Liebe Freundinnen und Freunde der ländlichen Partnervermittlung,
so langsam geht nun auch bei RTL der Sommer zu Ende und ein banger Blick in die Fernsehzeitung meines Vertrauens bringt traurige Gewissheit: Nach der nächsten Woche ist das Leben, so wie wir es bisher kennen, vorbei! Nächsten Montag ist nämlich Ultimo, Tag der Abrechnung und die ansonsten sehr entbehrliche Inka Bause zieht eine Bilanz der bäuerlichen Pleiten und Romanzen, deren Zeugen wir in den letzten Wochen werden durften. Heute hingegen ist der letzte normale Bauernmontag, lassen wir uns also noch einmal die Landluft der mittlerweile so vertrauten Kuhställe um die Nase wehen…
Beim “fleißigen” Milchbauern Carsten im schönen Ostfriesland geht die Sonne auf. Seine Gespielin Lilja freut sich noch immer über ihren gestrigen Erfolg, die blonde Nebenbuhlerin Annika vom Hof weg-intrigiert zu haben. Carsten fragt beim Frühstück sogar nochmal extra-naiv nach, ob seine Entscheidung vom Vortag wohl richtig gewesen sei und überraschenderweise bejaht die brünette Lilja das. Nun gut, gegen so eine schlaue Studentin aus der Großstadt kommt unser sympathisches Landei wohl intellektuell nicht an. Aber den Preis dafür wird der Jungbauer noch zahlen, fürchte ich…
Anschließend lernt Lilja auf einer abgelegenen Weide das Treckerfahren, was gut klappt, damit aber eher Langeweile bei den Zuschauern hervorruft. Wenigstens einmal abwürgen hätte sie das Fahrzeug schon können… Zur Belohnung besorgt Carsten seiner reiterfahrenen Lilja später ein Pferd und setzt sich schließlich sogar selbst noch in den Pferdesozius hinter seine neue Flamme.
Apokalypse im Chiemgau: Die gemeinsame Zeit unseres Lieblingspaares läuft endgültig ab, Narumol fährt heute zurück zu den Fischköppen nach Kiel. Während im Hintergrund Roger Whittaker sein “Last Farewell” knödelt, verputzen der “fromme” Rinderwirt Josef und sein thailändischer Glücksgriff vor dem Haus ihr letztes gemeinsames Frühstück. Dabei schmieden sie schon mal die Pläne für das Danach. Offenbar soll Narumol so schnell wie möglich zusammen mit ihrer Tochter wieder zurück kommen ins Chiemgau – auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob die beiden das auch so verstanden haben, denn ihr Deutsch ist weiterhin auf beiden Seiten wohlwollend nur als rudimentär zu bezeichnen.
Was schenkt ein frommer 48jähriger Bauer ohne jegliche Erfahrung mit dem weiblichen Geschlecht seiner Freundin wohl zum Abschied? Nun, die RTL-Drehbuchautoren haben sich für einen Mondkalender und ein Büchlein mit bayerischen Volksliedern entschieden. Logisch, ein Mondkalender ist schon ein tolles Geschenk, besonders wenn man selbst etwas hinter dem Mond lebt. Und Folklore im urbajuwarischen Idiom ist natürlich das Allergrößte für eine Thailänderin, die an der Ostsee wohnt und eigentlich schon für jedes korrekte hochdeutsche Wort einen Finderlohn kriegen müsste! Und zu allem Überfluss scheinen die Bücher auch noch ziemlich alt zu sein, die sind bestimmt in Frakturschrift gesetzt, was ja eher wie Kyrillisch aussieht. Egal, Narumol kennt keinen Schmerz, gibt sich freudig-überrascht und umarmt ihren unbeholfenen Westentaschen-Casanova herzlich. Bedauerlicherweise animiert Josef das zum Absingen mehrerer Strophen eines mundartlichen Schlagers von Anno Knüll: “Is doas net di Hobelbonk – joa doas is di Hobelbonk” verstehe ich, bin mir aber nicht ganz sicher, denn RTL bleibt uns hier die Untertitel schuldig. Vermutlich kann und sollte man den Quatsch auch gar nicht übersetzen. Wäre das ganze ein Comic, hätte Narumol jetzt eine fette leere Denkblase über ihrem Kopf. Aber wenigstens lacht sie pflichtschuldig an Josefs Schulter und verspricht hinterher sogar, das Lied bis zum nächsten Besuch zu lernen.
