Ein Novum für Christian Rach, den Hamburger Sternekoch: Heute soll er in Augsburg gleich ein ganzes Kegelzentrum vor dem Fiasko retten. Nicht so neu ist hingegen sein Trick, einfach einen Tag früher als angekündigt zu kommen. Im Gegensatz zu uns Profi-Zuschauern kennt Geschäftsführer Thomas Preißler diese Finte angeblich noch nicht, zumindest tut er ziemlich überrascht. Vermutlich hat er auch besseres zu tun, als sich abends Müll-TV anzusehen, denn eigentlich fordert das Geschäft seine komplette Aufmerksamkeit, hier läuft es momentan nämlich überhaupt nicht rund.
Rach stillt nach gewohntem Schema erst mal seinen üppigen Appetit – offenbar hat er seit der letzten Sendung nichts mehr gegessen! Heute bestellt er in einem Rutsch den Burger-Toast, Feinschmeckersalat, Allgäuer Rahmrostbraten und ein Schnitzel nach Art des Hauses. Während unser Meisterkoch dem Betrieb auf den 16 Kegelbahnen zusieht und mit Kellner Charlie schäkert, gibt Preißler die Riesenbestellung an die Küche weiter. Dort ist die 63-jährige Köchin Vera seit 20 Jahren der gute Geist und überhaupt besteht die ganze Küchencrew nur aus ihr. Die Stimme aus dem Off frotzelt schon mal los, als Vera anfängt, den Feinschmeckersalat zu kreieren, indem sie mit bloßen Händen die Inhalte mehrerer offener, ungekühlt auf der Erde stehender Tröge zusammenwirft. Mit “viel Liebe” gibt sie noch einen Löffel Dressing dazu und fertig ist das erste Gericht. Der Burger wird ebenfalls aus tiefgefrorenen Fertigteilen zusammengebastelt, mit Kochen im engeren Sinne hat das nicht viel zu tun. Mal sehen, was Rach gleich dazu sagt… Im Hintergrund hört man übrigens die Erkennungsmelodie von Miss Marple – ob RTL damit auf das vorgerückte Alter der serbischen Küchenfee anspielen will?
Als die Ergüsse aus Veras Küche beim Gourmet-Papst ankommen, flüchtet Geschäftsführer Thomas Preißler ahnungsvoll in die Kulisse. Auch Kellner Charlie hat dringend am anderen Ende des Etablissements zu tun. Rach nimmt mit Todesverachtung immer nur wenige Bissen von den bestellten Gerichten, lacht zwischendurch hilflos, spült mit Bier nach, lässt eine fiese Bemerkung fallen und arbeitet sich weiter durch die “Köstlichkeiten”. Am Ende bleibt er bei den Pommes hängen, die es zum Schnitzel gab und trägt dann wie gewohnt den letzten Teller zurück zum Tatort Küche. Rach mag der mütterlich wirkenden Vera gar nicht die volle Wahrheit sagen und deutet seine Unzufriedenheit vergleichsweise zahm an.
So schlimm kann es aber denn doch nicht gewesen sein, Rach hat die Nacht überlebt und steht am nächsten Tags schon wieder im Kegelzentrum. Heute will er die gesamte Anlage kennen lernen, Thomas soll ihm alles erklären. Der ist übrigens nicht nur Geschäftsführer, sondern nebenbei – oder hauptsächlich – auch noch zuständig für die Wartung von der Kegelanlage, der Außenanlage sowie aller Toiletten und Duschen. Bei der Besichtigung des Hauses kriegt der Hamburger das kalte Grausen. Überall hängen Verbotsschilder und von den berichteten Toilettengerüchen will ich hier gar nichts schreiben. Rach konstatiert, dass Preißler irgendwie unbeteiligt wirke, mehr wie ein Hausmeister und weniger wie der Geschäftsführer eines auf die Insolvenz zusteuernden Betriebes. Ein Besuch bei Vera in der leicht siffigen Küche zeigt auch bei ihr eine gewisse Resignation. Auch sie wirkt so, als habe sie den Kampf um den Laden bereits aufgegeben. Rach bohrt nochmal wegen des verhunzten Salats vom Vortag nach: Das sei Pech gewesen, normalerweise gerate der besser, behauptet die liebenswerte Köchin. Das lässt der Sternekoch diesmal so durchgehen, denn Vera genießt “Welpenschutz”, oder wie soll man das in ihrem Fall nennen?
Tag Drei soll nun die Wende bringen: Rach hatte Preißler die Hausaufgabe gegeben, sich ein neues Konzept für den Laden zu überlegen, so dass er auch für junge Leute wieder attraktiver wird. Sicherheitshalber – der Hamburger kennt seine Kundschaft – hat er sich auch schon selbst ein paar Gedanken gemacht. Das “Kegelzentrum” soll ein Zentrum für “Sport, Spiel und Spaß” werden, das nicht nur Kegelrentner anzieht. Dazu gehören auch eine andere Beleuchtung, jugendliche Musik und insbesondere eine modernere Speisekarte. Unverblümt fragt Rach den Geschäftsführer, ob er bereit ist, dabei den “Vortänzer” zu machen. Thomas sagt ja und damit ist der Kurs für die nächsten Tage abgesteckt.
