• DSDS (RTL) 17.01.2010 1 Comment

    Weiter dreht sich das DSDS-Karussell und spuckt zweimal pro Woche vor allem neue D-Promis aus, nämlich Leute, die mal vergeblich versucht haben, ein C-Promi zu werden. Wirklich gute Kandidaten sind scheinbar selten geworden, dafür gibt es viel mehr Freaks und Vollpfosten als früher – sogar Dieter Bohlen gehen beim Zusammenscheißen der Bewerber inzwischen hin und wieder mal die Superlative aus. Bin gespannt, welche neuen Verbalinjurien und Fäkalvergleiche ihm heute wieder einfallen, Grund genug gibt es bestimmt…

    Und damit sind wir auch schon beim Thema, der heutige Abend startet nämlich mit Julia Sadzig, einer 23jährigen Mathe-/Anglistik-Studentin, die nach eigenem Bekunden hinsichtlich Stimme und Aussehen “auf jeden Fall überdurchschnittlich talentiert”  ist. Ich weiß nicht, weshalb die Frau Zuhause keinen Spiegel hat, aber das hätte ihr mit Sicherheit den peinlichen Gang zum DSDS-Casting erspart. Auf mich wirkt Julia eher wie eine Mischung aus “Nachtschwester Ingeborg” und verquaster Psychologie-Studentin im 17. Semester; wegen der dürftigen Optik wäre sie auf jedem Fall im Radio besser aufgehoben. Na, warten wir mal auf die Stimme…

    Nach ihrer einseitig stürmischen Begrüßung der Jury, bestehend aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller, schmettert Julia lautstark, aber falsch, Katy Perrys “Hot N cold” und fängt dabei auch noch an, sich auszuziehen. Das will außer ihr selbst natürlich niemand sehen; auch Volker ahnt, was kommt und stoppt den Auftritt nach einer halben Strophe. Dieter gibt der Kandidatin dann den Fangschuss: “Deine Stimme klingt wie ‘ne alte Oma… aber beim Kacken!” (Tut mir Leid, das schreibt sich sehr rüde, aber uns Dieter hat das wirklich so gesagt… Ich werd’ mir hinterher zur Strafe die Hände mit Seife waschen, versprochen!) :-(

    Als nächstes kommt Sinan Öztürk (21) aus Bremen an die Reihe. Er hat kaum Erfahrung im Singen, dafür ist er lt. Einspieler ein super Hip-Hop-Tänzer (war mal Weltmeister) – auch wenn man das bei seiner eher vollschlanken Figur kaum vermuten würde. Vor der Jury darf er zunächst die verschiedenen Spielarten des Hip Hop vorturnen, muss dann Dieter Rede und Antwort stehen, weshalb er (Sinan) so dick ist und darf dann zur Klampfe den Titel “You don’t know” von Milow vortragen. Das Singen klappt bestens, er hat eine gute Stimme und kommt ohne Probleme in den Recall. Schöner selbstironischer Nachklapp von Sinan hinterher draußen auf dem Flur: “Sie haben mich gezwungen zu tanzen… sie wollten auch erst nur meinen Körper!” :-)

    Nach einem passablen Kandidaten kommt bei DSDS immer ein Vertreter der Sockenschuss-Fraktion, das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Der angeblich 21jährige Benjamin Dehner sieht in seinem dämlich-bunten Kinder-T-Shirt keinen Tag jünger aus als 14 und ist mit seinen Eltern aus dem Schwabenland angereist. Keine Ahnung, welches Trauma ihn quält, aber er scheint unter dem Zwang zu stehen, seine mangelnde Größe mit Lautstärke kompensieren zu müssen. Die Verkaufszahlen für Puddle of Mudds “She fuckin’ hates me” dürften wegen Benjamins Versuch, diesen Titel zu singen, eher sinken als steigen. Der schmächtige Kandidat brüllt bei seinem “Lied” die Jury mit voller Lautstärke an, eine Melodie ist nicht zu erkennen und den Erfolg seiner Darbietung können die erfahrenen DSDS-Zuschauer bereits den erschütterten Gesichtern der Jury entnehmen. Dieter findet für Benjamins Versuch wie immer einen unappetitlichen Vergleich aus dem Reich der Körperöffnungen. Ich bin zwar kein Psychologe, aber so langsam würde ich ihm mal eine ausgeprägte Analmacke attestieren. :-(

    Ina Freund, 17, ist Bäckereifachverkäuferinazubi und nervt mich schon im Einspieler mit ihrem hochfrequenten Gelaber. Zu Beginn ihres Auftritts macht sich Dieter Bohlen mit dem Mega-Gag “hast Du ‘n Freund” – “wieso?” – “wegen dem Nachnamen” [sic!]  auch als König der Witzeerzähler unsterblich. Danach übernimmt Ina für ein paar Minuten das Zepter und textet Jury und Zuschauer mit uninteressanten Geschichten über Konditoreien, Bäcker und ihre Gewichtszunahme dicht. Dann endlich kommt der Titel “Hurt” von Christina Aguilera, den Ina leider so gut singt, dass die Jury sie zum Recall einlädt. Das ist Wasser auf die Mühlen ihrer Selbstverliebtheit; mit ein paar hohen Quietsch- und Fieptönen bedankt sie sich beim Poptitan und seinen Mittribunalisten. Diese Kandidatin landet bei mir ganz klar in der Schublade “überflüssige Nervensäge”. ;-)

    Mit 24 Jahren gehört Nelson Sangare in dieser Staffel bereits zu den Senioren. Seine Eltern stammen aus Mali, er selbst studiert in Maastricht, wird oft als Träumer bezeichnet und ist (noch) Single. Das nimmt RTL zum Anlass, bei seinem Vorsingetitel “Was immer Du willst” von Marlon mit kleinen eingeblendeten Animationen (Blitzaugen und Strahlezähne) den Eindruck zu erwecken, er schmachte Jurorin Nina an. Nelsons Auftritt ist richtig gut und er kriegt sofort den begehrten gelben Zettel. :-)

    Jetzt kommt schon wieder eine Überqualifizierte: Die blonde Katja Moschella ist 29, kommt aus Rodgau und kann Klavier und Triangel (!) spielen. Was sie noch alles kann, auch außerhalb der Musik, diktiert sie dem Fernsehteam direkt in die Kamera. Man fragt sich unwillkürlich, wieso sie sich heute überhaupt mit dem DSDS-Casting abgibt, das müsste doch eigentlich völlig unter ihrem Niveau sein. Dass sie es bis unter die letzten 10 Kandidaten schafft, steht für sie zu “100 Prozent” fest. Genau solchen arroganten Bewerbern sehe ich am liebsten zu, wenn sie vor Dieter der Länge nach auf die Schnauze fliegen und danach von ihm gevierteilt werden. Mal sehen, welche Hinrichtungsart Katja wählt.

    Nach der Vorstellung ihres Repertoires entscheidet sich Bohlen für Christina Aguileras “Hurt”, denn Katja hat angekündigt, dass sie bei diesem Titel voll aus sich heraus ginge und man ihre Stimme dann richtig hören könne. Hmm, ich habe bei dem dünnen Gesang, den sie dann von sich gibt, zuerst den Eindruck, sie probe noch und singe sich erst ein, aber das war dann tatsächlich bereits die echte Vorstellung. Nina muss Bohlen mit einem Streichler trösten, als der nach den passenden Worten sucht, um seine Enttäuschung möglichst unfreundlich zu verpacken: “Katja, wenn das der Titel ist, bei dem Du aus Dir rauskommst, dann bleib’ lieber da, wo Du bist, wo auch immer das ist.” Das ging ja noch, mit dieser Kritik kann sie eigentlich ganz zufrieden sein, finde ich. Der Poptitan hat noch nicht mal ihre unvorteilhafte Figur erwähnt, obwohl er doch sonst gern die Speckröllchen seiner Kandidaten anspricht. Das war’s mit dem Superstar-Traum und Katja säuselt beim Hinausgehen noch ihr Erschrecken darüber in die Kamera, dass die Jury so hochnäsig sei. Na, das sagt ja genau die Richtige… :-(

    Als Wiederholungstäterin erweist sich die 17jährige Schülerin Kim Debkowski, die dank einer mehrstündigen Schminkaktion jetzt wie Pocahontas aussieht. Wegen ihrer Unfähigkeit, sich Texte merken zu können, war ihr Weg in der letzten DSDS-Staffel in der zweiten Runde zu Ende. Jetzt steht sie wieder vor der Jury, nach eigener Einschätzung musikalisch wesentlich gereifter. Man kann ihr eine gewisse altkluge Überheblichkeit nicht ganz absprechen, als sie Dieter Bohlen ihren Talisman in Form eines Stofffrosches zeigt, der seinetwegen “Dieter” getauft wurde. “Weißt Du doch noch vom letzten Mal!”, quakt sie herum, als Jury-Dieter sich nach dem Namen des Frosches erkundigt. Auch Kim hat einen Titel von Christina Aguilera vorbereitet, nämlich “Beautiful”. Dieter ist ganz angetan von ihrer Röhre, hat der Gesangsunterricht also tatsächlich was gebracht. Sie kommt damit in den Recall und bei mir wieder in die “Nervensägen”-Schublade. ;-)

    Jetzt wird’s himmlisch, denn ein Typ namens Norman (kein Nachname, kein Alter) hat angeblich wirklich den Lieben Gott bemüht, ihn bei seinem Casting-Auftritt zu unterstützen. Der Jury verklugfiedelt er mit grenzwertiger Grammatik und nuscheliger Aussprache sein Weltbild und dass er “Freier Christ” sei. Dieter versteht “Artist” und ist verwirrt. Später versteht er’s dann, meint, alle Menschen glaubten doch irgendwie an Gott, Volker widerspricht “ich nicht”, worauf ihm der Jurychef einen Blitz aus heiterem Himmel wünscht. “Ich sitze hier neben einem Atheisten, pfui Deibel”, meint er noch. Nach diesem Geplänkel vergreift sich Norman an Ushers “My Boo”, ist dabei aber von allen guten Geistern verlassen, denn er kann offenbar weder die Melodie, noch ist bei ihm im Englischunterricht etwas Nennenswertes hängen geblieben. Dieter erweist sich als bibelfest: “Zur Zeit von Moses wärst Du die elfte Plage gewesen.” Mit drei “Neins” verlässt der Kandidat das Studio. :-(

