Liebe Freundinnen und Freunde der ländlich-platten Unterhaltung, heute ist mal wieder Montag, der Tag der RTL-Landwirte. Und heute müsst Ihr alle ganz tapfer sein, denn es brauen sich ein paar dunkle Wolken über den Ställen unserer Lieben zusammen, doch seht selbst:
Irgendwie hat Josef das Konzept der Sendung wohl nicht ganz durchblickt. Er wähnt sich vermutlich in “Bauer sucht Putze”, denn es reicht ihm offenbar nicht, dass Narumol seine Kühe melkt, die Bude aufräumt, kocht und – “wenn er das schafft” (siehe Vorwoche) – auch noch seine Kinder zur Welt bringt. Heute soll seine thailändische Perle nun unbedingt auch noch das Treckerfahren lernen. Das ist wieder ein tolles Bild für das RTL-Poesiealbum: Narumol sitzt im gelben Sommerkleid und mit langen Gummistiefeln auf dem Treckerfossil und wummert über Josefs Feldwege. Der Bauer sitzt links auf dem Notsitz und fummelt die ganze Zeit hektisch an den vielen Hebeln, deren Bedeutung leider im Dunkeln blieb, als er sie Narumol und uns Zuschauern zuvor in Tiefbayerisch zu erklären versuchte. Zwischendurch würgt sie das Gefährt ein paar Mal ab und ist von sich selbst tief enttäuscht, weil es nicht gleich beim ersten Mal perfekt klappt.
Schwer depressiv ob ihrer mangelnden Fahrkünste wippt Narumol auf der bäuerlichen Hollywood-Schaukel und klagt Josef ihr Leid. Der guckt ziemlich ratlos, fast leer. Der Chiemgauer ist nun mal kein gelernter Mackenklempner, sondern auf der Gefühlsebene eher grobmotorisch veranlagt, wenn auch mit rustikal-liebenswürdigem Aszendent. Am Ende guckt Josef wohl mal schnell ins Drehbuch (bzw. ihm wird vorgesagt) und er kann seine Herzallerliebste kurz vor ihrer Selbstentleibung noch mit ein paar genuschelten Trostworten und einer ungelenken Umarmung beruhigen. Sie wischt ihre Tränen ab und vertagt den Abgang um mindestens eine Folge, soweit man sie versteht. Aber wenigstens gibt es für Stefan Raabs Zuschauer wieder was zum Lachen.
Narumol ist kein Kind von Traurigkeit, in einer späteren Szene hat sie offenbar inzwischen das Treckerfahren gelernt und kutschiert ihren Bauern zur Weide. Gemeinsam jagen sie mit “oootschi-botschi-botschi-botschi-botschiiiiiii” die Kälber von einer Koppel in die andere. Narumol trägt zu ihrem gelben Sommerkleid jetzt auch noch einen ebensolchen Hut und natürlich die unvermeidlichen Gummistiefel. Mit ihrem dunklen Taint wirkt das alles zusammen ziemlich exotisch. (Hintergrundmusik: Boney M – “Brown Girl in the Ring”, sehr sinnig)
Am Ende des Tages bekommt Josef von seiner Narumol dann sogar noch eine richtige Thai-Massage. Die Frau ist ein echtes Phänomen, sie kann beinahe alles: kochen, putzen, gärtnern, melken, Trecker fahren und massieren, nur nicht schwimmen und Deutsch.
Dann gibt es ein Wiedersehen mit dem angeblich lustigen Ziegenwirt Willi aus Hessen, der heute auf der vakanten Planstelle von Weinbauer Tobias debütiert. Langsam wird mir das Konzept klar: RTL verheizt die Bauern nicht alle parallel, sondern stochert so lange in den Einzelschicksalen herum, bis da nichts mehr rauszuholen ist, lässt dann die jeweilige Hofwoche enden und holt sich den nächsten Landwirt aus dem Fundus. Leute mit natürlicher Telegenität und hohem Fremdschämfaktor – wie Josef und Dieter – tragen über viele Folgen, andere – wie Tobias und Markus – langweilen mit ihren Durchschnittsschicksalen und werden deshalb vergleichsweise schnell ausgemustert.
