• DSDS (RTL) 17.01.2010

    Weiter dreht sich das DSDS-Karussell und spuckt zweimal pro Woche vor allem neue D-Promis aus, nämlich Leute, die mal vergeblich versucht haben, ein C-Promi zu werden. Wirklich gute Kandidaten sind scheinbar selten geworden, dafür gibt es viel mehr Freaks und Vollpfosten als früher – sogar Dieter Bohlen gehen beim Zusammenscheißen der Bewerber inzwischen hin und wieder mal die Superlative aus. Bin gespannt, welche neuen Verbalinjurien und Fäkalvergleiche ihm heute wieder einfallen, Grund genug gibt es bestimmt…

    Und damit sind wir auch schon beim Thema, der heutige Abend startet nämlich mit Julia Sadzig, einer 23jährigen Mathe-/Anglistik-Studentin, die nach eigenem Bekunden hinsichtlich Stimme und Aussehen “auf jeden Fall überdurchschnittlich talentiert”  ist. Ich weiß nicht, weshalb die Frau Zuhause keinen Spiegel hat, aber das hätte ihr mit Sicherheit den peinlichen Gang zum DSDS-Casting erspart. Auf mich wirkt Julia eher wie eine Mischung aus “Nachtschwester Ingeborg” und verquaster Psychologie-Studentin im 17. Semester; wegen der dürftigen Optik wäre sie auf jedem Fall im Radio besser aufgehoben. Na, warten wir mal auf die Stimme…

    Nach ihrer einseitig stürmischen Begrüßung der Jury, bestehend aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller, schmettert Julia lautstark, aber falsch, Katy Perrys “Hot N cold” und fängt dabei auch noch an, sich auszuziehen. Das will außer ihr selbst natürlich niemand sehen; auch Volker ahnt, was kommt und stoppt den Auftritt nach einer halben Strophe. Dieter gibt der Kandidatin dann den Fangschuss: “Deine Stimme klingt wie ‘ne alte Oma… aber beim Kacken!” (Tut mir Leid, das schreibt sich sehr rüde, aber uns Dieter hat das wirklich so gesagt… Ich werd’ mir hinterher zur Strafe die Hände mit Seife waschen, versprochen!) :-(

    Als nächstes kommt Sinan Öztürk (21) aus Bremen an die Reihe. Er hat kaum Erfahrung im Singen, dafür ist er lt. Einspieler ein super Hip-Hop-Tänzer (war mal Weltmeister) – auch wenn man das bei seiner eher vollschlanken Figur kaum vermuten würde. Vor der Jury darf er zunächst die verschiedenen Spielarten des Hip Hop vorturnen, muss dann Dieter Rede und Antwort stehen, weshalb er (Sinan) so dick ist und darf dann zur Klampfe den Titel “You don’t know” von Milow vortragen. Das Singen klappt bestens, er hat eine gute Stimme und kommt ohne Probleme in den Recall. Schöner selbstironischer Nachklapp von Sinan hinterher draußen auf dem Flur: “Sie haben mich gezwungen zu tanzen… sie wollten auch erst nur meinen Körper!” :-)

    Nach einem passablen Kandidaten kommt bei DSDS immer ein Vertreter der Sockenschuss-Fraktion, das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Der angeblich 21jährige Benjamin Dehner sieht in seinem dämlich-bunten Kinder-T-Shirt keinen Tag jünger aus als 14 und ist mit seinen Eltern aus dem Schwabenland angereist. Keine Ahnung, welches Trauma ihn quält, aber er scheint unter dem Zwang zu stehen, seine mangelnde Größe mit Lautstärke kompensieren zu müssen. Die Verkaufszahlen für Puddle of Mudds “She fuckin’ hates me” dürften wegen Benjamins Versuch, diesen Titel zu singen, eher sinken als steigen. Der schmächtige Kandidat brüllt bei seinem “Lied” die Jury mit voller Lautstärke an, eine Melodie ist nicht zu erkennen und den Erfolg seiner Darbietung können die erfahrenen DSDS-Zuschauer bereits den erschütterten Gesichtern der Jury entnehmen. Dieter findet für Benjamins Versuch wie immer einen unappetitlichen Vergleich aus dem Reich der Körperöffnungen. Ich bin zwar kein Psychologe, aber so langsam würde ich ihm mal eine ausgeprägte Analmacke attestieren. :-(

