Nu isses soweit, die diesjährige Staffel der Bauernpartnerbörse biegt in die Schlussgerade. Kurz vor dem Fest der Liebe (gemeint ist Weihnachten) zieht die ansonsten völlig sinnlose Inka Bause heute die Bilanz der Herzen. Welches der von RTL verkuppelten Paare hat die Hofwoche und vielleicht noch ein bisschen länger überlebt? Und welcher Bauer muss auch dieses Jahr allein mit seinen Eltern unter dem Baum sitzen? Lassen wir uns überraschen mit der neunten und letzten Folge von Bauer sucht Frau. Für jedes Paar gibt es von mir einen Smiley, ob es gefunkt hat oder nicht, und am Ende zählen wir dann mal durch.
Es geht gleich richtig gut los, ganz klar auf der Gewinnerseite dieser Staffel, nämlich beim knallfrommen Rinderwirt Josef im noch immer malerischen Chiemgau. Dort ist es inzwischen Herbst geworden und der schwer verständliche Bayer bereitet sich und seinen Hof auf den zweiten Besuch von Narumol vor. Was heißt hier “Besuch”? Wenn es nach Josef geht, soll Narumol am liebsten gar nicht mehr zurück in das heimatliche Kiel fahren, sondern bei ihm im malerischen (ach, hatten wir schon?) Chiemgau bleiben: Er will ihr nämlich heute einen Heiratsantrag machen. Ganz intim, allein in der Kirche, nur er und sie, der Liebe Gott und etwa 10 Millionen Fernsehzuschauer. Zusammen mit der ebenfalls untertitelten Nachbarin Anita schmückt Josef auf Geheiß von RTL die heimische Kapelle mit Rosen, roten Pappherzen und einem Tausenderpack Teelichter, bis sie so aussieht, wie die völlig überzuckerten Kulissen der zu recht abgeschafften “Traumhochzeit”.
Udo Jürgens schmettert “Und immer wieder geht die Sonne auf” als Narumol im Taxi ankommt. (Diesmal hat RTL den Namen tatsächlich weggepixelt, gut gelernt.) Josef öffnet ihr im Sonntagsanzug die Autotür und sagt holprig seinen Text auf: “Grüaß Di, Narumol, g’frei mi’ doaß’d wiada doa bist, bei mi… bezoalt host ja scho, oda?” – der letzte Teil bezog sich auf das Taxi und war vermutlich spontan improvisiert. Narumol umarmt ihren Bauern und sieht ihn dann erst so richtig an: “Wieso bittu so scheck?” – “I hoab oane Überraschung füa Di!”. Sie schlägt die Hände vor das Gesicht “Nee, nech, hattu irgendwas willdann?” [hä?] – “Joa!” – “Kanntu nix sagn?” – “Nein! Soag I erst wenns sowoid is”. Als nächstes schenkt Josef ihr und sich erstmal ein Glas Sekt ein. Vielleicht lockert das ja in den kommenden entscheidenden Minuten die Zunge…
Josef führt die klamottentechnisch etwas aufgebrezelte Narumol dann mit hastigen Schritten zur Kapelle. Als sie die vielen brennenden Teelichter sieht, kriegt die Thailänderin riesige Augen, ahnt aber vermutlich noch nichts. “Und watt bedeutet datt?” – “Ich möchte Dir einen Heiratsantrag machen. Willst Du mich heiraten?” (Er spricht langsames Hochdeutsch und betont dabei jede Silbe.) Während Narumol ausnahmsweise mal nicht lacht, sondern sehr lange schweigt, zieht vermutlich an Josefs innerem Auge sein gesamtes Leben vorbei. Doch dann sagt die kleine Frau “JA!” und hat damit dieser ohnehin schon unerhört erfolgreichen BsF-Staffel ein kräftiges Sahnehäubchen aufgesetzt.
