• DSDS (RTL) 31.01.2010 4 Comments

    Und weiter geht’s bei “Deutschland sucht den Superstar”, Edition 2010. In den sieben vorangegangenen Casting-Terminen haben Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller unter dem wachsamen Blick der RTL-Kameras das Feld von 35.000 Bewerbern auf 120 Kandidaten eingedampft. Insbesondere Dieter hat dabei Schwerstarbeit geleistet und sein Bestes gegeben, nämlich sein Geld: Jedes Mal, wenn er das böse Sch-Wort sagte, musste er einen Euro in ein Sparschwein werfen. Lt. RTL sind so mehr als 5.000 Euro zusammengekommen, die nun an die Erdbebenopfer in Haiti gespendet werden. Und wenn man ehrlich ist, waren diesmal auch tatsächlich haufenweise Ein-Euro-Kandidaten im Casting. Ich kann nur hoffen, dass die meisten von den wirklich begabten Bewerbern bisher einfach nur noch nicht gezeigt wurden, weil die Vollpfosten spektakulärer waren…

    Das Recall der 120 Besten findet in Köln statt. Man sieht, wie die verbliebenen Kandidaten aus allen Winkeln der Republik in der Domstadt zusammenströmen und sich schließlich auf der Bühne versammeln. Dazwischen springt auch wieder Marco Schreyl herum, der uns ab heute als professionell-nerviger Moderator bis zum DSDS-Finale begleiten wird. Gleich in der ersten Recall-Runde geht es voll zur Sachen, die Kandidatenzahl soll auf die Hälfte reduziert werden, 60 Leute müssen also schon heute wieder gehen. Vorab wird aber erstmal der Einzug der Jury bombastisch inszeniert, die 120 Recall-Teilnehmer klatschen sich die Hände wund, um ihre drei Richter milde zu stimmen. Die sprechen alle noch ein paar salbungsvolle Worte der Preislage “gebt Gas”, “wir erwarten Euer Bestes”, “verkauft Euch optimal” usw. Dieter bringt es ganz plastisch auf den Punkt mit einem Tipp für die Damenwelt: “wenn jemand von Euch dicke T…[Pfeifton RTL]  hat, dann zeigt das auch”. An diesem Pfeifton kann man übrigens mal die aktuelle Grenze der Political Correctness verorten, sie verläuft offensichtlich zwischen den Worten “Scheiße” und “Titten”. ;-)

    Im ersten Durchgang müssen nun – nach Männlein und Weiblein getrennt – alle Bewerber einzeln nach vorn treten und ein paar Takte singen. Beginnen wir mit den Herren der Schöpfung. Bemerkenswert ist Thomas Karaoglan, der schon im Casting von Bohlen “Checker” getauft wurde. Wo andere Kandidaten nur stocksteif ihre Takte runtersingen, performt der 16-Jährige sein “Ain’t no Sunshine” regelrecht. Bohlen ist begeistert: “Ist so groß wie ‘ne Parkuhr, aber macht hier vorn auf dicke Hose”. Der Checker nutzt das offene Mikro und wünscht seinen Mitbewerbern etwas großspurig “viel Glück”. Mich erinnert der Typ etwas an Benjamin Herd aus DSDS 2008; mal sehen, wie weit die arrogante Masche trägt.

    Kevin Rebstock hat seine blonden Haare seit dem Casting wieder auf schwarz umgefärbt und hochgegelt. “Du siehst aus wie einer von den Prinzen“, befindet Bohlen. Als der 19-Jährige enttäuscht mault, schiebt der Poptitan noch halbherzig nach, das sei als klare Verbesserung zu verstehen. (Ich orakel mal: Vergiss es, Kevin, “besser” muss noch lange nicht “gut” bedeuten.) Bevor er seinen Titel “Broken Strings” beginnt, macht der Kandidat vor Aufregung oder zur Lockerung der Zunge ein paar bemerkenswert bekloppte Grimassen, die ihm vielleicht einen Sekundenauftritt bei Stefan Raabs TV-Total einbringen. Kevins Song ist dann bereits nach einigen Takten mit einem “Dankeschön” der Jury vorbei.

    Jetzt kommen schnell nacheinander diverse Typen, die sich vor allem darin überbieten, der Jury bei ihren kurzen Gesangsparts möglichst penetrant nah auf die Pelle zu rücken. Dirk Petry macht es vor und knödelt seine Takte fast direkt in Ninas Ohr, bis Dieter ihm mit einer Zeitung auf sein Markenzeichen haut, den schwarzen Cowboyhut. Helmut Orosz tut es ihm nach und Dominik-Büchele-Klon Eugen Flittner geht ebenfalls direkt vor Nina auf die Knie – langsam wird’s peinlich. Menowin Fröhlich wird vergleichsweise stiefmütterlich kurz abgefrühstückt (hat der nochmal zugenommen?).

    Malcolm Ohanwe will nach dem “Dankeschön” der Jury, das einem “halt die Klappe” gleichkommt, unbedingt noch weiter singen und fängt eine längere Diskussion mit Dieter, dem Halbgott an. Das kennen wir ja bereits aus Malcolms Casting, wo der Nervkopf überhaupt erst durch impertinentes Betteln in den Recall gelassen wurde. Bohlen beginnt der Geduldsfaden zu reißen und er brüllt den 16-Jährigen mehr oder weniger im Spaß an, er solle gefälligst in die Gruppe zurück gehen.

    Nelson Sangare macht sich bei der Jury keine Freunde, als er seinen kurzen Auftritt erstmal mit einer Beschwerde über aufkommende Hungergefühle und die mangelhafte Verpflegung vor Ort startet. Damit darf man einem Profi wie Bohlen nicht kommen: Das eigene Wohlbefinden habe zurückzustehen, er selbst hätte über den Tag auch erst eine halbe Birne gegessen und müsse überdies seit einer Stunde dringend aufs Klo, gibt er bekannt. Als Nelson dann in seinem Titel “Bilder von Dir” (Laith Al-Deen) einen Texthänger hat, weiß Bohlen auch sofort, wie das kommt: “weil Du immer nur ans Fressen denkst”. Anschließend lässt der Poptitan aber Gnade walten und schickt die Bewerber in die verspätete Mittagspause.

    Malcolm, der peinliche Nervbold, nutzt den allgemeinen Aufbruch, bemächtigt sich des Mikros und muss dringend noch Stevie Wonders “I just called” (mein persönliches Hasslied) singen, während alle anderen vorbei gehen und ihn höchstens mit einem Kopfschütteln oder Lachen bedenken. Keine Ahnung, welche tiefsitzenden Komplexe er da befriedigt, aber zum Superstar macht ihn das garantiert nicht.

    Thomas, der Checker, kriegt kurz darauf beim Essen einen schweren Arroganzanfall, schnappt sich ebenfalls ein Mikro und fängt unter den Buhrufen seiner Konkurrenten eine überlange Performance am Mittagsbüfett an. Der Typ entwickelt sich für mich zum ersten Anwärter auf den Holger-Göpfert-Gedächtnispokal für überflüssige Unsympathen. Er glaubt vermutlich, er sei Gottes Geschenk an die Menschheit und die Welt schulde ihm aufgrund seiner Coolness eine Karriere als Superstar. Bestimmt hat er ein Foto von sich im Portmonee. Ich werde gern mit ansehen, wie “der Checker” – hoffentlich bald – auf dem Boden der Realität aufschlägt. Für den Moment hat es sich jedenfalls ausgesungen, als Mitbewerber Mehrzad ihm unter dem Beifall aller Anwesenden und mit etwas physischem Nachdruck das Mikrofon abnimmt.

    Nach der Mittagspause “kommen die Mädchen dran” (O-Ton Schreyl). Auch hier gibt es nervige Krawallschachteln, die man lieber von hinten als von vorn sieht. Eine gewisse Ina Freund (17), war mir schon im Casting negativ aufgefallen und bestätigt das im Recall auch. Nicht nur, dass sie auf dem Kopf ein Dings trägt, das wie Omas Einkaufsnetz aussieht, sie kann auch vor dem Mikro kein Ende finden und diskutiert mit der Jury endlos in einer sehr unangenehm hohen Tonlage, ob sie noch ein zweites Liedchen trällern darf. Trotz “Nein” macht sie das dann einfach und fängt sich dafür von Dieter einen Vergleich mit seiner Verflossenen Verona (”Blubb”) ein, die wohl auch des Öfteren durch häusliche Insubordination aufgefallen war.

    Als nächstes lanciert der Tötensener einen schönen Witz auf Kosten des wandelnden Tuschkastens Kim Debkowski: “Wenn eines der anderen Mädchen noch etwas Makeup braucht, knutscht einfach Kim, dann seid ihr geschminkt.” Ansonsten mag er die 17-Jährige aber, sie habe sich seit dem letzten Jahr extrem weiterentwickelt. Angeliki Paitari hat einen sexy gelben, schulterfreien Fummel aus dem Schrank geholt und präsentiert Dieter darin ihre vielen Schokoladenseiten. Sie legt soviel Wert auf Posing, dass ihr Song “Lady Marmalade” dabei etwas unter die Räder kommt. Am Ende räkelt sie sich auf dem Jury-Tisch. “Wenn Du so singen würdest, wie Du von hinten aussiehst…”, meint Dieter nur und guckt ihr ungeniert auf die Rundungen direkt vor seiner Nase.

    Meike Büttner kündigt im Einspieler schon an, was im Recall dann wirklich passiert: Sie vergisst bei ihrem ohnehin dürftigen Gesang den Text. “Du siehst so wuschig aus, was ist mit Dir los?”, erkundigt sich Bohlen. Ihre Antwort “das war Scheiße” und seine Bestätigung kosten normalerweise je einen Euro. Das Ding ist wohl gelaufen.

    Dann kommt die Entscheidung, welche 60 Kandidaten weiter kommen und für wen der Superstar-Traum an dieser Stelle zu Ende ist. Weiter sind u.a. Angeliki Paitari, Thomas “Checker” Karaoglan, Kevin Reichmann, Naomi Marte, Marcel Pluschke, Nelson Sangare, Valeria Giordano, Menowin Fröhlich, Kim Debkowski, Maria Elena Valenzia, Ina Freund, Helmut Orosz, Manuel Hoffmann, Ruzhdi Bojani, Dirk Petry, Mehrzad Marashi, Meike Büttner (Sensation!) und die bettelnde Nervensäge Malcolm Ohanwe.

