leistung, nicht zuletzt wegen seiner auch unter der Woche vorbildlichen Disziplin. Das ist ein Thema, wo Bohlen wohl durch die Eskapaden seines Ex-Modern-Talking-Partners Thomas Anders und dessen Überfreundin Nora heftig traumatisiert wurde und deswegen keine Spaß versteht.

    Kim Debkowski kommt heute verkleidet als Zirkusdirektorin mit Glitzerjacke und riesigem Zylinder auf dem Kopf. Dass sie auch diesmal wieder völlig überschminkt ist, muss schon gar nicht mehr erwähnt werden. Sie bringt “Fame” von Irene Kara, allerdings ist ihr Gesang m.E. eher nicht so berühmt. Hier und da schrabbelt sie knapp am richtigen Ton vorbei und glänzen tun eigentlich nur ihre Klamotten. Die Jury ist sich bei ihr ziemlich uneins: Während Volker und Nina sie loben, rügt Dieter – zu Recht – die falschen Töne und sagt ihr den baldigen Untergang voraus. Sein Vergleich von Kims Auftritt mit der Trunkenheitsfahrt von Bischöfin Käßmann scheint mir allerdings selbst für Dieters Verhältnisse ein bisschen weit hergeholt zu sein, aber ganz offensichtlich genießt er die Buhrufe und das Pfeifkonzert, das er damit auslöst.

    Startnummer Drei ist Mehrzad Marashi, der in seinem Einspieler über seinen guten Draht zu Mitbewerber Menowin und über eine längst verjährte Messerstecherei berichtet. Mehrzad liefert seinen Song “One” von U2 auf der tiefblau ausgeleuchteten Bühne wie gewohnt absolut professionell ab, auch wenn ich seinen hellen Hut irgendwie komisch finde. Dieter lobt den in sich ruhenden Mehrzad, wünscht sich aber zukünftig ein bisschen mehr Emotionen. Die Restjury stimmt ihm natürlich zu – wie ungewöhnlich.

    Jetzt kommen wir mal zu einem interessanten Einspielfilmchen, in dem Manuel Hoffmanns Oma das Sagen hat. Sie findet, ihr Enkel bewege sich bei DSDS zu wenig, um nicht zu sagen überhaupt nicht. Das sei so gar nicht authentisch, denn der “richtige” Manuel bewege sich im echten Leben sehr viel, sagt die Oma. RTL ist sich ja für keinen Gag zu schade und fliegt die rüstige Dame zu Manuels Probe nach Köln ein, bei der sie ihn direkt auf der Bühne überrascht. Recht resolut erklärt ihm die 73jährige, wie er beim nächsten Auftritt auf das Publikum zugehen solle, wie er seine Arme zu bewegen habe und überhaupt, dass er sich nicht so anstellen solle. Danach steigt sie mit ihrem Enkel in den RTL-Klamottenfundus und sucht ihm für die zweite Mottoshow ein auffällig schwarz-weiß kariertes Jackett aus.

    So lustig auch die Geschichte von der Oma als Coach ist, so blöd finde ich Manuels musikalische Auswahl: Er singt den pathetischen Soundtrack zum Mauerfall “Wind of Change” von den Scorpions. Ich habe das Stück irgendwie schon immer gehasst, es ist so durch und durch betroffen und nimmt sich selbst scheinbar fürchterlich ernst. Wenn ich schon das dämliche Gepfeife am Anfang höre und dann noch die nölige Stimme des mützentragenden Leadsängers Klaus Meine… Aber das ist natürlich Geschmackssache, andere finden es offenbar gut.

    Manuel hat sich für seinen Auftritt tatsächlich weitgehend an die Anweisungen der Oma gehalten und trägt zum schwarz-weiß kariert Jackett auch  noch einen ebensolchen Schlips. Er geht während des Lieds auf der Bühne mal an den Rand, dann zur Band und singt dabei völlig sicher. RTL überzuckert das alles wie gehabt und blendet im Hintergrund passend und ganz staatstragend das Brandenburger Tor ein. Die Jury ist verhalten zufrieden, vermisst aber auch in dieser Woche “den besonderen Aha-Effekt” bei Manuel. Seine vorher gezeigte Oma wird dagegen einhellig gelobt.

    Jetzt kommt Ines Redjeb mit “What a Feeling” von Irene Cara (schon der zweite Titel dieser Künstlerin heute Abend). Ines singt anfänglich wirklich schräg, auch wenn sie das hinterher nicht wahrhaben will. Dafür kann sie optisch mal wieder überzeugen, kommt zwar im Blaumann auf die Bühne, entledigt sich Jacke und Latzhose aber erfreulich schnell und trägt darunter ein gut zu ihrer Figur passendes kurzes rotes Kleid. Mit dem Klamottenwechsel wird auch ihr Gesang besser, wenn auch noch nicht gut. Dieter gräbt im Giftschrank seiner Erinnerungen eine angebliche Bettgeschichte mit Irene Cara aus. Die habe er in Los Angeles mal mit ziemlich viel Champagner besoffen gemacht – wohl, damit sie mit auf sein Zimmer kommt – und trotz Alkohol habe sie das Lied “What a Feeling” bei dieser Gelegenheit tausendmal besser gesungen, als Ines jetzt gerade eben. Das Publikum im Rücken des Poptitanen buht und pfeift, während der unter dem Jurytisch eine Flasche Champagner hervorholt und als Erinnerung an seine gerade gehörte Bettgeschichte Ines überreicht. Total unpassende Aktion und die Beschenkte hat auch ein fettes Fragezeichen im Gesicht: “Danke, aber ich trinke keinen Alkohol”. Nina hat offensichtlich vorher mal an der Flasche genippt, denn sie faselt bloß etwas von dem Tänzer, der im Hintergrund von Ines herumgehüpft war und von dem Bühnenbild und, und, und. Volker druckst etwas herum und resümiert dann doch in Dieters Sinne: “Das war tonal keine Sternstunde”. Ja, das trifft heute gleich für mehrere Kandidaten zu, ganz besonders für den nächsten…

    … denn jetzt kommt der Liebling der pubertierenden Mädchen, Marcel Pluschke, allgemein und treffend “Plüschi” gerufen. Moderator Marco Schreyl verarscht den Kleinen nach Strich und Faden und verschenkt die DSDS-Hochglanz-Klatschgazette an eine im Publikum sitzende Saskia, die sich als Pluschke-Fan outet und dem Centerfold-Poster ihres Lieblings vor laufender Kamera einen dicken Schmatz verpasst. Jaja, sie werde das Bild in der Nähe ihres Bettes aufhängen, erklärt sie unumwunden und unter dem allgemeinen Gelächter des Publikums. Der Einspieler ist nicht minder peinlich, denn der “Checker” behauptet darin frech, er habe Marcel in puncto Selbstvertrauen viel beigebracht und sei ganz zufrieden mit seinem Schüler. Plüschi selbst erzählt darin, er habe sich etwas in Saskia verguckt, die habe nämlich beim letzten Auftritt seine Idiotenmütze gefangen… Mutter Pluschke gibt dann dazu auch noch ihren Segen, die Saskia sei eine ganz Nette – und mir kommt die Kotze hoch. Unromantischer als eine von RTL öffentlich inszenierte Verbandelung mit der Aussicht, sein erstes Mal in Gegenwart von 10 Millionen feixenden Zuschauern haben zu dürfen, geht es ja wohl nicht mehr.

    Mit solchen oder ähnlichen Gedanken im Hinterkopf fällt die Konzentration auf wichtigere Dinge natürlich schwer. Das erleben wir gleich bei Marcels Darbietung von Opus “Live is Life”, das ich übrigens auch schon immer gehasst habe, genau wie “Wind of Change”. Der naiv-arglose Blondschopf tritt im Tankwart-Look mit Latzhose und Unterhemd auf und erlebt heute einen rabenschwarzen Tag: Er setzt nach dem ersten Refrain zu früh mit der Strophe ein, stutzt, hört auf zu singen, setzt dann wieder ein, allerdings mit dem falschen Text, stutzt und findet erst dann den richtigen Einstieg. So einen Laien-Karaoke-Moment habe ich trotz jahrzehntelangem DSDS-Konsum noch in keinem Auftritt einer Mottoshow in irgendeiner Staffel jemals erlebt.  Und das bei einem Lied, dessen grenzdebiler Text vor allem aus “Na na na na na” besteht! Was man Plüschi aber zugute halten muss, ist, dass er sich wieder fängt und das Lied ordentlich zu Ende singt.

    Das zu erwartende Donnerwetter findet nicht statt. Volker traut sich nicht, etwas gegen Plüschi zu sagen (”Ich mag sehr gern Kaninchen essen, aber ich könnte es niemals schlachten, weil es so niedlich ist.), Nina tröstet den Kandidaten, so etwas könne mal vorkommen und sei kein Beinbruch und vielleicht sei er ja auch verliebt. Dieter ist ja sowieso mittlerweile so etwas wie Plüschis Patenonkel und erzählt zur Beruhigung der Gemüter die Geschichte, wie Thomas Anders bei Modern Talking mal bei einem Auftritt das Mikrofon hat fallen lassen und deshalb jeder mitkriegte, dass der Gesang Vollplayback war. Und überhaupt, gesanglich sei Marcel gar nicht mal so schlecht gewesen, besonders das “Na na na na na” habe er gut hingekriegt. Also ehrlich, für Marcel gelten offenbar andere Spielregeln, der könnte auch einfach “Alle meine Entchen” auf zwei Fingern pfeifen und Dieter fände es genial. Die Plüschi-Show geht sogar noch etwas weiter, denn Marco zwingt Marcel und Saskia, sich zum Essengehen zu verabreden. In der nächsten Show soll dann Vollzug gemeldet werden. Kotz-würg-spotz!!!

    Der Auftritt von Nelson Sangaré verläuft dagegen geradezu unspektakulär. Im Einspieler labert er etwas über gesunde Ernährung und Fitness und wie ihm die Zitterpartie der letzten Show zu schaffen gemacht hat. Seine Mutter hat übrigens immer noch keinen Bock, sich Sohnemanns Gesang live anzusehen, dabei hätte sich das auch in dieser Woche wieder sehr gelohnt. Er singt eine etwas angejazzte Interpretation von Louis Armstrongs “What a wonderful World”. Ich fand, das war das absolute Highlight dieser Sendung, aber offenbar bin ich unmusikalisch, denn die Jury ist unisono enttäuscht. Der Titel habe nicht zu ihm gepasst, sei viel zu langsam, sein Typ passe besser zu aktuellen Titeln. Tja, das ist natürlich doof bei dem vorgegebenen Showmotto, da scheiden ja eigentlich aktuelle Songs aus, oder?! Etwas angeschlagen, mit gesenktem Kopf, schleicht Nelson zurück zur Kandidatenbank.

