• DSDS (RTL) 28.01.2010

    Hallo zusammen, heute ist bei DSDS schon so eine Art Vorab-Finale, denn Onkel Dieter macht den Sack zu: Dies ist der letzte Casting-Tag; wer bis heute nicht an der Jury vorbeigekommen ist, muss sich ein weiteres Jahr gedulden, um sich entweder zum Depp oder zum Vielleicht-Kurzzeitstar zu machen. Letzte Gelegenheit auch für den Poptitan aus Tötensen, seine kodderigen Fäkal- und Analsprüche an den Mann oder die Frau zu bringen. Nach diesem Abend wird es einen kleinen Tick seriöser und die Bohlen’schen Watschen werden etwas humaner. Aber bestimmt nur etwas.

    Der DSDS-Giftschrank quillt dieses Jahr über vor schrägen Vögeln. Einen davon präsentiert uns RTL heute gleich zu Anfang: Sarah ist 18 Jahre alt und nach eigener Einschätzung extrem lustig drauf. Sie erzählt dauernd Witze und sieht auch tatsächlich etwas aus wie ein Lachsack. Ach ja, fast vergessen: Singen kann sie ja angeblich auch noch ganz toll, war schon in x Chören, sagt sie. Warum sie so oft den Chor wechseln musste, sagt sie hingegen nicht…

    Im Studio blamiert Sarah sich erstmal nach Kräften vor der Jury, als Dieter Bohlen sie bittet, ihre drei Lieblingswitze zu erzählen. Alle drei sind klassische Rohrkrepierer, deren peinliche Pointen nur Sarah allein versteht. Ein altes Sprichwort sagt: “Am vielen Lachen erkennt man den Narren”; hier stimmt’s mal. Nachdem sie sämtliche Humorpunkte dieser Folge im Alleingang geholt hat, folgt nun der unkomische Teil der Vorstellung, nämlich ihr Gesang. Für Sarah muss Silbermonds “das Beste” dran glauben. Sie vermurkst den Titel nach Strich und Faden und kriegt zwischendurch fast einen Lachflash, als Volker vornüberkippt und mit dem Kopf auf das Jurypult schlägt. Die drei “Neins” von Dieter, Nina und Volker schrecken sie leider nicht genug, denn sie droht für 2011 ihre Rückkehr an. GNADE!!!! :-(

    Nach Flop kommt Top: Praveen Smeyts ist 17, kommt gebürtlich aus Indien, hat eine afrikanische Adoptivschwester und wohnt in Deutschland (d.h. Homestory steht schon mal). Mit seinem dunklen Teint und dem breiten Grinsen sieht er ein bisschen wie ein Bollywood-Teenstar aus, könnte ich mir vorstellen, hab’ allerdings noch keinen Streifen davon je gesehen. Praveen hat Hummeln im Hintern, wie man so sagt, der ist die geborene Rampensau, genau der Typ, auf den Bohlen wartet. Sein erster Song ist “Don’t look back in Anger” von Oasis, gut geklampft und gesungen. Danach performt er Queen’s “Another one bites the Dust”. Bohlen ist sich unsicher, seine monetären Fühler melden Alarm: Praveen würde, sagt er, nur im Fernsehen funktionieren, die Stimme sei nicht unverwechselbar und die Super-Ausstrahlung könnte man nicht auf CD pressen, damit ist er für Bohlen uninteressant. Volker und Nina wagen sich diesmal aber nach vorn und geben ein “Ja”, damit ist Praveen im Recall. :-)

    Zwischendurch die beliebte Rubrik Song-Quiz, bei der man raten darf (aber meist nicht kann), was die Kandidaten wohl zu singen belieben. Diesmal ein vom Schicksal gepiesackter Typ, der die nachteiligen Eigenschaften Vergesslichkeit, Kurzsichtigkeit und Unmusikalität in sich vereint: Weil er sich den Text nicht merken kann, klebt er einen Spickzettel außerhalb des Bildes in die Kulissen, kann den aber wegen seiner vergessenen Brille nicht lesen. Er singt daher immer nur ein paar Brocken, geht wieder zum Zettel, liest ab, kommt zurück ins Bild, singt die nächsten paar Brocken, geht wieder zum Zettel usw. Tragisch nur, dass das alles gar nicht nötig gewesen wäre, denn er kann auch nicht singen und sich bewegen…