(Gerade durchzuckt mich ein beklemmender Gedanke: Was wäre, wenn Narumol uns alle ausgetrickst hat, in Wirklichkeit im thailändischen Fernsehen eine eigene Show wie TV-Total besitzt und ihrem Publikum dort vorführt, wie bekloppt die Leute in Europa so drauf sind. Quasi ein weiblicher thailändischer Borat… Aber nein, Narumol ist natürlich eine ehrliche Seele, auf so eine fiese Idee würde sie nie kommen.)
Am Ende passiert das Unvermeidliche: Josef bringt seine Narumol zum Bahnhof, beiden steht das Wasser bis zum Hals und sie verbrauchen viele Taschentücher. Der Dialog bei ihrer letzten Umarmung ist reinste Poesie. Er: “Wie ist dei G’fühl?” – Sie: “Beschissen”. In dieser weihevollen Stimmung liest er ihr dann als letzte Überraschung noch ein angeblich selbst-fabriziertes Gedicht vor, das er sich aber trotz aller Kürze nicht merken konnte. Während der Zug einläuft, umarmen sie sich noch ein allerletztes Mal, sie steigt ein, macht das Fenster runter, man hält nochmal Händchen und die Tränen fließen. Dann winkt Josef und winkt und winkt – nur leider steht der Zug noch immer am Bahnsteig. Blöde Regie, der Bauer guckt etwas irritiert in die falsche Richtung, aber dann fährt der Zug schließlich doch noch ab. Sein Abschiedsmonolog wird leider schon wieder nicht untertitelt, vermutlich weint der zuständige RTL-Redakteur noch.
Im “malerischen” Meckpomm begegnen wir wieder der Pferdewirtin Berit mit ihrem auserwählten Stefan. Die beiden sind im Eiltempo unterwegs zur Weide, wo angeblich ein Zaun umgefallen ist (passende Musik: “SOS” von Abba). Vor Ort peilt Stefan mit einem geübten Blick die Lage und setzt den Pfahl wieder ein, den RTL vorher so hilfreich herausgezogen hatte. Berit zeigt sich begeistert, endlich hat sie einen Mann fürs Grobe, das erkennt die Pferdewirtin sofort. Aus Dankbarkeit lässt sie anschließend direkt auf der benachbarten Kuhweide zwischen den Fladen ein Picknick springen. Hinterher stellt sie ihren Fang dann noch der versammelten Dorfgemeinschaft vor, die das mit lautem Applaus honoriert. Anschließend – angeblich noch immer am selben Tag – sitzt sie wieder allein mit Stefan und der Kamera in der Abenddämmerung und pubertiert etwas gehemmt vor sich hin.
Zwischenfazit: Die Berit-Szenen könnte man bedenkenlos streichen oder im ZDF zeigen. Sie eignen sich nur für Herzpatienten, denen der Arzt jede Aufregung verboten hat, für alle anderen ist das Langeweile pur. Reine Zeitverschwendung, zwei maulfaulen Bauern bei ihrem unspektakulären Alltag über die Schulter zu sehen.
Aber nun kommt wieder Action! Alle Welt depressiert sich wegen der Finanzkrise den Wolf, aber nicht der “lustige” Ziegenwirt Willi: Bei dem hat die gute Laune ein Heimspiel, er lacht sich zusammen mit seiner aerodynamisch ungünstig geformten Karola durch sämtliche Szenen. Bei genauerer Betrachtung verwundert das aber gar nicht mal so sehr, denn schließlich kommt Willi aus Hessen, einem Landstrich, der schon seit Heinz Schenks Zeiten als Epizentrum des deutschen Humors gilt. (Für unsere jüngeren Leser: Heinz Schenk war der Haupttäter einer fossilen Vorkriegsfernsehshow namens “Blauer Bock” und wird dieser Tage übrigens 85 Jahre alt. Das macht die Sache aber nicht besser.)