    Kurz vor Schluss kommt Menowin Fröhlich, der im Einspieler überraschend gesteht, mit seinen gerade 22 Jahren nicht erst ein, wie bisher immer behauptet, sondern bereits drei Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Ein knallhart recherchierendes Blatt der Regenwurmpresse hat es wohl herausbekommen und nun kann er es nicht mehr leugnen. Mal sehen, wie viele Kinder er dann bis zum Finale hat… Papa Menowin singt heute ein Lied, das mir im Traum nicht eingefallen wäre, nämlich das gern zu Weihnachten aus der Mottenkiste geholte “We are the World” von USA for Africa. Na gut, technisch ist der Auftritt fehlerlos, aber ansonsten bleibt er damit weit unter seinen Möglichkeiten. Trotzdem bejubeln seine fanatischen Anhänger jeden seiner Schritte auf der Bühne, als betrete er gerade als erster Mensch den Mond. Und getanzt wird heute schon gar nicht! Aber ähnlich wie bei Plüschi, kann auch Menowin machen, was er will, es wird ihm von der Jury immer als genial ausgelegt. Dieter steht sogar auf und schüttelt dem Kandidaten persönliche die Hand. Seine Lobeshymne ist im allgemeinen Gekreische der Fans kaum zu verstehen und Onkel Dieter muss kurz böse werden: “HALT DOCH MAL DIE FRESSE, MENSCH!!!”, brüllt er unbeherrscht das Publikum an. Nina und Volker fallen keine neuen Superlative mehr ein und sie können nur ergeben zu Dieters Worten nicken.

    Den Ausputzer macht Helmut Orosz, den ich immer noch nicht mag mit seinem dauernden Posieren. In Ermangelung einer sinnvollen Homestory sucht “Helle” in seinem Einspieler seit einer Woche nach einer Traumfrau. Irgendwo hat RTL eine Freiwillige aufgetrieben und diese Jessika genannte Frau steht denn heute auch im Publikum und feuert ihren zukünftigen Freund an. Was denn an Helmut so toll sei, möchte Marco von ihr wissen. “Sein strahlendes Lächeln und… sein strahlendes Lächeln.”, gibt sie schlau zurück. Super, die beiden passen perfekt zusammen! Passen tut auch der Song, den Helmut heute singt: “It’s my Life” von Bon Jovi. Er tritt in Lederklamotten auf und kann bei andauerndem Grinsen wieder sein gesamtes Posing-Programm durchlaufen lassen. Bedauerlicherweise gefällt der Auftritt der Jury, damit sei Helmut nach der Wackelnummer von letzter Woche wieder voll im Rennen. Mist.

    Das waren die Auftritte, nun müssen wir eine Stunde lang wieder verfilmte Baldriantabletten ertragen, denen RTL scheinheilig das Etikett “Humor” aufgeklebt hat. Ihre Existenz verdanken diese völlig niveaufreien Beiträge einzig und allein der Tatsache, dass hinterher die DSDS-Ergebnisse kommen, freiwillig würde sich diese Grütze doch kein normaler Mensch antun.

    Wer bei dem sog. “Humor” nicht aufgegeben oder umgeschaltet hat oder eingeschlafen ist, darf als Belohnung den zweiten und wichtigeren Teil von “Deutschland sucht den Superstar” erleben. Ich mache es als Service mal wieder kurz: In die Zitterpartie müssen Kim, Ines, Marcel und Nelson. Und dann fliegt am Ende “Plüschi” Marcel raus. Das geht meines Erachtens angesichts seiner desaströsen Leistung heute in Ordnung. Nichts wird’s also mit der spannenden Frage, ob er mit Saskia zusammenkommt. Wir müssen irgendwie versuchen, mit der Ungewissheit zu leben, auch wenn es schwer fällt. ;-)

    Tschüss für heute, man liest sich nächste Woche!

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  • Die heutige Folge vom restauranttestenden Christian Rach führt eine Tradition der vorherigen Staffeln fort: Der Sternekoch bearbeitet diesmal keinen neuen Fall, sondern besucht ein paar seiner früheren Kunden und guckt, ob sie seine Rosskur überlebt haben und wenn ja, was aus ihnen geworden ist. Das ist aus Sicht von RTL eine günstige Sache, denn die Sendung besteht überwiegend aus hektisch geschnittenen Rückblenden und jeweils nur ein paar kurzen aktuellen Szenen.

    Die erste Station der Rach’schen Erinnerungstour ist das “Alte Kloster” in Gelsenkirchen. Hier herrscht ein gewisser Herr Plinge als Geschäftsführer über ein Etablissement, das aussieht wie ein großer Schnellimbiss, aber gern ein Restaurant sein möchte. Plinge hat mal in Paris gearbeitet und hängt irgendwie an dem überzogenen Anspruch, in seiner Frittenbraterei französische Küche anbieten zu wollen (z.B. gibt Champagner für 99,- Euro pro Flasche!). Tatsächlich serviert man hier aber nur dürftige Fertigkost, von der Küchencrew lieblos zusammengepanscht nach Bauanleitungen vom Beinahe-Meisterkoch Plinge. Christian Rach zwingt den Geschäftsführer, selbst mal von dem gerade servierten zähen Stück Kabeljau zu probieren, der verzieht den Mund und behauptet, seine Mitarbeiter seien daran schuld. Der Sternekoch besichtigt die Küche, ekelt sich über Dreck, Essensreste und altes Fritteusenfett, findet ein paar Blätter mit Soßen-Bauanleitungen und will nun das Übel an der Wurzel packen. Das Hauptübel scheint allerdings der verhärmt wirkende Geschäftsführer selbst zu sein, der bei allen gezeigten Ausschnitten nur schlecht gelaunt in der Gegend herummisanthropiert und für den “Mitarbeiterführung” offenbar ein Fremdwort ist.

    Der Gutmensch aus Hamburg organisiert ein paar Pötte weiße Farbe und ganz viel Spülmittel und rückt dann mit der ganzen Belegschaft dem Dreck zu Leibe. Einzig Geschäftsführer Plinge steht teilnahmslos daneben und weiß nicht, was er tun soll. Das scheint symptomatisch zu sein, wie auch die nächste Szene zeigt: Es ist der Tag der Wiedereröffnung und Rach ist schwer enttäuscht, den Plinge missachtet nicht nur sämtliche Kochtipps des Hamburgers, sondern torpediert auch aktiv dessen Plan, draußen in der Fußgängerzone kleine Häppchen als Werbung für das “Alte Kloster” zu verteilen. Am liebsten soll alles so bleiben, wie es vorher war. Warum man dafür extra den Sternekoch bemühen musste, bleibt mir allerdings schleierhaft.

    Wenig überraschend ist dann das Ergebnis von Rachs Besuch etwa ein Jahr später: Plinge und sein unseliger Laden sind längst Geschichte, am selben Ort ist ein neues “Altes Kloster” unter anderer Leitung, mit neuem Konzept und mit einer völlig neuen Inneneinrichtung – schade um die von RTL gestiftete weiße Farbe…

    Der nächste Fall spielt in Brühl bei Heidelberg im Restaurant “Entenjakob”. Den Laden hatten wir damals hier in Mülltv schon besprochen, nun ist die Sache schon bald ein Jahr her und Rach will sehen, was weiter passiert ist. Der “Entenjakob” gehört Klaus und Gabriele Herm, die das Lokal seit vier Jahren mit schnell nachlassendem Erfolg betreiben und in ihrer Not nun RTL zu Hilfe gerufen haben. Sternekoch Christian Rach kommt vorbei und riskiert mal wieder Geschmackssinn und Gesundheit und tritt zum Selbstversuch an. Der ergibt auch schnell einen Anhaltspunkt für die Misere: Abgesehen davon, dass der Hamburger eh schon grantelt, weil es im “Entenjakob” nur Ente auf Vorbestellung gibt, schmecken ihm die ersatzweise aufgefahrenen Speisen nicht besonders. Das Ambiente passt ihm auch nicht, der Zaun ist zu hoch, wirkt wie ein Gefängnis. Rach spendiert einen Kamin für den Gastraum und einen Konvektomaten für die Küche, stutzt den Zaun und kreiert neue Gerichte – natürlich mit Entenbeteiligung. Die obligatorische Wiedereröffnung nach dem Umbau wird, wie immer, ein voller Erfolg und die als Gästeimitation eingeflogene Laienschauspielertruppe verbreitet gute Laune. Es hagelt Bestellungen und Anerkennung insbesondere für die neuen Entenmenüs, was Rach natürlich mit Befriedigung zur Kenntnis nimmt. Die vorher völlig verzweifelten Wirtsleute sind dem großen Kollegen aus Hamburg unendlich dankbar.

    Zehn Monate später ist die Stimmung immer noch euphorisch, der von Rach ausgelöste Boom ist geblieben, die Enten gehen weg wie “geschnitten Brot”, der “Entenjakob” ist aus der Krise und jedes weitere Wort wäre hier zu viel…

    Nun kommt die Werbepause mit dem allseits beliebten Gewinnspiel für Leute mit einem IQ über 130. Für die korrekte Antwort auf folgende, mir unlösbar scheinende, Frage rückt das Fernsehen tatsächlich 3.000 Euro raus: “Ein beliebtes Nudelgericht ist Spaghetti… a) Bolognese   b) Blankenese”. Aus dem Festnetz kostet ein Anruf 50 Cent, d.h. ab dem sechstausendsten Anrufer ist RTL in der Gewinnzone. Aber herrjemine, wo sollen denn so plötzlich 6.000 Anrufer herkommen, glauben die Fernsehleute etwa, heute Abend gucken nur Professoren und Nobelpreisträger zu? Wer sonst sollte denn so eine komplizierte Frage beantworten können???

    Ich bin wegen des Gewinnspiels noch ganz außer mir, da beginnt schon Fall Nummer 3. Der führt Christian Rach in ein Restaurant mit dem mystischen Namen “versunkene Glocke” in die aus Wende-Zeiten bekannte Stadt Wandlitz bei Berlin. (Soweit ich memoriere, wohnten hier mal die DDR-Bonzen in einem von der sozialistischen Außenwelt abgeschotteten piefigem Feriendorf.) Die “versunkene Glocke” ist ein Ausflugslokal im Grünen und wird von Vater Wolfgang und Sohn Martin Rakitin in Stil einer Männer-WG geführt. Alles ist ungepflegt, überall liegt Gerümpel herum, es sifft, mieft und fault und vermittelt insgesamt den Eindruck einer Müllhalde. “Im Prinzip müsste man ‘ne Abrissbirne nehmen und das Ding platt machen.”, ist Rachs gnadenloses Fazit. Leider gilt das auch für die Küche, der offenbar schon seit Jahren eine dringende Grundreinigung fehlt.