    Das kann wiederum Alexandra Jansen, 22, die nächste Kandidatin. Sie sieht super aus, studiert Maschinenbau in Aachen und ist dort unter ca. 1.000 männlichen Kommilitonen offenbar so eine Art “Henne im Korb”. (Kleiner Hinweis für die Spezis von RTL, die sich selbst immer so gern über Kandidaten mit Sprachproblemen lustig machen: Aachen schreibt man mit Doppel-A!) Schon beim Reinkommen ins Studio schmilzt Alexandra mit einem einzigen wohlgezielten Blick Dieters Zahnplomben: Die Sonne geht auf, er grinst sich eins – sie ist offenbar genau sein Typ. Mit Alicia Keys’ Song “Fallin’”, bei dem sie sich selbst am E-Piano begleitet, trifft Alexandra dann bei Bohlen nochmal genau ins Schwarze. Sie kriegt von ihm dafür nicht nur ein “Doppel-Ja”, sondern auch noch das Extra-Lob “bestes Mädchen der Staffel”. Auch von Nina und Volker gibt’s ein “Ja”; man sieht sich wieder im Recall. :-)

    Nun ist wieder Zeit für einen Loser: Der heißt Christian und hat mit seinen 21 Jahren ein Rezept gefunden, wie er garantiert ins DSDS-Finale kommt: “… indem ich einfach zu tausend Prozent an mich selbst glaube”. Mit dieser Einstellung will er im Casting ein “Knallerlied raushauen”. Außerhalb der Musik hat er auch feste Vorstellungen, will in die Politik gehen und als Bundeskanzler alles “tausendfach” besser machen als Frau Merkel.

    Wider Erwarten (hihi) wird sein selbstverliebter Auftritt jedoch ein totaler Schuss in den Ofen: Zuerst vergeigt er das Gespräch mit Jury-Volker: “Ich will eine neue Partei gründen!” – “Aha, wie soll die heißen?” – “Äääääääh, weiß nicht…” – “Und was wären Deine Ziele?” – “Hmmm, keine Ahnung…”. Ähnlich gut vorbereitet kommt dann Christians Titel “When you say nothing at all” von Ronan Keating, den man nur anhand der wenigen radebrech-englischen Textpassagen identifizieren kann, die er nicht vergessen hat. Melodie: Fehlanzeige. Dieter lässt sich sein Gesamturteil einen Euro kosten (der in sein Schimpfwort-Schweinchen wandert): “Du hast keine Ahnung von Politik, Du kannst null singen, Du kannst kein vernünftiges Englisch… Alles Scheiße.” Dem schließen sich in milderer Form auch Nina und Volker an. Als Christian draußen ist, resümiert er  “vielleicht hätte ich noch arroganter rangehen müssen”… :-(

    Thomas Karaoglan (16) kommt aus Duisburg und steht auf Thai-Boxen. Außerdem weiß er “ich bin was Besonderes”, was ja für einen Sänger grundsätzlich mal eine ganz gesunde Einstellung ist, sonst gehört er nicht auf die Bühne, sondern ins Publikum. Thomas ist tatsächlich was besonderes, nämlich besonders schlau: Er hat sich extra zur Bohlen-Bezirzung einen Titel von dessen Hofnarr und DSDS-2007-Gewinner Mark Medlock mitgebracht. Gott sei Dank ist der Titel “Unbelievable” (Komponist: Dieter Bohlen himself) an mir bisher ungehört vorbei gegangen und auch Thomas Gesang ist kein echtes Pro-Argument. Der Titan ist aber einigermaßen angetan, nennt den Kandidaten “der kleine Checker”, findet ihn lustig und will ihn gern im Recall haben, was auch die Rest-Jury unterstützt. Tja, da ist die Rechnung aufgegangen, gar nicht mal so ungeschickt. Logo, dass Thomas nur mitkommt, weil er ein Farbklecks im Bewerberfeld ist, seine musikalische Leistung reicht sicher nicht für einen der vorderen Plätze aus, aber das ist heute noch kein Thema. :-)