    In der nächsten Recall-Runde werden nun Gruppen gebildet, die jeweils zusammen einen von der Jury ausgesuchten Titel performen müssen. Die Hoffnung bei uns Zuschauern ist natürlich, dass dabei Leute zusammengesteckt werden, die nicht miteinander können. So, wie die zuerst vorgestellte Gruppe bestehend aus Thomas, Nelson, Malcolm und Manuel. (Ich glaube, jede Gruppe, zu der Thomas gehört, hätte Probleme…) Thomas schläft lieber, als den Text zu lernen, findet mit dieser Einstellung aber nur wenig Verständnis bei den anderen. Mit seinem Fehlverhalten konfrontiert, wird der selbst ernannte “Checker” auf einmal wieder zu einem unreifen 16-Jährigen und fängt an zu weinen, was ihn fast schon wieder sympathisch macht! Die nächste Auszeit nimmt sich Malcolm, der aus ungeklärten Gründen nicht zur Probe erscheint und auch keine plausible Erklärung dafür hat. Beim Auftritt machen Manuel (sehr) und Nelson (ziemlich) ihre Sache gut, Thomas und Malcolm zersägen dagegen Xavier Naidoos “Das hat die Welt noch nicht gesehen” gnadenlos. Rausfliegen tut am Ende nur Malcolm, die Nervensäge, der Checker hat sich dagegen beim Bohlen schon so tief eingeschleimt, dass er momentan sicher ist.

    Dirk und Anastasia funktionieren als Duo gar nicht, offenbar mag die Russin den merkwürdigen Deutschen mit Hut nicht. Sie üben nicht ein einziges Mal zusammen und versäbeln beide den Titel auf der Bühne tutto kompletto. Was der Blondine an Textsicherheit fehlt, verknödelt der Möchtegerncowboy in der Melodie, wenn man das überhaupt so nennen darf. Bohlen wettet um einen 6er-Träger Bier, dass Dirk nicht mal die Melodie hinkriegt – und behält Recht. Statt sich wenigstens über die gewonnene Wette zu freuen, füttert Dieter sein Sparschwein: “Euer Auftritt ist nicht mal mehr Scheiße, für ‘Scheiße” müsstet ihr noch fünfmal besser sein.” Das war deutlich. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen kriegen die beiden noch eine Gnadenfrist bis zum Ende des Recall und sollen dann ein weiteres Mal auftreten.

    Bei Angeliki (die mit dem knappen gelben Fummel) und Helmut funkt es dagegen sofort, die beiden planen regelrecht, mit “gezieltem Körpereinsatz” bei der Jury zu punkten. Sie legen dann auch tatsächlich ein tolles Duett mit “Will you still love me?” hin, inklusive abschließendem Kuss, obwohl sich die eigentlich fest liierte Angeliki den vorher verbeten hatte. Sex sells, die Jury ist begeistert und winkt beide durch in die nächste Recall-Runde.

    Danach kommt eine reine Mädchentruppe mit – abgesehen von Valeria – im Casting nicht weiter aufgefallenen Mitgliedern (Olga, Zemine, Andrea, nie gehört!). Die zicken sich alle abwechselnd an, irgendwelche Geschichten mit kaputten Strumpfhosen, unfertigem Makeup, Ärger mit der Mutter usw., fragt mich nicht nach Sonnenschein. :-( Das Timing kriegen sie schon mal nicht hin, die letzten 45 Minuten vor dem drohenden Auftritt beschuldigen sich alle gegenseitig, den Probetermin vergessen zu haben. Der Streit endet erst, als sich die Studiotür öffnet und ihr damit völlig ungeprobter Auftritt von Rihannas “Take a Bow” beginnt. Wenigsten haben sich einige von ihnen Bohlen-adäquat aufgebrezelt und ihre sekundären Geschlechtsmerkmale (Stichwort “Pfeifton”) gut sichtbar in zu enge Kleider gequetscht. Der Auftritt hätte m.E. noch schlimmer ausfallen können, aber Bohlen reicht es trotzdem und die Jury fällt ein hartes Urteil: Zwar steht Dieter default auf “dicke Dinger”, wie man der einschlägigen Presse entnehmen kann, aber in diesem Fall hilft das nur noch Zemine, der Rest der Damen ist raus. Olga heult verzweifelt in die Kamera “aber ich hab’ doch für DSDS die Schule aufgegeben…” (!!!); die Schminke tropft ihr dabei vom Gesicht in die üppige Oberweite. Das ist die dunkle Seite dieses Wettbewerbs, wie immerhin 34.999 der 35.000 ursprünglichen Teilnehmer irgendwann merken werden…

    In einer kurzen Sequenz sieht man noch weitere Überlebende dieser Recall-Runde, z.B. Kevin Reichmann, Marcel Pluschke, Maximilian Salzinger, Kim Debkowski, Kevin Rebstock, Naomi Marte, Meike Büttner (die Sensation geht weiter!), Maria Elena Valenzia und Maria Sowieso.

    Sarah Engels und Eugen Flittner sollen “You don’t know me” von Milow präsentieren, doch werden sie durch Sarahs mieses Gedächtnis geplagt, das sich der Datenaufnahme konsequent widersetzt. Auf der Bühne hat sie dann den befürchteten Totalaussetzer und Bohlen kriegt die Pimpernellen: “Leute, dafür ist mir meine Zeit zu kostbar, so ‘ne [Ein-Euro-Wort] hör’ ich mir nicht an.” Er schmeißt beide auf der Stelle aus dem Recall – dabei war Eugen vorher ein echter Hoffnungsträger und hatte keine Schuld an dem Desaster. Ach, was kann die Welt ungerecht sein.

    Menowin, Ruzhdi, Mehrzad und Joel bilden eine Boy-Group mit hundertprozentigem Migrationshintergrund und haben “You give me something” von Jamiroquai eingeübt. Ruzhdi demonstriert mit seiner hochgestellten Frisur eindrucksvoll die Gefahren der Föhnbenutzung in Badewannen. Leider kann er sich den Text nicht merken und mit seinem Englisch ist es auch nicht weit her, darum wird er bei seiner Darbietung etwas von dem mitgebrachten Textzettel behindert. Menowin hat sich fast zur Unkenntlichkeit vermummt, die Mütze ist tief über seinen runden Kopf gezogen, er trägt eine fette Sonnenbrille und hat auch noch einen dicken Schal um. Angeblich ist er erkältet. Trotzdem hat er zusammen mit Mehrzad eine richtige Tanzchoreographie eingeübt, Joel klampft dazu und Ruzhdi steht beim Singen etwas am Rand und starrt vor allem auf seinen Zettel. Bohlen ist recht angetan und gibt den vier unisono die Fahrkarte in die nächste Recall-Runde, wobei Ruzhdi deutlich abfällt und eigentlich nur wegen seiner vorherigen guten Leistungen weiter kommt.

    Zum Ende kriegen Dirk und Anastasia noch ihre versprochene zweite Chance und nutzen sie auch. Die Auftritte sind zwar beide etwas skurril, aber Bohlen will sehen, wie sie sich weiterentwickeln und winkt sie durch. Dirk löst bei dieser Gelegenheit seine Wettschulden von vorhin ein und schleppt gleich mehrere 6er-Träger Beck’s-Bier an (wie man trotz Überpixelung mit etwas Erfahrung erkennen kann).

    Nach dem Gemetzel der ersten Recall-Runden versammelt die Jury nun die übrig gebliebenen 35 Kandidaten, hält ihnen noch eine Predigt  und verkündet dann, wo der Recall fortgesetzt wird: Es geht in die Karibik!!! Mit Dieter unter Palmen, wer hätte insgeheim nicht schon immer davon geträumt, in der nächsten Woche wird es wahr! Man sieht sich…

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  • DSDS (RTL) 28.01.2010 1 Comment

    Hallo zusammen, heute ist bei DSDS schon so eine Art Vorab-Finale, denn Onkel Dieter macht den Sack zu: Dies ist der letzte Casting-Tag; wer bis heute nicht an der Jury vorbeigekommen ist, muss sich ein weiteres Jahr gedulden, um sich entweder zum Depp oder zum Vielleicht-Kurzzeitstar zu machen. Letzte Gelegenheit auch für den Poptitan aus Tötensen, seine kodderigen Fäkal- und Analsprüche an den Mann oder die Frau zu bringen. Nach diesem Abend wird es einen kleinen Tick seriöser und die Bohlen’schen Watschen werden etwas humaner. Aber bestimmt nur etwas.

    Der DSDS-Giftschrank quillt dieses Jahr über vor schrägen Vögeln. Einen davon präsentiert uns RTL heute gleich zu Anfang: Sarah ist 18 Jahre alt und nach eigener Einschätzung extrem lustig drauf. Sie erzählt dauernd Witze und sieht auch tatsächlich etwas aus wie ein Lachsack. Ach ja, fast vergessen: Singen kann sie ja angeblich auch noch ganz toll, war schon in x Chören, sagt sie. Warum sie so oft den Chor wechseln musste, sagt sie hingegen nicht…

    Im Studio blamiert Sarah sich erstmal nach Kräften vor der Jury, als Dieter Bohlen sie bittet, ihre drei Lieblingswitze zu erzählen. Alle drei sind klassische Rohrkrepierer, deren peinliche Pointen nur Sarah allein versteht. Ein altes Sprichwort sagt: “Am vielen Lachen erkennt man den Narren”; hier stimmt’s mal. Nachdem sie sämtliche Humorpunkte dieser Folge im Alleingang geholt hat, folgt nun der unkomische Teil der Vorstellung, nämlich ihr Gesang. Für Sarah muss Silbermonds “das Beste” dran glauben. Sie vermurkst den Titel nach Strich und Faden und kriegt zwischendurch fast einen Lachflash, als Volker vornüberkippt und mit dem Kopf auf das Jurypult schlägt. Die drei “Neins” von Dieter, Nina und Volker schrecken sie leider nicht genug, denn sie droht für 2011 ihre Rückkehr an. GNADE!!!! :-(