    Rach organisiert ein heftiges Großreinemachen, wobei Seniorchef Wolfgang durch kontinuierliches Nichtstun und In-der-Gegend-herumstehen negativ auffällt. Das setzt sich auch bei der Wiedereröffnung der “versunkenen Glocke” fort: Als Sternbesitzer Rach mitten im Akkordkochen für die offenbar wieder zahlreichen Gäste mal einen gehetzten Blick aus dem Fenster wirft, sieht er Wolfgang draußen in aller Gemütsruhe beim Lustwandeln im ungepflegten Garten und kriegt deswegen die Pimpernellen. Das schändliche Tun ahndet Rach mit ein paar üblen Verwünschungen direkt in die Kamera. Einziger Lichtblick ist heute Sohn Martin, der sich in der Küche bewährt.

    Ein Jahr später ist Chefvisite in der Männerwirtschaft. Das Geschäft läuft inzwischen tatsächlich besser, der Sommer brachte lt. Rakitin Senior und Junior gute Umsätze, die Schulden sind bezahlt. Zwar ist mittlerweile wieder etwas die Flaute ausgebrochen, aber für richtigen Pessimismus ist es wohl noch zu früh.

    Auch der nächste Fall spielt in der Ehemaligen, nämlich in Güstrow. Hier gab es bei Rachs erstem Besuch ein Eiscafé mit Behelfsküche und dem saukomischen Namen “Eisheidi”. Besitzerin Heidi Hamel pflegte damals selbst vor der Kamera einen rüden Umgangston mit ihren Gästen und Angestellten. Immerhin verprügelte die Kratzbürste ihre Kunden während der Bestellung nicht, aber das war an Service auch schon so ziemlich alles. Die Beziehung von Rach und Heidi beginnt sogleich mit Spannungen, denn der Hamburger korrigiert ihre falsche Aussprache von “Expresso”. Rach sitzt an einem klapperigen Campingtisch draußen in der Fußgängerzone vor dem Eiscafé (!) und ordert Bratkartoffeln mit Leber, zwar eine “Gaga-Bestellung”, wie er findet, aber komischerweise schmeckt es ihm. Während die Tische draußen gut frequentiert werden, herrscht drinnen im Laden tote Hose, ein Ambiente wie im Krematorium. Rach überzeugt die kühle Heidi davon, dass Konzept und Name geändert werden müssen.

    Gemeinsam entsorgen sie das bisherige Campingmobiliar draußen und schleppen dafür die Tische und Stühle vom Gästeraum auf die Straße. Heidi mäkelt, das passe alles nicht richtig, aber Rach lässt sich nicht beirren. Es beginnt der sendungsübliche Umbau des Etablissements, wobei die Chefin durch ausgedehnte Nichtanwesenheit glänzt. Der Sternekoch zeigt der Küchencrew ein paar neue Rezepte (u.a. Flammkuchen), spendiert eine neue Kaffeemaschine und denkt sich auch noch einen megaoriginellen neuen Namen für das Lokal aus: “Markt 7″. Die eigenwillige Heidi steht den Neuerungen durchaus kritisch gegenüber, ihre Begeisterung für Rachs Ideen beschränkt sich meist auf ein kurzes “aha!”. Das Eis schmilzt erst, als die Gäste – lt. RTL-Off-Stimme – die neuen Gerichte bestens annehmen, insbesondere der Flammkuchen geht ohne Ende.

    Der Besuch ein Jahr später offenbart die Göttlichkeit Christians Rachs, denn aus der einstigen Eisheidi ist eine glühende Verehrerin des Sternekochs geworden. Die ganze Belegschaft trägt schwarze T-Shirts mit der Aufschrift “Von Rach getestet und für gut befunden!”. Selbiger fühlt sich maßlos geschmeichelt. Der Laden läuft besonders wegen der Flammkuchen supergut, hier hat sein segensreiches Wirken wirklich Früchte getragen.

    Zum Finale fährt Christian Rach zur “Paulanerscheune” nach Nordhausen. Der Laden im bayerischen Landhausstil gehört Anett Woythe und Marcel Etzrot. Die Spezialität ist aufgetauter Mikrowellenfraß. Nichts schmeckt, alles ist hart, sauer oder schwimmt vor Fett. Rach fühlt sich in seiner Berufsehre als Koch beleidigt: “das ist nicht mal Imbiss-Niveau!” Er nimmt sich die ganze Küchenbelegschaft zur Brust und verdonnert sie zu einem intensiven mehrtägigen Strafkochen unter seinen meisterlich-strengen Augen. Es dürfen nur noch “echte” Zutaten verwendet werden. Stefan, der junge Paulanerscheunen-Koch, muss in den Garten gehen und selbst Majoran besorgen, wofür er ein Buch mit Pflanzenabbildungen dabei hat und 30 Minuten benötigt.

    Im Restaurant findet der obligatorische Umbau statt, neue Gerichte werden eingeübt und dann kommt wie immer die erfolgreiche Wiedereröffnung mit den zufriedenen Gästestatisten. 14 Monate später ist der Rach wieder da und bittet zum Rapport. Ja, es sei anfänglich gut gelaufen, erzählt Anett, aber dann sei das Gerücht aufgekommen, dass der Laden pleite sei und ab diesem Zeitpunkt liefe es nicht mehr richtig. Co-Besitzer Marcel und Küchenfee Adelheid sind über alle Berge, aber Stefan kocht weiter. Rach tröstet Anett, sie sei auf dem richtigen Weg, man müsse in der Branche einfach einen langen Atem haben. Das bestellte Essen schmeckt ihm gut, der Besuch in der Küche lässt ebenfalls hoffen und damit endet diese Folge einigermaßen optimistisch.

    Fazit: Immerhin vier von fünf Altfällen haben Rachs Besuch nicht nur ein Jahr überlebt, sondern sie gedeihen einigermaßen bis prächtig. Tusch und Fanfare!!! Eine 80-Prozent-Quote, das kann sich sehen lassen! Bin gespannt, was uns der Sternekoch in der nächsten Woche zum Abschluss dieser Staffel serviert. Hoffentlich wird endlich mal wieder richtig gekocht, Ambiente und Teambuilding war diesmal schon mehr als genug, finde ich.

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  • DSDS (RTL) 21.02.2010 No Comments

    Heute steht bei “Deutschland sucht den Superstar” die erste Mottoshow an. Das einfallsreiche Thema lautet dabei “Megahits von heute”. Bevor die Musik losgeht, muss sich aber erst mal der Chefjuror über seinen Kurzurlaub in Österreich auslassen. Dieter Bohlen hat scheinbar zum ersten Mal auf den anderen Brettern, die manchen auch die Welt bedeuten, gestanden und muss nun minutenlang darüber schwadronieren. Wir sehen in einem kleinen Einspielfilmchen, wie der aus Norddeutschland stammende Poptitan sich bei den Ösis als unfreiwilliger Schneepflug betätigt und dabei sogar den Kameramann umbrettert. Gähn, offensichtlich wird Dieters Gage nach Minuten berechnet. Und damit auch alle sehen können, was für ein geiler Macker er ist, behält er heute im Studio zunächst eine dicke Skijacke an – trotz der vermutlich erheblichen Hitze von den Scheinwerfern. Er ist und bleibt ‘ne Rampensau. (Mal eine interessante Frage: Wenn es 1975 schon DSDS gegeben hätte, ob Dieter Bohlen dann wohl – als Kandidat – daran teilgenommen hätte? Und wie weit er wohl gekommen wäre? Und wer wohl in der Jury gesessen hätte, vielleicht Heinz Schenk, Caterina Valente und Dieter Thomas Heck?)

    Endlich kommen die 10 überlebenden Kandidaten auf die Bühne und wie: Sie singen alle gemeinsam “I gotta feeling” von den Black Eyed Peas und zwar richtig gut, wie ich finde, jedenfalls die Herren der Schöpfung. Nichts zu merken von der angeblich im DSDS-Haus grassierenden Bronchitis-Epidemie. Die Mädels stinken dagegen etwas ab – so wie auch schon in den ganzen letzten Folgen.

    Wir starten heute mit Nelson Sangaré (gesprochen “Sanngaree”). Im Einspieler erzählt uns sein Vater etwas vom geringen Ansehen, das Sänger in seinem Herkunftsland Mali haben und aus diesem Grund mag Nelsons Mutter auch bislang nicht mit zur Sendung ins Studio kommen. Leute, ich ahne da am Horizont schon eine erstklassige Tränendrüsengeschichte, wenn Nelsons Mutter in einer der nächsten Shows überraschend DOCH am Rande sitzt und ihren Sohn anfeuert. Ich glaube, ich kriege schon mal vorsorglich eine Gänsehaut… Diesmal ist sie aber noch nicht da und verpasst deshalb den tollen Auftritt ihres Sohnes mit “Closer” von Ne-Yo. Nelson trägt zur neon-gelben Hose ein schwarzes T-Shirt und einen Hut, sieht damit cool aus und rockt den Saal. Die Jury ist durchweg begeistert, insbesondere Nina Eichinger attestiert ihm eine wesentlich positivere Ausstrahlung als beim letzten Mal.

    Lt. Einspieler hatte Manuel Hoffmann in der vergangenen Woche mit einer fiesen eitrigen Angina zu kämpfen, konnte sich aber rechtzeitig gegen seine Viren und Bakterien behaupten und steht heute Abend völlig genesen auf der Bühne. Seine Fans scheinen dagegen etwas krank zu sein und laufen kreischend und mit pottenhässlichen SpongeBob-Shirts durch die Gegend; angeblich mag Manuel die Schwammkopf-Serie. Er singt von Ich+Ich “Pflaster”, ist dabei stimmlich ziemlich auf der Höhe und scheint sehr sicher. Seine Choreografie ist aber noch ausbaufähig, Manuel hält sich nämlich während des gesamten Titels am Mikrofonständer fest. Dieter ist dann auch nur im Großen und Ganzen zufrieden und bemäkelt, Manuel sei für ihn der “singende Bausparvertrag”, ginge zu viel auf Nummer Sicher und müsse mehr ausflippen. Nina und Volker Neumüller sind des Lobes voll und normalerweise müsste Manuel in der nächsten Woche wieder dabei sein.