    Zeit für eine Kandidatin: Michelle Flanders ist 18 und lernt Friseurin. Schon im Einspieler lästert sie über Dieter Bohlens Frisur, seine Strähnchen gingen ja gar nicht. Der Beginn ihres Auftritts vor der Jury bestätigt alle in Manta-Witzen verbreiteten Klischees über (fehlenden) Friseusen-Grips: “Hallöchen, ich bin die Michelle und ähm … ja…”, dann folgt sekundenlanges Schweigen, sie dreht sich verlegen hin und her, Bohlen lacht. Er erteilt ihr eine kleine Lektion in Selbstbewusstsein, dann darf sie “Soulmate” von Natasha Bedingfield trällern. Grässlich, die Jury verdreht bei ihrem genäselten Liedchen die Augen. Hinterher fragt Volker, ob sie überhaupt schon jemals vor Publikum gesungen habe und was die dazu gesagt hätten. Ja, kommt die Antwort, aber nur vor ihrer Mutter – und die hätte anschließend über Kopfschmerzen geklagt… Alles klar, die Mutter hatte Recht, für diese Erkenntnis hätte sich Michelle also den Umweg übers Fernsehen sparen können. Dreimal “Nein” und Arrivederci! :-(

    Noch eine Dame, diesmal mit bewegender Homestory: Angeliki Paitari ist 29 und hat früh – zu früh – geheiratet. Ihr Ehemann war ziemlich eifersüchtig, sie durfte deshalb nicht arbeiten und musste ihre Sangesgelüste heimlich Zuhause ausleben. Wurde sie trotz Verbots mal beim Singen erwischt, setzte es gelegentlich sogar Schläge! Ehe und Typ sind nun glücklicherweise Vergangenheit und deshalb will Angeliki noch schnell vor Erreichen der DSDS-Altersgrenze ihre Eintrittskarte für den Recall abholen. Bei “Hurt” von Christina Aguilera kommt sie nur eine handvoll Töne weit, dann stoppt Dieter sie: Die Leidenschaft fehlt und ein Ton war ganz falsch. Sie solle lieber ein leichteres Lied nehmen. Ok, dann also Alicia Keys “Woman’s Worth”. Das geht einigermaßen, aber Bohlen bleibt gnaddelig. Nö, das ist alles nicht so richtig toll, “Wofür soll ich Dir da ein JA geben?”, fragt er. Volker und Nina emanzipieren sich in dieser Folge, finden Angeliki quirlig und etwas verrückt und sorgen mit zwei “JA”-Stimmen für ihren Einzug in den Recall, vorbei am grantelnden Dieter. :-)

    Aus der Kuriositätenabteilung kommt die nächste Kandidatin: Christine (24) aus Potsdam studiert IT Systems Engineering, bringt eine Rassel mit ins Studio und belehrt die Jury ungefragt, dass das gar keine Rassel, sondern eine “Maracas” sei. (Lt. Wikipedia lautet der deutsche Name für “Maracas” übrigens “Rumba-Rasseln”…) Dann singt sie ein “Hallelujah”, das in ein anderes Lied übergeht, die Stimme klingt mit ihrem prägnanten Timbre etwas nach Joan Baez. Dieter will wissen, wann denn endlich die Rassel – äh Maracas – ins Spiel kämen, sie reagiert leicht beleidigt, dass er das böse Wort “Rassel” gebraucht hat, langsam wird’s lächerlich. Dann tut sie der Jury doch noch den Gefallen, singt irgend etwas, schüttelt dabei die Rassel Maradingsbums, Dieter steigt mit ein und schwingt sein Scheiße-Schweinchen über dem Kopf bis ein paar Euros herausfallen und beendet dann die ganze Sache. “Die Kinderrassel passt zu Deinem Gesang”, ärgert und demütigt er sie gleichzeitig. Nein, nein, nein und tschüss! :-(