    Nach Flop kommt Top: Praveen Smeyts ist 17, kommt gebürtlich aus Indien, hat eine afrikanische Adoptivschwester und wohnt in Deutschland (d.h. Homestory steht schon mal). Mit seinem dunklen Teint und dem breiten Grinsen sieht er ein bisschen wie ein Bollywood-Teenstar aus, könnte ich mir vorstellen, hab’ allerdings noch keinen Streifen davon je gesehen. Praveen hat Hummeln im Hintern, wie man so sagt, der ist die geborene Rampensau, genau der Typ, auf den Bohlen wartet. Sein erster Song ist “Don’t look back in Anger” von Oasis, gut geklampft und gesungen. Danach performt er Queen’s “Another one bites the Dust”. Bohlen ist sich unsicher, seine monetären Fühler melden Alarm: Praveen würde, sagt er, nur im Fernsehen funktionieren, die Stimme sei nicht unverwechselbar und die Super-Ausstrahlung könnte man nicht auf CD pressen, damit ist er für Bohlen uninteressant. Volker und Nina wagen sich diesmal aber nach vorn und geben ein “Ja”, damit ist Praveen im Recall. :-)

    Zwischendurch die beliebte Rubrik Song-Quiz, bei der man raten darf (aber meist nicht kann), was die Kandidaten wohl zu singen belieben. Diesmal ein vom Schicksal gepiesackter Typ, der die nachteiligen Eigenschaften Vergesslichkeit, Kurzsichtigkeit und Unmusikalität in sich vereint: Weil er sich den Text nicht merken kann, klebt er einen Spickzettel außerhalb des Bildes in die Kulissen, kann den aber wegen seiner vergessenen Brille nicht lesen. Er singt daher immer nur ein paar Brocken, geht wieder zum Zettel, liest ab, kommt zurück ins Bild, singt die nächsten paar Brocken, geht wieder zum Zettel usw. Tragisch nur, dass das alles gar nicht nötig gewesen wäre, denn er kann auch nicht singen und sich bewegen…

    Das kann wiederum Alexandra Jansen, 22, die nächste Kandidatin. Sie sieht super aus, studiert Maschinenbau in Aachen und ist dort unter ca. 1.000 männlichen Kommilitonen offenbar so eine Art “Henne im Korb”. (Kleiner Hinweis für die Spezis von RTL, die sich selbst immer so gern über Kandidaten mit Sprachproblemen lustig machen: Aachen schreibt man mit Doppel-A!) Schon beim Reinkommen ins Studio schmilzt Alexandra mit einem einzigen wohlgezielten Blick Dieters Zahnplomben: Die Sonne geht auf, er grinst sich eins – sie ist offenbar genau sein Typ. Mit Alicia Keys’ Song “Fallin’”, bei dem sie sich selbst am E-Piano begleitet, trifft Alexandra dann bei Bohlen nochmal genau ins Schwarze. Sie kriegt von ihm dafür nicht nur ein “Doppel-Ja”, sondern auch noch das Extra-Lob “bestes Mädchen der Staffel”. Auch von Nina und Volker gibt’s ein “Ja”; man sieht sich wieder im Recall. :-)

    Nun ist wieder Zeit für einen Loser: Der heißt Christian und hat mit seinen 21 Jahren ein Rezept gefunden, wie er garantiert ins DSDS-Finale kommt: “… indem ich einfach zu tausend Prozent an mich selbst glaube”. Mit dieser Einstellung will er im Casting ein “Knallerlied raushauen”. Außerhalb der Musik hat er auch feste Vorstellungen, will in die Politik gehen und als Bundeskanzler alles “tausendfach” besser machen als Frau Merkel.

    Wider Erwarten (hihi) wird sein selbstverliebter Auftritt jedoch ein totaler Schuss in den Ofen: Zuerst vergeigt er das Gespräch mit Jury-Volker: “Ich will eine neue Partei gründen!” – “Aha, wie soll die heißen?” – “Äääääääh, weiß nicht…” – “Und was wären Deine Ziele?” – “Hmmm, keine Ahnung…”. Ähnlich gut vorbereitet kommt dann Christians Titel “When you say nothing at all” von Ronan Keating, den man nur anhand der wenigen radebrech-englischen Textpassagen identifizieren kann, die er nicht vergessen hat. Melodie: Fehlanzeige. Dieter lässt sich sein Gesamturteil einen Euro kosten (der in sein Schimpfwort-Schweinchen wandert): “Du hast keine Ahnung von Politik, Du kannst null singen, Du kannst kein vernünftiges Englisch… Alles Scheiße.” Dem schließen sich in milderer Form auch Nina und Volker an. Als Christian draußen ist, resümiert er  “vielleicht hätte ich noch arroganter rangehen müssen”… :-(

    Thomas Karaoglan (16) kommt aus Duisburg und steht auf Thai-Boxen. Außerdem weiß er “ich bin was Besonderes”, was ja für einen Sänger grundsätzlich mal eine ganz gesunde Einstellung ist, sonst gehört er nicht auf die Bühne, sondern ins Publikum. Thomas ist tatsächlich was besonderes, nämlich besonders schlau: Er hat sich extra zur Bohlen-Bezirzung einen Titel von dessen Hofnarr und DSDS-2007-Gewinner Mark Medlock mitgebracht. Gott sei Dank ist der Titel “Unbelievable” (Komponist: Dieter Bohlen himself) an mir bisher ungehört vorbei gegangen und auch Thomas Gesang ist kein echtes Pro-Argument. Der Titan ist aber einigermaßen angetan, nennt den Kandidaten “der kleine Checker”, findet ihn lustig und will ihn gern im Recall haben, was auch die Rest-Jury unterstützt. Tja, da ist die Rechnung aufgegangen, gar nicht mal so ungeschickt. Logo, dass Thomas nur mitkommt, weil er ein Farbklecks im Bewerberfeld ist, seine musikalische Leistung reicht sicher nicht für einen der vorderen Plätze aus, aber das ist heute noch kein Thema. :-)

    Zeit für eine Kandidatin: Michelle Flanders ist 18 und lernt Friseurin. Schon im Einspieler lästert sie über Dieter Bohlens Frisur, seine Strähnchen gingen ja gar nicht. Der Beginn ihres Auftritts vor der Jury bestätigt alle in Manta-Witzen verbreiteten Klischees über (fehlenden) Friseusen-Grips: “Hallöchen, ich bin die Michelle und ähm … ja…”, dann folgt sekundenlanges Schweigen, sie dreht sich verlegen hin und her, Bohlen lacht. Er erteilt ihr eine kleine Lektion in Selbstbewusstsein, dann darf sie “Soulmate” von Natasha Bedingfield trällern. Grässlich, die Jury verdreht bei ihrem genäselten Liedchen die Augen. Hinterher fragt Volker, ob sie überhaupt schon jemals vor Publikum gesungen habe und was die dazu gesagt hätten. Ja, kommt die Antwort, aber nur vor ihrer Mutter – und die hätte anschließend über Kopfschmerzen geklagt… Alles klar, die Mutter hatte Recht, für diese Erkenntnis hätte sich Michelle also den Umweg übers Fernsehen sparen können. Dreimal “Nein” und Arrivederci! :-(

    Noch eine Dame, diesmal mit bewegender Homestory: Angeliki Paitari ist 29 und hat früh – zu früh – geheiratet. Ihr Ehemann war ziemlich eifersüchtig, sie durfte deshalb nicht arbeiten und musste ihre Sangesgelüste heimlich Zuhause ausleben. Wurde sie trotz Verbots mal beim Singen erwischt, setzte es gelegentlich sogar Schläge! Ehe und Typ sind nun glücklicherweise Vergangenheit und deshalb will Angeliki noch schnell vor Erreichen der DSDS-Altersgrenze ihre Eintrittskarte für den Recall abholen. Bei “Hurt” von Christina Aguilera kommt sie nur eine handvoll Töne weit, dann stoppt Dieter sie: Die Leidenschaft fehlt und ein Ton war ganz falsch. Sie solle lieber ein leichteres Lied nehmen. Ok, dann also Alicia Keys “Woman’s Worth”. Das geht einigermaßen, aber Bohlen bleibt gnaddelig. Nö, das ist alles nicht so richtig toll, “Wofür soll ich Dir da ein JA geben?”, fragt er. Volker und Nina emanzipieren sich in dieser Folge, finden Angeliki quirlig und etwas verrückt und sorgen mit zwei “JA”-Stimmen für ihren Einzug in den Recall, vorbei am grantelnden Dieter. :-)

    Aus der Kuriositätenabteilung kommt die nächste Kandidatin: Christine (24) aus Potsdam studiert IT Systems Engineering, bringt eine Rassel mit ins Studio und belehrt die Jury ungefragt, dass das gar keine Rassel, sondern eine “Maracas” sei. (Lt. Wikipedia lautet der deutsche Name für “Maracas” übrigens “Rumba-Rasseln”…) Dann singt sie ein “Hallelujah”, das in ein anderes Lied übergeht, die Stimme klingt mit ihrem prägnanten Timbre etwas nach Joan Baez. Dieter will wissen, wann denn endlich die Rassel – äh Maracas – ins Spiel kämen, sie reagiert leicht beleidigt, dass er das böse Wort “Rassel” gebraucht hat, langsam wird’s lächerlich. Dann tut sie der Jury doch noch den Gefallen, singt irgend etwas, schüttelt dabei die Rassel Maradingsbums, Dieter steigt mit ein und schwingt sein Scheiße-Schweinchen über dem Kopf bis ein paar Euros herausfallen und beendet dann die ganze Sache. “Die Kinderrassel passt zu Deinem Gesang”, ärgert und demütigt er sie gleichzeitig. Nein, nein, nein und tschüss! :-(