    In ihrem Einspieler sehen wir, wie sich Kim Debkowski Freunde unter ihren männlichen Kollegen macht: Im DSDS-Loft war ihr der Spiegel in ihrem Zimmer zu klein, daraufhin hat sie einfach einen Spiegel im Jungs-Trakt abmontiert, in ihre Butze verschleppt und annektiert. Das kann man irgendwie nachvollziehen, denn immerhin verbringt sie den überwiegenden Teil ihrer Lebenszeit mit der Schminkerei. Offenbar ist sie dann zwischenzeitlich auch noch mit Marcel “Plüschi” in einen Klamottenladen gegangen und hat dem leicht vertorften Landei einen großstädtischen Style verpasst – oder was sie dafür hält. Heute Abend erleben wir Kim mit “Take a Bow” von Rihanna. Das Kostüm muss man aber unbedingt mal erklären: Sie trägt heute ein silber-schwarz-gestreiftes glänzendes Kleid, Beine und Handschuhe sind leuchtend rot und auf dem Kopf hat sie so eine Art schräg sitzende Kappe mit einem spitz zulaufenden röhrenförmigen Dingsbums, das wie so ein alter Piraten-Feldstecher aussieht. Hinterher sagt sie übrigens, das sei eine Schultüte. Ich würde an ihrer Stelle jedenfalls mit dem Zeugs bei Gewitter nicht aus dem Haus gehen. Wenn Kim doch auf die Musik eben so viel Wert legen würde wie auf ihr Äußeres. Der Gesang fällt nämlich eher dürftig aus, hier und da scherbelt sie am richtigen Ton vorbei und insgesamt schwächelt die gesamte Performance. Aber Dieter, der nach wie vor in seiner blöden gefütterten Skijacke dasitzt, mag sowohl ihr Outfit als auch den Gesang und gibt damit auch für seine beiden Co-Jury-Statisten den Tenor vor.

    Als nächstes kommt Babyface Marcel Pluschke, allseits nur noch “Plüschi” genannt. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Papi Plüschke, so berichtet der Einspieler, habe in der letzten Sendung beim Auftritt seines Sohnes gleich ganze Haushaltsrollen Zewa gegen die Tränen verbraucht, mit Taschentüchern war da wohl nichts mehr zu machen! Stimmt, ich habe letztes Mal auch fast Tränen gelacht bei Marcels leicht debilem Ritt auf dem komatösen mechanischen Bullen. Überflüssigerweise interviewt Marco Schreyl vor dem Titel noch die aus der Provinz angereisten Plüschi-Fans, die man an intensiv-gelben und -grünen T-Shirts erkennt. Vernünftige Sätze kriegt der Profi-Moderator auch mit viel Nachbohren aus den Leuten nicht raus, deren Gestammel war der heutige Moment zum Fremdschämen… Marcel singt von den Sportfreunden Stiller den Titel “Kompliment”. Gesanglich geht das ja vielleicht, aber stilistisch sehr bedenklich ist seine rot-karierte Mütze mit Ohrenklappen, die ein bisschen nach Klappse aussieht. (Mich erinnert das Teil auch sehr an Monty Python’s “Holzfäller-Lied”). Gott sei Dank schmeißt er die Dunstkiepe am Ende ins Publikum. Die Jury ist durchweg zufrieden, sieht auf jeden Fall eine Steigerung zu seinen sämtlichen vorherigen Auftritten. Dieter ist inzwischen endlich seine Skijacke losgeworden und findet den Auftritt “toll und patschig”; er mag Plüschi ja sowieso bedingungslos. Mal sehen, ob die U16-Mädchen nachher auch in ausreichender Zahl für ihn anrufen.

    Steffi Landerer erklärt sich in ihrem Filmchen grundsätzlich bereit, mit ihren beiden weiterhin namenlosen “Freunden” auch für das eine oder andere Magazin zu posieren, solange die Bilder ästhetisch und niveauvoll bleiben. Und überhaupt widmet sie ihre gerade beginnende Karriere dem Kampf gegen das Vorurteil, vollbusige Blondinen müssten doof sein. Na, das hätten wir wenigstens geklärt. Steffi bringt heute “I kissed a Girl” von Katy Perry zu Gehör. Sie trägt dazu ein (natürlich) sehr enges schwarzes Kostüm mit knappem Röckchen und seeehr viel Bein. Die Blondine hüpft und wippt mit den Hüften und nach einigen Takten kommt die ganze Sache sichtlich in Schwung. Gesanglich ist das m.E. nur so lala, aber manche Leute aus der Jury haben ja Teile ihres Verstandes in die Hose outgesourct und nehmen das deswegen nicht so genau, solange wenigstens das Auge zufrieden ist. Überraschenderweise ist Bohlen mit mir einer Meinung, das war nichts, sagt er! Na, da nehme ich doch die fiese Bemerkung mit dem Outsourcing ganz schnell wieder zurück. Nina ist pathologisch harmoniebedürftig und lobt vor allem die “puffige” Garderobe, in die sich Steffi hineingezwängt hat. Volker atmet noch immer schwer und labert auch nur über ihr Outfit.

    Als Zellengenosse und Babysitter vom DSDS-Checker hat Helmut Orosz unser aller Mitgefühl verdient. Um bei dieser übermenschlichen Herausforderung nicht völlig durchzudrehen, greift er mittlerweile sogar schon zu fernöstlichen Meditationsmethoden und lässt sich dabei auch gern filmen. Wir können alle nur die Daumen drücken, dass er nicht mal irgendwann dem Checker einen Satz Ohren abpflückt, verdient hätte der das bestimmt. Helmut kündigt an, heute mal eine ganz andere, viel ruhigere Seite von sich zu offenbaren, singt dann aber doch eine Power-Ballade: “I’ll be waiting” von Lenny Kravitz. Ich fürchte, ich werde nie ein richtiger Fan von “Helle”, wie ihn seine Freunde nennen. Sein Auftritt ist m.E. mal wieder nicht authentisch, alle Bewegungen wirken wie eingeübte Posen, das Lächeln erscheint aufgesetzt, insgesamt habe ich bei ihm immer die Assoziation eines professionellen Feriendorf-Animateurs in der Nachsaison. Volker kritisiert den Kandidaten, ist enttäuscht, ihm fehle Gefühl, Helmut solle nicht alles “Kneipensong-mäßig zerschmettern”. Nina sagt ihr übliches sowohl als auch, Dieter ist ebenfalls nicht zufrieden.

    Nun kommt wieder Mehrzad Marashi, der m.E. in der aktuellen Staffel bisher die besten Leistungen gebracht hat. Echt verwunderlich, dass es RTL in seinem Einspieler überhaupt nötig hat, die sentimentale Schiene zu bedienen: Wir begleiten Mehrzad nämlich auf den Friedhof zum Grab seines im letzten Jahr verunglückten Bruders. Im Hintergrund läuft dazu John Lennons Hymne “Imagine”. Das ist doch viel zu dick aufgetragen, das hat Mehrzad mit seiner tollen Stimme eigentlich gar nicht nötig. Er singt heute “Broken Strings” von James Morrison und performt den sowieso schon tollen Hit bestens. Die Jury ist unisono begeistert.

    Der “Checker” Thomas Karaoglan scheint auch einen Haufen netter Seiten zu haben, weiß die aber gut zu verbergen. Angeblich ist er der ideale Schwiegermutter-Typ, hilft viel im Haushalt, bügelt und saugt, also Dinge, die ein wirklich cooler Junge sicherlich nicht tun würde. Für seine Sauberkeitsmacke ist das Zusammenleben mit dem eher ferkelhaft veranlagten Helmut natürlich eine echte Anfechtung. Thomas hat den Titel “Monsta” von Culcha Candela mitgebracht. Ich weiß auch nicht, wie der mir eigentlich unsympathische Typ das immer hinkriegt, aber der Auftritt ist wirklich monströs gut. Er bewegt sich lässig über die ganze Bühne, wirft sein Sakko gekonnt zur Seite, hat in seine Choreografie noch eine ihn anschmachtende Frau eingebaut, die er immer wieder antanzt, singt gut und kann dabei den komplizierten Text perfekt. Die Jury überschlägt sich vor Begeisterung. Dieter gibt seinem Affen Zucker und bekennt, den Checker selbst auch “geil” zu finden. Was kann man mehr erwarten?

    Gegen Ines Redjeb läuft in der Blöd-Zeitung eine Kampagne, angeblich war sie in der Schule mal in einer Mädchen-Gang und hat Geschlechtsgenossinnen verprügelt. Ob oder ob nicht, die Sache dürfte inzwischen wohl verjährt sein. Ines singt heute “I like” von Keri Hilson. Optisch zwar ansprechend, finde ich den Auftritt eher mittelmäßig, das Lied passt nicht, sie singt unsauber und wirkt auch noch immer unsicher. Also, ohne das Ergebnis zu kennen, tippe ich mal, das war heute ihr Abschiedslied. Die Jury scheint das genau so zu sehen.

    Die rote Laterne am Ende der Show hat heute Menowin Fröhlich. Er erzählt im Einspieler einmal mehr von der traurigen Knastzeit und wie “auf der Flucht” sein Sohn entstand und dass er mit dessen Mutter nicht mehr zusammen ist. Menowin bringt “Change” von Daniel Merriweather wie gewohnt professionell auf die Bühne, bewegt sich gut dazu und hat vor allem eine tolle Stimme. Volker und Nina sind außer sich vor Begeisterung, wissen nur nicht, wie Menowin sich jetzt noch steigern kann und Dieter akzeptiert die ihm im Einspieler angedichtete Vaterrolle für den Ex-Knastologen. Jubel allenthalben. Dieter sagt, das sei heute der beste Auftritt gewesen, sogar noch besser als der von Mehrzad. Die beiden würden vermutlich am Ende der Staffel gegeneinander antreten müssen, so wie er das sähe.

    Marco Schreyl hat offenbar zwischendurch ein paar Pillen eingeworfen, imitiert mit einem “Plopp”-Geräusch einen Pistolenknall, erklärt dies zum Startschuss für die Anrufphase und kriegt einen Lachanfall. Das Publikum lacht etwas irritiert zurück, aber der Profimoderator lässt sich nur kurz beirren und plappert dann munter weiter. Klar ist Schreyl seltsam, aber nicht viel mehr als alle anderen, die im Laufe der Sendung zu sehen waren.

    In der einen Stunde Pause bis zur Verkündung des Ergebnisses sendet RTL Kult-Comedy mit der rosa Presswurst aus Marzahn und ihren minderbegabten Kollegen. (Tolle Szenen: Cindy mischt den Wiener Opernball auf.) Für Stars dieses Formats sollte ich mir vielleicht doch so langsam mal einen 16:9-Fernseher anschaffen… :-)

    Am Ende verkündet Marco Schreyl – offenbar wieder nüchtern – in gewohnt herzinfarktfördernder Manier das Ergebnis der Zuschaueranrufe. Diesmal müssen vier Kandidaten bis zuletzt zittern: Nelson, Ines, Steffi und Helmut. Und Schluss ist heute überraschenderweise nicht für Ines, sondern für Steffi. Helmut ist von den letzten Minuten völlig verausgabt, liegt japsend am Boden und alle anderen Kollegen (außer natürlich Steffi) stapeln sich als Knäuel auf ihm. Steffi steht dabei eher bedrabbelt am Rand.

