Meine Fresse, wie die Zeit vergeht! Es ist schon wieder Montag und das kann bei RTL momentan nur eines bedeuten: Landpartie!!! Ich bin ja schon sehr gespannt, was unsere fünf Bauern diesmal wieder verzapfen, um uns Zuschauer zum Erröten zu bringen – vor Lachen und vor allem vor Scham. Und ob wohl endlich das Rätsel der vier fehlenden Landwirte (bzw. einer Landwirtin) gelöst wird? So langsam wird das wirklich merkwürdig, aber ich bleibe dran…
Schönschön, wir beginnen diesmal mit Rinderwirt Dieter, dessen Szenen wie gehabt von einem Rindvieh bei der Produktion von Kuhfladen eingeleitet werden. A propos “verschissen”: Heike verschläft den Beginn ihres Arbeitstags und erscheint erst um 8 Uhr bei Dieter im Kuhstall. Die beiden begrüßen sich wie Geschäftsleute per Handschlag. Romantik pur, der Dieter ist schon so ein Womanizer.
Danach beginnt für Heike der weniger schöne Teil des Tages, denn jetzt soll sie zum ersten Mal melken. Das wird zum Fiasko: Erst verheddert sich die niedersächsische Friseurin minutenlang in einem komplizierten Kleidungsstück namens Schürze, danach ekelt sie sich so sehr vor den Kühen oder vor der Melkmaschine oder vor Dieter, dass sie die Arbeit verweigert. Stattdessen sieht sie Dieterlein einfach nur andächtig bei der Arbeit zu. Unser Frauenflüsterer macht aber auf einfühlsam: “Woran hakt’s denn, wegen der Kacke oder so?”. Ich will ja nicht unken, aber ich habe so das ganz dumpfe Gefühl, dass das mit den beiden nichts wird, also insgesamt. Letztes Mal hatte Heike schon arge Probleme in der Küche und diesmal kriegt sie nicht mal die Milch aus dem Euter geleiert, da bleiben ja nicht mehr so ganz viele sinnvolle Betätigungsfelder. Als Dieter später eine Schüssel voller Süßkirschen anschleppt, berichtet die Friseurin mampfenderweise dann auch noch, dass sie dagegen eigentlich allergisch sei und gleich “so dick Herpes” kriegen würde.
Um ein für alle Mal klar zu machen, wer in dieser na, äh, also Beziehung die Hosen anhat, fragt Heike ihren Bauern nun listig, weshalb er eigentlich die beiden Hemden noch nicht anprobiert habe, die sie ihm beim Scheunenfest schenkte. Dieter windet sich verlegen, hat aber gegen das bekloppte Drehbuch keine Chance und schleppt die noch originalverpackten Teile herbei. Nach einem unerfreulichen kleinen Oberkörper-Striptease steht er in dem viel zu großen Hemd vor der ablachenden Heike. “Musst dein’ Vater schenken”, ist ihr pragmatischer Kommentar. Offenbar ging es ihr vor allem um die Begutachtung der männlichen Qualitäten ihres Bäuerchens, denn jetzt mäkelt sie herum, er äße zu wenig Steaks, nur von Honigbrot allein könne man ja nicht groß und kräftig werden. Ich sag’s noch mal: Das wird nichts mit den beiden!
Im hohen Norden, wo sich Kälber und Bauern manchmal verdächtig ähneln, treibt weiterhin Herr Clausen sein Unwesen. Er ist das Protzen noch immer nicht leid und will Andrea heute seine Getreidefelder zeigen – weshalb sich die Sekretärin dafür aufbrezelt, bleibt allerdings ihr kleines Geheimnis. Der Hit sind ihre lila Gummistiefel und ein angeblich zu offenherziger Pullover, die Herrn Clausen, dem notorischen Friesenkopp, gleich negativ aufstoßen. Sie solle sich gefälligst weniger auffällig anziehen, man gehe ja schließlich nicht zur “Sexausstellung”. Schade, dass es hier kein Televoting wie bei DSDS gibt, sonst wären Clausens offensichtlich geskripteten Auftritte bestimmt schon Geschichte.