    Nun erscheint die 17jährige Stefanie Bank vor dem Richtertisch, gibt als Vorbild Lady Gaga an, sieht aber selbst wie Lieschen Müller aus. Sie singt überraschenderweise nichts von Lady Gaga, sondern fistelt stattdessen etwas an “Ich bin ich” von Rosenstolz herum. Oh Mann, warum bremst denn kein Bekannter im Vorfeld solch ein musikalisches Himmelfahrtskommando – dass Stefanie keinen blassen Schimmer vom Singen hat, müssten doch sogar die Unbegabtesten erkennen. Mit Dieters Urteil “Du bist von allen heute die schlechteste.” gehen Stefanies “15 minutes of fame” im Scheinwerferlicht unwiderruflich zu Ende, aber vermutlich wird sie noch ihren Enkelkindern davon berichten. :-(

    Aus Bali kommt die nächste Kandidatin, die 28jährige Sri Haendly, die mit Mann und Tochter in Thüringen lebt und mich rein äußerlich etwas an die berühmte Narumol von “Bauer sucht Frau” erinnert. Dieter tut sich keinen Zwang an, philosophiert über den Südostasiaten an sich und gewährt wieder ungefragt einen Einblick in sein Seelenleben “also, das Devote, was Ihr alle habt, ich steh’ da total drauf”. Sri lächelt dazu höflich, überrascht aber dann mit ihrer Titelauswahl: Sie singt von Guns N’ Roses “Sweet Child o’ mine” trotz ihrer geringen Größe in erheblicher Lautstärke und verdient sich damit den Einzug in die nächste Runde. :-)

    So, nun gibt es gemäß dem DSDS-Abwechslungsprinzip wieder einen Problemfall. Adam Piecha (24) kommt mit seiner gut einen Kopf größeren Freundin zum Casting. “Der Adam ist stabil, der steht mit beiden Beinen fest im Leben.”, ist deren fast antiprophetisch zu nennende Aussage. In Wirklichkeit sieht der schon etwas angegriffen aus, als er vor die Jury tritt, kurzatmig und mit verschwitzter, kalkweißer Birne. Seinen Titel “Bed of Roses” von Bon Jovis kriegt er gerade noch hin, kassiert von Volker und Nina dafür jeweils ein “Nein”, dann zerlegt es ihn kreislauftechnisch: Noch vor Dieters Urteil fällt er in Ohnmacht und kippt rückwärts in die Kulissen. (Die Stelle wird von RTL genüsslich dreimal in Zeitlupe wiederholt.) Während die Sanitäter sprinten, meint Bohlen nur trocken “also an mir hat es diesmal nicht gelegen”. Adam berappelt sich in Windeseile und darf dann auf Anweisung von Dieter noch ein zweites Lied singen. Das klappt ganz gut und es gibt von Dieter ein “Ja”. Insgesamt also zweimal “Nein” und einmal “Ja” und das heißt normalerweise “Tschüss”! Aber wir sind ja hier nicht in einer demokratischen Sendung, bei DSDS gibt es weder Gerechtigkeit noch Arithmetik und nur Bohlens Stimme zählt wirklich, das macht er auch Nina unmissverständlich klar. Die ändert ihre Antwort eilfertig in ein “Ja” um und damit kommt Adam in den Recall. Was für eine Farce! ;-)

    Jetzt muss ich mal böse werden: Menderes Bagci ist mittlerweile 24, klingt wie ein 11jähriges Mädchen, benimmt sich auch so und hängt schon seit sechs Staffeln wie ein Furunkel an DSDS. Trotz mehrerer Bewerbungsverbote, die Dieter himself ausgesprochen hat, ist eine Staffel ohne den pathologisch infantil wirkenden Michael-Jackson-Fan offenbar nicht vorstellbar. Diesmal hat er lt. RTL-Drehbuch angeblich einen raffinierten Plan entwickelt, um unerkannt bis ins Allerheiligste zu Dieter Bohlen vorgelassen zu werden: Er hat sich verkleidet und unter dem falschen Namen “Taki” beworben. Er sieht beim Betreten des Studios aus wie eine Mischung aus Johnny Depp und Xavier Naidoo. Die Jury tut pflichtschuldig überrascht, als “Taki” beim Singen von Stevie Wonders “I just called” (ohnehin mein persönliches Hasslied!) plötzlich in Menderes dünne Mädchenstimme verfällt. Er ist sofort enttarnt. Man lacht und natürlich wissen alle Anwesenden, dass der blasse Nervbold auch diesmal nicht weiterkommen wird. Alles andere wäre für ihn ja auch eine Katastrophe, denn schließlich lebt er von seinem Image als chronischer Dauer-Loser. An seiner Stelle würde ich mir aber so langsam eine neue Show einfallen lassen, denn selbst in Landdiskos wird es langfristig keinen Bedarf mehr für Michael-Jackson-Doubles geben.

    Bohlen macht den pietätlosen Vorschlag, nun, wo Michael Jackson tot sei, könne doch Menderes dessen Gesicht auftragen. (So ein Quatsch, wo doch jeder weiß, dass die Nase eh schon kaputt war!) Außerdem sei er jetzt der einzige legitime Nachfolger des King of Pop, wieso er denn nun gerade ein Lied von Stevie Wonder singen müsse, der lebe ja noch. Der Kandidat scheint außerhalb des Drehbuchs doch etwas begriffsstutzig zu sein, denn er brabbelt ein paar zusammenhanglose Worte, will der Jury die Hand schütteln, doch Bohlen lässt ihn nicht so einfach davonkommen: “Singst Du nichts mehr von Michael?” Menderes seufzt tief: “Ich könnte vielleicht von den Beatles was singen.” Dieter wird sauer: “Jetzt, wo Michael tot ist, wo Du es endlich geschafft hast, kommen wohl die anderen Promis dran? Nächste Woche gucke ich in die Zeitung, ist Stevie tot, ist Paul McCartney tot…”

    Aus heiterem Himmel, wohl einer inneren Eingebung folgend, bittet Menderes an dieser Stelle darum, eine zweite Chance zu kriegen und das Lied von vorhin nochmal singen zu dürfen. Das hätte er man besser nicht gesagt, denn angesichts seiner kostbaren Lebenszeit, die Michaels illegitimer Nachfolger gerade so sinnlos verschwendet, wird Bohlen nun doch etwas ausfallend: “Du kannst nicht singen, Du wirst nicht singen können, Du bist Scheiße und ich will Dich eigentlich hier nicht wieder sehen.” (Endlich klimpert mal ein Euro in Dieters Scheiße-Schweinchen.) Auch von Nina und Volker gibt es das wenig überraschende “Nein”, wenn auch freundlicher. Bohlen fragt nach dem Alter des Kandidaten und bricht theatralisch zusammen, als er sich klar macht, dass der bis zum Erreichen der Altersgrenze noch sechs Mal wiederkommen kann (und wird). Für dieses Jahr war es das aber, der peinliche Auftritt ist vorbei und Menderes wirkt ehrlich geknickt, als er das Studio mit gesenktem Kopf verlässt. “Ich werde niemals aufgeben”, droht er draußen der versammelten Weltpresse. :-(

    Mit dieser beunruhigenden Ankündigung entlässt uns RTL in das Rest-Wochenende; am Mittwoch gibt es schon die nächste Ladung von Knallschoten und Wunderkindern, man sieht sich!

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  • DSDS (RTL) 14.01.2010 1 Comment

    Hallo Leute, weiter geht’s in Onkel Dieters Panoptikum; der Poptitan sucht noch immer unverdrossen das Goldkehlchen in einem Haufen von 35.000 Bewerbern. Leider habe ich heute nicht so viel Zeit, darum will ich mich mal etwas kürzer fassen – wenn ich das hinkriege. ;-)

    Es geht gleich mit einer rührenden Homestory los: Menowin Fröhlich ist schon ein ziemlich seltener Name, da klingelt es vielleicht bei manchen DSDS-Veteranen? Aber klar, das war in der DSDS-Staffel von 2006 so ein ultra-cooler Typ mit Sonnenbrille, der ziemlich genial singen konnte, aber ansonsten ziemlich neben der Spur war. Zwischen Recall und Motto-Shows war ihm damals eine Winzigkeit dazwischen gekommen, nämlich ein zweijähriger Urlaub auf Staatskosten wegen diverser Vergehen, z.B. Körperverletzung, Waffenbesitz und Betrug. “Ich hatte juristische Probleme”, nennt der heute 22-Jährige das rückblickend. Im Einspieler beteuert der 2010er-Menowin, dass es den 2006er-Menowin nicht mehr gibt, er sich nun völlig geändert hat. Dazwischen zeigt RTL Bilder von seinem kleinen Sohn… schon allein seinetwegen würde er nun keinen Scheiß mehr bauen, sagt der Kandidat. Geändert hat er übrigens auch seine Figur, denn er ist im Knast deutlich pummeliger geworden, auch im Gesicht, nur die alte Sonnenbrille scheint noch immer zu passen…