    “Ich habe mein Heimatland verlassen, um an ‘Deutschland sucht den Superstar’ teilzunehmen.”, berichtet die 20-jährige langhaarige Blondine mit dem waffenscheinpflichtigen Namen Anastasia Del Mukhamedova. Sie kam erst vor 9 Monaten aus Russland und kann schon ganz gut Deutsch, Respekt. Ihre Heimat war ganz unten rechts, in der Gegend zwischen China und Südkorea. Mit “Russland ist ganz schön groß, das haben ja schon andere Leute gemerkt…”, deutet Dieter Bohlen vage seine profunden Geschichtskenntnisse an. Anastasia hat Musik studiert und verfügt nach eigenen Angaben über einen Stimmumfang von fünf Oktaven. Das sind dann so ziemlich alle Töne zwischen Nebelhorn und Hundepfeife. Sie singt für die Jury eine geknödelte Brachialversion von “I will always love you” (u.a. von Whitney Houston gecovert) mit barocker Klangfärbung und supermiesem Englisch. Bevor Bohlen die Frau abschießt, will er aber wenigstens nochmal die versprochenen fünf Oktaven hören. Sie röhrt zuerst und quietscht dann in den höchsten Tönen, was Bohlen den anerkennenden Vergleich mit einem zertretenen Wellensittich abnötigt. Das erste Lied hätte doof geklungen, aber mit den hohen Tönen hätte sie ihn überrascht, dafür kriege sie ein “Ja”, sagt der Meister. Außerdem habe sie ein wirklich hübsches Gesicht, “aus Dir könnte man was machen, nur Deine Zähne sind Scheiße”. Charmant, charmant. Gegen Dieters zeitweilig Testosteron-verschleierten Musikverstand lässt sich schwer gegenandiskutieren, also geben auch Nina und Volker ihre anfänglichen Vorbehalte auf und winken Anastasia durch in die nächste Runde. :-)

    Eher sonderbar ist der Auftritt des 18jährigen Berliners Thomas, der der Jury erst mal sein schräges Outfit erklären muss. Er trägt über dem Hemd ein grellrotes Leibchen mit buntem Totenkopf und auf dem Kopf einen Hut. Letzteren versteht man erst, als er probeweise den Hut absetzt, seine voluminöse Naturlockenpracht offenbart und die Kopfbedeckung dann sofort wieder in Position bringt. Thomas hat ein kleines, hässlich klingendes Keyböardchen auf den Knien und begleitet damit seine Version von “Apologize” (eigentlich von OneRepublik). Ich weiß nicht, was schrecklicher ist, sein Gesang oder das Elektrogedudel. Die Jury versucht verzweifelt, die akustische Körperverletzung durch Handzeichen zu unterbrechen, aber Thomas hat sich so in Rage geklimpert, dass er erst nach einer ganzen Weile Ninas entsetztes Gesicht sieht und innehält. Das gibt standrechtlich drei “Neins”, aber Dieter muss wie immer noch mal nachtreten und bescheinigt dem Kandidaten völlige Gefühllosigkeit beim Gesang. Immerhin schafft er das ohne Fütterung des Scheiße-Schweinchens. :-(

    Wo wir schon bei den Flitzpiepen sind, kommt zum guten Schluss nun auch noch ein Marco mit einer Schreckens-Version von Christian Anders Depressiven-Hymne “Es fährt ein Zug nach Nirgendwo”. Schon das Original wirkt gut gegen Verstopfungen, aber das, was Marco daraus macht, spottet wirklich jeder Beschreibung. Irgendwie auch schon wieder Kunst, buchstäblich JEDEN einzelnen Ton zu versemmeln. Die Urteilsverkündung erspart uns RTL, vermutlich soll der gewählte Titel auch nur locker überleiten zu den nun anstehenden drei Recall-Folgen. :-(

    Bin mal gespannt, was Bohlen aus den 120 ausgesiebten Bewerberinnen und Bewerbern macht, grundsätzlich fand ich das Feld bisher nämlich ziemlich lahm. Und dabei soll doch der Recall, der ab Sonnabend gezeigt wird, der angeblich härteste aller Zeiten werden. Ob Onkel Dieter dabei wohl weiter sein Sparschweinchen füttert? Noch drei Tage, dann wissen wir mehr. Bis denne!

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  • Ein Novum für Christian Rach, den Hamburger Sternekoch: Heute soll er in Augsburg gleich ein ganzes Kegelzentrum vor dem Fiasko retten. Nicht so neu ist hingegen sein Trick, einfach einen Tag früher als angekündigt zu kommen. Im Gegensatz zu uns Profi-Zuschauern kennt Geschäftsführer Thomas Preißler diese Finte angeblich noch nicht, zumindest tut er ziemlich überrascht. Vermutlich hat er auch besseres zu tun, als sich abends Müll-TV anzusehen, denn eigentlich fordert das Geschäft seine komplette Aufmerksamkeit, hier läuft es momentan nämlich überhaupt nicht rund.

    Rach stillt nach gewohntem Schema erst mal seinen üppigen Appetit – offenbar hat er seit der letzten Sendung nichts mehr gegessen! Heute bestellt er in einem Rutsch den Burger-Toast, Feinschmeckersalat, Allgäuer Rahmrostbraten und ein Schnitzel nach Art des Hauses. Während unser Meisterkoch dem Betrieb auf den 16 Kegelbahnen zusieht und mit Kellner Charlie schäkert, gibt Preißler die Riesenbestellung an die Küche weiter. Dort ist die 63-jährige Köchin Vera seit 20 Jahren der gute Geist und überhaupt besteht die ganze Küchencrew nur aus ihr. Die Stimme aus dem Off frotzelt schon mal los, als Vera anfängt, den Feinschmeckersalat zu kreieren, indem sie mit bloßen Händen die Inhalte mehrerer offener, ungekühlt auf der Erde stehender Tröge zusammenwirft. Mit “viel Liebe” gibt sie noch einen Löffel Dressing dazu und fertig ist das erste Gericht. Der Burger wird ebenfalls aus tiefgefrorenen Fertigteilen zusammengebastelt, mit Kochen im engeren Sinne hat das nicht viel zu tun. Mal sehen, was Rach gleich dazu sagt… Im Hintergrund hört man übrigens die Erkennungsmelodie von Miss Marple – ob RTL damit auf das vorgerückte Alter der serbischen Küchenfee anspielen will?

    Als die Ergüsse aus Veras Küche beim Gourmet-Papst ankommen, flüchtet Geschäftsführer Thomas Preißler ahnungsvoll in die Kulisse. Auch Kellner Charlie hat dringend am anderen Ende des Etablissements zu tun. Rach nimmt mit Todesverachtung immer nur wenige Bissen von den bestellten Gerichten, lacht zwischendurch hilflos, spült mit Bier nach, lässt eine fiese Bemerkung fallen und arbeitet sich weiter durch die “Köstlichkeiten”. Am Ende bleibt er bei den Pommes hängen, die es zum Schnitzel gab und trägt dann wie gewohnt den letzten Teller zurück zum Tatort Küche. Rach mag der mütterlich wirkenden Vera gar nicht die volle Wahrheit sagen und deutet seine Unzufriedenheit vergleichsweise zahm an.

    So schlimm kann es aber denn doch nicht gewesen sein, Rach hat die Nacht überlebt und steht am nächsten Tags schon wieder im Kegelzentrum. Heute will er die gesamte Anlage kennen lernen, Thomas soll ihm alles erklären. Der ist übrigens nicht nur Geschäftsführer, sondern nebenbei – oder hauptsächlich – auch noch zuständig für die Wartung von der Kegelanlage, der Außenanlage sowie aller Toiletten und Duschen. Bei der Besichtigung des Hauses kriegt der Hamburger das kalte Grausen. Überall hängen Verbotsschilder und von den berichteten Toilettengerüchen will ich hier gar nichts schreiben. Rach konstatiert, dass Preißler irgendwie unbeteiligt wirke, mehr wie ein Hausmeister und weniger wie der Geschäftsführer eines auf die Insolvenz zusteuernden Betriebes. Ein Besuch bei Vera in der leicht siffigen Küche zeigt auch bei ihr eine gewisse Resignation. Auch sie wirkt so, als habe sie den Kampf um den Laden bereits aufgegeben. Rach bohrt nochmal wegen des verhunzten Salats vom Vortag nach: Das sei Pech gewesen, normalerweise gerate der besser, behauptet die liebenswerte Köchin. Das lässt der Sternekoch diesmal so durchgehen, denn Vera genießt “Welpenschutz”, oder wie soll man das in ihrem Fall nennen?

    Tag Drei soll nun die Wende bringen: Rach hatte Preißler die Hausaufgabe gegeben, sich ein neues Konzept für den Laden zu überlegen, so dass er auch für junge Leute wieder attraktiver wird. Sicherheitshalber – der Hamburger kennt seine Kundschaft – hat er sich auch schon selbst ein paar Gedanken gemacht. Das “Kegelzentrum” soll ein Zentrum für “Sport, Spiel und Spaß” werden, das nicht nur Kegelrentner anzieht. Dazu gehören auch eine andere Beleuchtung, jugendliche Musik und insbesondere eine modernere Speisekarte. Unverblümt fragt Rach den Geschäftsführer, ob er bereit ist, dabei den “Vortänzer” zu machen. Thomas sagt ja und damit ist der Kurs für die nächsten Tage abgesteckt.

    Für die Werbepause haben die hochbezahlten Experten aus dem RTL-Quizlabor in jahrelanger Arbeit wieder eine knifflige Zuschauerfrage entwickelt, deren richtige Beantwortung mit Glück schlappe 3.000 Tacken bringt: “Wie heißen die kleinen Kuchen aus den USA? a) Knäckebrot oder b) Muffins” Ich will ja nicht zu viel verraten, aber in diesem Mülltv-Beitrag findet man das Lösungswort… :-)

    Am vierten Tag setzt sich Rach erstmal mit den bejahrten Vorständen der diversen Kegelvereine zusammen, die im “Kegelzentrum” aktiv sind. Man sieht schnell, was das eigentliche Problem ist: Hier gibt es gar keine jungen Leute, die Kundschaft von Preißler ist überwiegend im Rentenalter. Der Meisterkoch schafft es scheinbar, alle Anwesenden davon zu überzeugen, zum Erhalt der Anlage Kompromisse zu machen. Sie müssten sich damit arrangieren, dass zukünftig vermehrt junge Leute ins “Kegelzentrum” kommen, die einen anderen Musik- und Essgeschmack haben. Über einen lokalen Radiosender macht Rach dann einen Aufruf an alle Hörer, in dem er nach Sponsoren für die Baumaterialien sucht, mit denen aus dem “Kegelzentrum” die “Kegelburg” werden soll. Gemessen an den eintrudelnden E-Mails scheint das ein voller Erfolg zu sein. Weil die nun anstehenden Umbauarbeiten ein paar Wochen dauern werden, zieht sich der Meisterkoch erstmal in die heimischen Gefilde an der Elbe zurück und überlässt Preißler die Drecksarbeit.