    Hmmmmm, dass die rausfliegt, hätte ich eher nicht gedacht, in der letzten Staffel hatte das intrigante blonde Gift Annemarie Eilfeld immerhin bis ins Halbfinale durchgehalten. Aber die war auch wesentlich skrupelloser als Steffi vorgegangen und hatte sich auch sofort in der Blöd-Zeitung ihrer Klamotten entledigt. Vermutlich haben die Zuschauer Steffi die Mischung aus Sexbombe und Schlaumeier (Abi-Schnitt 1,4) doch nicht ganz abgekauft. Wäre besser gewesen, sie wäre dümmer gewesen – oder hässlicher. Jaja, manchmal ist gutes Aussehen eben doch eine Belastung, wer wüsste das nicht aus eigener Erfahrung… ;-)

    Von Marco nach einem passenden Schlusswort ihrer Karriere gefragt, fällt Steffi nur das wenig damenhafte “egal, scheiß drauf!” ein. Diese erbaulichen Worte sollten wir uns bis zum nächsten Sonnabend nochmal richtig durch den Kopf gehen lassen, wenn die letzten 9 Kandidaten aufeinander treffen und es wieder heißt “Deutschland sucht den Superstar”.

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  • Während andere Jecken Karneval feiern, muss Sternekoch Christian Rach am Rosenmontag raus zu einem Einsatz: Passenderweise führt der ihn heute ins Ruhrgebiet nach Recklinghausen, in das notleidende libanesische Restaurant “Maroush”. Das im Keller gelegene Etablissement wird von einer unklaren Anzahl von Brüdern der Familie Omirate betrieben. Wer der Oberchef ist, fragt Rach und löst damit schon mal Ratlosigkeit aus: Alle sind irgendwie Boss für einen bestimmten Bereich und Entscheidungen treffen sie alle gemeinsam in einer Art demokratischen Palaver-Prozess. Hmmm, das kennt Rach normalerweise irgendwie anders.

    Wer denn der Koch sei, ist die nächste Frage. Einer der Brüder bekennt sich, hat aber zufällig gerade heute alle seine Kochutensilien irgendwie weggegeben, wie er sagt, steht stattdessen in Zivil und mit Schlabberlatschen im Laden und sucht nun auf die Schnelle wenigstens noch eine Gummischürze. Offenbar hat man den Gastropapst heute noch gar nicht erwartet – hat sein angestaubter Termin-Trick also mal wieder geklappt. Während die RTL-Redaktion im Hintergrund “das Lied der Schlümpfe” einspielt, högt sich der Hamburger und widmet sich schon mal der Speisekarte. Vorweg bestellt er sechs Vorspeisen, nämlich drei kalte und drei warme. Kurioser Stille-Post-Effekt: Bis zur Küche ist daraus eine Bestellung von jeweils vier kalten und warmen Vorspeisen geworden, die nun zwei der Omirate-Brüder etwas unorganisiert (weil ungelernt), aber sehr schnell zusammenfrickeln. Tatsächlich stehen kurz darauf sieben (und nicht sechs oder acht) Vorspeisen auf Christian Rachs Tisch, sehen lecker aus, sind es auch und beweisen damit, dass die Küche nicht das Problem des “Maroush” ist. Zur Sicherheit bestellt der Meisterkoch dann auch noch ein Kalbskotelett und eine Dorade, ist wieder begeistert und gleichzeitig frustriert, denn nun muss er tiefer in die Problemlage einsteigen. Dem geneigten Zuseher ist schon klar: Das wird heute wieder keine Koch-Sendung, sondern geht eher in Richtung Organisations- und Ambiente-Verbesserung.

    Am zweiten Tag kommt wieder die allseits beliebte Rubrik “Hausbesichtigung”; die fällt diesmal reichlich skurril aus. Rach lässt sich von den diversen Omirates alle Räumlichkeiten vorführen, stößt auf eine vollgemüllte Rumpelkammer und lacht sich dann über das so genannte Büro kaputt, eine Kleiderschrank-große Nische mit PC-Tischchen auf den nackten Fliesen. Mehrere Stapel Papiere liegen auf dem Tischchen und quellen aus einer Schublade: Das sei die Buchhaltung mit den offenen Rechnungen, erfährt der staunende Sternekoch. Nein, den Überblick habe man schon vor einiger Zeit verloren, gestehen die Omirates. In einem Seitenflur brennt kein Licht, man wisse leider nicht, warum es hier dunkel sei, erzählen die vier oder fünf oder sechs Brüder. Rach hat die Lösung nach einer halben Sekunde: In der Lampe ist keine Birne drin! Ja, an solchen Stellen können wir Normalbegabten vor dem Genie nur neidlos den Hut ziehen, der Mann ist uns einfach über…

    Schließlich erreicht die kleine Karawane die Küche; hier sieht es ziemlich spackig aus und Rach rümpft die berühmte Nase. Man habe nur gestern mal nicht geputzt, schon nach zwei Tagen sehe das immer so aus, behauptet der Koch-Bruder allen Ernstes. Das ist ganz offensichtlich eine ziemliche Untertreibung und obendrein noch reichlich dämlich, denn Rach kann man in puncto Küchendreck nichts vormachen, das ist sein Spezialgebiet. Er beginnt spontan, mit spitzen Fingern diverse vollgestaubte und fettige Gerätschaften aus den Küchenregalen zu pflücken, die eigentlich längst entsorgt oder geputzt gehören. Beim Anblick von ein paar unfachmännisch lose im Kühlschrank gelagerten Hähnchenkeulen gefriert Rach das Lachen, jetzt wird die Sache ekelig bis illegal. Er bittet die Herren kurz zum Gespräch, legt ihnen dringend nahe, mal aufzuräumen und schlägt außerdem vor, den ältesten Bruder Silat (?) ab jetzt zum Chef zu machen. Danach haut er schnell ab und lässt die Brüder allein in ihrem Chaos, genug zu tun haben sie ja jetzt.

    Als Rach am dritten Tag die orientalische Kellerhöhle betritt, sind die Brüder gerade wieder in trauter Runde am Palavern. Jaja, sauber gemacht hätten sie jetzt, die Küche sei fertig – bis auf die Dunstabzugshaube, die mache man aber auch noch. Der Hamburger glaubt das nicht und saust mit diversen Omirate-Brüdern im Schlepptau in die Küche. Eine schnelle Überprüfung zeigt: Die Arbeitsflächen sind weiterhin fettig, Küchengeräte liegen offen in staubigen Regalen, der Ofen riecht nach “toter Katze” und überall liegen speckige Drecklappen herum. Rach ordnet die sofortige Reinigung der gesamten Küche an, die restlichen Brüder werden hinzugerufen und – erstmals – übernimmt Silat das Kommando. Damit läuft angeblich alles besser, Rachs Einführung eines Chefbruders mache sich schon positiv bemerkbar, sagt die Off-Stimme. Ach, unser Chrischan ist schon ein Guter.

    Danach werden Ideen gesammelt, was man in Richtung Marketing machen könne. Silats toller Vorschlag, auf einem Kamel durch Recklinghausen zu reiten, wird von Rach direkt abgelehnt, keine Vierbeiner-Ideen mehr, bitte. Wie wäre es, wenn das “Maroush” ab sofort einen eigenen Stand auf dem Markt in der Stadt hätte, damit einerseits Geld verdiente und andererseits die Leute so auf das versteckte Restaurant aufmerksam machte? Die Brüder sind sofort Feuer und Flamme. Der Rest des Tages geht mit Putzarbeiten drauf. Die Omirates hängen mehrheitlich beim Schrubben in den Dunstabzugshauben in der Küche, währenddessen Rach eine von der Off-Stimme frenetisch bejubelte Epochal-Tat vollbringt: Er organisiert für das lächerlich kleine Büroloch einen neuen Schreibtisch und ist darauf offenbar so stolz, wie Justus von Liebig bei der Erfindung des Brühwürfels (um bei einem gastronomischen Vergleich zu bleiben).

    Der vierte Tag beginnt mal nicht Untertage, sondern Rach stattet den Besitzern des oberhalb des “Maroush” liegenden Hotels einen Besuch ab. Er erwärmt sie – warum auch immer – für den Vorschlag, die Hotelfassade neu zu gestalten und dabei den Restauranteingang mit einzubeziehen, so dass das mehr wie aus einem Guss aussieht. Mir ist schleierhaft, weshalb sich die etwas sprachlosen Hotelmenschen darauf einlassen – sie sehen für mich so aus, als ob sie selbst ein wenig Hilfe gebrauchen könnten, aber vielleicht täuscht das auch. Rach kommt richtig in Fahrt, zerrt die beiden Oberweltbewohner zu der langen Treppe in die libanesischen Katakomben, deutet hierhin und dorthin: “das muss weg”, “das geht so nicht” und “das ist ja ganz schlimm”. Seine Nippes-Stehrumchen-Allergie schlägt wieder voll durch und am Ende soll von dem orientalisch überladenen Treppenhaus außer der Treppe selbst nur noch der angestrahlte Name “Maroush” übrig bleiben, befiehlt er. Als die beiden Hotelbesitzer während der Predigt eine kurze Atempause zur Flucht nutzen, stiefelt der Meisterkoch allein hinunter in das Höhlenrestaurant und setzt seinen Kreuzzug gegen den Kitsch dort unverdrossen fort. Etwa ein halbes Dutzend erschreckter Omirates-Augenpaare verfolgt, wie er das Weinlaub-Imitat aus Plastik von den Wänden reißt und sich an den schmiedeeisernen Kerzen-Mobiles vergeht. Später helfen sie dem Mann sogar dabei, den unsäglichen Goldregen-Baum aus dem Treppenhaus zu schleppen.

    Nicht so gut läuft das mit der Kopfarbeit. Rach hatte sich 25 Vorschläge ausbedungen, was man denn in dem Marktstand so verkaufen könnte. Chefbruder Silat und Normalbruder Haider (?) setzen sich in der Küche an einen Tisch und warten auf eine Eingebung. Und warten. Und warten. Leider kommt keine Idee vorbei, stattdessen beginnen sie, an der Marktidee an sich zu zweifeln, wissen nicht, was und schon gar nicht wie sie das machen sollen. Rach wird wegen ihrer Lethargie sauer und spult mal so eben im Vorbeigehen zehn Ideen herunter. Derweil geht er nach hinten in einen der Nebenräume, kramt dort hörbar herum, während sich die Brüder verwundert ansehen und kommt nach kurzer Zeit schnaufend mit einigen Warmhaltekästen aus Metall zurück. “Ich kenn’ mich in Eurer Scheißküche schon besser aus als ihr!”, raunzt er sie ungehalten an. Der Hamburger “hat die Samthandschuhe ausgezogen” und kommt so langsam in den Kameltreibermodus.