In der Zusammenfassung am Ende berichtet Inka Bause, dass Josef und Narumol demnächst in den “heiligen Hafen der Ehe einlaufen” werden. Wie wir ja alle aus der Bildzeitung wissen, die bekanntlich niemals lügt, ist das aber nur die halbe Wahrheit. Demnach werden die beiden nur kirchlich, aber nicht standesamtlich heiraten, denn Narumols erster Ehemann ist gestorben und sie möchte nicht gern auf ihre schöne Witwenrente verzichten. Kann man menschlich-ökonomisch irgendwie verstehen, klingt aber nicht mehr so romantisch. Trotzdem kriegt das Paar natürlich einen ganz dicken Grinse-Smiley
Kontrastprogramm! Vom Sekt zum Valium, vom Bluthochdruck zur Schlafkrankheit, wir kommen nach Mecklenburg-Vorpommern und sehen der freundlich-sturzlangweiligen Pferdewirtin Berit beim Wäscheaufhängen zu. Gähn. Ihr zugeloster Fernsehpartner Stefan kommt schnell hinzu und bietet seine Hilfe an. Hahaha, das Drehbuch hat garantiert eine Frau geschrieben, kein Mann würde freiwillig bei so etwas helfen. Oder doch? Der bekennende Langschläfer Stefan ist ja noch in der Probezeit, hier “Hofwoche” genannt, also mitten in der Einschleimphase. Aber später wird er das hundertprozentig niemals wieder machen, das schwöre ich Euch in die Hand! Zur Belohnung für das Anreichen der Wäscheklammern reitet Berit mit Stefan anschließend ein wenig durch die mecklenburgische Pampa.
Wegen des Staffelendes drängt die Zeit und im Alltag passiert hier eh nichts, daher wird flugs wieder ein neues “Highlight” inszeniert: Stefan darf sich in der nächsten Meckpomm-Szene für den Ausritt mit einem romantischen Trecker-Ausflug revanchieren. Bemerkenswert, wie gut der Hesse nach nur wenigen Tagen die Gegend ausgekundschaftet haben soll, das wirkt auch überhaupt nicht konstruiert! Zielsicher tuckert er mit Berit durch den Wald zu einem Anleger an einem See. Hier steht ein Tisch mit Sektkühler und zwei Stühlen und wartet auf die beiden turtelnden Landwirte. Männer sind direkt, besonders wenn die Uhr tickt, und nach zwei, drei Sätzen hat Stefan seiner Berit quasi mit der Brechstange entlockt, dass er nach der Hofwoche wieder kommen soll, auch gern für länger und, naja, vielleicht sogar für immer. Und irgendwie passen sie auch gut zusammen, finde ich, beide sind schlicht und einfach langweilig. Dennoch reicht das im Sinne der Romantik für eine positive Wertung
Kurz bevor mir bei Berits einschläfernden Szenen die Fernbedienung aus der Hand rutscht, wechseln Landschaft und Genre und wir kommen ins lustige Hessen zum malerischen Ziegenwirt Willi bzw. umgekehrt. Die letzten Folgen haben uns hier schon eine wichtige Erkenntnis gebracht: Es kann auf Dauer nicht gesund sein, Wand an Wand mit dem Vieh zu leben, irgendwas bleibt dabei hängen, das sieht man auch heute wieder. Willi hatte vor der Teilnahme bei “Landei sucht Stadtmensch” ein Gelübde abgelegt, dass er, wenn er dank RTL seine Traumfrau finden sollte, seinem ebenfalls Solo lebenden Esel Harry auch eine Partnerin besorgen würde. Das Fernsehen hat seinen Teil der Abmachung eingehalten und ihm den üppigen Wonneproppen Karola beschert, darum lässt Willi heute eine Eselin einfliegen, die er sinnigerweise Sally nennt. Letztere stellt sich allerdings recht bockig an, verpasst ihrem neuen Partner Harry ein paar Huftritte und denkt nicht im Traum daran, die Kopulationsszenen zu liefern, auf die die Schweinigel von RTL wohl gelauert haben. Willi nimmt’s – natürlich – mit Humor “das gehört wohl bei Eseln zum Vorspiel oder zum Kennenlernen… das war bei Karola und mir in ein bisschen ruhigeren Bahnen verlaufen…” zieht er dann lachend den nahe liegenden Vergleich. Hinterher klappt’s dann doch noch mit Harry und Sally und RTL kriegt die gewünschten Bilder – dazu gibt es aber keinen Kommentar vom Bauern mehr.