    Ina Freund, 17, ist Bäckereifachverkäuferinazubi und nervt mich schon im Einspieler mit ihrem hochfrequenten Gelaber. Zu Beginn ihres Auftritts macht sich Dieter Bohlen mit dem Mega-Gag “hast Du ‘n Freund” – “wieso?” – “wegen dem Nachnamen” [sic!]  auch als König der Witzeerzähler unsterblich. Danach übernimmt Ina für ein paar Minuten das Zepter und textet Jury und Zuschauer mit uninteressanten Geschichten über Konditoreien, Bäcker und ihre Gewichtszunahme dicht. Dann endlich kommt der Titel “Hurt” von Christina Aguilera, den Ina leider so gut singt, dass die Jury sie zum Recall einlädt. Das ist Wasser auf die Mühlen ihrer Selbstverliebtheit; mit ein paar hohen Quietsch- und Fieptönen bedankt sie sich beim Poptitan und seinen Mittribunalisten. Diese Kandidatin landet bei mir ganz klar in der Schublade “überflüssige Nervensäge”. ;-)

    Mit 24 Jahren gehört Nelson Sangare in dieser Staffel bereits zu den Senioren. Seine Eltern stammen aus Mali, er selbst studiert in Maastricht, wird oft als Träumer bezeichnet und ist (noch) Single. Das nimmt RTL zum Anlass, bei seinem Vorsingetitel “Was immer Du willst” von Marlon mit kleinen eingeblendeten Animationen (Blitzaugen und Strahlezähne) den Eindruck zu erwecken, er schmachte Jurorin Nina an. Nelsons Auftritt ist richtig gut und er kriegt sofort den begehrten gelben Zettel. :-)

    Jetzt kommt schon wieder eine Überqualifizierte: Die blonde Katja Moschella ist 29, kommt aus Rodgau und kann Klavier und Triangel (!) spielen. Was sie noch alles kann, auch außerhalb der Musik, diktiert sie dem Fernsehteam direkt in die Kamera. Man fragt sich unwillkürlich, wieso sie sich heute überhaupt mit dem DSDS-Casting abgibt, das müsste doch eigentlich völlig unter ihrem Niveau sein. Dass sie es bis unter die letzten 10 Kandidaten schafft, steht für sie zu “100 Prozent” fest. Genau solchen arroganten Bewerbern sehe ich am liebsten zu, wenn sie vor Dieter der Länge nach auf die Schnauze fliegen und danach von ihm gevierteilt werden. Mal sehen, welche Hinrichtungsart Katja wählt.

    Nach der Vorstellung ihres Repertoires entscheidet sich Bohlen für Christina Aguileras “Hurt”, denn Katja hat angekündigt, dass sie bei diesem Titel voll aus sich heraus ginge und man ihre Stimme dann richtig hören könne. Hmm, ich habe bei dem dünnen Gesang, den sie dann von sich gibt, zuerst den Eindruck, sie probe noch und singe sich erst ein, aber das war dann tatsächlich bereits die echte Vorstellung. Nina muss Bohlen mit einem Streichler trösten, als der nach den passenden Worten sucht, um seine Enttäuschung möglichst unfreundlich zu verpacken: “Katja, wenn das der Titel ist, bei dem Du aus Dir rauskommst, dann bleib’ lieber da, wo Du bist, wo auch immer das ist.” Das ging ja noch, mit dieser Kritik kann sie eigentlich ganz zufrieden sein, finde ich. Der Poptitan hat noch nicht mal ihre unvorteilhafte Figur erwähnt, obwohl er doch sonst gern die Speckröllchen seiner Kandidaten anspricht. Das war’s mit dem Superstar-Traum und Katja säuselt beim Hinausgehen noch ihr Erschrecken darüber in die Kamera, dass die Jury so hochnäsig sei. Na, das sagt ja genau die Richtige… :-(

    Als Wiederholungstäterin erweist sich die 17jährige Schülerin Kim Debkowski, die dank einer mehrstündigen Schminkaktion jetzt wie Pocahontas aussieht. Wegen ihrer Unfähigkeit, sich Texte merken zu können, war ihr Weg in der letzten DSDS-Staffel in der zweiten Runde zu Ende. Jetzt steht sie wieder vor der Jury, nach eigener Einschätzung musikalisch wesentlich gereifter. Man kann ihr eine gewisse altkluge Überheblichkeit nicht ganz absprechen, als sie Dieter Bohlen ihren Talisman in Form eines Stofffrosches zeigt, der seinetwegen “Dieter” getauft wurde. “Weißt Du doch noch vom letzten Mal!”, quakt sie herum, als Jury-Dieter sich nach dem Namen des Frosches erkundigt. Auch Kim hat einen Titel von Christina Aguilera vorbereitet, nämlich “Beautiful”. Dieter ist ganz angetan von ihrer Röhre, hat der Gesangsunterricht also tatsächlich was gebracht. Sie kommt damit in den Recall und bei mir wieder in die “Nervensägen”-Schublade. ;-)