    Mit einem kleinen roten Verkaufswagen fährt Rach am nächsten Tag beim “Maroush” vor. Das Auto kriegen die Omirates-Brüder für ein Jahr kostenlos (RTL zahlt) gestellt und sollen es für den Markt nutzen. Kenner der Serie wissen es, am fünften Tag wird traditionell immer gekocht, die heutige Folge ist keine Ausnahme: Man bereitet die Speisen für den ersten Markttag vor. Rach hat dazu körbeweise frische Lebensmittel mitgebracht, außerdem zwei weiße Kochmützen für die Küchen-Brüder. Ein dritter Bruder beömmelt sich darüber: “Die sehen aus wie Zwerge!” Egal, Rach duldet keine Schwachheiten, die Mützen müssen natürlich trotzdem aufgesetzt werden.

    Am nächsten Tag geht es dann tatsächlich zum Wochenmarkt und wir können drei Brüder plus einen Sternekoch dabei beobachten, wie sie den etwas misstrauisch wirkenden Recklinghausern die orientalischen Köstlichkeiten nahezubringen versuchen. Rach ist am Ende ganz zufrieden, es sind noch alle Brüder da, keiner wurde verprügelt und der Marktstand nicht abgefackelt, die Aktion wird zum Erfolg erklärt. Derweil ist mit RTL-Mitteln vor dem Eingang zum “Maroush” eine kleine Terrasse mit drei Tischen entstanden, an denen Gäste mit Vorliebe für Tageslicht sitzen können. Drinnen wurden die Gästeräume, wie von Rach vorgeschlagen, von diversem Schnickschnack befreit und sind bereit für die sogenannte Wiedereröffnung. (Ja war der Laden denn überhaupt zu, ich habe davon jedenfalls nichts mitgekriegt!)

    Der Abend klappt dann auch noch sehr gut und die übliche Busladung von Gäste-Statisten äußert sich positiv überrascht und verspricht geflissentlich, oft wiederzukommen. Rach schwebt ob der eigenen Genialität auf Wolke sieben und doziert mit kaum unterdrückter Selbstzufriedenheit in die Kamera. Danach gibt es einen tränenreichen Abschied von der Omirates-Brüderschar, in die Rach inzwischen offenbar ehrenhalber aufgenommen wurde.

    Acht Wochen später kommt der übliche Kontrollbesuch des gastronomischen Halbgotts. Erst sieht er sich den Marktstand an, alles bestens! Abends setzt sich Rach dann eine bekloppt aussehende rothaarige Perücke und eine Sonnenbrille auf und betritt in dieser Verkleidung das “Maroush”, um “seine Brüder” zu erschrecken. Mal wieder hält uns das Fernsehen dabei für geistig minderbemittelt, wir sehen von innen, wie die Brüder scheinbar ahnungslos ihrer Arbeit nachgehen, da tritt “völlig überraschend” Rach mit Eva-Pflug-Gedächtnisfrisur in die Küchentür. Ob sich nicht einer der Brüder vorher gefragt hat, warum da ein Kamerateam mit Tonmokel im Restaurant aufgebaut hat? Na, egal, spielen wir halt mal mit. Nach großem Hallo folgt der bange Moment, als Rach die Sauberkeit in der Küche prüft. Die neuralgischen Stellen sind tipptopp und der Sternekoch begeistert. Danach wird gefuttert, einmal quer durch die Speisekarte. Rach scheint es hier wirklich zu schmecken, auch privat. Und damit ist er nicht allein, denn der Laden ist voll heute Abend. Als Nachtisch gibt es anschließend sogar noch einen – angeblich nicht extra inszenierten – echt orientalischen Schleiertanz.

    Fazit: Die Wucht in Tüten, der Meister hat’s wieder geschafft und aus einem versifften Kellerloch ein angesagtes Restaurant für gehobene Ansprüche gemacht. Nach sechs von acht Folgen in dieser Staffel scheint der Heiligsprechung Christian Rachs nichts mehr im Wege zu stehen. Halleluja! :-)

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  • DSDS (RTL) 14.02.2010 1 Comment

    Heute wird es ernst bei “Deutschland sucht den Superstar”, die verbliebenen Top 15 von insgesamt 35.000 Bohlen-Sternchen müssen sich erstmals vor einem Live-Publikum beweisen – und wir werden bestimmt die eine oder andere Sternschnuppe verglühen sehen. Die Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller kann zwar noch stänkern, hat aber ansonsten nicht mehr so viel zu sagen – ein Zustand, den Nina und Volker eigentlich ja bereits seit dem ersten Casting kennen… Heute kommen zehn Kandidaten weiter in die erste Motto-Show am nächsten Sonnabend, sieben davon werden vom Publikum per Telefon gewählt und drei weitere Kandidaten können quasi als letzte Amtshandlung in dieser Staffel noch von der Jury “gerettet” werden.

    Den Anfang macht die blonde Bombe Steffi Landerer mit Joan Jetts “I love Rock’n Roll”. Sie hat sich in hautenge Lederklamotten einnähen lassen inkl. Lederstiefeln bis über die Knie und rekelt sich bei ihrem Titel als Rockerbraut auf einem schwarzen Motorrad. Offensichtlich vertraut sie mehr ihren optischen als den akustischen Reizen – und hat damit völlig Recht. Ich tippe mal, spätestens am Montag ist sie mit der Masche als Foto in der Blöd-Zeitung, wetten? Bohlen ist von ihrem Auftritt trotz Testosteronschocks nur einigermaßen zufrieden, gesanglich gäbe es einiges auszusetzen, er hoffe aber, dass ihre beiden “Dinger” sie über Wasser halten würden. Die Restjury urteilt ähnlich. Marco Schreyl, der wie jedes Jahr schleimig-souverän durch die Show führt, muss später noch die lebenswichtige Frage klären, ob ihre beiden hervorstechendsten Eigenschaften denn auch Namen hätten, so wie die von Pamela Anderson (”Ernie und Bert”). Ein verlegenes Kichern mit Kopfschütteln ist die fast schüchterne Antwort. Ich schlage “Dick und Doof” vor und komme auch gern zur Taufe… ;-)

    Manuel Hoffmann wird als Mädchenschwarm aufgebaut, er könne zwar Kung Fu, habe aber auch eine sehr sensible Seite. Manuel war im Recall schon wegen seiner konstant guten Gesangsleistung aufgefallen, die mit einer angenehm ruhigen Persönlichkeit daherkommt. Er hat sich den Titel “You don’t know” von Milow ausgesucht und bringt den sehr anständig rüber, auch wenn sich seine Bühnenshow auf das Hocker-Sitzen beschränkt. Das ist dann auch der einzige Kritikpunkt der Jury; normalerweise sollten wir Manuel in der nächsten Woche wiedersehen.

    Kurz vor der DSDS-Rente stehend, versucht der 30-jährige Helmut Orosz es heute mit Bryan Adams “Summer of ‘69″. Er wirkt mit seinem künstlichen Dauerlächeln auf mich immer wie ein überdrehter Ferienclub-Animateur, der zwanghaft im Mittelpunkt jeder Party stehen muss. Immerhin nutzt er – im Gegensatz zu den anderen beiden Kandidaten – für seine Performance die ganze Bühne, post mal hier und post mal dort und kommt auch stimmlich ganz ordentlich zurecht. Dieter ist begeistert, warnt Helmut aber davor, sich komplett auf Bryan Adams einzuschießen, er will später auch mal Balladen hören.

    Als Verzierung vor der Werbepause präsentiert RTL jetzt unter dem Motto “Flop 10″ ein paar kurze Schnipsel aus dem DSDS-Giftschrank. Wir können uns nochmal an der übertalentierten Julia, an Markus mit der Piepsstimme, der talentfreien Isabell (mit ihrem MP3-Player) und an Benjamin, dem Brüllaffen ergötzen.

    Nach der PinkelWerbepause kommt Maria Valencia mit “Let’s get loud” von Jennifer Lopez. Auch sie geizt nicht mit (optischen) Reizen, ihr sauknappes silbernes Kleid glitzert wie eine Diskokugel und Maria verbreitet ein wenig lateinamerikanisches Flair. Volker ist optisch sehr und gesanglich einigermaßen zufrieden, Dieter stimmt ihm absolut zu und sieht bei ihr großes Potenzial. Man sieht sich hoffentlich in der nächsten Woche wieder…

    Nelson Sangare hat einen klaren Heimvorteil, denn er lebt in Köln, wo auch die DSDS-Shows stattfinden. Er singt heute Abend die eher ruhige Nummer “Let me love you” von Mario, trifft dabei jeden Ton und bewegt sich dazu gut. Bei ihm stimme das viel zitierte “Gesamtpaket”, sagt die Jury und macht ihm Hoffnung auf seinen Verbleib in der Show.

    Die Akkordeonspielerin und selbst ernannte “Superfreche Göre” Naomi Marte singt Nenas “Irgendwie, irgendwo, irgendwann”. Auch sie zeigt dabei sehr viel Bein bei einer eher durchschnittlichen Stimme. Das scheint heute Abend – und überhaupt in dieser Staffel – ein durchgehendes Thema zu sein. Volker und Nina ziehen eine durchwachsene Bilanz des Auftritts, es käme ihnen vor, als ob Naomi auf der Bremse stünde. Dieter fand das aber alles ok und authentisch und besonders “das Visuelle” sei gut rübergekommen.

    Der schräge Dirk Petry liefert danach einen weiteren seltsamen Auftritt ab und wird damit so langsam zum Nachfolger von Holger Göpfert. Ganz in schwarz und mit einem ebensolchen Cowboyhut auf dem Kopf knödelt er heute von den Beatles “Yesterday”. RTL versucht nach Kräften, für ihn ein Jekyll/Hyde-Image aufzubauen: Sobald sich der eigentlich friedliche Dirk seine Western-Dunstkiepe auf die Rübe setzt, macht es bei ihm Klick im Hirn und plötzlich kommt der durchgeknallte Künstler raus. Paul McCartney wäre ob dieser musikalisch leicht gewalttätigen Interpretation seines Klassikers bestimmt nicht sehr angetan. Dirk presst die Silben wie gehabt mit minimalistischen Mundbewegungen zwischen den Zähnen hervor und es klingt richtig nervig, finde ich. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wer sich so eine CD kaufen würde, die wäre höchstens als Backgroundmusik im Gästeklo geeignet. Die Jury sieht ihn als Paradiesvogel, mal sehen, ob er hier eine Überlebenschance hat.

    Nun kommt mit Menowin Fröhlich ein Ex-Knacki und Schicksalsgebeutelter, der im Einspieler erstmal von seiner miesen Kindheit aber auch von seinem kleinen Sohn berichtet. Das Publikum scheint ihm größtenteils sehr gewogen und auf einer Welle der Sympathie mit wiederkehrenden Beifallsstürmen performt er “I’ll be there” von den Jackson 5. Optisch ist er ja eher nicht der Bringer, aber wenn man nur auf die Musik achtet, ist das ein sehr guter Auftritt. Das bescheinigen ihm dann auch die drei Juryisten, wobei Dieter, der Titan, uns eklig und leider sehr bildhaft schildert, wo sich an seinem Körper bei der gerade gehörten Nummer überall die Haare aufgestellt hätten. Dirty Old Man!