Wir erinnern uns an das Scheunenfest – oder auch nicht: Der “lustige” Willi (41) hatte sich die vier Jahre jüngere Karola ausgesucht, die als bayerische “Frohnatur”gecastet worden war. Um ihr den Einstieg in das Format möglichst peinlich zu machen, wird auch sie mit maximalem Tamtam begrüßt: Der Ziegenbauer holt die undürre Altenpflegerin mit einem alten Bollerwagen – immerhin ungeschmückt – vom Bahnhof ab. Daheim werden erstmal Mutter und Tiere vorgestellt. Jedes Tier hat einen Namen und jeder Name wird von Frohnatur Karola mit einem leicht dämlich wirkenden Lachen quittiert. Später bringt der Bauer seine Auserwählte ins ziemlich rotstichig eingerichtete Gästezimmer und mit einem keuschen Gutenachtkuss verabschieden sich beide bis zur nächsten Folge.
Beim “herzlichen” Holzbauern Maurizio hängt etwas der Haussegen schief: Er hat leckere Brötchen zum Frühstück besorgt und will es richtig gemütlich angehen lassen, aber seine Cornelia misanthropiert nur garstig am Tisch herum. Sie wolle lediglich Kaffee und eine Zigarette und überhaupt scheinen ihr Bauer, Fernsehteam und Zuschauer mal kreuzweise zu können. Das ganze Thema Bauernhof hängt ihr schon nach 24 Stunden erkennbar zum Halse raus. Die bekennende Vegetarierin kriegt sich gleich darauf beim Ausmisten des Hasenstalls mit dem Italiener in die Wolle. Keine Ahnung, warum sie so giftig wird, aber scheinbar hat die Dame keinen Bock auf Putzen. (Narumol würde das noch schnell und ohne jede Beschwerde zwischen Melken und Kochen einschieben.) Allein vor der Kamera schwadroniert Conny dann noch über den Italiener an sich. Ja, sie ist eben eine “ehrliche Haut”, so ihr RTL-Untertitel.
Später holen Maurizio und Conny Futter vom Feld und schon wieder kracht es. Diesmal passt ihr nicht, dass er das Grünzeug erstmal am Wegesrand zu Haufen aufstapelt, anstatt es direkt auf den Anhänger zu werfen. Mann, über was man sich doch so streiten kann… Maurizio macht das einzig Richtige: Er sucht nach ihren dauernden Meckereien die direkte Aussprache und fragt auf den Punkt “Wofür bist Du eigentlich hergekommen?”. Sie seien beide wie Tiger und Löwe, wie Feuer und Wasser und er hoffe sehr, dass man in den nächsten Tagen auch mal ein bisschen Spaß habe und sich nicht nur bekriege. <Keine-Ironie>Super, das war echt menschlich sehr reif, wie Maurizio das rübergebracht hat, Respekt!</Keine-Ironie>
Nachmittags kommt Connys Tochter mit Freund zu Besuch und beim Kaffeetrinken macht sie vor allen Leuten schon wieder voll den Miesepeter. Maurizio kann einem echt Leid tun, ich würde die Frau an seiner Stelle längst vom Hof gejagt haben. Und genau das tut der Italiener dann auch: Nach einer allerletzten Unterredung fährt Conny mit ihrer Tochter nach Hause. Gott sei Dank. Aber der Italiener an sich ist ja nicht umsonst der Flirt-Weltmeister: Maurizio erinnert sich an das Scheunenfest und seine tollen Gespräche mit irgend so einer Claudia. Die ruft er jetzt an und bietet ihr die durch Connys Abgang frei gewordene Stelle auf seinem Hof an. Mehr dazu in der nächsten Folge…
Nun geht’s in’s Schwabenland zum “fleißigen” Rinderwirt Dieter. Auch bei ihm gibt’s heute Anlass für Tränen, denn seine auserwählte Heike ist in der vergangenen Nacht in sich gegangen. Dort war zwar offenbar auch nicht viel los, aber wenigstens kam sie mit der Erkenntnis zurück, dass Kühe weder für den Augenblick noch dauerhaft etwas für sie sind. Heike will stattdessen zukünftig mehr in Mode machen. Was das genau bedeutet, sagt sie nicht. Eine Karriere als Top-Model käme nach meinem subjektiven Dafürhalten erst nach dem Tod aller anderen 3,5 Milliarden Frauen des Planeten in Betracht, aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Vielleicht sind Heikes Vorstellungen ja auch bescheidener und sie will nur Star-Designerin in Paris, Mailand oder New York werden. Lagerfeld wird ja auch nicht jünger und möglicherweise wäre das auch gleich eine tolle Idee für eine neue RTL-Show: “Deutschland sucht den Modezar (DSDM)”?