    Menowin muss sein Reuebekenntnis noch einmal live vor Dieter, Nina und Volker wiederholen, bevor er wieder singen darf: Er bringt “My Cherie Amour” von Stevie Wonder und ich find’ s ganz ok, zwar nicht alles sauber, aber er ist bestimmt ziemlich aufgeregt und hat eine tolle Soul-Stimme. Als er dann auf Bitten einer einzelnen Dame in der Jury  auch noch die Sonnenbrille abnimmt und seine knall-blauen Augen zeigt, schmilzt Nina dahin. (Das erinnert mich total an eine Szene im Film “Blues Brothers”, als Jake Blues (John Belushi) im Matsch liegend für seine rabiate Ex-Verlobte ebenfalls die Sonnenbrille abnimmt und sie daraufhin aufhört, ihn zu beschießen.) Das gibt natürlich drei Ja-Stimmen von der Jury und damit den gelben Zettel mit der Einladung zum Recall. Wenn jetzt noch seine Bewährungshelferin zustimmt, sehen wir Menowin in der nächsten Runde wieder…

    Jana-Marie Hansen (16) sieht aus wie Mireille Mathieus 50 Jahre jüngere Schwester: quirlig, klein, schwarze Haare mit Pony und Popo-Scheitel. Auch ansonsten sieht man sie lieber von hinten als von vorn: Sie gesteht, von ihrer Umwelt eher als Nervensäge empfunden zu werden (glaube ich sofort) und will nun ins Fernsehen, wohl weil sie hier mehr Schaden anrichten kann. Sie beginnt ihr Vorsingen sehr anstrengend, befragt erstmal die Jury, was die von Husum (der Stadt neben ihrem Dorf) halten und macht sich so schon in Sekundenschnelle drei Feinde. Ungefragt zählt sie dann noch ihre Hobbies auf: Badminton und Fußball. Als Nina zurückfragt, auf welcher Position sie spiele, ist in Jana-Maries Kopf offenbar plötzlich der kleine Hamster vom Rad gefallen, sie guckt für einige Augenblicke total hohl (endlich ist sie mal ruhig) und dann kommt die Antwort “Schulfußball”. Thema verfehlt, sechs, setzen! In die entstandene Verwirrung hinein kann nun endlich mal Dieter seine dringendste Frage loswerden: “Hast Du schon einen Freund?”. Sie schüttelt stumm den schwarzen Pony-Kopf. “Aber wenigstens mal geknutscht?”. Nun nickt sie – immer noch erfreulich stumm.

    …Und wäre sie man stumm geblieben, denn ihr Titel “Bubbly” von Colbie Caillat ist nicht nur schief gesungen, nein er endet auch bereits nach einer halben (Kata-)Strophe. “Ich hab’ nur bis dahin gelernt”, ist ihre matte Entschuldigung. Dieter kann Dilettanten nicht ausstehen, spricht das Urteil “Du hast überhaupt keine Ahnung, was Du da machst, mit Musik hat das nichts zu tun” und will sie aus dem Studio jagen. Leider hat Jana-Marie noch einen letzten Wunsch an ihn: “Darf ich Dich mal knuddeln?”. Gefragt, getan, dann geht sie endlich. Volker ist ganz angetan von den beiden, “Dieter, der Mensch”, sinniert er. Das hat selten mal jemand über den Poptitan gesagt…

    Danach kommt wieder jemand aus der Abteilung “Käfigtür offen gelassen”. Ein 18jähriger schwarz gekleideter Hirbel namens Toni, Marke “Halber Hahn”, steht plötzlich im Studio wie ein Alien, das von seinem Mutterschiff mitten in der Nacht auf einer einsamen Kreuzung bei den Erdlingen abgesetzt wurde. Keiner kümmert sich um ihn, die Jury begutachtet gerade den Kronleuchter und Dieter fummelt außerdem noch mit seinen Teebeuteln herum. Plötzlich fängt der Toni an, mit schwerem sächsischem Akzent auf Volker einzureden und es kommt zu folgendem denkwürdigen Dialog. Toni an Volker: “Hallo, ich möchte wissen, wie es Dir geht.” Der Angesprochene guckt schwer irritiert: “Wie?” Nochmal spricht der merkwürdige Toni: “Du, ich möchte gern wissen, wie es Dir geht.” – Volker: “Was willst Du???” – Alien: “Ich möchte gern das Lied von Matthias Reim…”, dann hakt offenbar sein Plattenspieler und er schaltet wieder um auf die Grußfrequenz von vorhin “Hallo, ich möchte gern wissen, wie es Dir geht”. Nach einer Weile bekommen sie dann heraus, dass er wohl ein DSDS-Kandidat ist, der nun ein Lied von Matthias Reim zu singen wünscht. Als Volker fragt, welches Lied es denn singen wolle, kommt als Antwort “Dies Lied ist nicht für Dich”. Volker ist wieder irritiert, weil er das zuerst als Unfreundlichkeit von Toni auffasst und erst danach versteht, dass das der Titel des bevorstehenden Liedes ist. Tja, die weite Anreise war umsonst, das Lied ist wohl schon im Original Mist, aber Toni kann leider überhaupt nicht singen und Dieter winkt ab. Nina verkündet das einhellige Urteil: “Also die Musikschiene würde ich abhaken.”

    Nach dem Sachsen-Freak kommt Augenfutter für Dieter und Volker, nämlich die 19jährige großäugige Blondine Steffi Landerer, die schon in den ersten Sätzen im Einspieler bekannt gibt, aus Zeitgründen gerade keinen Freund zu haben. Mit der Aussage “um Superstar zu werden, würde ich alles aufgeben -  A L L E S  !!!” geht sie als Favoritin ins Rennen um den Annemarie-Eilfeld-Gedächtnispokal.

    Sie singt “Mercy” von Duffy, während Dieter im Hintergrund vermutlich der Sabber aus dem Mund läuft. Zwar kriegt sie hinterher von Volker ein Nein (“sehr überschaubare musikalische Leistung”), aber Nina fand die Vorstellung gut und Dieter erkennt hinter ihrer “ätzenden Stimme” eine interessante Persönlichkeit, mit der man “viel Spaß” haben könne. Damit steht es zwei zu eins für Steffi, das blonde Gift. Hinterher geht der Einspieler noch weiter mit einer ganz wichtigen Information von Steffi für Dieter: “Ich werd’ oft gefragt, ob meine Brüste echt sind. [Kunstpause] Ja, sie sind echt!” :-)

    Der nächste Kandidat ist der etwas verhungert aussehende Christian Paternoga aus Recklinghausen, dem man seine 16 Jahre nur schwer abnimmt. Er spielt Gitarre, war früher mal im Kinderchor und wurde deswegen bestimmt öfter mal verhauen. (Ich weiß, ist gemein, aber ich finde, er hat ein “Backpfeifengesicht”.) Heute ist er Schlagzeuger in einer Punk-Band, singt dort aber nicht, weil seine Stimme eher zu Popmusik passt, sagt er. Und dann legt er los: “You don’t know” von Milow bringt er absolut super rüber, Respekt, der Typ kann was! Bohlen wünscht das Lied nochmal mit etwas mehr Gefühl, das geht auch und die Jury ist begeistert. Man sieht sich im Recall.

    Die 16jährige Andrea Crescencia Esono Andong aus Hamburg (die Eltern stammen aus Äquatorialguinea) sieht sehr annehmbar aus, kann Bauchtanz und Yoga und ist stolz auf ihre “Weiblichkeit”, soll heißen: Da gibt’s für Dieter wieder was zu sehen. Der steht bekanntlich auf Frauen mit dunklem Teint und großen Augen und hat beim Nachnamen bestimmt “Dingdong” verstanden… Als Andrea hereinkommt, guckt er jedenfalls wie ein hypnotisiertes Kaninchen und kriegt erstmal den Mund  nicht mehr auf. “Du, du, du, du, du hast ja eine Taubstummenhose an”, stammelt er schließlich beim Blick auf ihre Leder-Leggings. Seine angedeutete Erklärung dieser Zote verkneife ich mir in unserem Blog, sonst kriegen wir noch Ärger mit dem Jugendschutz. Andrea versteht die Erklärung jedenfalls nicht und verursacht damit große Heiterkeit bei den Herren der Schöpfung; Nina schweigt betreten.

    Nach einem desaströsen, aber temperamentvollen Versuch, die geografische Lage von Äquatorialguinea auf dem afrikanischen Kontinent mit Worten und Gesten zu erklären, darf Andrea eine Runde Bauchtanzen und als Bonus eine Yogaübung vorführen. Dieter fallen fast die Pupillen aus dem Kopf, er greift schon mal in Richtung Recall-Zettel. Dann singt sie von Silbermond “Das Beste”, allerdings nicht besonders toll. Volker sagt trotz ihrer vorangegangenen Show “Nein”, Dieter gibt “zum ersten Mal in meinem Leben” ein Mitleids-Ja und Nina sagt gar nichts. Dann kippt Schwächling Volker um, ändert sein “Nein” zum “Ja” und damit sehen wir auch Andrea im Recall wieder. Mannomann, Dieter denkt tatsächlich manchmal mit der Hose und Volker scheinbar nicht mal das…

    Zwischenpause mit Gewinnspiel, für folgende Frage verschenkt RTL 10.000 Tacken: “Wer sitzt seit der ersten Staffel in der DSDS-Jury? a) Dieter Bohlen oder b) Menderes Bagci”. Boah, ey, ist das schwer, wie soll man das denn wissen???

    Während ich noch an der Antwort grüble, betritt ein nicht untergewichtiger blonder Typ im rosa Hemd mit Gitarre das Studio und verlangt nach einem Stuhl. Bohlen gibt den vollendeten Gastgeber: “Sitzen den ganzen Tag rum und setzen sich hier auch gleich hin mit ihrem fetten Arsch.” Nach dieser gelungenen Begrüßung beginnt Rico Däbel (20) mit dem Titel “Knockin’ on Heaven’s Door” von Guns N’ Roses. Vielleicht hätte er vorher einfach mal üben sollen, denn die Gitarre plärrt schon im Intro so jämmerlich, dass Volker ihm vorschlägt, das Lied ohne Instrument zu singen. Rico scheint ihn überhaupt nicht verstanden zu haben und macht unbeeindruckt weiter; Volker ist mal wieder etwas irritiert. Der Gesang ist dann leider genau so schlecht wie das Gitarrespiel! Nach ein paar Minuten erbarmt sich Dieter und gibt dem blonden Barden mit einer Geste den Gnadenschuss. Adlatus Volker darf das Urteil verkünden: “Du kannst nicht Gitarre spielen und Du kannst nicht singen.” Tschüss, Rico, Du bleibst wohl Dein größter Fan.