    Aus geplanten drei Wochen werden drei Monate, aber dann ist Rach wieder in der “Kegelburg” am Eiskanal in Augsburg und will sich höchstselbst vom Ergebnis der Bauarbeiten überzeugen. Der Eingangsbereich versprüht weiterhin den Betoncharme einer 70er-Jahre-Hochhaussiedlung, aber drinnen hat sich wirklich was getan: Zwischen dem Restaurantbereich und den Kegelbahnen wurde eine verglaste Schallschutzwand eingezogen und dazu wurde das ganze Mobiliar inklusive des Tresens modernisiert. Hingegen hat sich beim Personal entgegen Rachs unausgesprochener Hoffnung nichts verändert. Er lässt sich von Charlie zwei Cocktails mischen und Vera soll ihm eine Pizza backen – beides gab es vor drei Monaten hier noch nicht. Der Hamburger ist einigermaßen zufrieden, auch wenn die Pizza doch arg klein ausfällt, so auf halbem Wege zwischen Normal- und Kräckergröße. Für den nächsten Tag setzt er verschärftes Küchentraining an, denn übermorgen soll die große Einweihung kommen (vermutlich sind dafür schon die üblichen RTL-Statisten gebucht).

    Der Küchentag kommt und Vera führt ihre neue Idee vor: Pizza-Happen für den kleinen Hunger zwischendurch – die sind nun wirklich nur noch so groß wie Kekse. Rach und Preißler probieren, wobei letzterer sagt, dass es ihm nicht so doll schmecke. Rach scheint das positiver zu sehen und springt Vera bei: Dann soll doch Preißler bitte selbst mal kochen. Gesagt, getan, springt der mit der Schürze durch die Küche und kämpft mit solchen Widrigkeiten wie klemmenden Backofentüren. Das wird also auch nichts und nun kommt The Rach himself! Er zeigt den beiden, wie man echt italienische Crostini zubereitet, natürlich gelingen die bestens.

    Während Vera und Charlie nun an der neuen Speisekarte feilen, schleppen der Gourmetpapst und Thomas neue Lounge-Möbel herein, die gerade angeliefert werden. Später kommt dann auch noch ein Lichtmokel und bringt grüne Strahler. Irgendwie fragt man sich, woher auf einmal das ganze Geld kommt, der Laden war doch schon ziemlich pleite. Vielleicht gibt RTL ja noch was dazu?

    Am Morgen des letzten Tags zieht Rach eine große Kiste mit neu-alten Retrolampen hinter sich her, die er in einem 70er-Jahre-Laden entdeckt hat. Die werden nun gleich angeschraubt und bringen ordentlich Farbe in die Bude. Der Maestro zieht seine Kochuniform an und übernimmt die Küche. Dann kommen die Gäste, futtern, kegeln und haben Spaß. Wie immer werden nur zufriedene Leute interviewt, die versprechen, garantiert wiederzukommen. Überraschend ist die Veränderung des Geschäftsführers: Wirkte Thomas Preißler am Anfang noch wie ein gleichgültiger Schlaffi, hat er am letzten Tag spürbar an Energie gewonnen und wirbelt durch seinen verjüngten Laden. Mal sehen, ob das hält…

    Ja, tut es: Als Rach acht Wochen später zum Kontrollbesuch wieder in Augsburg ist, findet er alles in bester Ordnung. Der Laden brummt und Preißler hat Oberwasser. Er kann sich auch nicht erklären, warum erst das Fernsehen kommen musste, damit es bei ihm “Klick” machte. Dann lässt sich der Sternekoch von Vera eines der überarbeiteten Gerichte bringen, zeigt sich begeistert und bringt den leergegessenen Teller zurück in die Küche. Eine rührende Szene, wie Rach der dankbaren Vera die Hand schüttelt, vermutlich hatte sie insgeheim mit einem Anschiss gerechnet. Mit Tränen in den Augen verabschiedet sich Rach von seinen neuen Freunden in Augsburg. Wieder eine eher harmlose Folge, in der es viel mehr menschelt als knallt. ;-)

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  • DSDS (RTL) 24.01.2010 No Comments

    Wieder ist Samstagabend, draußen pfeift der unerbittliche Winterwind durch die vereisten, menschenleeren Straßen, doch in den Häusern und Herzen wird es auf einmal ganz warm: Es ist soweit, im ganzen Land scharen sich die Freunde des gepflegten Fremdschämens um die Fernsehgeräte, um ihrem Oberpriester Dieter Bohlen beim Zelebrieren der heutigen Menschenopfer zuzusehen. Spannend, wen der Schlagertitan aus Tötensen in seinem Format “Deutschland sucht den Superstar” heute den medialen Schlangen zum Fraß vorwirft und wer in seinen Augen Gnade findet und für maximal ein paar kurze Wochen ein Leben im Rampenlicht führen darf. Vorhang auf!

    Mit einem kurzen Zusammenschnitt heulender Kandidaten, die gerade ihre Begegnung mit Bohlen hatten, stimmt uns RTL auf die kommende Stunde ein. In einem seltenen Moment der Reflexion erklärt der Meister sein Bedauern über seine Rolle als “Arschloch”. Es sei aber nun mal Aufgabe der Jury, den Kandidaten zu erklären, dass das Traumschloss ihrer Musikerkarriere im Lichte ihres Könnens denn doch nur eine Einzimmerwohnung sei.

    In diesem Sinne passt der nächste Kandidat wie die Faust auf’s Auge: Der 24-jährige Markus kommt aus Ingolstadt und spricht so, wie Menderes singt, nämlich mit einer dünnen, leisen Mädchenstimme. Er selbst behauptet im Einspieler, seine Stimme sei wie die von Justin Timberlake und so wie der, könne er auch tanzen, das habe er oft genug Zuhause ausprobiert. Gott sei Dank, ich bin beruhigt, jetzt kommt also ein Profi!

    Er schleicht buchstäblich ins Studio und stellt sich dann so leise vor, dass die Jury kollektiv nichts versteht. Im zweiten Anlauf hört wenigstens Nina Eichinger etwas und macht dann für Onkel Dieter (wird bald 56) und Volker Neumüller die Gebärdendolmetscherin. Fatalerweise fordert Dieter den Kandidaten zuerst auf, zur Einstimmung eine Runde zu tanzen. Das geht schon mal völlig in die Hose, er hüpft stocksteif über das Parkett und dreht sich unmotiviert herum, da hatten selbst die menschenscheuesten Landwirte von “Bauer sucht Frau” mehr drauf. Als er dann auch noch singen soll, ist er endgültig überfordert, hat offenbar sämtliche Titel und Texte vergessen und zieht deshalb umständlich eine handvoll Spickzettel aus der Tasche. Bohlen vergräbt das sorgenfaltige Gesicht in den Händen und bedauert intern vermutlich mal wieder sein Schicksal, bis in alle Ewigkeit eine endlose Prozession der Dilettanten an sich vorbei ziehen lassen zu müssen. (Selbst schuld, was ist er auch so geldgeil!)

    Markus Vorstellung von “21 Guns” von Green Day verkommt zur unfreiwilligen Parodie und die Jury beendet das Trauerspiel, als er gerade mal den Faden verloren hat. Was der Kandidat selbst dazu sagt, versteht wieder keiner, weil er zu leise spricht. Draußen vor der Tür bringt er noch das wunderschöne selbstkritische Statement “Der Gesang reicht nicht fürs Singen” und verzieht sich dann zurück in die ihm gebührende mediale Bedeutungslosigkeit. Wenn’s schlecht läuft, sehen wir ihn im nächsten Jahr beim Casting wieder… :-(

    Céline Denefleh ist 16 und kommt aus Mannheim. Sie sieht mit ihrem dunklen Teint und den langen braunen Haaren nicht nur gut aus, sondern hat auch noch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, was im DSDS-Kontext durchaus von Vorteil sein kann. Ihr gesamter Auftritt wird von RTL “einfühlsam” mit lautem Herzpumpen und EKG-Pieptönen unterlegt und vor der Studiotür inszeniert man noch schnell ihre Angst, jetzt gleich da drinnen einen Herzanfall zu bekommen. Den hat sie aber gar nicht nötig, denn sie singt “There you’ll be” von Faith Hill einigermaßen unfallfrei und kommt lt. Bohlen dank ihrer schönen Augen und der positiven Ausstrahlung weiter in die nächste Runde. :-)

    Nun wird es ganz schlimm: Florian (15) kommt aus der Nähe von Passau, spielt in einer Blaskapelle und sieht frisurentechnisch etwas aus wie “Wundertrompeter” Stefan Mross. Er ist stolzer, überzeugter Bayer und weiß aufgrund seiner umfangreichen Lebenserfahrung schon jetzt, dass er nirgendwo anders als in seiner weiß-blauen Heimat glücklich sein könnte. Und das auch nur in Lederhosen. Aus diesem Grund zieht er das derbe Beinkleid auch bei seinem Casting-Auftritt an, was ihm zumindest einen Bonuspunkt für Originalität sichert. Ob das allerdings bei dem eher den flachen Küstengefilden zugeneigten Dieter Bohlen viel hilft, wage ich zu bezweifeln. Der fragt Florian jedenfalls schon bei dessen kräftig mundartlich gefärbter Vorstellung, ob er auch Hochdeutsch könne. Dieser sagt “joa” und brabbelt so weiter wie zuvor – offensichtlich ist das nämlich schon sein Hochdeutsch…

    Den Titel “All Summer long” von Kid Rock singt Florian mit MP3-Player im Ohr, was sich schon bei diversen anderen Kandidaten sehr nachteilig auswirkte und auch diesmal nicht funktioniert, weil nur er die Instrumentalpassagen im Lied hören kann und für alle anderen an diesen Stellen dämliche Pausen entstehen. Macht aber eh nichts, er kann weder singen noch Englisch und die RTL-Scherzkekse blenden den Liedtext in Lautschrift ein, so wie man den jungen Trachten-Bayer versteht. Bohlen hebt schließlich den Arm und bittet um Gnade für die Zuschauer: “Eher werde ich Papst, als dass Du weiterkommst!”. Die restliche Jury wird nicht mal mehr gefragt und mit dieser Abfuhr hat sich vermutlich das Saupreissn-feindliche Weltbild des Jung-Bajuwaren bestätigt. :-(