In der Schlussszene gestehen sich Bauer und Möchtegern-Bäuerin dann gegenseitig ihre Liebe oder was sie mangels Erfahrung dafür halten. “Der Willi ist eben mein Willi”, fasst Karola die letzte Woche in einem Satz zusammen. Da geht wohl was, das muss Liebe sein, oder? Ganz klar, die beiden sind zwar etwas einfach gestrickt, passen deswegen aber bestens zusammen. Und lt. Inkas Schlussabsage ist Karola inzwischen sogar fest bei Willi eingezogen. Also ein ganz klarer Fall:
Auch der “herzliche” Maurizio aus Baden-Württemberg hat sich lt. Inkas Kommentar aus dem Off schwer verliebt und tut das, was alle verliebten Holzbauern tun: Er pflanzt für seine Claudia einen Apfelbaum hinterm Haus. Seine rothaarige Holde hat anscheinend ihren Text vergessen und improvisiert zum Dank stattdessen einen wortlosen Kuss. Später wärmt RTL mal wieder die bewährte Idee vom Picknick am See auf, die wir schon von Carsten und Annika, Tobias und Kerstin und – unvergesslich – Josef und Narumol kennen. Claudia nutzt die Gelegenheit und inspiziert ihren drahtigen Maurizio, als er nur eine Badehose an hat. Viel sei an dem ja nicht dran, meint sie etwas enttäuscht und legt das Doppelkinn in Falten. Und ich frage mich, ob sie vielleicht gelegentlich mal Fielmann einen Besuch abstatten sollte, denn in der letzten Folge kochte der Italiener oben ohne, nur mit Schürze, für sie Spaghetti, das hätte doch alle diesbezüglichen Unklarheiten beseitigen müssen, aber Liebe macht wohl blind. Und unter uns Pastorentöchtern: Was Maurizio an Pfunden fehlt, das hat Claudia in Kilos zu viel, wie wir uns in der nächsten Szene überzeugen können, als die rothaarige Wuchtbrumme zu dem Holzbauern in den See steigt! (Einen Spitzengag, in dem das Wort “Tsunami” vorkommt, verkneife ich mir an dieser Stelle.)
Claudias Woche beim Holzmichl klingt damit aus, sie selbst scheint allerdings nicht ganz so verliebt zu sein wie der Bauer. Hoffen wir als Gutmenschen mal, dass es hier weiter geht, ich würde es ihnen auf jeden Fall gönnen. Die Bilder vom Weg zur Bushaltestelle unterlegt die stets sehr ironisch aufgelegte RTL-Musikredaktion (Lob!) nett-boshaft mit Rod Stewarts “Waltzing Matilda”. (Jaja, ich weiß, was der Titel im australischen Slang bedeutet, aber irgendwie gefällt mir die nahe liegende dummdeutsche Übersetzung besser.) Lt. Inka wollen sich die beiden wieder sehen, sind aber akut nicht zusammen. Da nehmen wir mal den Normal-Smiley
Auch im platten Ostfriesland beim Jungbauern Carsten geht die Hofwoche seiner Lilja zu Ende. Zum Abschied will er mit ihr in die Luft gehen. Meinetwegen kann er dafür gern ein Katapult nehmen, denn ich habe Lilja ihre Intrige gegen die blonde Konkurrentin Annika noch nicht verziehen. Leider denkt das Fernsehen anders und spendiert den beiden einen Ballonflug. Passt aber irgendwie auch gut zu Lilja, wegen der heißer Luft und so… Auch ansonsten ist da wohl viel heiße Luft im Spiel, den momentan sind die beiden nicht zusammen, seien aber “befreundet”, wie sich Inka ausdrückt. Hab ich mir schon gedacht, ohne Kamera ist die Sache für Lilja wohl uninteressant. Das gibt dann nur einen Neutral-Smiley
Höchstens!
Nun noch die Schlusswertung zu unseren anderen Kandidaten aus den früheren Folgen:
Für den fleißigen Rinderwirt Dieter gibt es weiterhin nur eine Frau im Leben, nämlich seine Mutter. Eigentlich müsste man hier positiv bewerten, dass er die nervige Heike so leicht losgeworden ist, aber irgendwie war das ja nicht im Sinne des Erfinders. Also in frauentechnischer Hinsicht war das ein glatter Schuss in den Ofen.