    Die apart und etwas puppenhaft aussehende Ines Redjeb aus Tunesien ist 22 Jahre alt, Studentin und allein erziehende Mutter. Nach ihrem Einspieler inkl. tanzendem Baby singt sie “Wenn das Liebe ist” von Cassandra Steen. Was mit einer ausbaufähigen Homestory beginnt, endet fast mit Dieters Bemerkung “Du stehst da so, als wenn Du auf Klo musst”. Da hat er recht, trotzdem darf sie auf Bewährung noch einen zweiten Titel singen und kriegt dann tatsächlich den begehrten gelben Zettel. Dieters rätselhaft-verquaste Begründung: “Du singst ganz gut, siehst aber natürlich besser aus, als Du singst.” Sex sells, ganz klar.

    Nicht weiter erwähnenswert ist Timo Harder, selbst-erklärter größter Michael-Jackson-Fan der Welt – und ich dachte immer, das sei Menderes… Timo hat im Internet eine Jacke gekauft, die MJ so ähnlich im “Thriller”-Video trug. Damit, meint er wohl, komme er automatisch bis in die Mottoshows. “Menderes ist Kreisliga und ich bin Champions League”, meint er selbstbewusst und betritt das Studio. “Wo hast’n die Flash-Gordon-Jacke her?”, ist Volkers erste Bemerkung. Dieter fällt nur ein “Meine Fresse, nun sind wir den ollen Menderes los und dann kommst Du”. Recht hat er, Timo singt nämlich grottig, kann sich kein bisschen bewegen, sieht blöd aus und verbraucht nur die teure Sendezeit auf RTL. Volker beendet die peinliche Vorstellung mit der Feststellung “Die Lizenz zum Quälen von Michael Jackson hat nur Menderes.” Abgang!

    Den Ausputzer am Ende der Sendung macht ein blondes Jüngelchen mit Zahnpastalächeln, Typ Damenfrisörazubi. Sebastian Steinberger ist 17 Jahre alt und war mal bei den Regensburger Domspatzen, dem klassischen Äquivalent einer Boygroup. Er wirkt wie die domestizierte Version von Benny Kieckhäben aus der letzten Staffel, allerdings mit dem Unterschied, dass der in die Top 10 kam. Sebastian dagegen katapultiert sich aus dem Wettbewerb mit dem Titel “Listen” von Beyoncé Knowles. Dieter vergleicht die Stimme mit einem besoffenen Lurch, irgendwo zwischen Kotzen und Joint. Sebastian glaubt zwar weiterhin, dass er singen kann, kann das aber zukünftig nur noch im privaten Rahmen beweisen.

    Damit war es das wieder, man sieht sich am Sonnabend!

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  • Drei Hungermonate sind vorbei, endlich serviert uns Meisterküchenchef Christian Rach wieder Spezialitäten aus der Welt der Gastronomie.  Genau genommen dreht sich bei ihm alles um die Sorgenkinder seiner Branche, denn Rach ist für Gastwirte das, was Zwegat für Schuldner ist, nämlich der letzte Strohhalm vor der Pleite.

    Die heutige erste Folge der neuen Staffel führt uns ins malerische (upps, bin noch so im “Bauer sucht Frau”-Fieber), also führt uns nach Herzogenaurach, der Stadt von Adidas, Puma und Lodda Maddäus (sagt Wikipedia). Hier betreibt das sympathische, leicht angegraute Ehepaar Annemarie und Martin Lanthaler mit einigen Verwandten seit 37 Jahren den “Zum Tiroler”. Obwohl ich beim Namen eher an Österreich denken muss, gibt es hier vor allem italienisches Essen aller Art und jeder Größe. Des Rätsels Lösung: Die Lanthalers kommen aus Südtirol, das ja bekanntlich zu Italien gehört. In den letzten Jahren ist der Umsatz auf gerade noch ein Viertel gesunken, angeblich grundlos.

    Rach hat sich endlich abgewöhnt, immer einen Tag früher als angekündigt zu kommen – die Pointe war inzwischen aber auch sowas von abgelutscht. Dementsprechend unüberrascht sind die Lanthaler-Brüder. (Da wären “Junior” Albert, der Chef vom Service und “Senior” Martin, der Chefkoch, dessen Frau Annemarie das Restaurant offenbar leitet.) Der Gastropapst nimmt an einem der Tische im komplett leeren Restaurant platz und inspiziert zuerst die Speisekarte. Da begann ja in den früheren Staffeln meist das Unheil und auch diesmal ist es nicht anders: Es gibt mehr als 150 verschiedene Gerichte und jedes in diversen Varianten und Größen (und Preisen). Das macht zusammen gut 500 Preisangaben. Die Speisekarte sieht von weitem aus wie eine Excel-Tabelle und Rach kriegt ‘nen Föhn (“Muss man dafür Mathematiker sein, um bei Euch was zu bestellen?”).

    Dann startet ER den ersten Teil seiner Fressorgie: 2 Sorten Bruschetta, Spargelsuppe, Brokkolisuppe, Spaghetti al Tonno (klein) und Penne al Salmone (auch klein). “Junior”, der Service-Bruder, guckt etwas verzweifelt, läuft in die Küche und überbringt der versammelten Familie diese Megabestellung. Während nun alle gleichzeitig in Schweiß geraten, ertönt im Hintergrund nicht ohne Grund die Dick-und-Doof-Erkennungsmusik.

    Dann kommt wieder der typische Rach mit dem verwöhnten Gaumen, der mit nichts zufrieden ist: Die Bruschetta sind bröselig und schmecken ihm nicht, die beiden Suppen kann der “Junior” postwendend wieder in die Küche tragen “braucht die Welt nicht, das is’n Brei”, der Thunfisch und die Paprika stammen aus der Dose, in der Penne ist Räucherlachs “das geht ja gar nicht” und so weiter. Dann wirft er einen verhängnisvollen weiteren Blick in die Karte “Was heißt denn Pizza Spaghetti Bolognese?”, will er nun wissen. “Das ist eine Pizza mit Spaghetti und Soße und Käse”, kommt die wenig überraschende Auskunft. Rach ist begeistert: “Das finde ich ja ganz eklig, das möchte ich bitte haben.” Außerdem bestellt er sich für den kleinen Hunger zwischendurch auch noch ein Gorgonzolasteak.

    Zum martialischen “Imperial March” vom Krieg der Sterne werden wir Zeuge, wie flinke Hände in der Küche einen Topf Spaghetti auf einen Pizzateig ausleeren und in den Ofen schieben. Da grummelt einem der Magen schon beim Zusehen. Wird aber noch besser: Das arme Gorgonzolasteak wird in einem Eimer Soße ertränkt, nur notdürftig ausgewrungen auf den Teller geklatscht und so schwimmend dem Sternekoch serviert. Schade, dass dessen flammende Predigt gegen die mancherorts herrschende Versoßungspraxis, die er den Fernsehzuschauern gerade zwei Minuten zuvor gehalten hatte, nicht in die Küche übertragen wurde, das hätte den Brüdern den nächsten Anschiss erspart: “Das ist ‘ne fette Schlotze, die nach nichts schmeckt”, lautet Rachs vernichtendes Urteil. Dann kommt das Lanthaler’sche Meisterstück, die Pizza Spaghetti Bolognese. Rach zögert etwas, bevor er seine kostbaren Geschmacksnerven für dieses Machwerk aufs Spiel setzt, aber der Gedanke an den fetten RTL-Gagenscheck gibt wohl den Ausschlag und mit Todesverachtung führt er die Gabel zum Mund. Nach dem ersten Bissen lässt er die Gabel sinken, schüttelt langsam den Kopf und fragt völlig verständnislos in die Kamera “Warum bloß macht man so was?”…

    Nun folgt ein weiteres Rach’sches Ritual, der Gang zum Tatort. Auf spitzen Fingern trägt er die letzte Gaumenbeleidigung zu deren Urhebern in die Küche zurück und fordert Satisfaktion für seinen Magen. Kriegt er aber nicht, keiner will es mit ihm aufnehmen und sowieso wirken die Küchenmenschen irgendwie alle ganz sympathisch. Rachs Kampfeswillen ist vom vielen Essen wohl etwas abgestumpft und er vertagt das Standgericht auf den nächsten Morgen.

    Rach hat die Nacht wider erwarten überlebt und steht am nächsten Morgen um 10:30 Uhr erneut vor dem “Tiroler”. Heute ist sogar die erweiterte Familie da, auch die Nichte Patricia, die Rach zu Hilfe gerufen hat, weil sie nicht mehr mit ansehen kann, wie sich Onkel und Tante für nichts kaputtschuften. Rach schlägt vor, die Speisekarte auf 15 Gerichte zu reduzieren, “Senior” Martin behauptet, das sowieso schon immer gemacht haben zu wollen, die Nichte widerspricht, er sei in Wirklichkeit beratungsresistent. Alles brabbelt durcheinander, labaluba labaluba. Der Hamburger ist leicht genervt, wähnt Widerstand  gegen Neuerungen und verzieht sich schon wieder zum Essen (auswärts, nicht beim “Tiroler”). Solche Arbeitszeiten wie der möchte ich auch mal haben…

    Am Nachmittag haben sich der Chef-Lanthaler und seine Frau, die Oberchefin, dazu durchgerungen, Rachs Vorschlägen bedingungslos zu befolgen – so tief steckt der Karren mittlerweile im Dreck. Der Sternekoch macht eine Hausbegehung, mäkelt am Eingangsbereich herum und kommt dann zum Kernproblem: Der Küche. Also nicht die Küche als Raum, sondern vielmehr das, was dort produziert wird. Für den nächsten, den dritten Tag, vereinbart er ein Probekochen unter seinen meisterlichen Argusaugen. Es liegt was Bedrohliches in der Luft.

