Der heutige Zwegat ist wieder nichts für Depressive. Der Schuldnerberater aus Berlin muss diesmal nach Nusse bei Mölln im schönen Schleswig-Holstein. Rainer und Sabine Lübcke betreiben hier das Traditionslokal “Siemer’s Gasthof”. Der Laden läuft nicht und keiner weiß so richtig, warum es eigentlich nicht klappt. Und was macht man, wenn man ratlos und ein klein wenig mediengeil ist? Na klar, man ruft bei RTL an und fragt nach dem Meisterkoch Christian Rach. Doof nur, dass der gerade seine Staffel beendet hat, vermutlich gerade seine Gage verjubelt und bis zur nächsten Serie keine Aufträge mehr annimmt. Da muss dann der ältere, gastronomisch wenig erfahrene (null Sterne) Kollege ran: Peter Zwegat.
“Siemer’s Gasthof” steckt tief in der Scheiße hat große Probleme, seit nach einer großen Renovierung aus angeblich unerfindlichen Gründen die Gäste wegbleiben. Ohne Gäste gibt es keine Einnahmen und ohne Einnahmen können die Zinsen für den Kredit nicht gezahlt werden. Die Bank kündigt den Kredit und stellt Lübckes ein sechsmonatiges Ultimatum. Wenn sie es bis dahin nicht schaffen, ihren Kredit ordentlich zu bedienen, wird ihnen die ganze Grütze in Form der Zwangsversteigerung um die Ohren fliegen, das ist amtlich. Jaja, was die eigene Kundschaft angeht, sind Banken ja meist nicht so großzügig und lassen gern mal einen “über die Klinge springen”. Banken können aber auch, das muss zu ihrer Ehrenrettung hier mal gesagt werden, sehr großzügig sein, zum Beispiel wenn es um die Annahme staatlicher Unterstützungen oder die Prämien ihrer Manager geht…
Lübckes haben neben ihrem eigenen Gasthof jeder noch einen zweiten Vollzeitjob. Sie schuften sieben Tage die Woche rund um die Uhr, kommen finanziell aber trotzdem nicht vom Fleck – und das, obwohl momentan sogar die Kreditraten ausgesetzt wurden und nur die laufenden Kosten anfallen. Das ruft dann aber doch sehr nach der Zwegatschen Flip-Chart!
Der rüstige Schulderguru zückt den Filzstift, addiert flugs die Lübckeschen Schulden und kommt auf die runde Summe von 300.000 Euro Miesen. Darin enthalten ist auch ein noch nicht abgezahltes Haus in Mölln, in dem Rainers erste Ehefrau plus Sohn wohnt. Bei den monatlichen Einnahmen sieht es auf den ersten Blick ganz gut aus, nämlich knapp 10.000 Flocken, aber leider liegen die Ausgaben um genau 3.312 Euro höher, d.h. Lübckes bohren sich im Rekordtempo immer tiefer in den Sumpf. Interessante Nebenrechnung vom Zwegat: Die Nettoeinnahmen aus den beiden Zweitjobs von Rainer und Sabine ergeben zusammen nicht mal den Bruttolohn, den sie ihren Angestellten im Gasthof zahlen!
Das macht so ökonomisch alles überhaupt keinen Sinn, aber Rainer traut sich nicht, in die längst fällige Insolvenz zu gehen, weil der Laden seiner Familie bereits in der dritten Generation gehört und er vor seiner Mutter nicht als Versager dastehen möchte. Lieber schuftet er sich mit seiner Frau zu Tode… Ja, die Angst vor den Eltern kann tatsächlich fatale Auswirkungen haben. Gab es da nicht mal vor einiger Zeit den Fall, dass der Staatschef eines relativ bedeutenden Landes der westlichen Hemisphäre einen saufenden, minderbegabten Sohn hatte, der dann unbedingt seinem Papi beweisen wollte, dass er es auch drauf hat und der deshalb selbst Staatschef wurde? Die Geschichte hatte aber irgendwie kein richtiges Happy-End, jedenfalls nicht für alle… Hmmm, wir kommen etwas vom Thema ab.
Zu der ganzen ökonomischen Misere kriselt es scheinbar auch in der Ehe von Rainer und Sabine. Sensibelchen Zwegat wittert das dank Drehbuch auch sofort und kümmert sich fortan primär um diese Baustelle. Als Emissär wieselt er zwischen beiden hin und her und versucht zu vermitteln. Sabine ist mit den Nerven am Limit, während Rainer immer nur noch vergnießgnaddelter wird. Beide wirken zwischenzeitlich wie Zombies im Dämmermodus, wie sie von einer Arbeitsstelle zur nächsten wanken und dabei ist das alles umsonst…
Aber Rainer zappelt noch und will die Ausrichtung seines Gasthofs ändern: Es soll fortan nur noch Steaks und Fisch geben. Der Name “Siemer’s Gasthof” soll allerdings unbedingt bleiben, der hat ja Tradition. Ob das in unternehmerischer Hinsicht wirklich eine Lösung ist, könnte vermutlich nur Christian Rach beurteilen, aber der mischt sich immer noch nicht ein. Sabine hat jedenfalls Angst vor einer weiteren Runde im Schuldenstrudel und macht auf passiv: Soll Rainer das doch allein entscheiden, sie würde am liebsten den ganzen Kram hinschmeißen, wagt aber nicht, das ihrem Gatten offen ins Gesicht zu sagen. Auf Zwegats Frage an Rainer, ob er denn inzwischen endlich seiner Mutter die traurige Wahrheit über den Stand des Gasthofs verklickert habe, kommt von ihm ein klares “Nö, mache ich auch erstmal nicht”. Der Schisshase schickt lieber seine Ehefrau über den Jordan, als sich das eigene Scheitern einzugestehen. Wobei, was heißt hier “Scheitern”? Es muss ja nicht mal an Rainer selbst liegen, wenn die Leute heutzutage lieber ihre Euros zusammenhalten, anstatt in seinen Gasthof zu gehen.
Bei Zwegats nächstem Besuch in Nusse ist allerdings denn doch erheblich was passiert: Rainer und Sabine haben sich nach einem Streit endlich dazu durchgerungen, den Laden in einem halben Jahr aufzugeben. Und – Fanfare! – Rainer hat das sogar schon seiner weiterhin unsichtbaren Mutter gesagt (und ist am Leben geblieben). Sabine geht es schon viel besser und Zwegat auch, denn er weiß jetzt wenigstens, in welche Richtung es beratungstechnisch weiter gehen soll. Sobald der Gasthof verkauft ist und klar ist, auf wie viel Schulden die Lübckes sitzen bleiben, könnte Zwegat seine eigentliche Arbeit aufnehmen. Ich sage bewusst “könnte” im Konjunktiv, denn dass Zwegat nach dem Ende dieser Folge und dem Abschalten der Kamera wirklich an dem Fall weiter arbeitet, halte ich für eher zweifelhaft. Die Sendezeit ist jedenfalls an dieser Stelle zuende, mehr gibt’s nicht und Zwegat verabschiedet sich winkend von den Lübckes und uns Zuschauern.
Also, Fazit: Eine etwas ungewöhnliche Zwegat-Folge, die mehr im zwischenmenschlichen Bereich spielt und weniger in seinem eigentlichen Metier, der Schuldnerberatung. Ob das alles so unterhaltsam war, sei dahin gestellt. Ich persönlich fand das ganze ziemlich bedrückend, statt Fremdschämen war Fremddepressieren angesagt. Mein Fall ist das eher nicht und ich hoffe in der nächsten Woche wieder auf ein paar mehr Spacken und Dorftrottel. In diesem Sinne…