Dieter nimmt es jedenfalls wie ein Mann, als sich Heike mit Filmteam morgens seinem Trecker in den Weg stellt und ihm ihre Entscheidung pro Haute Couture mitteilt. Der Bauer kann einem Leid tun, aber offenbar ist er Abfuhren gewohnt. Immerhin wollen die beiden “gute Freunde” bleiben und sich auch zukünftig besuchen. Hahaha, ich sehe schon das Bild vor mir, wie er mit schitterigem Blaumann und Gummistiefeln bei der Präsentation ihrer ersten Kollektion in Monte Carlo am Laufsteg sitzt.
Kleiner Hinweis an die Stoffel von RTL: Liebe Leute, wenn ihr aus Datenschutzgründen schon alle Namen von Bahnhöfen wegpixelt, denkt nächstes Mal bitte auch an die Betreiberaufschrift vom Taxi inkl. Telefonnummer…
Die Rolle des Fischkopps war seit Claus Clausens Abgang in der letzten Woche unbesetzt – hier übernimmt ab sofort Jungbauer Carsten. Was Frauen angeht, ist der trotz seiner erst 23 Jahre offenbar bereits so verzweifelt, dass er sich für die Regulierung seines Hormonhaushalts der Dienste von RTL und Inka Bause bedienen muss. Beim Scheunenfest fiel ihm seinerzeit die Entscheidung so schwer, dass er gleich beide Bewerberinnen, die braunhaarige Lilja und die blonde Annika, zu sich nach Ostfriesland einlud. Sinnigerweise kommen die Damen dann auch gemeinsam per Bahn in den plattdeutschen Gefilden von Carsten an. Eine weite Anreise hatten übrigens beide nicht, die eine stammt aus Bremen und die andere aus Niedersachsen. Bei Josef, dem anderen Ich-kann-mich-nicht-entscheiden-Bauer, sollte die zweite Bewerberin ursprünglich erst nach Narmol einfliegen. Vielleicht erwarten sich die Drehbuchschreiberlinge bei Carsten ein paar interessante HahnenHennen-Kämpfe?
Man sieht also, es bleibt spannend bei “Arsch sucht Eimer”, denn ein paar Fragen sind ja noch ungeklärt:
- Welche seiner Frauen angelt sich Carsten? Oder welche angelt sich ihn?
- Ist Maurizios nächste Frau wieder so ein Besen?
- Kommt Heike zurück und wenn ja: wird sie wieder für Dieter backen und kriegt seine Mutter dann wieder einen Anfall?
- Kann Narumol auch jodeln?






December 1st, 2009 at 3:22 pm
Gefällt mir gut, der Bauern-Blog! Bin selber auch aus Langweile und Fassungslosigkeit auf die Idee gekommen, andere über diese Sendeformate “aufzuklären”. Freue mich über “Besuch” und Austausch.