Für die Werbepause haben die hochbezahlten Experten aus dem RTL-Quizlabor in jahrelanger Arbeit wieder eine knifflige Zuschauerfrage entwickelt, deren richtige Beantwortung mit Glück schlappe 3.000 Tacken bringt: “Wie heißen die kleinen Kuchen aus den USA? a) Knäckebrot oder b) Muffins” Ich will ja nicht zu viel verraten, aber in diesem Mülltv-Beitrag findet man das Lösungswort…
Am vierten Tag setzt sich Rach erstmal mit den bejahrten Vorständen der diversen Kegelvereine zusammen, die im “Kegelzentrum” aktiv sind. Man sieht schnell, was das eigentliche Problem ist: Hier gibt es gar keine jungen Leute, die Kundschaft von Preißler ist überwiegend im Rentenalter. Der Meisterkoch schafft es scheinbar, alle Anwesenden davon zu überzeugen, zum Erhalt der Anlage Kompromisse zu machen. Sie müssten sich damit arrangieren, dass zukünftig vermehrt junge Leute ins “Kegelzentrum” kommen, die einen anderen Musik- und Essgeschmack haben. Über einen lokalen Radiosender macht Rach dann einen Aufruf an alle Hörer, in dem er nach Sponsoren für die Baumaterialien sucht, mit denen aus dem “Kegelzentrum” die “Kegelburg” werden soll. Gemessen an den eintrudelnden E-Mails scheint das ein voller Erfolg zu sein. Weil die nun anstehenden Umbauarbeiten ein paar Wochen dauern werden, zieht sich der Meisterkoch erstmal in die heimischen Gefilde an der Elbe zurück und überlässt Preißler die Drecksarbeit.
Aus geplanten drei Wochen werden drei Monate, aber dann ist Rach wieder in der “Kegelburg” am Eiskanal in Augsburg und will sich höchstselbst vom Ergebnis der Bauarbeiten überzeugen. Der Eingangsbereich versprüht weiterhin den Betoncharme einer 70er-Jahre-Hochhaussiedlung, aber drinnen hat sich wirklich was getan: Zwischen dem Restaurantbereich und den Kegelbahnen wurde eine verglaste Schallschutzwand eingezogen und dazu wurde das ganze Mobiliar inklusive des Tresens modernisiert. Hingegen hat sich beim Personal entgegen Rachs unausgesprochener Hoffnung nichts verändert. Er lässt sich von Charlie zwei Cocktails mischen und Vera soll ihm eine Pizza backen – beides gab es vor drei Monaten hier noch nicht. Der Hamburger ist einigermaßen zufrieden, auch wenn die Pizza doch arg klein ausfällt, so auf halbem Wege zwischen Normal- und Kräckergröße. Für den nächsten Tag setzt er verschärftes Küchentraining an, denn übermorgen soll die große Einweihung kommen (vermutlich sind dafür schon die üblichen RTL-Statisten gebucht).
Der Küchentag kommt und Vera führt ihre neue Idee vor: Pizza-Happen für den kleinen Hunger zwischendurch – die sind nun wirklich nur noch so groß wie Kekse. Rach und Preißler probieren, wobei letzterer sagt, dass es ihm nicht so doll schmecke. Rach scheint das positiver zu sehen und springt Vera bei: Dann soll doch Preißler bitte selbst mal kochen. Gesagt, getan, springt der mit der Schürze durch die Küche und kämpft mit solchen Widrigkeiten wie klemmenden Backofentüren. Das wird also auch nichts und nun kommt The Rach himself! Er zeigt den beiden, wie man echt italienische Crostini zubereitet, natürlich gelingen die bestens.
Während Vera und Charlie nun an der neuen Speisekarte feilen, schleppen der Gourmetpapst und Thomas neue Lounge-Möbel herein, die gerade angeliefert werden. Später kommt dann auch noch ein Lichtmokel und bringt grüne Strahler. Irgendwie fragt man sich, woher auf einmal das ganze Geld kommt, der Laden war doch schon ziemlich pleite. Vielleicht gibt RTL ja noch was dazu?
Am Morgen des letzten Tags zieht Rach eine große Kiste mit neu-alten Retrolampen hinter sich her, die er in einem 70er-Jahre-Laden entdeckt hat. Die werden nun gleich angeschraubt und bringen ordentlich Farbe in die Bude. Der Maestro zieht seine Kochuniform an und übernimmt die Küche. Dann kommen die Gäste, futtern, kegeln und haben Spaß. Wie immer werden nur zufriedene Leute interviewt, die versprechen, garantiert wiederzukommen. Überraschend ist die Veränderung des Geschäftsführers: Wirkte Thomas Preißler am Anfang noch wie ein gleichgültiger Schlaffi, hat er am letzten Tag spürbar an Energie gewonnen und wirbelt durch seinen verjüngten Laden. Mal sehen, ob das hält…
Ja, tut es: Als Rach acht Wochen später zum Kontrollbesuch wieder in Augsburg ist, findet er alles in bester Ordnung. Der Laden brummt und Preißler hat Oberwasser. Er kann sich auch nicht erklären, warum erst das Fernsehen kommen musste, damit es bei ihm “Klick” machte. Dann lässt sich der Sternekoch von Vera eines der überarbeiteten Gerichte bringen, zeigt sich begeistert und bringt den leergegessenen Teller zurück in die Küche. Eine rührende Szene, wie Rach der dankbaren Vera die Hand schüttelt, vermutlich hatte sie insgeheim mit einem Anschiss gerechnet. Mit Tränen in den Augen verabschiedet sich Rach von seinen neuen Freunden in Augsburg. Wieder eine eher harmlose Folge, in der es viel mehr menschelt als knallt.