    Meike Büttner ist 27, kommt aus Berlin und findet sich “total geil”. Bohlen fällt beim Anblick ihrer Leder-Leggins wieder der unterirdische Herrenwitz mit den “Taubstummenhosen” ein, den ich schon in der 3. Casting-Folge nicht erklärt habe. Irgendwie käme Meike für ihn “komisch rüber”, ob und welche Drogen sie nehme, erkundigt er sich. Die gibt das Kompliment ungebraucht zurück, die Jury käme auch komisch rüber und sie seien ja alle “Fernsehfiguren”. (???) Danach setzt sie sich auf einen Hocker und singt zur Gitarre einen eigenen Song. Zwischendurch entgleist sie ein paar Mal beim Klampfen, wird ungeplant atonal und Bohlen muss lachen, worauf sie irritiert abbricht. Von Volker bekommt sie ein “Nein”, Nina entscheidet sich für ein “wackeliges Ja” und Dieter gibt ihr auch ein “Ja” mit der Erklärung, DSDS sei nun mal ein “Format für Geisteskranke”. :-)

    Als DSDS-Profizuschauer merkt man schon am verarschungslosen Einspieler, dass der nächste Kandidat in den Recall kommen wird: Manuel Hoffmann ist 19 und geht in den Kindergarten… als Praktikant. Er strahlt so eine gewisse selbstsichere Ruhe aus, trägt ein lustiges T-Shirt und einen dicken Brilli im Ohr. Seine beiden Songs von Amy Winehouse und Xavier Naidoo kommen auch gut rüber und hastunichtgesehen hat er die gelbe Recall-Einladung in der Hand. :-)

    Dramatisches Intermezzo: Als (oder weil?) ein zu seinem Glück namenloser ET-hafter Kandidat im orangen T-Shirt sich an Nenas “99 Luftballons” vergeht, kriegt Nina einen Kreislaufkasper und verfolgt den weiteren Verlauf der peinlichen Vorstellung aus der Teppich-Perspektive. Nachdem der Bewerber die Flucht angetreten hat, geht es Nina gleich wieder besser und sie kehrt zurück an ihren Arbeitsplatz zwischen Dieter und Volker.

    Als nächstes kommt der 23-jährige Harum Yelec, Spross einer Berliner Döner-Fabrikanten-Dynastie. Der Jung-Metzger singt irgend so ein Lied namens “Aische” von einem Murat oder Mehmet, da ist er sich nicht so ganz sicher. Vorher und nachher lacht er ein paar Mal unmotiviert, hmm, merkwürdig. Bohlen kann sich auch keinen Reim darauf machen und fragt nach weiteren Liedern. Fragmente von “Father and Son” von Cat Stevens hätte er noch im Angebot, weiß allerdings nur für eine halbe Strophe den Text. Das Luftgitarren-Intro ist sehenswert, danach geht es annehmbar weiter bis zum ersten Refrain und dann hat die Jury was zum Grübeln. Bohlen attestiert Harum einen “Schaden”, deshalb sei er bei DSDS genau richtig. Nina lässt ja gewohnheitsmäßig bei Dieter denken und schließt sich deshalb seinem “Ja” an. Damit ist Volkers Meinung mal wieder egal und Harum rennt triumphierend aus dem Studio. :-)

    Verena ist ebenfalls 23 Jahre alt, muss aber ohne Einspieler auskommen und am Ende auch ohne DSDS-Karriere. Sie knödelt “Ain’t nobody” von Chaka Khan, gewinnt damit aber keine Freunde in der Jury, nur ihr Parfüm mag Dieter Bohlen. Mit “du riechst gut, alles andere ist Scheiße” verabschiedet er sie wie ein Gentleman aus dem Wettbewerb. :-(

    Ein alter Bekannter aus dem Vorjahr ist Kevin Rebstock (19). Inzwischen ist er 22 Kilo leichter geworden und hat blonde statt schwarze Haare, wobei die aussehen wie eine misslungene Kopie von Daniel Schumachers Integralhelmfrisur. Mit “Mama do” von Pixie Lott kann er die Jury stimmlich überzeugen, ansonsten sehen sie erheblichen Handlungsbedarf, was seinen Style angeht. Für seine Bemerkung “Du siehst richtig Scheiße aus, wie ‘ne geisteskranke Blondine” muss Dieter Bohlen mal wieder einen Euro in sein Sparschein stecken. Dessen Inhalt dürfte mittlerweile auch schon für einen kleinen Urlaub reichen. Egal, Dieter sagt trotzdem “Ja” und die restliche Jury natürlich auch. :-)

    Als nächstes stürmt eine Vertreterin der Spaß-Fraktion ins Studio: Jutta ist 24 und kann nicht singen. Dafür macht sie dabei aber ziemlich viel Krach und stelzt etwas seltsam vor dem Jurytisch über das Parkett – das soll Tanzen sein. Tinas Turners “What’s Love got to do with it” sieht bei Jutta eher aus wie Power-Aerobic. Diesmal macht Volker den Terminator: “Du kannst Dich nicht bewegen und Du kannst auch nicht singen”, ist sein vernichtendes Urteil. Dieter lässt einen Euro springen und setzt noch einen drauf: “Ich schätze, das ist bei Dir Realitätsverlust, weil Du nicht checkst, wie Scheiße das aussieht.” Dreimal “Nein” ist das endgültige Todesurteil für ihre DSDS-Karriere… :-(

    Den Schluss macht der freundliche Malcolm Ohanwe, der zwar erst 16 ist, mit seinem Dreitagebart allerdings eher wie 20 aussieht. Er singt etwas atemlos “Let me love you” von Mario und Jackos “You are not alone”, kann die Jury aber nicht überzeugen. Dieter stoppt ihn zwischendurch “wo ist Dein Rhythmus?” und auch Volker prophezeit “das wird nichts”. Aber Malcolm hat ein Kämpferherz unter seinem blauen T-Shirt, erst singt er immer weiter und bettelt dann um den Einzug ins Recall, er sei nur aufgeregt, könne eigentlich toll singen und rappen und bittebittebitte… Schließlich kocht er Bohlen weich, trotz der beiden “Neins” von Nina und Volker sagt der “Scheff vons Janze” nun “Ja” und reicht Malcolm den Recall-Zettel (weiter wird der aber auch nicht kommen). Keine Ahnung, warum die anderen beiden Juroren überhaupt noch im Studio sitzen müssen, bisher gab es keine einzige Entscheidung an Dieter vorbei. :-)

    Das heutige Casting hat mir überhaupt nicht gefallen, das waren alles ziemlich schwache Kandidaten, finde ich, viel Blabla und heiße Luft. Aber gut, bei 35.000 Bewerbern muss man da wohl durch. Die letzten Fahrkarten für den Zug ins Recall werden am Mittwoch vergeben, danach werden aus den 120 Kandidaten der zweiten Runde die 10 Finalisten der Mottoshows herausgesiebt. Man sieht sich!

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  • DSDS (RTL) 21.01.2010 No Comments

    Dieter Bohlen ist ein Phänomen: Heute kommt schon die fünfte Runde mit Bewerbern aus “Deutschland sucht den Superstar” und noch immer findet der Poptitan aus Tötensen neue Pöbelsprüche.

    Die kann er denn auch gleich wieder anwenden, denn die heutige Ausgabe startet mit einem Bewerber aus der Abteilung “Triller unterm Pony”. Michael-Steve muss man wohl als Gesamtkunstwerk bezeichnen. Der 25-Jährige sieht mit seinen glatt gegelten, schwarz gefärbten Haaren, Anzug und knalligem Schlipps schon bauseitig komisch aus, bezeichnet sich selbst als “irre, durchgeknallt, ein bisschen verrückt” und ist von Beruf “telemedialer Lebensberater”, was so eine Art Wahrsager zu sein scheint. Vor der Jury aus Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller ist dann aber Schluss mit Hokuspokus. Dieter pflaumt den Kandidaten schon beim Reinkommen an, mit “Du siehst ja aus wie eine Schießbudenfigur” schafft er von Beginn an die notwendige Distanz, die ein Henker zu seinem späteren Opfer eben braucht. Noch bevor Michael-Steve den ersten Ton gesungen hat, klingelt schon ein Euro in Bohlens “Scheiße-Schweinchen”, als dieser sich über des Kandidaten Anzug auslässt. Als er dann ankündigt, von Gareth Gates “Unchained Melody” singen zu wollen, meckert der Chefjuror nochmal: “warum singen immer die Leute, die nicht singen können, die schönsten Titel?”. Und tatsächlich hat Dieters jahrelange Schwerstarbeit im Kohlenkeller der deutschen Popmusik ihm den richtigen Riecher gegeben: Der Kandidat hat soviel Musikalität wie ein Pantoffeltierchen und beendet damit an Ort und Stelle seine knapp dreiminütige Karriere als Superstar. :-(

    Nun wieder eine quirlig-sympathische 16-Jährige: Die schwarzhaarige, kulleräugige Lisa kommt aus Frankfurt/Main und bringt eine erstklassige Homestory mit ins Studio: Ihre Mutter ist vor ein paar Jahren beim Fensterputzen aus der ersten Etage gefallen, aber glücklicherweise auf dem eigenen Auto gelandet. Dieses Erlebnis hat die Familie zusammengeschweißt und aus irgendeinem Grund muss Lisa deswegen heute hier vorsingen. Sie kommt mit “Rehab” von Amy Winehouse. Dieter ist das zu tief “Du singst wie ein Typ”, sie muss noch ein zweites Lied hervorkramen und wird dann mit dem gelben Zettel der Recall-Einladung belohnt – unter der Auflage, bis dahin ihr Piercing aus dem Mund geschraubt zu haben. :-)

    Danach kommt ein Vollspacken: Der angeblich (aber unbewiesen) megacoole Typ mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom heißt Julian, ist 21 Jahre alt, hat sich den historisch nicht unproblematischen Künstlernamen “Wilhelm III.” ausgesucht, macht seit dem 10. Lebensjahr Musik und fabriziert dabei ausschließlich “Ohrwürmer”. (Upps, Konkurrenz für Dieter?) Er sei in seiner Gegend “um Fulda herum” ziemlich bekannt, glaubt er zu wissen. Er bringt einen Verstärker mit, den er im Beisein der Jury erst mal kompliziert verkabelt, und rapt dann ein Lied aus Eigenproduktion. Der Refrain “Bye Bye, Indian Girl” inspiriert Bohlen zu einer Blitzverabschiedung von Julian: “Deine Komposition besteht aus zwei Tönen, singen kannst’e null, Deine Stimme klingt nicht gut, nur der Verstärker ist ok… Das klingt, als wenn einer auf dem Klo sitzt und ‘nen Darmverschluss hat.” Da ist sie also wieder, Bohlens Analmacke! Ganz so mies fand ich persönlich die Stimme nicht und Onkel Dieters Kompositionen haben meist auch nicht viel mehr als zwei Töne, aber Julians aufgesetzte Coolness musste echt bestraft werden. :-(