    Jetzt wird’s himmlisch, denn ein Typ namens Norman (kein Nachname, kein Alter) hat angeblich wirklich den Lieben Gott bemüht, ihn bei seinem Casting-Auftritt zu unterstützen. Der Jury verklugfiedelt er mit grenzwertiger Grammatik und nuscheliger Aussprache sein Weltbild und dass er “Freier Christ” sei. Dieter versteht “Artist” und ist verwirrt. Später versteht er’s dann, meint, alle Menschen glaubten doch irgendwie an Gott, Volker widerspricht “ich nicht”, worauf ihm der Jurychef einen Blitz aus heiterem Himmel wünscht. “Ich sitze hier neben einem Atheisten, pfui Deibel”, meint er noch. Nach diesem Geplänkel vergreift sich Norman an Ushers “My Boo”, ist dabei aber von allen guten Geistern verlassen, denn er kann offenbar weder die Melodie, noch ist bei ihm im Englischunterricht etwas Nennenswertes hängen geblieben. Dieter erweist sich als bibelfest: “Zur Zeit von Moses wärst Du die elfte Plage gewesen.” Mit drei “Neins” verlässt der Kandidat das Studio. :-(

    Nun erscheint die 17jährige Stefanie Bank vor dem Richtertisch, gibt als Vorbild Lady Gaga an, sieht aber selbst wie Lieschen Müller aus. Sie singt überraschenderweise nichts von Lady Gaga, sondern fistelt stattdessen etwas an “Ich bin ich” von Rosenstolz herum. Oh Mann, warum bremst denn kein Bekannter im Vorfeld solch ein musikalisches Himmelfahrtskommando – dass Stefanie keinen blassen Schimmer vom Singen hat, müssten doch sogar die Unbegabtesten erkennen. Mit Dieters Urteil “Du bist von allen heute die schlechteste.” gehen Stefanies “15 minutes of fame” im Scheinwerferlicht unwiderruflich zu Ende, aber vermutlich wird sie noch ihren Enkelkindern davon berichten. :-(

    Aus Bali kommt die nächste Kandidatin, die 28jährige Sri Haendly, die mit Mann und Tochter in Thüringen lebt und mich rein äußerlich etwas an die berühmte Narumol von “Bauer sucht Frau” erinnert. Dieter tut sich keinen Zwang an, philosophiert über den Südostasiaten an sich und gewährt wieder ungefragt einen Einblick in sein Seelenleben “also, das Devote, was Ihr alle habt, ich steh’ da total drauf”. Sri lächelt dazu höflich, überrascht aber dann mit ihrer Titelauswahl: Sie singt von Guns N’ Roses “Sweet Child o’ mine” trotz ihrer geringen Größe in erheblicher Lautstärke und verdient sich damit den Einzug in die nächste Runde. :-)

    So, nun gibt es gemäß dem DSDS-Abwechslungsprinzip wieder einen Problemfall. Adam Piecha (24) kommt mit seiner gut einen Kopf größeren Freundin zum Casting. “Der Adam ist stabil, der steht mit beiden Beinen fest im Leben.”, ist deren fast antiprophetisch zu nennende Aussage. In Wirklichkeit sieht der schon etwas angegriffen aus, als er vor die Jury tritt, kurzatmig und mit verschwitzter, kalkweißer Birne. Seinen Titel “Bed of Roses” von Bon Jovis kriegt er gerade noch hin, kassiert von Volker und Nina dafür jeweils ein “Nein”, dann zerlegt es ihn kreislauftechnisch: Noch vor Dieters Urteil fällt er in Ohnmacht und kippt rückwärts in die Kulissen. (Die Stelle wird von RTL genüsslich dreimal in Zeitlupe wiederholt.) Während die Sanitäter sprinten, meint Bohlen nur trocken “also an mir hat es diesmal nicht gelegen”. Adam berappelt sich in Windeseile und darf dann auf Anweisung von Dieter noch ein zweites Lied singen. Das klappt ganz gut und es gibt von Dieter ein “Ja”. Insgesamt also zweimal “Nein” und einmal “Ja” und das heißt normalerweise “Tschüss”! Aber wir sind ja hier nicht in einer demokratischen Sendung, bei DSDS gibt es weder Gerechtigkeit noch Arithmetik und nur Bohlens Stimme zählt wirklich, das macht er auch Nina unmissverständlich klar. Die ändert ihre Antwort eilfertig in ein “Ja” um und damit kommt Adam in den Recall. Was für eine Farce! ;-)