    “Ich habe mein Heimatland verlassen, um an ‘Deutschland sucht den Superstar’ teilzunehmen.”, berichtet die 20-jährige langhaarige Blondine mit dem waffenscheinpflichtigen Namen Anastasia Del Mukhamedova. Sie kam erst vor 9 Monaten aus Russland und kann schon ganz gut Deutsch, Respekt. Ihre Heimat war ganz unten rechts, in der Gegend zwischen China und Südkorea. Mit “Russland ist ganz schön groß, das haben ja schon andere Leute gemerkt…”, deutet Dieter Bohlen vage seine profunden Geschichtskenntnisse an. Anastasia hat Musik studiert und verfügt nach eigenen Angaben über einen Stimmumfang von fünf Oktaven. Das sind dann so ziemlich alle Töne zwischen Nebelhorn und Hundepfeife. Sie singt für die Jury eine geknödelte Brachialversion von “I will always love you” (u.a. von Whitney Houston gecovert) mit barocker Klangfärbung und supermiesem Englisch. Bevor Bohlen die Frau abschießt, will er aber wenigstens nochmal die versprochenen fünf Oktaven hören. Sie röhrt zuerst und quietscht dann in den höchsten Tönen, was Bohlen den anerkennenden Vergleich mit einem zertretenen Wellensittich abnötigt. Das erste Lied hätte doof geklungen, aber mit den hohen Tönen hätte sie ihn überrascht, dafür kriege sie ein “Ja”, sagt der Meister. Außerdem habe sie ein wirklich hübsches Gesicht, “aus Dir könnte man was machen, nur Deine Zähne sind Scheiße”. Charmant, charmant. Gegen Dieters zeitweilig Testosteron-verschleierten Musikverstand lässt sich schwer gegenandiskutieren, also geben auch Nina und Volker ihre anfänglichen Vorbehalte auf und winken Anastasia durch in die nächste Runde. :-)

    Eher sonderbar ist der Auftritt des 18jährigen Berliners Thomas, der der Jury erst mal sein schräges Outfit erklären muss. Er trägt über dem Hemd ein grellrotes Leibchen mit buntem Totenkopf und auf dem Kopf einen Hut. Letzteren versteht man erst, als er probeweise den Hut absetzt, seine voluminöse Naturlockenpracht offenbart und die Kopfbedeckung dann sofort wieder in Position bringt. Thomas hat ein kleines, hässlich klingendes Keyböardchen auf den Knien und begleitet damit seine Version von “Apologize” (eigentlich von OneRepublik). Ich weiß nicht, was schrecklicher ist, sein Gesang oder das Elektrogedudel. Die Jury versucht verzweifelt, die akustische Körperverletzung durch Handzeichen zu unterbrechen, aber Thomas hat sich so in Rage geklimpert, dass er erst nach einer ganzen Weile Ninas entsetztes Gesicht sieht und innehält. Das gibt standrechtlich drei “Neins”, aber Dieter muss wie immer noch mal nachtreten und bescheinigt dem Kandidaten völlige Gefühllosigkeit beim Gesang. Immerhin schafft er das ohne Fütterung des Scheiße-Schweinchens. :-(

    Wo wir schon bei den Flitzpiepen sind, kommt zum guten Schluss nun auch noch ein Marco mit einer Schreckens-Version von Christian Anders Depressiven-Hymne “Es fährt ein Zug nach Nirgendwo”. Schon das Original wirkt gut gegen Verstopfungen, aber das, was Marco daraus macht, spottet wirklich jeder Beschreibung. Irgendwie auch schon wieder Kunst, buchstäblich JEDEN einzelnen Ton zu versemmeln. Die Urteilsverkündung erspart uns RTL, vermutlich soll der gewählte Titel auch nur locker überleiten zu den nun anstehenden drei Recall-Folgen. :-(

    Bin mal gespannt, was Bohlen aus den 120 ausgesiebten Bewerberinnen und Bewerbern macht, grundsätzlich fand ich das Feld bisher nämlich ziemlich lahm. Und dabei soll doch der Recall, der ab Sonnabend gezeigt wird, der angeblich härteste aller Zeiten werden. Ob Onkel Dieter dabei wohl weiter sein Sparschweinchen füttert? Noch drei Tage, dann wissen wir mehr. Bis denne!

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    Posted by TV-Glotzer @ 2:19 am

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  • One Response

    WP_Modern_Notepad
    • Flug Bangkok Says:

      Ich glaube schon, dass man aus den 120 Kandidaten 10 einigermaßen brauchbare Talente heruasfiltern kann. Aber so langsam ist DSDS auch einfach ausgenudelt. Ich finde die Top 10 Shows immer langweiliger. Vielleicht haben sich Dieter und Co. ja für diese Staffel mal etwas neues einfallen lasen. Ansonsten ist für mich diese DSDS Staffel nach den Recall runden vorbei!

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