• Hallo zusammen, hier ist der Landfunk! RTL entführt uns auch an diesem Montagabend bei “Trüffel sucht Schwein” in die faszinierend erdige Welt der neun hoffungsvollen Ex-Singles. Das heißt, eigentlich sind es wieder nur fünf Bauern, wo die anderen vier abgeblieben sind, verschweigt uns RTL weiterhin (waren wohl nicht so fotogen). Reicht aber eigentlich auch schon so… Heute müssen die Möchtegern-Besserehälften den Zuschauern jedenfalls beweisen, dass sie außer Mediengeilheit auch noch Qualitäten haben, die man im Stall, auf der Weide, im Weinberg oder in der Küche brauchen kann.

    Los geht’s mit absolutem Kitsch, denn bei Waldbauer Markus “in der schönen Pfalz” kräht tatsächlich morgens der Hahn. Wir sehen, wie sich der Bauer aus seiner knallbunten Kinder-Bettwäsche schält und dann in sein quietsche-grün gekacheltes Badezimmer geht. Nanu, genau diese bescheuerte Kachelfarbe gab es doch auch beim frommen Josef in der letzten Folge, hat RTL da etwa geschlampt und beide Szenen in denselben Kulissen gedreht????? Egal, Markus zieht jedenfalls die Verführer-Nummer durch, kocht seiner Yvonne einen Kaffee und serviert den auf leisen Sohlen direkt ans Bett (im Gästezimmer). Die Tatsache, dass das Fernsehteam schon im Zimmer ist, als Markus hinein schleicht, verdirbt etwas den Eindruck einer ungestörten Romanze. Yvonne gesteht noch etwas verpennt, dass sie sich erstmal daran gewöhnen muss, dass es auf Markus Hof – außer im Bad – keine Zimmertüren, sondern nur Vorhänge gibt!?! :-) Markus stammelt eine Erklärung, verfällt aber vor Aufregung in die Sprache der hiesigen Ureinwohner und muss für den Rest der Sendung untertitelt werden.

    Dann geht’s ab in seinen Wald zum romantischen Bäumezerkleinern. Markus zeigt Yvonne, wie man die Säge richtig hält und sie himmelt ihn dafür an. Später sieht man beide beim munteren Plantschen barfuß auf dem Rasen. Ganz klar, da liegt was in der Luft! Ich rate mal, was in der nächsten Folge passiert: die beiden Schnuckis laufen händchenhaltend mit der Säge in den Wald, fällen einen Baum, machen aus den Brettern Türen für Markus Bauernhof und sägen dann aus jeder Tür ein Herzchen aus, damit der Bauer sich nicht so eingesperrt fühlt… :-)

    Im noch malerischeren Chiemgau hat der fromme Milchbauer Josef den anfänglichen Kulturschock überwunden und weckt seine Narumol, die inzwischen dank Häschensprache und Stefan Raab auf dem Weg zur unfreiwilligen C-Promi ist. Wie gewohnt, versteht man beide Protagonisten akustisch so gut wie gar nicht und ist auf die Übersetzung in den Untertiteln angewiesen. Josef serviert seiner thailändischen Flamme zum Frühstück einen Krug warmer Rohmilch und ist geschockt, als sie ihm erzählt, dass sie bei Milch immer gleich kotzen müsse (vermutlich Laktose-Intoleranz). Das geht ja eigentlich nicht, schließlich ist er Milchbauer… aber noch bevor Frust aufkommt, verkündet Naromol, dass sie jetzt sein Haus putzen wolle. Erst dachte ich, dass sei ihre komische Umschreibung für eine kleine Kennenlern-Genussferkelei im Heu, aber sie meint das wohl tatsächlich wörtlich. Der fromme Josef hat scheinbar auch keine unkeuschen Assoziationen gehabt und sagt, er freue sich über diese Ankündigung. Schön, mein bisheriges Weltbild stimmt also schon mal bis hierher:  Frauen wollen nur das Eine, nämlich putzen, und in Bauernhäusern gibt es Vorhänge statt Türen (siehe Markus).

    Tatsächlich sehen wir Narumol, die thailändische Perle, in der nächsten Szene beim Putzen von Josefs unglaublich grünem Badezimmer. Die Farbe ist eine Kriegserklärung an alle Sehenden, hatte man da früher in der DDR nicht Trabis draus gemacht? Highlight der Badezimmerreinigung ist die total verrostete Waage, die Narumol angewidert über der Badewanne ausschüttelt. Sie beichtet in ihrem Fraktaldeutsch die erfreuliche Tatsache, dass sie eine Putzmacke habe und nie still sitzen könne. Das dürfte ihren Marktwert auf jeden Fall steigern. Wenn das hier bei “Arsch sucht Eimer” nicht klappen sollte, findet sie bestimmt ganz schnell einen anderen Mann mit verdreckter Bude, wo sie sich austoben kann.