    Jetzt muss ich mal böse werden: Menderes Bagci ist mittlerweile 24, klingt wie ein 11jähriges Mädchen, benimmt sich auch so und hängt schon seit sechs Staffeln wie ein Furunkel an DSDS. Trotz mehrerer Bewerbungsverbote, die Dieter himself ausgesprochen hat, ist eine Staffel ohne den pathologisch infantil wirkenden Michael-Jackson-Fan offenbar nicht vorstellbar. Diesmal hat er lt. RTL-Drehbuch angeblich einen raffinierten Plan entwickelt, um unerkannt bis ins Allerheiligste zu Dieter Bohlen vorgelassen zu werden: Er hat sich verkleidet und unter dem falschen Namen “Taki” beworben. Er sieht beim Betreten des Studios aus wie eine Mischung aus Johnny Depp und Xavier Naidoo. Die Jury tut pflichtschuldig überrascht, als “Taki” beim Singen von Stevie Wonders “I just called” (ohnehin mein persönliches Hasslied!) plötzlich in Menderes dünne Mädchenstimme verfällt. Er ist sofort enttarnt. Man lacht und natürlich wissen alle Anwesenden, dass der blasse Nervbold auch diesmal nicht weiterkommen wird. Alles andere wäre für ihn ja auch eine Katastrophe, denn schließlich lebt er von seinem Image als chronischer Dauer-Loser. An seiner Stelle würde ich mir aber so langsam eine neue Show einfallen lassen, denn selbst in Landdiskos wird es langfristig keinen Bedarf mehr für Michael-Jackson-Doubles geben.

    Bohlen macht den pietätlosen Vorschlag, nun, wo Michael Jackson tot sei, könne doch Menderes dessen Gesicht auftragen. (So ein Quatsch, wo doch jeder weiß, dass die Nase eh schon kaputt war!) Außerdem sei er jetzt der einzige legitime Nachfolger des King of Pop, wieso er denn nun gerade ein Lied von Stevie Wonder singen müsse, der lebe ja noch. Der Kandidat scheint außerhalb des Drehbuchs doch etwas begriffsstutzig zu sein, denn er brabbelt ein paar zusammenhanglose Worte, will der Jury die Hand schütteln, doch Bohlen lässt ihn nicht so einfach davonkommen: “Singst Du nichts mehr von Michael?” Menderes seufzt tief: “Ich könnte vielleicht von den Beatles was singen.” Dieter wird sauer: “Jetzt, wo Michael tot ist, wo Du es endlich geschafft hast, kommen wohl die anderen Promis dran? Nächste Woche gucke ich in die Zeitung, ist Stevie tot, ist Paul McCartney tot…”

    Aus heiterem Himmel, wohl einer inneren Eingebung folgend, bittet Menderes an dieser Stelle darum, eine zweite Chance zu kriegen und das Lied von vorhin nochmal singen zu dürfen. Das hätte er man besser nicht gesagt, denn angesichts seiner kostbaren Lebenszeit, die Michaels illegitimer Nachfolger gerade so sinnlos verschwendet, wird Bohlen nun doch etwas ausfallend: “Du kannst nicht singen, Du wirst nicht singen können, Du bist Scheiße und ich will Dich eigentlich hier nicht wieder sehen.” (Endlich klimpert mal ein Euro in Dieters Scheiße-Schweinchen.) Auch von Nina und Volker gibt es das wenig überraschende “Nein”, wenn auch freundlicher. Bohlen fragt nach dem Alter des Kandidaten und bricht theatralisch zusammen, als er sich klar macht, dass der bis zum Erreichen der Altersgrenze noch sechs Mal wiederkommen kann (und wird). Für dieses Jahr war es das aber, der peinliche Auftritt ist vorbei und Menderes wirkt ehrlich geknickt, als er das Studio mit gesenktem Kopf verlässt. “Ich werde niemals aufgeben”, droht er draußen der versammelten Weltpresse. :-(

    Mit dieser beunruhigenden Ankündigung entlässt uns RTL in das Rest-Wochenende; am Mittwoch gibt es schon die nächste Ladung von Knallschoten und Wunderkindern, man sieht sich!

    Weitersagen:

    • del.icio.us
    • Facebook
    • Google Buzz
    • LinkArena
    • Webnews.de
    • Yahoo! Bookmarks
    • Yigg
    • MisterWong
    • Live
    • LinkedIn
    • Digg
    • Google
    • Blogger

    Posted by TV-Glotzer @ 3:33 am

    Tags: , , ,

  • One Response

    WP_Modern_Notepad
    • DSDS 2010 Says:

      Menderes geht einem mittlerweile einfach nur noch auf die nerven, denn wer so bekannt ist und so wenig daraus macht den kann ich einfach nicht verstehen. Wieso haben wir ihn noch nicht in einer der zahlreichen C-Promis Shows gesehen. menderes goes Big Brother wäre doch auch Cool. Unser Jürgen Milski ist sich doch sogar für Neun Live nicht zu schade. Also Menderes beweg dich (nicht tanzen bitte)!

    Leave a Comment

    Please note: Comment moderation is enabled and may delay your comment. There is no need to resubmit your comment.