    Nach der nächsten Werbeunterbrechung geht es weiter mit der Aufarbeitung des menschlichen Gulliglibbers aus dem Casting. In der “Flop 10″ begegnen wir jetzt wieder Timo, dem schlechten Imitator von Menderes, der seinerseits wiederum als schlechtester Michael-Jackson-Imitator der Welt zu pathologischer Berühmtheit kam, seit dessen Tod ein leichtes Identitätsproblem hat und im DSDS-Panoptikum gleich nach Timo gezeigt wird. Das Sahnehäubchen dieser Sequenz markiert die schrille Sirenenstimme Nilay, über deren surrealen Kommentar beim Casting-Rauswurf (”Ihr habt kein Ohr im Ohr”) ich heute noch grüble.

    Nun geht es weiter mit der Top-15-Show, jetzt ist Kevin Reichmann dran. Der hat dank ehrgeizigem Papa bereits ein eigenes Logo, das die T-Shirts seiner zahlreichen Anhänger in der Halle ziert. Trotz guter Stimme und erkennbarem Tanztalent hat sich Kevin mit “Señorita” von Justin Timberlake einen undankbaren Titel ausgesucht, wie die Jury befindet. Seine Stimme passe besser zu Balladen aus der Schmuseabteilung, aber das könne er ja vielleicht ab der nächsten Woche noch unter Beweis stellen.

    Die Homestory der grundsympathischen Celine Denefleh dreht sich nach wie vor um ihre schwere Herzkrankheit. Deshalb mag ihr aus der Jury vermutlich auch keiner so richtig wehtun, obwohl nach ihrer einigermaßen versemmelten Vorstellung von Silbermonds “Symphonie” eigentlich ein paar kritische Worte angebracht wären. Sie ist erkennbar aufgeregt, singt mit zittriger Stimme, setzt einmal zu früh ein und macht insgesamt nicht den souveränsten Eindruck, obwohl das Publikum sie mit Beifalls unterstützt. Die Jury ist sehr gnädig mit Celine, Dieter stellt den Knuddelfaktor über den Gesangsfaktor und hält die gehörten Mängel nicht für entscheidend.

    Nun kommt Dieter Bohlens Liebling Marcel “Plüschi” Pluschke mit einer rührenden Geschichte über sein auf der Straße gefundenes Karnickel im Einspieler. Freimütig-naiv bekennt Marcel, bislang von Nicht-Verwandten ungeküsst zu sein (wichtig für die Bravo-Girl-Vermarktung) und gern zum Nachdenken in den Wald zu gehen und Papi Plüschke beschreibt Sohnemann denn auch niedlich als “Träumerle”. Also Mädels bis 15 Jahre: Auf in den Wald und greift ihn Euch!!! Für alle anderen ist Marcels Auftritt mit “Country Roads” von John Denver eher nicht so unterhaltsam, denn er sitzt auf einem arg domestizierten mechanischen Bullen und singt mehr schlecht als recht sein Liedchen. Seine ganze Performance besteht darin, nicht herunterzufallen und bei allen Singpausen von länger als einer Zehntelsekunde das Mikrofon abzusetzen und sofort danach explosionsartig wieder an den Mund zu befördern. Mannometer, hätte dem Kleinen doch wirklich mal jemand vorher erklären sollen, wie doof das aussieht… Dieters Panzer hat bei Plüschi eine bedenklich weiche Stelle: “Du bist völlig gehemmt, kannst auch nicht besonders gut singen, aber ich hab Dich einfach lieb, was soll ich dazu noch sagen?” Nina ist sowieso immer Dieters Meinung, aber Volker macht sich mit ein paar kritischeren Tönen zum Außenseiter der Show und wird dafür ausgebuht.

    Hobby-Visagistin (in eigener Sache) Kim Debkowski hat wieder volle Kriegsbemalung angelegt und dazu noch ein paar stylische Klamotten mit Beinen in lila-metallic. Damit bringt sie “Can’t fight the Moonlight” von LeAnn Rimes, hat aber leider einen schlechten Tag. Ihr dünnes Stimmchen glitscht meist schmerzlich nah an den richtigen Tönen vorbei und macht das Zuhören nicht gerade zum Vergnügen. Volker und Nina sind einigermaßen entsetzt über den misslungenen Auftritt. Dieter holt dagegen zu einer längeren Erklärung aus und lobt die Tatsache, dass Kim sich seit dem Recall ihre schiefen Zähne hat richten lassen – bei Mark Medlock warte er darauf schon seit vier Jahren. Naja, der heutige Auftritt sei natürlich “Hühnerkacke”, aber eigentlich hoffe er, dass die Leute Kim noch eine Chance geben.

    Nach der nächsten Pause kommen noch mehr Lattenkracher aus dem Casting, z.B. der schräge Christian aus Dessau, die Agnes mit dem freiwillig angenommenen Akzent und als krönender Abschluss Scooter-Fan Andreas mit seiner Klappse-reifen “Hardcore”-Performance.

    Von wegen “Abschluss”, das böse RTL-Fernsehen hat Andreas Gerlich, den wir gerade noch bei der Scooter-Parodie seines Casting-Auftritts erleben durften, heute Abend live eingeladen und bevor man die Augen und Ohren schließen kann, tobt der Typ bereits auf die DSDS-Bühne. Es spricht immer für das Fehlen jeglicher gesunder Selbstreflexion, wenn Leute mit einem so mangelhaft ausgeprägten musikalischen Verständnis, solch rudimentären Englischkenntnissen und einem so unterdurchschnittlichen Aussehen sich zur Volksbelustigung vor einem Millionenpublikum zum Volldepp machen. Traurigerweise ist das wohl der Höhepunkt im Leben dieses bedauernswerten Zeitgenossen, aber was noch trauriger ist: Wir müssen ein paar kostbare Minuten unserer eigenen Lebenszeit dafür verschwenden, ihm dabei zuzusehen. Der Typ wirkt so, als habe man ihn vor seinem heutigen Auftritt ein halbes Jahr im Käfig gehalten und mit Juckpulver eingepökelt, er flippt im Studio völlig aus, hüpft pausenlos und kreischt dazu abwechselnd “jea-jea”, “Hahtkoa-Hahtkoa” und “wickääät!”. Der Schreyl fängt Andreas kurz vor dem Abheben ein und schiebt ihn nach einem kurzen Hinweis auf seine demnächst erscheinende neue CD “härter – schneller – Andy” aus dem Bild.

    Endlich kommt wieder eine richtige Kandidatin: Ines Redjeb, die nach wie vor sehr apart aussieht, singt “Release me” von Agnes. Schon wieder eine Kandidaten aus der Abteilung “tolle Beine – olle Stimme”, so knapp ihr Kleid ist, so knapp zielt sie auch regelmäßig an den richtigen Tönen vorbei. Dieter zeigt sich wieder vor allem von der Optik beeindruckt, zieht einen Vergleich zu Beyoncé, nur nicht die Stimme betreffend – jedenfalls noch nicht.

    Der “Checker” Thomas Karaoglan ist mit Sicherheit derjenige Kandidat, der den Zuschauern am meisten auf den Senkel geht, aber heute Abend ziehe ich den Hut vor seinem Auftritt mit “My Girl” von den Temptations. Im quietsch-roten Anzug nimmt er die Bühne komplett ein, flirtet mit den Zuschauern und der Jury, singt dabei sehr gut und vergisst noch nicht mal den Text. Die Jury ist restlos begeistert, Volker meint, er kenne niemanden, der mehr in sich selbst verknallt sei als Thomas. Bohlen sieht sich endlich in seiner Vorliebe für den “Checker” bestätigt, hat noch niemanden in einer Top-15-Show so smart gesehen.

    Den Ausputzer macht heute Mehrzad Marashi mit einem ebenfalls professionellen Auftritt: Er bringt “Und wenn ein Lied” von den Söhnen Mannheims, als wäre es für ihn geschrieben worden. Mehrzad hat wohl von allen Kandidaten die reifste, angenehmste Stimme und wenn wirklich nur das musikalische Talent zählt, ist ihm eigentlich schon jetzt der Titel Superstar 2010 nicht mehr zu nehmen. Übrigens ist er auch der einzige Kandidat, der sich nach seinem Song bei der wie gewohnt sehr gut aufspielenden Band bedankt. Die Jury ist restlos begeistert über Mehrzads Auftritt.

    Nach einer Stunde Comedy mit Cindy aus Marzahn und ihren teilweise etwas anstrengenden “Freunden” kommt der Ergebnisteil der heutigen Show. Ich will es kurz machen. Von den Zuschauern wurden in die Top 10 gewählt: Mehrzad, Menowin, Nelson, Manuel, Helmut, Thomas und Kim (nur eine einzige Frau!). Von der Jury wurden zusätzlich noch benannt: Marcel, Steffi und Ines. Und damit sind raus: Celine, Dirk, Kevin, Maria und Naomi.

    Soweit ich das überblicke, ist damit alles wie erwartet abgelaufen, keiner der Publikumsfavoriten und Bohlen-Lieblinge musste vorzeitig gehen. Ab der nächsten Woche haben wir dann Motto-Shows bei denen jeweils eine oder einer gehen muss. Ich gehe jetzt auch – und zwar ins Bett. Tschüss bis zur nächsten Woche!

    http://www.muelltv.de/2010/01/07/dsds-2010-01-06-casting-1-the-return-of-the-dieter/

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  • Heute begleiten wir Christian Rach bei einem Ausflug nach Hannover ins Café Tabac. Der ehemaligen Studentenkneipe geht’s schlecht, die zahlenden Gäste bleiben aus und angeblich weiß keiner, warum. Rach hat einen Trick ausgegraben, der schon im Fernsehen der Neandertaler nur noch Gähnen hervorgerufen hätte: Er kommt einfach einen Tag früher als angekündigt und überrascht damit die Café-Besitzer maßlos. (Die kennen ihn zwar aus dem Fernsehen, schließlich haben sie ihn selbst gerufen, aber sein Markenzeichen kennen sie nicht???)

    Der Küchenchef Jan Wahrmund begrüßt den Hamburger Meisterkoch standesgemäß in weißen Kochklamotten und holt erst mal die Chefin dazu. Die ist erst 25 Jahre alt und heißt ernsthaft Katerina Sklavinitis. Ihr Hauptproblem scheint ihre mangelnde Durchsetzungsfähigkeit zu sein, das Personal tanzt ihr auf der Nase herum, manchmal befolgt es ihre Anweisungen, dann wieder nicht. Sie weiß auch nicht, woran es liegt, vermutlich an ihrem Alter.