    Am nächster Tag ist der Tag der Wahrheit, es geht ins Allerheiligste. “Koch’ mir Dein bestes Gericht – und koch’ um Dein Leben!”, lautet Rachs Tagesbefehl an den “Senior”. Das wird dann ein Spaghetti al olio. Die auch bei Rach bestens aufgelegte Musikredaktion  lässt im Hintergrund die Titelmelodie von der “Sendung mit der Maus” erklingen – Lach- und Sachgeschichten für Kinder, was wollen die damit nur andeuten? Rach steht skeptisch guckend und mit verschränkten Armen neben der zischenden Pfanne und lässt Martin nicht aus den Augen. Der wirbelt mit Öl, Knoblauch und Nudeln, brutzelt das Zeugs kurz durch und kippt schließlich noch etwas Brühe oben drauf. Fertig.

    Fertig ist auch Rach – und zwar mit den Nerven. Wenn das das beste Gericht gewesen sein soll, das “Senior” kann, dann Gute Nacht, Tiroler. Er schleppt Chefkoch und Chefin in einen nahe gelegenen italienischen Supermarkt und kauft mit ihnen frische Lebensmittel ein. Während Dosenfetischist Martin noch den Kulturschock verdaut, tut Rach endlich mal was für seine Gage und fängt an zu kochen. Im Nullkommanichts zaubert er mit Birnen und Käse einen “Tiroler Herbstsalat”. Dann haut er unter den erstaunten Blicken von Addi, dem grünhaarigen (!) Kochazubi, Spargel mit gehobeltem Parmesan und Parmaschinken in die Pfanne und erntet erneut Zustimmung. Der Off-Kommentator überschlägt sich geradezu vor Begeisterung, aber der ist sicherlich voreingenommen. Nur einer macht nicht so recht mit: Albert, der Chef der Bedienung, aber das wird auch noch. Mit “Change” von “Tears for Fears” klingt der dritte Tag passend aus.

    Der vierte Tag bringt weitere Veränderungen: Patricia, die Nichte, zeigt die Homepage des “Zum Tiroler”, die sie mal eben schnell in der Nacht zusammengebastelt hat, wie uns RTL glauben machen will. Im hässlichen Vorraum hat sich ein Maler breit gemacht und Chefkoch Martin streicht in der Speisekarte herum. Aber nun geht es wieder an den Herd, denn jetzt sollen die “überlebenden” Gerichte gekocht werden. Und siehe da, ein altes Problem kommt wieder zum Vorschein, das Rach beseitigen muss: Martin ist ein absoluter Sahne- und Soßenfan; für zwei Pfannen, in denen Fleisch köchelt, hat er ungefähr einen halben Liter Sahne verbraucht. Der Off-Sprecher behauptet ungefragt, das Essen im “Tiroler” sei fett und ungesund und dieser Meinung schließt sich auch Rach an. Zu viel Sahne und Soße, zu fettige Pommes, Fleisch, das nur zufällig gar ist und so weiter. “Kocht man wirklich so in Tirol?” fragt er Martin – und dem geht das sichtlich an die Ehre. Als Rach die zahlreichen Teller einen nach dem anderen in die Mülltonne leert, blutet allen das Herz.

    Martin und der grüne Addi setzen sich zusammen und grübeln über wirklich neue, Tirol-typische Gerichte und verfallen dabei ausgerechnet auf Pangasius, einen südostasiatischen Zuchtfisch. Als Rach das mitkriegt, bekommt er den Koller und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Für ihn ist der Tag gelaufen, Künstler sind ja so zart besaitet, der arme Mann ist einfach zu sensibel für so einen harten Beruf. Hoffentlich wird Tag fünf der Bringer!

    Rach kommt am letzten Tag mit einem Geschenk vom Fernsehen: RTL lässt eine komplette neue Geschirrgarnitur springen. Bei Martin kullern die Tränen und er schämt sich, aber der Gute Mensch von Hamburg kann ihn mit etwas italienischer Musik wieder beruhigen. Oh, alles wird gut, die Sonne Italiens lacht aus jedem Knopfloch, ist das Leben nicht schön? Man müsste Christian Rach sofort heilig sprechen, wenn er es nicht schon wäre.

    Beim abschließenden Probekochen der gesamten neuen, entfetteten Speisekarte passieren Martin reihenweise Schnitzer. Mal vergisst er die Nüsse, dann die Tomaten. Kein Wunder, wenn man 37 Jahre lang den selben Kram gekocht hat…

    Letzte Werbepause vor dem großen Finale… und Mist: Gerade sehe ich die 3000-Euro-Gewinnfrage und glaube fast, ich hätte eine Chance gehabt: “Wie heißt eine italienische Süßspeise? a) Tiramisu oder b) Karate”. Blöd, dass ich das nur als Aufzeichnung sehe und der Gewinner längst gezogen ist. Mit dem Lohn für die klar zutage liegende Antwort “Karate” hätte ich meinen nächsten Urlaub finanzieren können. Na egal, blogge ich halt weiter…

    Keine Ahnung, wie RTL das immer schafft, aber am letzten Rach-Tag sind pünktlich alle Renovierungen fertig und abends strömen die Massen zur “Wiedereröffnung” der jeweiligen geretteten Spelunke. Vielleicht sperren die draußen alle Ausfallstraßen ab, versprechen einen Auftritt der Flippers oder unterbrechen im Ort das Kabelfernsehen? Jedenfalls im “Tiroler” brummt es heute wie noch nie. Die von RTL interviewten Ess-Statisten sind rundum zufrieden und versprechen hoch und heilig, wiederzukommen. Als seine Frau gerade nicht hinguckt, knutscht Martin in der Küche den Rach ab und will ihn vermutlich adoptieren. Das geht aber nicht, denn der wird ja auch anderswo dringend gebraucht und kann nicht in Herzogenaurach bleiben. Mit Stanfour’s “Wishing you well” veranschiedet sich Rach zufrieden vom “Tiroler”; nur selten hat er in so kurzer Zeit so viel positiven Schaden angerichtet.

    Sechs Wochen später folgt der “unangekündigte” Hausbesuch (ähem, die Kamera ist im Schankraum, als Rach “überraschend” in die Tür tritt). Die Speisekarte ist noch immer neu, Gott sei Dank kein Rückfall, und Martin scheint müde von der ungewohnt vielen Arbeit, denn die Umsätze sind seit Rachs Besuch tatsächlich um 40 Prozent gestiegen. Damit pfuscht der Gastropapst natürlich etwas dem Zwegat ins Handwerk, denn der lebt ja bekanntlich von den Insolventen, aber dann muss er halt woanders helfen, finde ich. Rach bestellt sich etwas von “seinen” neuen Gerichten und man sieht Martin und Addi, jetzt mit rosa Haaren, in der Küche herumfuhrwerken. Zwar gerät wieder ein Spritzer Sahne an die Kartoffeln und gewürzt ist es auch nicht ganz richtig, aber Rach ist insgesamt doch zufrieden.

    Das war die erste Folge aus der neuen Rach-Staffel, weitere sieben kommen noch. Die heutigen Protagonisten waren fast zu sympathisch, denen wünscht man wirklich viel Glück. Aber aus Gründen der Schadenfreude könnte beim nächsten Mal vielleicht wieder so ein richtiger Spackenladen mit Ekel-Essen und unfähigen Köchen kommen, das wäre toll… :-)

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  • DSDS (RTL) 10.01.2010 No Comments

    Kaum drei Tage Ruhe, da geht es schon weiter mit Deutschlands Suche nach dem Superstar. RTL öffnet wieder den Käfig zum Schaulaufen der Vollidioten. Der gnadenlose Oberrichter Dieter Bohlen leitet weiterhin das Tribunal, das innerhalb weniger Sekunden über Wohl und Wehe hoffnungsvoller Möchtegern-Musiker entscheidet, an seiner Seite die Laienrichter Nina Eichinger und Volker Neumüller. Und Bohlen will auch heute wieder Blut sehen…

    Wäre das alles live, müsste Dieter heute übrigens etwas vergrätzt sein, denn lt. Bild-Online sind die humorlosen Eltern des Pipi-Kandidaten drauf und dran, ihn wegen der Verunglimpfung ihres Sohnes anzuzeigen. Wir erinnern uns an die letzte Woche: Der 18jährige Marcel hatte sich aus Angst vor Dieter Bohlen etwas in die Beinkleider erleichtert, jener hatte es bemerkt und herausposaunt und das Bild vom Hosenunfall war am nächsten Tag der Aufmacher in der Bild-Zeitung. Irgendwie ungerecht, um auf die Titelseite zu kommen, musste Daniel Schuhmacher immerhin den ganzen Wettbewerb gewinnen, Marcel schafft das schon mit einem einzigen Fleck in der Jeans – und kann noch nicht mal singen.