    Als Kontrast tritt als nächstes der Australier Joel Havea (27) auf. Er ist erst seit vier Monaten in Deutschland und seine Freundin hat ihn offenbar als Gag bei DSDS angemeldet. Joel teilt das traurige Schicksal vieler Ausländer, insbesondere derer, die weit entfernt von Deutschland wohnen: Er kennt Dieter Bohlen nicht!!! Am Vortag hat er sich erstmals einen alten Videoclip von Modern Talking angesehen und muss darüber noch bis zur Studiotür lachen. Er tritt mit Gitarre auf und singt, nein performt “Superstition” von Stevie Wonder. Die Jury ist – wie fast immer unisono – rundum begeistert, er könne sehr gut Gitarre spielen, sehe gut aus, hätte Power, also ab dafür in den Recall. :-)

    Noch ‘ne schwarzhaarige 16-Jährige, was ist denn heute los? Valeria Giordano ist Schülerin und kommt aus Ludwigshafen am Rhein. Sie beehrt die Jury heute, weil ihre Schwester Fausta bei DSDS im letzten Jahr unter die Top 15 kam und das will sie unbedingt toppen. Neben einer traurigen Homestory (sie hat Diabetes) hat Valeria aber auch weibliche Reize zu bieten, weshalb Dieter Bohlen ihr Erscheinen im Studio mit einem anerkennenden Bauarbeiterpfiff würdigt. Passenderweise singt sie “Sex Bomb” von Tom Jones und beweist bei ihrem ganz ordentlichen Auftritt, dass die Musik-Gene in ihrer Familie gerecht verteilt sind. Schon wieder ist sich die komplette Jury einig und schickt Valeria zu Recht in den Recall. :-)

    Hurra, wir können uns das restliche Casting und überhaupt alle weiteren DSDS-Shows sparen, denn Bartolo (26) aus Köln ist nach eigener Einschätzung der nächste Superstar. Der Möchtegern-Latino und Vorstadt-Schönling wird deswegen in seinem Einspielfilmchen von RTL lächerlich gemacht, soweit er das nicht schon selbst besorgt hat. Was er genau singen will, kann ich wegen seines Genuschels nicht verstehen, es beginnt auf jeden Fall mit “tü tü tü, oh yeah” und an dieser Stelle lacht Bohlen bereits. Am Ende fällt sein Urteil vernichtend aus: “Wo hört der Gesang auf und fängt die Straftat an?”, fragt er sich und uns. :-(

    Mit der Startnummer 38257 geht Dirk Petry (27) aus dem Saarland ins Rennen. Der Lulatsch trägt Cowboyhut und Karohemd und klampft sich vor dem Studio schon mal warm. (Ob eine verwandschaftliche Beziehung zu dem von manchen sehr geliebten Wolle Petry besteht, wird von RTL leider nicht verraten.) Kuhjunge Dirk gibt ein bluesiges “Hallelujah” zum besten, musikalisch ziemlich ok, aber der Mensch wirkt dabei so angespannt, als ob ihm gleichzeitig ein Zahn gezogen würde. Dieter Bohlen hat ja bekanntlich ein Faible für komische Typen (Stichwort: Holger) und gibt ihm deshalb ein Ja. Die anderen beiden Jury-Marionetten sind diesmal überraschenderweise anderer Ansicht und geben ein Nein. Kaum ist Dirk draußen, beginnen die beiden Abweichler zu grübeln, sagt das RTL-Drehbuch. Bohlen betont nochmal den Unterhaltungswert des Kandidaten und nach ein paar Momenten lassen sie Dirk tatsächlich zurückholen. Als zweites Lied knödelt er mit zusammengebissenen Zähnen “Baby one more time” von Britney Spears, lugt danach ängstlich unter seiner Dunstkiepe hervor und wird nach einigen Momenten der Stille von Volker erlöst, der ihm den ersehnten gelben Zettel reicht. Ich sag’s ja immer, Nina und Volker haben keine eigene Meinung, sondern sind nur Bohlens Feigenblatt gegen den Vorwurf des Castingshow-Despotentums. ;-)

    Zwischendurch die 10.000-Euro-Gewinnfrage von RTL (mit etwas Nachlesen in diesem Beitrag kann man das schon beantworten!): “Wie nennt man ein eingängiges Musikstück? a) Ohrwurm oder b) Regenwurm” Na, klingelt es?

    Blondschopf Marcel Pluschke ist 18, wohl ziemlich schüchtern, könnte aber wegen seiner blauen Strahleaugen und dem Dackelwelpenblick vom Fernsehen mit wenig Mühe zum Mädchenschwarm gepimpt werden. Achja, jetzt fällt’s mir ein: der Typ erinnert mich an Martin Stosch, der bei der DSDS-Staffel von 2007 immerhin ins Finale kam, wo er gegen Bohlen-Liebling Mark Medlock verlor. Marcel singt und spielt “Lemon Tree” von Fools Garden einigermaßen ok, wenn wir mal die unsägliche Gitarre und sein noch ausbaufähiges Englisch vergessen. Die Stimme ist etwas gewöhnungsbedürftig kehlig und erinnert mich kurioserweise an Marianne Faithfull, wem das was sagt. Bohlen ist von dem total ehrlich und unschuldig wirkenden Marcel völlig begeistert, auch wenn er den Gesang nur so lala findet. Vermutlich denkt er an die gute Vermarktbarkeit dieser Ein-Personen-Boy-Group im Bravo-Girl-Segment als er gesteht: “Ich könnte Dich abknutschen”. Jaja, Bohlen und die kleinen Jungs, da wird Mark Medlock aber toben… Nina schließt sich dem positiven Urteil des Übervaters an und was Volker sagt, ist eh egal, also sehen wir Marcel im Recall wieder. :-)

    Von niedlich auf gefährlich, der nächste Kandidat ist ein soooo cooler Typ, dass er sich im Einspieler nur noch mit zwei Bodyguards auf die Straße traut. Der “Checker vom Neckar” ist ein alter DSDS-Bekannter, nämlich Cosimo (27), der bei seinen beiden ersten Versuchen nicht über die Casting-Runde hinauskam. Das nervt mich in dieser Staffel echt, dass es rings um die Sendung mittlerweile einen ganzen Wanderzirkus mediengeiler Kleindarsteller zu geben scheint, deren Lebenszweck in nichts weiter besteht, als sich vor der Kamera lächerlich zu machen und dafür von Dieter Bohlen verbal vertrimmt zu werden. Wenn es im ersten Jahr nicht klappt, umso besser, dann kommen sie eben im nächsten Jahr wieder und im nächsten und im nächsten… Solche Clowns wie Menderes, Cosimo & Co. werden doch erst durch die unverdiente Bestätigung des jährlichen Bohlen-Anschisses dazu animiert, uns auch im nächsten Jahr wieder mit ihren Auftritten zu belästigen. Also am besten gar nicht beachten, die Bande…

    Aber wir kommen vom Thema ab: Cosimo hat es also irgendwie geschafft, wieder im Casting zu erscheinen. Bereits am Anmeldetresen droht er in die Kamera, Dieter Bohlen gleich in den Schwitzkasten zu nehmen. Das ist ja auch genau der Beweis für echte Coolness, wie souverän man mit Niederlagen umgeht… Offenbar hat Cosimo seine beiden schiefgelaufenen Auftritte von 2008 und 2009 noch immer nicht richtig verdaut und er sinnt heute auf Revanche. Zusammen mit seinen beiden “Bodyguards” betritt der Checker die Bühne, Bohlen stöhnt, schlägt sich die Hand vor den Kopf und verlässt das Studio. Cosimo bringt eine Art Parodie der ersten Strophe von Rednex “Cotton Eye Joe”. Keine Ahnung, was der ganze Auftritt soll, er kriegt von der Rest-Jury die verdiente dritte DSDS-Abfuhr, stänkert noch etwas im Studio herum und verabschiedet sich dann infantil-unfreundlich von Nina und Volker. Auf Wiedersehen bei DSDS 2011, fürchte ich. :-(

    Den Schlusspunkt setzen heute die zwei leicht nervigen Schwestern Anastasia (17) und Mercedes Kelz (19). Zuerst tritt Anastasia mit “Stuck” von Stacie Orrico vor der Jury auf. Die Frau quält sich bei den vielen hohen Tönen und versemmelt sie alle. Bohlen findet wie immer charmante Worte: “das klingt, als wenn man eine Handgranate in den Hühnerstall schmeißt”. Die Jury ist sich ziemlich einig, mit “Nein”, “Nein” und “Nö” ist DSDS für Anastasia beendet. Aber wer denkt, das war es schon, der hat die Rechnung ohne die kreativen RTL-Drehbuchschreiber gemacht. Denen fällt doch tatsächlich immer nochmal was Neues ein, um die Zuschauer am Abschalten oder Einschlafen zu hindern! Die gedisste Anastasia hat einen letzten Wunsch: “Herr Bohlen, bitte hören Sie sich noch meine Schwester an, die ist eine Bombe”, fleht sie. “Etwa so eine Bombe, wie Du?”, ätzt Onkel Dieter, lässt dann aber nach der Schwester schicken, die unten wartet, angeblich nichts ahnt und noch nicht mal offiziell bei DSDS angemeldet ist.

    Kurze Zeit später steht die ganz niedlich anzusehende “Bombe” dann vor den vier Jury-Mitgliedern. Vier? Vier! Dieter Bohlen hat nämlich Anastasia vorübergehend hinter den Tresen gebeten und sie darf sogar auf seinem Stühlchen sitzen, während ihre Schwester nun einen Beyoncé-Titel schmettert. Im Gegensatz zu den Giordano-Schwestern (s.o.), ist das Gesangstalent bei den Kelz-Schwestern sehr ungerecht verteilt: Bohlen und seine neue Kollegin sind ganz angetan von der aparten Mercedes, dem “Jungs-Magneten”, auch wenn ich persönlich ihre Stimme nicht für Gottes ultimatives Geschenk an die Menschheit halte. Nina und Volker schließen sich völlig überraschend Dieters Meinung an und damit gibt es – ein Novum – vier Ja-Stimmen, Mercedes ist weiter. :-)

    Mit diesem neckischen Episödchen verabschieden sich die DSDS-Protagonisten für ganze drei Tage; schon am Sonnabend leert Dieter Bohlen wieder sein Sternchen-Flusensieb direkt in den Ausguss namens RTL.