In einer unsäglichen weiteren Szene sucht Andrea, die jetzt schon für Clausen kocht, nach Servietten. Er hat keine, fördert aber aus einer Schmuddelschublade seiner Junggesellenbleibe ein angeblich ungebrauchtes Strumpfband zutage. Das ist natürlich wieder Ausgangspunkt eines ganzen Schwalls anzüglicher Macho-Sprüche. Später baggert der Bauer Andrea dann noch erbarmungslos an: Es sei Sonntag und draußen regne es nur, ob sie da nicht mal ein bisschen mit ihm zwischen die Laken schlüpfen wolle? Sie lehnt dankend ab, das sei ihr doch alles ein bisschen zu schnell… Mir kommt beim Zusehen doch echt das Essen hoch! Solange das Fernsehen auf dem Hof ist, nutzt Clausen definitiv jede Gelegenheit, seine angeblich trotz 59 Jahren überreichlich vorhandene Anziehungskraft auf das andere Geschlecht plakativ zur Schau zu stellen – auch wenn das außer ihm selbst keiner glaubt. So wenig sympathisch, wie sie mir ist, tut mir Andrea trotzdem fast Leid: Sie dient nur als Vehikel, damit der Friese seinen Kopf möglichst oft in die Kamera halten kann. Ansonsten haben die beiden soviel miteinander zu tun wie Dieter Bohlen und gute Musik.
Im “malerischen Chiemgau” (O-Ton RTL) muss Narumol, die schwer verständliche Thailänderin, mit ihrem Bauern Josef, den man noch schlechter versteht, in die Kirche. Sie soll das erste Mal den Rosenkranz mitbeten, wünscht sich der fromme Landwirt. (Wahrscheinlich ist es in seinem Universum sonst nicht erlaubt, mit ihr noch länger unter einem Dach zu nächtigen.) Leider hat sich Narumol etwas in der Klamottenwahl vertan. Sie erscheint zum Kirchgang mit einem schreiend pinkfarbenen T-Shirt, das vermutlich noch im Dunkeln leuchtet. Josef lässt Farben nur bei den Badezimmerkacheln zu, trägt selbst stets erdige Grau- und Brauntöne und ist deshalb von Narumols Outfit wenig begeistert. Die Jeans passt ihm auch nicht “hoascht koa Rock?”, höre ich aus seinem Bayerischen Dialekt heraus. Tatsächlich plünnt sich die Holde dann ein etwas dezenteres Kleid an und gemeinsam gehen sie zum Gottesdienst, in Josefs Dorf offensichtlich ein Gesellschaftsereignis ersten Ranges.
An der dortigen Kirche sind die wesentlichen soziokulturellen Errungenschaften der letzten Jahrhunderte scheinbar folgenlos vorüber gegangen und wir befinden uns schlagartig wieder im Mittelalter: Männlein und Weiblein sitzen hier nämlich getrennt! Andererseits wird Narumol trotz ihres exotischen Aussehens nicht gleich als Hexe verbrannt, also so weit ist man hier immerhin doch schon…
Nach dem Gottesdienst stellt Josef den anderen Dörflern artig seine Auserwählte vor. Übrigens sind die bei weitem nicht so farb-allergisch, wie der fromme Bauer; eine nicht gerade extrem junge Dame hat sogar einen ähnlich quietschebunten Pullover an, wie Narumol vorhin. Nun stehen alle – weiterhin nach Geschlechtern getrennt – verlegen grinsend im Kreis um die Thailänderin und halten Maulaffen feil. Vermutlich ist es heute das erste Mal, dass der bisher so fromme Josef mit Weibsvolk zur Kirche kommt. Auch Narumol fühlt sich anfangs offensichtlich nicht ganz wohl in ihrer Haut, wer weiß, vielleicht sammeln die Leute ja hinter ihrem Rücken schon Steine… Dann kommt aber doch ein eifriges Händeschütteln in Gang und die Nachbarn stellen sich der Reihe nach vor. “Das ist der Engelbert” – “Alibert?” – “Nein, Engelbert!” – “Englebeck?” – “ENGELBERT!!!” Alle lachen über Narumols mangelhafte Kenntnis gängiger deutscher Vornamen, aber das Eis ist gebrochen.