    Rach ist ein Gewohnheitstier und will nicht lange palavern, sondern erstmal richtig futtern. Er bestellt bei Katerina gleich drei Vorspeisen auf einmal. Die werden auch prompt geliefert, aber damit beginnt der Ärger des Gastropapstes. Die Muslitos mag er schon beim Ansehen gar nicht (”das ist Scheißdreck”). Warum der Salat denn frittiert sei, verlangt er zu wissen. Das sei eine Marotte vom Koch, erklärt Katerina. Den Rest lässt er gnädig passieren, gar so schlimm scheinen die Gaumenbeleidigungen nicht auszufallen. Das Gemüse ist knackig und frisch, bemerkt er erfreut.

    Für die Bestellung der Hauptmahlzeit kommt sogar extra der Chefkoch aus der Küche angesprintet, in der Hand ein Bund Lauch. Rach bestellt Pasta Liguria, Lamm und Pfannkuchen mit Spinat. “Echt, Du magst Spinat-Pfannkuchen?”, fragt Wahrmund ungläubig. “Nee, mag ich nicht, aber deswegen bestelle ich’s ja.”, ist des Meisterkochs etwas merkwürdige Erklärung. Die Kamera begleitet Wahrmund in die ziemlich spackige Küche und zeigt seinen Kampf gegen die Tücken der Technik, überall klemmt was oder geht nicht richtig.

    Kaum sind die bestellten Speisen draußen beim Meisterkoch angekommen, hagelt es auch schon wieder Kritik. Der Spinat – den er ja bekanntlich sowieso nicht mag – ist sauer, vielleicht liegt es an der Zitrone, vielleicht ist der Spinat aber auch alt, die Tomaten hätten in kleine Streifen geschnitten werden müssen und der Rosmarin stammt ganz klar aus der Dose. Rach ist genügend vergrellt, schnappt sich diesmal alle drei Teller und sucht die Küche auf. Im Hintergrund spielt die Mundharmonika-Melodie aus “Spiel mir das Lied vom Tod” und tatsächlich sehen sich die beiden Köche einige lange Sekunden direkt in die Augen. Dann zieht Rach… ein paar derbe Kritiken ab, besonders der Spinat-Pfannkuchen kommt schlecht weg. Jan sieht das nicht nur ein, nein, er selbst ist sogar noch viel strenger mit seiner Küche und führt Rach erstmal die zahllosen defekten 30 Jahre alten Küchengeräte vor. Der Hamburger ist geplättet und kann nicht verstehen, weshalb der Wahrmund  nicht schon längst entweder die Sachen repariert oder sich verdrückt hat. Schnell sucht der das Gespräch mit der jungen Chefin und fordert sie auf, sich zu entscheiden, ob sie zukünftig überhaupt noch eine Küche anbieten will oder das “Café Tabac” nicht lieber zur reinen Kneipe macht. Katerina gesteht dabei kleinlaut, dass sie so klamm ist, dass nicht mal Reparaturen der Küchengeräte drin sind. Das war’s für den ersten Tag, Rach ist völlig erschöpft und gönnt sich erstmal eine Nacht Pause. (passende Hintergrundmusik: “Rette mich” von Tokio Hotel)

    Am zweiten Tag steht bei Rach immer der traditionelle Rundgang durch das zu rettende Etablissement an. Katerina führt ihn zunächst in das “Raucherzimmer”, das passenderweise direkt vor der Küche liegt. Das Raucherzimmer ist eine glatte 9,0 auf der nach oben scheinbar offenen Ekelskala. Der Raum ist nicht nur orange-gelb vom Nikotin, es schimmelt auch an Decken und Fußbodenleisten. Auf ein paar Lautsprechern an der Wand wachsen sogar komische Dinger, falls das Zeugs lebt, müsste es taxonomisch irgendwo zwischen Beulenpest und Koralle eingeordnet werden. Ein weiterer Spezialfall ist der so genannte Personalraum, ebenfalls seit gefühlten 150 Jahren ungelüftet und seit dem Pleistozän nicht mehr renoviert. Sein anheimelnder Mittelpunkt ist die mumifizierte Kaffeemaschine, als zusätzliches Highlight gibt es Schimmelflecken und die sich abpellende Tapete an der Decke. Die Idee, diesen Raum mal frisch zu streichen, ist über das Projektstadium nie hinausgekommen, sagt Katerina und lacht hilflos.

    Danach geht Rach allein nochmal in die Küche und kriegt von Koch Jan die Hiobsbotschaft, dass er die ganze Situation nicht mehr mitmachen und in den Sack hauen möchte. Der zig-fache Gastronomie-Nobelpreisträger Rach ist geschockt, fädelt mit seinem immensen Einfühlungsvermögen aber schnell ein Gespräch zwischen Katerina und Jan ein. Beide reden dabei Tacheles und werden sich einig, dass sie MITEINANDER versuchen wollen, die Karre aus dem Dreck zu ziehen – was hier durchaus wörtlich gemeint ist.

    Mit neuer Zuversicht wird jetzt die Besichtigung in der Küche fortgesetzt und Rach kann nur konsterniert konstatieren, dass eigentlich das gesamte Inventar in den Schrott gehört, komplett und ausnahmslos. Der Laden existiert seit gut 30 Jahren und genau so alt sind auch sämtliche Geräte, die damit ein Mehrfaches ihrer normalen Lebenserwartung auf dem Buckel haben.

    Der dritte Tag beginnt mit einer großen Personalversammlung um sämtliche Mitarbeiter auf die anstehenden Veränderungen einzunorden. Schnell wittern die ersten eine Speisekartenrevolution und kämpfen um die Schale Milchkaffee und das belegte Baguette wie eine Löwenmutti um ihr Löwenjunges. Rach redet ihnen ins Gewissen, die Seele des Café Tabac sei nicht das Baguette, sondern das seien sie, die Mitarbeiter. Gerade die bisherige Speisekarte haben doch am Ende zu den bekannten Problemen geführt, darum müsse man auch hier Änderungen vornehmen, schließlich gehe es doch um die Arbeitsplätze aller Anwesenden.

    Rätselhafte und unerklärte Dinge geschehen in der Küche: Die alten Geräte inkl. Herd und Kühlkombination werden abgeholt und entsorgt. Dabei enthüllen die von der Wand gerückten Gerätschaften noch die eine oder andere widerliche Stelle auf dem Fußboden, die beim Zuschauen für einen heftigen Würgereflex sorgt. Später wird ein niegelnagelneuer Gasherd angeliefert, bei dem tatsächlich alle Flammen funktionieren und nicht nur zwei. (Hintergrundmusik: “Krieg der Sterne”) Das ist zugleich Freude und Verpflichtung für Küchenchef Jan, denn jetzt fällt für ihn eine wichtige Ausrede für schlechtes Kochen weg. Kurz darauf finden auch noch ein Lavasteingrill und ein neuer Kühlschrank den Weg ins Café Tabac. Was ja aus dem Blickwinkel der Hygiene durchaus zu begrüßen ist, erzeugt bei mir die leider unbeantwortet bleibende Frage, wer das alles bezahlt! Katerina ist blank, das hat sie mehrmals öffentlich erklärt, und eine Transplantation aus dem Rach’schen Restaurantimperium auf Geschenkebasis ist das bestimmt auch nicht, also hat doch vermutlich RTL ein bisschen zugeschustert. Ist ja auch o.k., Katerina und ihre Leute haben das verdient, keine Frage. Nur eine Erklärung für uns Zuschauer wäre doch trotzdem nett gewesen.

    Auch am vierten Tag wird umgebaut im Café Tabac; Katerina hat offenbar die Nacht durchgemacht und ist schon (oder noch) ziemlich gnatzig. Dieser Tag steht ganz im Zeichen von Christian Rach, denn er zeigt den Küchenkräften, wie man – also er – es richtig macht. Für jeden Mitarbeiter gibt es ein Stück Entrecôte vom neuen Lavasteingrill und frisches Gemüse und natürlich scheint es allen zu schmecken.

    Der letzte Tag sieht die Wiedereröffnung des flugs renovierten Café Tabac. Alles dauert länger als gedacht und der Zeitplan gerät böse in Schieflage. Die Eröffnungsgäste müssen erstmal draußen auf der Terrasse warten (gut, dass das im Sommer gedreht wurde) und als sie dann endlich ins Restaurant dürfen, “ertrinkt” die Küche schnell in Bestellungen. Rach gerät in einen hier offenbar ungewohnten Kommandierton. Er sieht alles und verzeiht nichts. Hier wird zu viel Speck genommen, da sind die Portionen zu groß, dort steht die Pfanne schief auf dem Herd… zu spät, der Pfannkuchen hat linksseitig Ähnlichkeit mit Holzkohle angenommen und muss entsorgt werden. Rach fühlt sich als Mittelpunkt des Wirbelwinds offensichtlich pudelwohl, alle anderen dürften wohl momentan den Tag verfluchen, an dem sie den Hamburger zu sich riefen. Die Gäste sind dagegen angeblich hochzufrieden, behauptet RTL. Für Christian Rach genau der richtige Zeitpunkt, um den Laden zu verlassen, er verabschiedet sich zunächst vom Café Tabac.

    Zwei Monate später ist “Zahltag”, Rach kommt zurück um nach dem Rechten zu sehen. Das Café ist gut besucht, aber Katerina berichtet ihm etwas ominös von Personalproblemen in der Küche. Sie helfe dort nun höchstselbst aus und mache gleichzeitig die Bedienung. Und ihre Mutter helfe auch noch dabei aus. Den bestellten Blaubeerpfannkuchen gäbe es nicht mehr, stattdessen enthalte der nun “dieses und jenes” Obst der Saison. Hmmm, ein Besuch in den Küchenräumen bringt dann leider nicht das erhoffte Wiedersehen mit Jan Wahrmund (der hat heute seinen freien Tag), stattdessen drücken sich zwei neue Weißkittel schnell aus dem Licht der Kamera. Profi Rach fährt mit seinem Finger über die Dunstabzugshaube: Alles o.k., die Küche ist sauber. Gleichzeitig mit dem bestellten Steak kommt auch der eigentlich dienstfreie Jan hinzu. Der wirkt ziemlich fertig, hat sich wohl in den letzten Wochen küchentechnisch ziemlich verausgabt. Rach macht ihm Mut, sie seien absolut auf dem richtigen Weg. Katerina und Jan bedanken sich artig beim Sternekoch und man scheidet als Freunde.

    Also, auch zur Halbzeit der aktuellen Rach-Staffel hält sich weiterhin die schon in den ersten Folgen beobachtete Tendenz: Es menschelt mehr als früher, wird weniger gestritten und das Ganze spielt kaum noch in der Küche. Stattdessen geht es fast immer um die möglichst richtige Platzierung und Dosierung des fehlenden Arschtritts, damit die Restaurantbetreiber in die richtige Richtung geschubst werden und danach allein weiter laufen können. Für Arschtritte ist Christian Rach bekanntlich genau der richtige Mann, aber sein preisgekröntes Kochtalent könnte meinetwegen gern mal wieder etwas öfter aufblitzen. :-)

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