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  • Vorweg meine Enttäuschung: Es gab heute schon wieder keine Spackenparade bei Rach! Die Protagonisten der neuesten Folge aus dem Rach’schen Schlemmeruniversum sind zum Knuddeln sympathisch, verstehen ihr Handwerk und haben einfach nur nicht genügend gute Ideen, um ohne professionelle Hilfe gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Das vergrößert zwar die Aussicht auf ein menschlich zu gönnendes Happy-End, bringt uns aber um die Momente, in denen der Sternekoch am besten ist, nämlich wenn er unter dem Gejohle Fernseh-Deutschlands irgendwelche Küchen-Dilettanten vierteilt.

    Ja wo bleiben denn die ganzen Gastro-Anarchisten, deren verdientem Untergang man früher immer so gern zugesehen hat? Und die mit schöner Regelmäßigkeit einen Ausdruck blanken Entsetzens auf das Gesicht von Meisterkoch Christian Rach zauberten, wenn er mit dem Fernsehen im Schlepptau völlig versiffte Küchen besichtigte? Welcher besserwisserische Kochazubi legt sich heute noch mit dem Messias der Mägen an? Richtig: Keine Sau! Stattdessen ist in den deutschen Restaurantküchen scheinbar der Weltfriede ausgebrochen – und damit die große Langeweile. Ey, RTL, diese Sendung lebt eigentlich vom Aufeinanderprallen unterschiedlicher Charaktere, nämlich einerseits dem Koch des hilferrufenden Etablissements, der tief innen drin noch immer überzeugt ist, das Richtige zu tun, während andererseits plötzlich ein dahergelaufener Fernsehkoch seinem Millionenpublikum erklärt, wie schlimm doch das Versagen des bisherigen Küchenchefs ist. Dann kommt es entweder zum großen Knall oder aber der alte Chefkoch liegt winselnd auf den Knien und bittet den Hamburger um Gnade. Auf jeden Fall war das immer sehr unterhaltsam. Aber gut, so sei es, machen wir halt in Harmonie…

    Heute kocht Christian Rach jedenfalls im Restaurant Altes Brauhaus im – wie bei RTL fast jeder Ort – “malerischen” Marburg. Der Laden gehört seit 1997 Karsten und Beate Wetzlar – mit überschaubarem Erfolg, d.h. die Kunden bleiben weg. Bei seinem Besuch stolpert Rach vor der Eingangstür erstmal über ein rätselhaftes Schild: “Wir machen von 14:59 Uhr bis 17:49 Uhr Pause; Küchenschluss 14:13 Uhr” steht darauf. Kaum hat der Meisterkoch die sympathischen Wirtsleute gefragt, weshalb sie ihn denn überhaupt gerufen haben, laufen bei Beate Wetzlar bereits die Tränen – so sehr drängen die Probleme.

    Die Sache mit dem Schild wird erstmal hintangestellt, zunächst wird gespiesen. Rach hat wieder ein bisschen Hunger mitgebracht und er bestellt einen Salat und dazu parallel ein großes Wiener Schnitzel und ein Steak im Pfeffer-Cognac-Rahm. Als der Salat kommt, gibt’s gleich Mecker vom Meister: Der Salat ist viel zu groß, was sollen die komischen Orangenscheiben darin und beim Bier fehlt die Kohlensäure! Später ärgern ihn die mehligen Pommes, dafür mag er zur Abwechslung das Schnitzel. Dann kommen die so genannten Bratkartoffeln, die Rach mit einmal Draufsehen als Fälschung entlarvt: Sie stammen nämlich nicht aus der Bratpfanne, sondern von einer – dreckigen – Bratplatte, wie Karsten Wetzlar unter dem bohrenden Blick des Meisters gesteht. Der zerlegt nun die Reste des Wetzlar’schen Selbstbewusstseins gekonnt mit einem kurzen Satz: “Gib’ mir einen Grund, warum ich als Gast hier sein sollte.” Den bleibt das Besitzerehepaar schuldig und genau das sei das Problem, sagt die allwissende Stimme aus dem Off.

    Rach sieht sich in dem gesamten Laden um. Das Inventar scheint ein wenig in die Jahre gekommen zu sein, vor allem die speckigen Sitzbänke. Beate hat einen ausgeprägten Dekorationsfimmel und offenbar leider auch keine Angst vor Kitsch. In der kleinen Küche ist dann aber alles bestens in Ordnung – schon mal die halbe Miete, wenn der Meisterkoch beim Anblick der Küche nicht kotzen muss… “Alles nett, aber austauschbar”, lautet die Bilanz des ersten Tags. Hausaufgabe für die Wetzlars ist, sich bis morgen zu überlegen, wie das Alte Brauhaus “unverwechselbar” werden könnte.

    Am zweiten Tag geht Rach dann gleich ans Werk und nimmt die Wetzlars mit auf einen Rundgang durch die äh, na, ja klar malerische Marburger Altstadt. Man sieht sich die gastronomische Konkurrenz an und beschließt, dass das Brauhaus in Zukunft vor allem für rustikale Hausmannsküche stehen soll. Bei einem Gespräch mit der jungen Köchin Nadine äußert diese ganz erfrischend, sie fände den eigenen Laden und das angebotene Essen langweilig, sie selbst würde privat auf keinen Fall mit ihren Freunden herkommen und sowieso würde sie hier am liebsten eine Bombe zünden und alles wieder neu aufbauen. Rach ist begeistert und als die drei Küchengrazien dann auch noch anfangen, eine radikal rustikale neue Speisekarte zu entwickeln, schmilzt er nur so dahin. Lediglich Karsten, der Chef des Ganzen, scheint emotional auf der Bremse zu stehen und wirkt angesichts der geplanten Veränderungen skeptisch und viel zu ruhig, nach Rachs Geschmack.

    Nützt ihm nichts, am dritten Tag wird gebaut: Rach hat ein paar Handwerkerkumpels (wer’s glaubt) aktiviert und nun werden die Wände neu in rot gemalt, die Innenfenster mit gelben Butzenscheiben fliegen raus, die langweiligen Bänke werden durch rustikale Exemplare ersetzt und auch für den Tresen hat Rach irgendwelche Pläne, die er aber heute noch für sich behält. Karsten steht noch immer herum wie Falschgeld und beteiligt sich kaum. Das kann Rach, der Mensch gewordene Küchenquirl, nicht verknusen und er faltet Karsten bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zusammen, als der nämlich das Prinzip der neuen “rustikalen” Speisekarte voll nicht verstanden hat: Es gibt fortan eigentlich nur noch ein Hauptgericht, gebackenes Schnitzel nach Brauhausart, dazu wahlweise Kartoffelsalat oder gemischten Salat.

    Tag vier steht im Zeichen der Küche: Rach will den drei Kochgrazien plus Karsten, ihrem Chef, mal verschärft über die Schultern sehen. Während die Damen sich einigermaßen geschickt anstellen, verheddert sich Karsten bei der Frikadellenfabrikation. Er wiegt Pfeffer, Salz und Muskat für das Mett in stoischer Ruhe ab, was den Meisterkoch auf die Palme bringt: “Du musst Gas geben mit den blöden Frikadellen, sonst wird das nichts!” Auch ansonsten fehlt überall elementares Wissen. Dass und wie man Bratkartoffeln richtig brät, müssen die Köchinnen sich erst vom Hamburger zeigen lassen. Als es Nacht wird und sich das Fernsehteam verzieht, blüht dann leider wieder Beates Dekomacke auf: In Nullkommanichts hat sie überall kitschige kleine Arrangements mit Servietten, Pfännchen und Kochlöffeln platziert, die Rach am nächsten Morgen stante pede wieder entfernen lässt.

    Der letzte Tag bringt wie in jeder Folge die Wiedereröffnung des überarbeiteten Restaurants. Vermutlich hat sie sich in der vergangenen Nacht mit ihren kleinen Kitschdekos zu sehr verausgabt, denn heute hat Beate einen ziemlichen Durchhänger beim Einrichten des neo-rustikalen Schankraums mit den neuen Holztischen. Es gibt diesmal eine kleine Auswahl der neuen Speisekarte, die Küche ist auf einen Mega-Ansturm vorbereitet und der kommt auch tatsächlich. Wie immer bleibt es ein Betriebsgeheimnis von RTL, wieso es am letzten Tag einer Folge im RTL immer so knackevoll ist, vermutlich wurden die Gäste alle als Statisten gecastet. Oder vielleicht ist das auch einfach der Christian-Rach-Fanclub, der dem Meister aus Hamburg im Bus hinterhergereist ist? Egal, jedenfalls schmeckt es allen und ein paar besonders anbiedernde Gäste kündigen sogar an, zukünftig öfter mal wiederkommen zu wollen.

    Ein paar Wochen später kommt der Sternebesitzer zur Kontrolle nochmal zurück nach Marburg, wird im “Alten Brauhaus” herzlich begrüßt und findet alles in bester Ordnung vor. Karsten erzählt, wie hart die erste Zeit mit der neuen radikal-rustikalen Speisekarte war. Er habe aber allen Anfechtungen widerstanden und trotz Bitten mancher Gäste keines der inzwischen abgeschafften Gerichte jemals wieder gekocht. Rach lässt sich nochmal das neue Hauptgericht “Brauhausschnitzel” mit Bratkartoffeln servieren, isst es komplett auf und zeigt sich rundum zufrieden. “Was man doch alles in einer Woche bewegen kann… um das ‘Alte Brauhaus’ mache ich mir jedenfalls keine Sorgen mehr”, resümiert er am Ende der heutigen Folge.

    Das war’s, keine Wut- und Schreianfälle, keine beleidigten Köche oder ausgepumpten Mägen. Die neue Staffel kommt sehr zahm daher, zu zahm für meinen Geschmack.

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