Bei Weinbauer Tobias und seiner sympathischen Kerstin hat es wohl ziemlich gefunkt, wenn auch außerhalb der Brusthaarentfernung (bei ihm) nicht viel Epochales passierte. Ganz eindeutig:
Der Pfälzer Markus und seine Yvonne seien zwar momentan nicht zusammen, blieben aber gute Freunde und wollten sich bald mal wieder sehen, behauptet Inka. Hmmm, klingt ziemlich mau, höchstens ein Neutral-Smiley
Bleibt noch Klaas Klever, äh Claus Clausen, der spätpubertierende Nordfriese. Dessen Andrea hatte sich noch Bedenkzeit ausgebeten und die würde ich an ihrer Stelle auch noch mindestens um 10 Jahre verlängern, dann ist der Bauer wohl aus dem Gröbsten raus. Inka legt sich natürlich nicht fest und sagt auch hier etwas von wegen Freundschaft und Wiedersehen. Na gut, ist bald Weihnachten:
So, kurz zusammengezählt macht das vier Volltreffer
, vier Vielleichts
und einen Rohrkrepierer
Eigentlich eine gar nicht mal so üble Bilanz für diese Staffel. Was haben wir insgesamt gelernt? Dass manche Leute für Geld oder Frauen alles machen, war bekannt. Dass Bauern zwar komisch, aber doch irgendwie Menschen sind und dass ihr Leben außerhalb des Scheinwerferlichts vermutlich weniger lustig und viel langweiliger ist, als von RTL hingestellt, ist auch klar. Aber wieso diese neun kleinen Schicksale so viele Millionen Zuschauer interessierten, die sich Montag um Montag in die mittlerweile berühmtesten Kuhställe der Republik einschalteten, ist wirklich merkwürdig. Vielleicht ist das ja so eine Art Gegenbewegung zu den vielen Casting-Shows mit künstlichen Hochglanz-Menschen, die uns auf der Gefühlsebene doch eher fremd bleiben. Genau wie der Schrottplatz-Clan der Ludolfs (DMAX), bedienen auch die RTL-Bauern eine urdeutsche Nische leicht ranziger Gemütlichkeit, in die man sich vielleicht gerade in Zeiten globalisierter Krisen gern zurückzieht. In diesem Sinne passt auch, dass am Sonnabend gegen Dieter Bohlens erklärten Willen ein Typ zum Deutschen Supertalent gewählt wurde, nur weil er zusammen mit seinem Hund Seilspringen kann. “Die Bauernkuppelshow als Fortsetzung von Gartenzwergen mit anderen Mitteln”, das klingt schon fast nach dem Thema einer soziologischen Studie…
DIE echte Überraschung der Staffel war für mich übrigens das absolut unwahrscheinliche Paar Josef und Narumol, er verstockt, bieder, fromm und irgendwie nicht ganz von dieser Welt (auch sprachlich), sie lebenslustig, nicht auf den Mund gefallen, herzlich und im besten Sinne mit beiden Beinen fest auf der Erde, allerdings auch nur schwer zu verstehen. Dass ausgerechnet diese beiden grundverschiedenen Leute zusammengefunden haben, obwohl sie außer dem schlechten Deutsch doch nichts gemein haben, ist eines des großen Mysterien dieser Zeit. Wünschen wir Josef und Narumol, dass es auch ohne Kamera, Drehbuch und Dolmetscher klappt und sie aus diesem Traum nicht eines Tages aufwachen. Insofern fast ein weihnachtliches Ende der Staffel. Aber…
RTL ist allerdings kein philanthropisches Institut, sondern muss Geld machen, daher bin ich mir ziemlich sicher, dass diese Goldmine weiter ausgeschlachtet wird. Im nächsten Frühjahr kommt die 12-teilige Doku-Soap “Josef und Narumol – crazy in Love” und dann natürlich im Mai das live aus dem Chiemgau übertragene Hochzeitsspecial (als Trauzeugen sehe ich Inka Bause und Boris Becker). Josef und Narumol werden durch alle Talkshows gereicht und später kommt sogar die ARD mit Florian Eisensilber und dem “Bauernfest der Volksmusik – direkt aus Josefs Stall”. Sommerhit des Jahres wird die Techno-Version des Hobelbank-Lieds, gesungen von Sido feat. Josef und Narumol. Die Thailänderin behält ihre feste Kolumne “Merk du noch watt?” bei Stefan Raabs TV-Total und ist ab Herbst gegen Aufpreis als Stimme für Navigationsgeräte verfügbar. Und natürlich wird “Narumol” im Jahr 2010 zum beliebtesten Namen für neugeborene Mädchen.
Also, freuen wir uns auf ein tolles Jahr, bis zur nächsten Staffel von “Bauer sucht Frau” – natürlich wieder in diesem Theater.
Nachtrag (23.12.2009): Ich bin fast am Boden zerstört! Da wollte ich mich gerade ganz den weihnachtlichen Gefühlen hingeben, im beruhigenden Bewusstsein, dass es unseren Bauern gut geht. Da lese ich plötzlich in der Bild-Online etwas, das mein von RTL aufgebautes Weltbild zutiefst erschüttert: Manche Bauern und Kandidatinnen waren nicht ganz echt!!! Aber bitte lest selbst, was der elektronische Ableger der wahrheitsliebenden Bildzeitung so herausgefunden hat. (Keine Angst, Josef und Narumol sind nicht betroffen, die sind natürlich echt…)