    Heute geht’s los mit der 21jährigen Agnes. Sie spricht mit starkem Akzent, darum hatte ich erst “Akne” verstanden, hätte auch gepasst. Im Einspieler erzählt sie freimütig, dass sie eigentlich “Superstar in Amerika” werden wolle, aber sie ist halt bescheiden und fängt erstmal in Deutschland an. Dieter will wissen, aus welchem Land sie kommt: “Deutschland” – “Und Deine Eltern?” – “Auch Deutschland” – “Und wo hast Du den Akzent her?” – “Bei uns wohnen so viele Ausländer, da hab’ ich den übernommen.” – “???” . Voll krass, Alter! Sie singt Alicia Keys mit MP3-Player, weil sie sonst den Text vergisst… Das funktioniert diesmal genau so wenig wie beim letzten Mal bei Isabel, der bösartigen Frisörin. Agnes kreischt so erbärmlich, als würde ihr gerade eine Straßenbahn über den Fuß fahren. Die Jury verzieht kollektiv das Gesicht, Dieter ruckelt heftig an seinem Stuhl und hebt an zur Urteilsverkündung: “Soll ich ehrlich sein…?”. “NEIN!”, fällt ihm geistesgegenwärtig Mitjurist Volker ins Wort. Also gut, dann sagt Dieter es eben nur in abgeschwächter Form: “Du klingst wie ‘ne volle Windel! Und wenn ‘ne Windel voll Scheiße ist, dann schmeißt man die weg!”. Na siehst Du wohl, Dieter, wenn Du willst, kannst Du ja wirklich richtig freundlich sein. Hast Dir für Agnes so eine niedliche Analogie ausgedacht, hoffentlich versteht die das auch mit ihrem mickrigen Deutsch… Dieter erklärt es ihr sogar noch etwas: “Mit Deiner Stimme kann man nichts anfangen, Schnucki, die ist Kacke, aber das weißt Du auch, oder?”. Die blonde Ex-Sängerin nickt langsam und verzieht sich. Und der erste Euro klimpert in Bohlens Sparschwein, hat er doch wieder das böse Sch[...]-Wort gebraucht…

    Kleiner Nachklatsch auf dem Flur: Agnes hat die Abfuhr gerade eben doch nicht ganz so problemlos verdaut und murmelt eine Drohung in die Kamera: “Ich weiß, wo Dieter wohnt!”. Sie ist tatsächlich noch blonder als gedacht.

    Als Kontrast kommt nun der 17jährige Eugen Flittner aus Berlin – Typ Dominik Büchele – und lt. Einspieler offensichtlich ein Parkour-Fan. Er macht seit Kindesbeinen Musik, ist Frontman in einer Band, schreibt eigene Songs, sieht gut aus und kommt heute nach seinem Vorsingen ohne Probleme in die nächste Runde. Dieter ist so begeistert, dass er ihm den ganzen Stapel mit gelben Recall-Zetteln zuwirft “hier, such’ Dir einen aus!”.

    Danach kommt noch ‘ne Professionelle: Kader Defli (19) aus Lübeck hat auch eine Band, singt und spielt Schlagzeug und ist nach eigener Einschätzung weder eingebildet noch arrogant, sondern “ein sehr liebes Mädchen”. Lt. Bild-Online ist das heute bereits ihr dritter Versuch bei DSDS. Für den Fall, dass es auch diesmal mit der Superstar-Karriere nicht klappen sollte, hat sie sogar noch einen Plan B: Dann will sie Jura studieren. Oder Plan C: zu RTL als Kabelträgerin, Kamerafrau oder “Tonträgerin” (!). Keine Homestory? Aber sicher! Kader zerrt ihren etwas scheuen Freund vor die Kamera: “Das ist Albert, wir sind seit einem Jahr verlobt, aber es gibt keinen Sex vor der Ehe!”. Albert schluckt sichtbar, wirkt irritiert. Schön, dass das jetzt alle wissen… Wer da wohl Zuhause die Hosen anhat? :-)

    Als Kader mit ihrer Gitarre das Studio betritt, pupt sie rum, dass es ihr hier zu heiß sei. Bohlen ist sofort vergrellt: “Kommst hier rein und fängst gleich an zu meckern.” Eigentlich hätte sie an dieser Stelle schon umdrehen können, wen Dieter nicht mag, den lässt er auch nicht durch, logo. Und da sie schon bei den letzten beiden Casting-Versuchen rausgeflogen ist, hat sie auch null Sympathiebonus. Aber manche lernen es eben nie. Schon bei Kaders ersten schrägen Takten winkt Dieter ab und schüttelt den Kopf. Die Gitarre ist völlig verstimmt und passt überhaupt nicht zum Gesang. Vielleicht ist es aber auch genau umgekehrt. Kader entschuldigt sich, sie könne nun mal keine Gitarre stimmen. (Das muss man wohl tolerieren, wäre ja auch noch schöner, wenn Leute in einem Musikwettbewerb benachteiligt würden, nur weil sie unmusikalisch sind…) Dieter gibt ihr aus unerklärlichen Gründen noch einen zweiten Versuch, jetzt aber ohne Gitarre. Diesmal muss irgend etwas anderes Schuld sein, denn es klingt wieder “Scheiße” (1 Euro ins Schwein). Bohlen attestiert ihr eine belanglose Teflon-Stimme, “da bleibt nichts hängen”.

    Kader ist noch nicht von ihrer Unmusikalität überzeugt. “Kann ich noch’n Lied singen?” – “Nö” – “Warum?” – “Weil Du nicht singen kannst!” – “Ich KANN singen!” – “Nööö!”. Nun kommt es zum Eklat, der Diva ist die Hitze vermutlich wirklich etwas auf die Denkmurmel geschlagen und sie patzt los: “HALLO, ich hätte heute eine Mathe-Arbeit schreiben können und bin stattdessen extra hierher gekommen, DAS IST GEMEIN!!!”. Nach diesem kleinen Beweis ihrer Professionalität schickt sie sich endlich zum Gehen an, wirft aber Dieter mit gestrecktem Mittelfinger von der Tür aus noch einen diabolischen Blick zu: “Ich seh’ Dich in der Hölle!”. Wie eine Furie rennt Kader aus dem Studio, greift sich draußen ihren armen Freund und verlässt mit ihm schimpfend wie ein Rohrspatz das Lokal.

    Oh Mann, Dieter, sieh’ Dich vor, Du musst in Deinem Leben bestimmt noch ein paar gute Taten vollbringen, sonst bist Du verdammt, auf ewig die dämliche Kratzbürste Kader mit ihrer verstimmten Gitarre zu ertragen… (Mein Tipp: Man sieht sie wieder bei DSDS 2011, natürlich weiterhin völlig talentlos!)

    Zur Abwechslung kommt nun wieder ein harmloser Irrer, nämlich Atilla mit der Mikrofonmacke. Der hält sich beim Singen die Faust vor den Mund, als wäre sie ein Mikro, was ziemlich bekloppt aussieht. Die Jury steigt darauf ein und spricht sich ebenfalls in die Fäuste. Nur Nina kann sich zu einem “Ja” durchringen und damit müssen wir im Recall auf Atilla verzichten.

    Naomi Marte ist niedliche 16, singt und spielt Akkordeon – letzteres gern in der Fußgängerzone ihrer Heimatgemeinde, wenn man dem Einspieler glauben darf (was man natürlich NICHT tun sollte). Die Jury guckt einigermaßen perplex, als sie das schwere Schifferklavier ins Studio schleppt. Volker ist sogar bis zur Sprachlosigkeit paralysiert, offenbar passt Naomi genau in sein Beuteschema. Der Gesang ist eher so lala, weil sie angeblich wegen des sperrigen Akkordeons nur so schwer Luft kriegt, aber wie gesagt: sie ist niedlich und gutartig, das zählt ja auch. Man sieht sich im Recall.

    Nun wird es wieder etwas exotischer: Die 18jährige sympathische Frohnatur Carmen Telschig, Typ blonde Wuchtbrumme, kommt mit ihren silbern glänzenden Lieblings-Leggins ins Studio. Aus DSDS-Sicht ist sie vom Schicksal begünstigt, denn Carmen und ihr Bruder wurden schon als kleine Kinder vom Jugendamt ins Heim gesteckt. Dieter will es genau wissen und entlockt ihr, dass die Eltern Suchtprobleme hatten. Sie schmeichelt sich mit einer zugegebenermaßen perfekt gesungenen Gute-Laune-Version von “You’re my Heart, you’re my Soul” bei Dieter ein und kommt locker in den Recall.

    Auch im nächsten Fall gibt es eine emotionale Homestory: Ruzhdi Bojani ist 22 und stammt aus dem Kosovo. Im Einspieler sehen wir schwarz-weiße Kriegsbilder mit Trümmerhäusern und weinenden Menschen. Warum auch nicht, das hat dem Libanesen Fady Maalouf bei DSDS 2008 auch den Weg bis zum Finale geebnet. Ruzhdi kommt ins Studio, im Hintergrund dramatische Begleitmusik mit Pauken und Hörnern, die sich sehr nach Schlachtengetöse anhört. Als er von seiner dramatischen Kindheit berichtet, stockt Dieter, Nina und Volker der Atem, sie gucken betreten zu Boden und sehen aus, als gingen ihnen ihre eigenen traumatischen Kriegserlebnisse noch einmal durch den Kopf … wenn sie denn nur welche hätten.

    Ich finde, RTL trägt hier ein bisschen zu dicke auf. DSDS schlachtet Ruzhdis zweifellos traumatische Vergangenheit schamlos aus, um daraus eine Betroffenheitsnummer zu basteln, die direkt auf die Tränendrüsen zielt. Das ist natürlich politisch so was von korrekt und unangreifbar, nervt aber, weil jedem Zuschauer schon an dieser Stelle klar ist, dass Ruzhdi GARANTIERT schon aus Mitleid in die nächste Runde kommt, egal wie er jetzt gleich singt. Könnte man denn nicht lieber kurz vor Weihnachten mal ein eigenes Casting zum Thema “die ultimativ traurigste Homestory” machen?

    Ruzhdi singt zur Gitarre “Closer” von Ne-Yo, wie ich finde nur einigermaßen und nicht immer sauber intoniert, aber die Jury legt den Homestory-Bonus oben drauf und ist restlos begeistert. Dieter bescheinigt ihm, er sei in dieser Staffel bisher der Beste und freut sich auf das Wiedersehen im Recall.