Diese Mutprobe haben Josef und Narumol bestanden und zur Belohnung machen sie jetzt mit seinem dicken Daimler einen Ausflug in die Berge. Die Norddeutsche Narumol stößt hier wieder an ihre Grenzen, denn sie ist nicht ganz schwindelfrei und kotzt dem Bauern auf der letzten Etappe fast in den Schoß. “Ich denke oooh Scheiße mit Seilbahn fahren!” und “ich bin fick und fertig” [sic!], untertitelt RTL ihr Fraktaldeutsch, ohne einen Duden-Filter dazwischen zu schalten. Letzteres nehme ich RTL ein wenig übel, da könnte man wenigstens in der Übersetzung sprachlich einiges glätten, um Narumol nicht der Lächerlichkeit preis zu geben. Aber vermutlich will man genau dies. Die Szene kommt dann todsicher morgen wieder zur Volksbelustigung bei TV total. (Früher hat man die Freaks auf Jahrmärkten in Käfigen vorgeführt, heute geht das dank Fernsehen und Stefan Raab auch ohne Verlassen des heimischen Wohnzimmers.)
Narumol ist echt hart im Nehmen und bekommt ihren Magen wieder unter Kontrolle. In der letzten Szene sitzt sie nämlich mit Josef auf einer Bank vor einem Wahnsinns-Bergpanorama (Studio mit Fototapete?) und die beide tauschen unbeholfen Zärtlichkeiten aus, deren verbalen Anteil sie aber vermutlich gegenseitig wieder nicht verstehen, weil es die Untertitel eben nur im Fernsehen gibt. Josef ist etwas irritiert, weil Narumol fortwährend lacht, besonders dann, als der Bauer ihr gesteht “ich hab dich lieb!”.
Für das langweilig-harmonische Paar Tobias und Kerstin haben sich die Drehbuchautoren wieder einen hanebüchenen Unsinn ausgedacht, damit die Zuschauer diese Szenen nicht zum Toilettengang missbrauchen. Erst fahren die beiden in einem museumsreifen Trecker-Oldtimer in die Weinberge, später unterzieht Kerstin ihren überraschten Bauern einer Brusthaarentfernung mit Heißwachs. Der leidet erheblich, was seine Auserwählte aber eher noch anspornt. “Aber an den Weichteilen machen wir das nicht, gell?”, fragt er ängstlich zwischen zwei fiesen Rucken. Sie lächelt nur vielsagend in sich hinein… Am Abend sitzt Tobias wie ein Schuljunge bei Kerstin im Gästezimmer auf dem gegenüberliegenden Bett und sieht schmachtend zu, wie sie sich die Beine eincremt. Ob sie nicht lieber bei ihm drüben schlafen wolle, fragt er unsicher in die Kamera. “Ja klar”, sagt sie und schwupps trägt er sie rüber in sein Doppelbett, der Clown (siehe Folge 2) fliegt dafür raus und auch das Fernsehteam verlässt geschwind die sich anbahnende nicht-jugendfreie Szene. 1:0 für RTL.
Der fünfte und damit – warum auch immer – letzte Bauer ist der Pfälzer Markus. Die Hofwoche seiner Yvonne geht heute bereits zu Ende und deshalb greift RTL nochmal tief in den Spesentopf und lässt einen Reitausflug mit integriertem Picknick springen. Die beiden galoppieren durch die Landschaft, was beim moppeligen Markus mit Rucksack etwas komisch aussieht. Ich hoffe, bei seinem Pferd ist hinterher noch etwas Geld für den Tier-Orthopäden übrig…
Nachher sitzen die beiden auf der Decke und futtern Kuchen. Markus, der mich in seinem grünen Blaumann dauernd an einen Tankwart erinnert, will die intime Situation allein mit Yvonne und ein paar Millionen Zuschauern dazu nutzen, über ihrer beider Zukunft zu sprechen. Er ist wohl einigermaßen verliebt und sie ist auch nicht ganz abgeneigt, bittet sich aber etwas Bedenkzeit aus. Mit Tränen in den Augen und die Arme voller Abschiedsgeschenke steigt sie in den Bus gen Heimat.
Und auch wir müssen wieder für eine Woche Abschied nehmen von der gelegentlich überraschend fremden Welt der Bauern. Mal sehen, wie die RTL-Schreiberlinge sie beim nächsten Mal wieder piesacken werden…