Hahaha, also heute, haha, liegt Hufeschneiden an, hahaha. Nein, nicht bei “Frohnatur” Karola, hihihi, sondern bei den drolligen Ziegen des lustigen hessischen Bauern, hahahaha. Die Viecher haben dann auch noch alle so witzige Namen, da macht die Arbeit gleich doppelt so viel Spaß… Ach, es ist kaum noch auszuhalten, so komisch ist das alles, gleich kommt mir das Abendbrot hoch! Aber dann ist plötzlich Schluss mit Lustig: Ziege Gerda scheint keinen Spaß zu verstehen und entschlüpft dem bäuerlich-patentierten Hufschneidekäfig. Jetzt kommen die zwei Action-Punkte, die die Fernsehzeitung für heute versprochen hatte, denn Karola scheißt was auf die Trägheitsgesetze der Physik und rennt der armen Ziege mit Vollgas hinterher. Hoffentlich kann sie hinten an der Mauer rechtzeitig bremsen, ansonsten wird das wohl ein Fall für Berits grobmotorischen Stefan, den Zaunklempner. Aber keine Angst, für die Bausubstanz geht alles gut aus, nur Gerdas Hufe müssen im zweiten Anlauf dann doch noch dran glauben. Statt in den Käfig, kommt das Tier nun in Karolas kräftige Arme und die Bayerin bewährt sich als Ziegenflüsterin, was Willi Respekt abnötigt.
Wer dachte, für dieses Mal hätten wir den alten Teufel Humor damit erledigt, der irrt, denn die wahnsinnigen Schreiberlinge der Bauernkuppelshow haben für heute Abend noch das Phantasie-Ritual der “Ziegenlämmertaufe” erfunden. Mist, ich ahne schon, das geht nicht ohne Dauergelache ab… Wieder hat RTL einen Haufen arbeitsloser Gelegenheitsdarsteller aus früheren Gerichtsshows zusammengecastet. Die müssen jetzt die bäuerlich-debile Landbevölkerung spielen, die nichts lieber tut, als die Brut ihrer Stinkeviecher von einem “Ziegenpriester” mit einer Klobürste segnen zu lassen. Sogar ein Harmonium samt Organisten hat das Fernsehen mitten auf die Weide drapiert. Nun kommt Karolas Auftritt, denn sie wird Patentante einer fetten Zicke namens “Carmen”. Standesgemäß und dem intellektuellen Niveau der angetretenen Gesellschaft angemessen, dudelt dazu im Hintergrund “Das Lied der Schlümpfe”. Jaja, das waren Minuten, die ich gern sinnvoller verbracht hätte. Auch das abschließende romantische Picknick an Willis Weinberg kann das heute nicht mehr retten.
Da fehlt doch noch einer? Ja klar, der “herzliche” Holzbauer Maurizio aus Baden-Württemberg! Mit seiner Zweitbesetzung Claudia klappt es bedeutend besser als mit der dauermürrischen Cornelia, die sich zur allgemeinen Erleichterung vor zwei Folgen in Richtung Erdumlaufbahn verabschieden durfte. Heute wollen der immer leicht diabolisch aussehende Holzbauer und seine rothaarige Wuchtbrumme mit dem museumsreifen Trecker in den Wald zum Bäumesammeln. “Wo ist denn hier der Eingang?”, fragt Claudia etwas ratlos und geht um den roten Traktor herum. Schließlich zeigt ihr Maurizio, wie sie sich auf den Notsitz quetschen kann. Und das ist wörtlich gemeint, denn wegen Claudias barocker Formen sieht das ganze auch tatsächlich etwas nach Notfall aus. Aber Maurizio wäre kein Italiener, wenn er seiner Holden nach dem Ende der holprigen Fahrt nicht noch eine Massage angedeihen ließe.
Nach getaner, schwerer Arbeit im Wald schnallt Maurizio abends die Schürze um und serviert seiner Claudia in seinem knallig-orange tapezierten Wohnzimmer ein Abendbrot, natürlich Spaghetti mit Tomatensoße, leider versalzen. Die Kalorien brauchen sie auch beide, denn Maurizio möchte seinen roten Käfer mit einer “unvergesslichen Nacht” beglücken: Die beiden fahren hinaus aufs Feld und steigen auf einen Haufen mit Strohballen, angeblich wollen sie sich von dort aus die ganze Nacht lang den Sternenhimmel ansehen… Er (untertitelt): “Ich hab Überschuss an Wärme, das kann ich Dir geben.”
So romantisch geht also diese Folge zu Ende. In der nächsten Woche erwarten wir dann die Schlussabrechnung, wer ist noch zusammen, wer bleibt Single und vor allem: wird Dieters Heike das erste Mal als Model auftreten und was sagt seine Mutter dazu? Also, noch sieben Mal schlafen, dann kommt für uns alle der schwere Moment des Abschiednehmens. Bis denne!






December 18th, 2009 at 12:38 pm
Hast Du wunderbar geschrieben – hab sehr gelacht!