    Die langmähnige Yasemin Schakmak, Künstlername “Jazmeen” (!!!), ist 20, kommt aus Stuttgart, modelt nebenbei und hat ihrer Ansicht nach “das Komplettpaket” (?), weil sie “die Leidenschaft mitbringt” und bereit ist, für DSDS “alles” zu tun. Na, das lässt ja hoffen, endlich bewirbt sich mal jemand um Annemarie Eilfelds seit der letzten Staffel freie Planstelle als intrigante Hexe. Im Einspieler läuft sie händchenhaltend mit einem Mann im Business-Anzug und lichtem, grauen Haar durch den Wald. Es ist aber nicht ihr Daddy, wie ich zuerst vermute, sondern ihr 33 Jahre älterer Freund, der für mich wie die Sparausgabe von Flavio Briatore aussieht. Beim Vorsingen muss Yasemin kurzfristig umdisponieren, als Bohlen keinen Titel von Michael Jackson hören will und sie bringt stattdessen “Sway” – keine Ahnung von wem das ist, wird auch nicht verraten. Sie macht die Sache ganz gut, vielleicht sogar etwas zu selbstbewusst, und ich wittere die Zicke in ihr. Wir werden die Sache beobachten, denn sie kommt  in den Recall und fällt draußen vor dem Studio dem Grauhaarigen jubelnd um den Hals.

    Nun kommt wieder was zum Ablachen, das signalisieren schon die ersten Sekunden des nächsten Trailers. Küchenhelfer Bernd Martini aus Stuttgart ist mit seinen 30 Jahren der Heesters der DSDS-Kandidaten und scheint auch tatsächlich schon erste Ausfallserscheinungen zu haben. Er ist John-Wayne-Fan, mag Country-Musik und läuft in seinem Filmchen breitbeinig und in Cowboykluft durch eine Stuttgarter Bushaltestelle, scheinbar auf der Suche nach seinem Pferd. RTL zeigt ihn auch bei seiner Lieblingsbeschäftigung nach Feierabend: Er liegt mit seinem Hasen “Hoppel” (ein Tier ist gemeint!) auf der Couch und guckt Western. Unnötig zu erwähnen, dass er Single und vermutlich auch ansonsten ziemlich allein ist. Aber er nutzt die – hoffentlich einmalige – Gelegenheit, dass eine Kamera auf ihn gerichtet wird und ruft die Frauen dieser Welt auf, ihn aus seiner Einsamkeit zu erlösen. Bedauerlicherweise plaudert er dabei einige Details aus seinem armseligen “erotischen” Nähkästchen aus, auf die ich rasend gern verzichtet hätte.

    Seit ein paar Monaten ist Bernd  – wohl als Training für DSDS – im Gesangsverein. Leider hat dort keiner gemerkt oder ihm zu sagen gewagt, dass er ÜBERHAUPT NICHT singen kann und sich lächerlich macht. Andererseits, vielleicht wollten die das aber auch gerade… Wie auch immer, jedenfalls steht der verhinderte Cowboy nun vor der Jury, wird seiner Freak-Rolle gerecht und vergeht sich mit fisteliger Stimme an Rod Stewarts ehemals knister-erotischem Song “Sailing”. Danach dürfte Drafi Deutscher im Grab rotieren, denn als zweiter Titel wird “Marmor, Stein und Eisen bricht” musikalisch verunstaltet. Dieter wirft gleich zehn Euro-Stücke auf Mal in sein Scheiße-Schweinchen, macht Bernd lang und haut dann den genialsten Satz des Abends raus: “Ich bringe eher einem Gummibaum das Schachspielen bei, als Dir das Singen.” Ende, Bernd ist bedient und reitet in den Sonnenuntergang… :-)

    Zum Abschluss kommt noch ein Freak: Berlin-Bayer und Altenpfleger Andreas Hörl (28) scheint sich wohl für eine Art Heavy-Metal-Rocker zu halten, immerhin hat er lange Haare und einen Bart und kann vor Kraft kaum noch gehen. Er sei musikalisch vielfältig begabt, hat er herausgefunden, insbesondere im Luftgitarre-Spielen und Headbanging. Weshalb er dann ausgerechnet die softe Ballade “Last Unicorn” von America singen muss, bleibt sein Geheimnis. Dieter wittert sogleich Unheil und wird nicht enttäuscht. Der gesamten Jury gefällt das Stück nicht, sie hatten Hardrock erwartet und hören nur Schmalz. Dreimal “Nein” ist die Quittung für so wenig Power.

    Die heutige Ausbeute fand ich recht enttäuschend, nach meinem Geschmack war da – außer Eugen – kein Top-10-Kandidat dabei, aber das Publikum tickt vielleicht anders. Schon am Mittwoch geht es wieder weiter, der Name Menderes ist in der Vorankündigung gefallen – ich hoffe, diese notorisch-talentfreie Megapfeife bleibt uns in der laufenden Staffel erspart.

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  • DSDS (RTL) 07.01.2010 No Comments

    Hurra, hurra, DSDS ist wieder da!!! Für alle Fans öffentlicher Demütigungen und abartiger Musikgenüsse ist heute noch mal Weihnachten, denn “Dieter spielt den Sensenmann” (DSDS) geht in die siebte Runde!!! Während draußen Väterchen Frost uns klimakatastrophenverwöhnten Warmduschern zeigt, was unsere Großeltern unter “Winter” verstanden, führt in der Glotze Dieter Bohlen sein nicht weniger frostiges Regiment. Unter seinen strengen Augen und Ohren zerplatzen (hoffentlich) wieder reihenweise die Karriereträume überambitionierter Teenager, die irrtümlich glauben, singen zu können und die entweder gar keine oder jedenfalls keine musikalischen Freunde haben, die sie rechtzeitig aufhalten konnten. Das wäre ja auch blöd für uns andere, die wir gemütlich mit Salzstangen und Cola vor den heimischen Fernsehern dabei sein wollen, wie vermeintliche Jung-Madonnas oder Nachwuchs-James-Blunts von einem Typen zerlegt werden, der es mit ganzen drei Akkorden zum zig-fachen Plattenmillionär geschafft hat. Und dem die ganze Republik zu Füßen liegt, weil er sich trotz seiner immensen Erfolge nicht verändert hat, sondern immer noch genau derselbe liebenswert-unsympathische Kotzbrocken geblieben ist.

    Es geht los mit einem dramatischen Trailer mit einer sich drehenden Weltkugel, über die ein kleiner Düsenjet hinwegsaust, dazwischen sind (wie passend) Bilder von Naturkatastrophen, wie Vulkanausbrüchen und Flutwellen, geschnibbelt. Am Ende entsteigt “Deutschlands härteste Jury” dem Flugzeug, nämlich Volker Neumüller, Nina Eichinger und eben Dieter Bohlen (mit alberner 3D-Brille auf der Nase). Letzterer hat übrigens ein Gelübde abgelegt, zukünftig auf Kraftausdrücke zu verzichten; für jedes “Scheiße” will er nun einen Euro in ein Sparschwein werfen. Angeblich gab es diesmal 35.000 Bewerber um die Plätze in Onkel Dieters Talentquetsche, ein neuer Rekord. Wenn das so weitergeht, tummeln sich bei der 15. Staffel mehr Leute vor der Kamera als vor der Glotze…

    Der eigentliche Spaß beginnt mit einem ersten kurzen Delinquenten-Trailer: Christian Soundso, 22, aus Dessau “bei Sachsen-Anhalt” (!) bastelt gern mit Kastanien und füllt die ihm vergönnten Sekunden im Rampenlicht ansonsten mit einer Klage über sein nicht existierendes Sexualleben. RTL lässt keine noch so blöde Pointe ungenutzt, filmt Christian bei einigen spontanen Liegestützen auf dem Rasen und unterlegt die Übung mit Stöhngeräuschen aus dem Tutti-Frutti-Archiv. Jeder halbwegs mit der DSDS-Materie Vertraute weiß: Wer schon im Einspieler dermaßen verarscht wird, kann sich das Singen absolut sparen… aber bitte, wenn er unbedingt will, lasst die Spiele beginnen. :-) Christian gibt irgendeinen englischen Musical-Titel zum Besten, hat damals in der Schule aber wohl leider die Stunde mit dem “th” geschwänzt. Während Nina und Volker noch versuchen, ihr “Nein” freundlich zu verpacken, lacht sich Dieter erst ungehemmt kaputt, muss dann wegen des verbotenen Wortes den ersten Euro ins Sparschwein werfen und schickt den Jungen schließlich mit “ein Froschfurz hat mehr Power” in die Garderobe.

    Dann kommt Helmut Orosz aus Braunschweig, Kampfname “Helle”, der schon mal das bei RTL wichtigste Rüstzeug für einen angehenden Superstar mitbringt, nämlich die private Tragödie: Er hadert mit seinem Namen, also Helmut, der passe nicht zu ihm. Stimmt, finde ich auch, er sieht viel eher wie ein Erwin oder Franz-Herbert aus. Irgendwie habe ich auch den Eindruck, ihn schon mal bei “Big Brother” oder einer anderen Intellektuellensendung gesehen zu haben, kann mich aber nicht genau erinnern. Mit 30 Jahren steht Helle unmittelbar vor dem DSDS-Alterslimit – die Torschlusspanik hat ihn wohl jetzt in Dieters Arme getrieben. Sein Beruf als Straßenmusiker verschafft ihm die nötige Routine und mit “Summer of 69″ und seiner Gitarre spielt er sich mühelos in den Recall.

    Isabell ist 20 Jahre alt, Friseurin, kommt gleich mit kleinem Möchtegern-Manager und kann bedauerlicherweise nur mit ihrem iPod im Ohr singen. Das wirkt ziemlich dämlich, weil sie in Ronan Keatings “When you say nothing at all” immer lange Pausen macht, wenn im Titel – unhörbar für Zuschauer und Jury – nur die Instrumente spielen. Als dann auch noch mittendrin der Player seinen Geist aufgibt, stoppt die Jury die ganze Sache. Gleich mehrere Euros klimpern in Dieters Schweinchen, dazu kommen noch ein paar nette Sprüche für Isabells Heimweg: “ich sehe völlige Talentfreiheit” und “von zehn Tönen triffst Du elf nicht”. Die so verkannte Künstlerin verzieht sich, hat aber leider wohl ihre Lektion nicht gelernt und mault draußen noch ein paar grammatikalisch verunglückte Schmähungen gegen Dieter in die Kamera.

    Dann verarscht RTL in einer kurzen Sequenz einen chinesischen Jungen mit Gitarre, der ausgerechnet das Jahrzehnte alte Deppenlied “Drei Chinesen mit dem Kontrabass” bringt, leider den Text nicht voll drauf hat und nach Dieters Meinung auch sowieso nicht singen kann. Die DSDS-Komiker reiten in den Begleitanimationen darauf herum, dass der Chinese an sich angeblich – oder wirklich? – statt “R” immer ein “L” spricht. Mann, hab’ ich gelacht. :-(

    Nicht gerade mit Model-Maßen gesegnet, schubbert sich nun die etwas orientalisch aussehende, sympathische Berlinerin Katarina im (zu) kleinen Schwarzen und mit hochhackigen Schuhen auf die Bühne. Ihren Nachnamen habe ich nicht verstanden, klang möglicherweise iranisch. Verheiratet und bekindert ist die Gute mit ihren 22 Jahren auch schon, die Hintergrundgeschichte passt also bestens. Noch bevor sie den ersten Ton gesungen hat, staunt die Jury erstmal über ihre 280 Euro teuren Schuhe (“das darf mein Mann aber nicht wissen”), die trotzdem tierisch drücken und die sie denn auch unter großem Gelächter aller Anwesenden sofort auszieht. Leider war das schon der bessere Teil der Performance, ihr Gesang ist reichlich dünn und schief. Mit einem so genannten “freundlichen Nein” wird sie von der Jury verabschiedet.

    Nun kommt wieder ein kurzer Schnelldurchlauf mit vier, fünf Trümmern aus dem Kandidaten-Flusensieb, bei dem uns Außenstehenden schleierhaft bleibt, welcher Titel wohl gemeint war. Für die DSDS-Novizen sei das nochmal erklärt: RTL sortiert die Kandidaten in drei Kategorien. Die überwältigende Mehrheit ist Mittelmaß und wird sofort nach Hause geschickt. Nur wer so richtig mies ist, darf in den Casting-Folgen zwecks öffentlicher Hinrichtung rein zu Onkel Dieter. Lediglich die paar Glücklichen, die entweder singen können oder mit einer tränentriefenden Homestory gesegnet sind, sehen wir ab dem Recall wieder. Sie werden dann Woche für Woche weiter zerpflückt und größtenteils ebenfalls mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt. Nur die allerletzten Finalisten, bei denen in Bohlens Augen Euro-Zeichen zu leuchten beginnen, haben eventuell als C-Prominente Aussicht auf ein paar kurze Wochen im Rampenlicht.

    Die Zeit der “Superstars” endet unwiderruflich, wenn Stefan Raab aufhört, sie in “TV-Total” zu verarschen. Nun folgt der Abstieg: Erst sieht man sie hin und wieder noch als Ein-Zeilen-Stichwortgeber in einer der zahllosen Folgen der “ultimativen Chart-Show” oder gelegentlich auch als Kochlegastheniker in einem Promi-Küchenduell. Hier oder da rettet sich mal ein Kandidat mit einer spektakulären Großtat zurück in die Schlagzeilen, z.B. indem er besoffen in einen Gurkenlaster brettert oder sich zur Frau umoperieren lässt, aber das hält meist nicht lange. Die letzten Zuckungen kommen dann entweder als Promi-Imitation im Big-Brother-Container oder beim Maden-Essen in der medialen Reste-Verwertung der RTL-Dschungelshow… Es sei denn, man mutiert zu Dieters musikalischem Hofnarren und ist dazu verdammt, auf ewig dessen Lieder zu trällern, so wie Mark Medlock. :-)

    Genug philosophiert, nun wird es peinlich, denn jetzt folgt der offenbar nachnamenlose 18jährige Marcel aus Bonn, der mich schon zu Beginn fatal an die Heulsuse Stephan Darnstaedt aus der dritten Staffel erinnert. Seine Eltern schieben ihn die Treppe zum Studio hinauf, wobei der Vater die schlaue Bemerkung “was ich an Bohlen gut finde, ist die Direktigkeit” in die Kamera fallen lässt. Diese Peinlichkeit wird vom Sohnemann aber mühelos übertroffen, als ihn Dieter Bohlen schon bei seiner Begrüßung mit “hast Du Dir in die Hose gepischert?” unterbricht. Betretenes Schweigen. Für Sekunden scheint die Welt still zu stehen. Kann das sein, hat er das wirklich gesagt? Der Zuschauer wird zum Gaffer, vergisst sogar das Kauen und Schlucken und springt zum Fernseher: Ist da wirklich was zu sehen? Tja, hier ist er wieder, der Moment zum Fremdschämen: Marcel war wohl etwas zu aufgeregt und schwupps, hatte seine Jeans einen deutlich sichtbaren Fleck an strategisch eindeutiger Stelle, den uns RTL dann freundlicherweise auch noch bildschirmfüllend heranzoomt.

    Was macht man in so einer Situation? Vielleicht sich erstmal kräftig in den Arm kneifen und hoffen, dass man aufwacht, wenn das auch nicht hilft, dann ein One-Way-Ticket nach Timbuktu kaufen, ohne Umwege zum Flughafen gehen und geräuschlos für mindestens 20 Jahre den Kontinent verlassen? O Mann, da wird ein junges Leben auf dem Altar der Quote geopfert, aber das sind nun mal die Spielregeln bei DSDS; wer sich darauf einlässt, der hat seine Seele an den Teufel RTL verkauft. Pech gehabt… Dass Marcels Singversuch mit “Ave Maria” von Beyoncé dann ebenfalls noch in die Hose geht (Spitzengag, gell?), ist fast nebensächlich. Dieter muss gleich mehrmals das Sparschwein füttern, um seinen Eindruck von der Gesangsleistung zutreffend schildern zu können. Dreimal “Nein” und der lebenslange Spott seiner Umwelt ist der Lohn für Marcels Auftritt. Was steckt er auch den Kopf aus dem Loch, selbst schuld. Klappe, der Nächste.

    Der 17jährige Maximilian Salzinger aus Landsberg berichtet in seinem Einspieler, wie er aus Liebeskummer von einem 105kg schweren “Brummer” (?) zu einem durchtrainierten Typen wurde. Er singt etwas gehetzt von Justin Timberlake “What goes around” und kommt damit gut an. Typ Mädchenschwarm mit Schmachtpotenzial, also ab in den Recall, aus dem könnte Bohlen bestimmt etwas basteln.

    Freakshow: Andreas Gerlich, 29, ist Maler, Lackierer und Autogrammsammler, gebraucht in seinem kurzen Einspieler (von RTL gezählt) 23 mal das Wort “hier”  und illustriert ansonsten nachvollziehbar, weshalb Promis gelegentlich mal ihre Fans vermöbeln, wenn sie ihnen zu nahe kommen. Und auch, dass man beim Malen und Lackieren immer schön eine Atemschutzmaske aufsetzen sollte… Andreas hüpfend vorgebrachter “Gesang” liegt irgendwo zwischen erschreckend und unterirdisch, hat keine erkennbare Melodie und besteht aus dem Text “Jea, jea, jea, ei fiel hartkoah”. (Eingeweihte erahnen Fragmente des Scooter-Titels “Wicked”.) Dieter sieht’s als Gesamtkunstwerk, grinst kurz und schlägt Andreas dann vor, er könne seinen Gesang “an die Dachpappe kleben”, was auch immer man sich darunter vorzustellen hat. Das war’s jedenfalls mit der Superstar-Karriere.

    Der Hamburger Mehrzad Marashi, 28, lebt seit drei Monaten mit seiner Frau zusammen, die im siebten Monat schwanger ist, also pünktlich für die Mottoshows niederkommen könnte. Außerdem ist sein älterer Bruder vor kurzem bei einem Autounfall gestorben. Eine solche Homestory im Rücken ist erfahrungsgemäß schon mal die halbe Miete für den Recall. Mehrzad sieht etwas aus wie Xavier Naidoo und singt denn auch gleich einen Song von ihm, gar nicht mal schlecht, und kriegt dafür die erwartete Vorladung für die nächste Runde.

    Nun wieder ein Ausflug in die Abteilung “Vollmeise”: Die blondmähnige Türkin Nilay legt einen mehr als seltsamen Auftritt hin mit etwas Esoterik und ziemlich viel Schwachsinn. Aus Mariah Careys “Emotions” wird ein einziger langgezogener Ton von mehr als zwanzig Sekunden Dauer, was Dieter zur berechtigten Frage bringt “bist Du irgendwie auf ‘nem Trip hängen geblieben?”. Volker spricht aus, was alle denken: “Du kannst nicht singen.”. Jetzt reicht’s, die Sicherung fliegt raus und unsere blonde Femme fatale wird zur Furie. Mit einem gekreischten “Ihr habt kein Ohr im Ohr!” stürmt sie beleidigt aus dem Studio und brüllt auf dem ganzen Weg hinunter zur Straße laut herum. Dachschaden in Reinkultur! Ich hab’ so ein dumpfes Gefühl, die sehen wir im nächsten Jahr wieder…

    So, am Sonnabend geht die Sache weiter, das Panoptikum ist noch lange nicht leer und Dieters Schweinchen bei weitem noch nicht voll. Mal sehen, was uns RTL dann wieder in die Wohnzimmer kübelt, Mülltv bleibt jedenfalls dran.

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