    Weil sie den Hof so schön geputzt hat, darf Nerumol dann zur Belohnung noch gleich die Kühe melken. Das hat sie noch nie gemacht, stellt sich dabei unter Josefs wachsamen und wohlwollenden Blicken aber gar nicht mal so dösig an, es scheint ihr sogar Spaß zu machen. Als dabei keine Kuh zu Schaden kommt, ist die Zeit reif für die höchsten Weihen: Narumol darf in Josefs bisheriger Junggesellenküche ein Kotelett braten. Vor dem Essen wird dann so inbrünstig gebetet, dass da selbst der Papst noch was lernen könnte.

    Und dann kommt meine heutige Lieblingsstelle, ein Kabinettstückchen aus dem echt-gescripteten Leben: Josef und Narumol gestehen sich am Mittagstisch gegenseitig, dass sie einander wegen ihrer komischen Sprachen fast nicht verstehen können! Als er hinterher allein mit der Kamera ist, beklagt sich Josef nochmal, dass Narumol immer mit thailändischem Akzent spräche. Ohne Untertitel hätte ich sein tiefbayerisches Gefasel allerdings überhaupt nicht verstanden! Ich lach’ mich scheckig, die beiden sind ja echt was für das TV-Poesiealbum, gleich zwischen Regina Zindler (”Moschndrohtzoun”) und Lorielle “Lorenzo” London. Hinterher passiert das dann gleich nochmal: Josef versucht Narumol zu verklickern, dass er die zweite beim Scheunenfest geschossene ausgewählte Frau (Michaela) inzwischen wieder ausgeladen hat. Die Thailänderin versteht das erst beim zweiten Anlauf, schnappt sich dann aber unseren frommen Josef für eine erste innige Umarmung auf dem Sofa. Leute, ich sage Euch, da geht noch was…

    Als nächstes treffen wir im ebenfalls sehr schönen Schwabenländle den kleinen Rinderwirt Dieter, dessen Szenen übrigens immer mit einer Kuh auf der Weide bei der Darmentleerung eingeleitet werden! Er ist gerade beim Vorbereiten des Frühstückstisches in der Küche. Er will seiner Heike schon am Morgen Stachelbeerkuchen kredenzen und aus dem Off singt Nana Mouskouri ihr grässliches Lied “Guten Morgen, Sonnenschein”. Heike erscheint leicht angegnaddelt in der Küche und hat offenbar den Kopf noch nicht eingestöpselt. Minutenlang faselt sie etwas von einem Muffin-Rezept, dass sie in ihrem Koffer habe und mal vorkochen möchte. (Liebe Heike, “Muffin” ist ein englisches Wort und wird “Maffinn” ausgesprochen.) Mitten in das dämliche Backwerkgelaber platzt Dieters Vater. Ich bin etwas verblüfft und Heike auch, denn wir hätten uns den Oberbauern angesichts seines mickrigen Sohnes nicht so groß und kräftig vorgestellt. Dann brilliert Heike etwas mit ihren Geographiekenntnissen: Sie sei zuvor noch niemals südlich von Hannover gewesen, erzählt sie und berichtet gleich im nächsten Satz, sie sei in Durban in Südafrika geboren worden. Hä?

    In der nächsten Dieter-Szene besichtigt er mit Heike seinen Kuhstall. Drehbuchgerecht ferkeln da erst zwei brünftige Kühe miteinander herum, dann findet der Bauer ein angeblich erst 10 Minuten altes Kalb. “Ist das aber süüüß!” Hinterher darf sich Heike einen Namen für das neugeborene Kalb ausdenken, ideenreich kommt sie auf “Kalbi”. Dieter schüttelt darüber hinterher – allein vor der Kamera – den Kopf “das ist ein komischer Name, ich hätte sie ‘Goldrosi’ genannt”. [Kein Kommentar]

    Die letzte Dieter-Szene beginnt wieder derb-romantisch mit einer kackender Kuh und steuert dann urplötzlich in die Apokalypse: Das Bäuerchen und seine Heike wollen Kuchen backen, sind aber zu blöd dazu, nehmen nicht genug Mehl und nun klebt der Teig tierisch. Jetzt betritt Dieters ältliche Mutter die Küche und kreischt schon von der Tür aus mit 120 Dezibel, dass das zu wenig Mehl sei und sie habe es gleich gesagt und so weiter. Heike keift zurück, Oma wird noch lauter und Sohnemann duckt sich erschrocken weg. Hinterher verträgt man sich zwar angeblich wieder, sagt die Stimme aus dem Off, aber ich finde, die haben hier irgendwie alle einen Hau.

    Ackerbauer Claus Clausen im hohen Norden ist ein eher unaufdringlicher Gastgeber und hat deshalb erst gar kein Frühstück gemacht. Wozu auch, dafür ist ja nun auch die Andrea auf dem Hof, oder? Außerdem ist eh sein Kühlschrank leer und das ist überhaupt auch alles viel zu kompliziert für einen einfachen Bauern wie ihn. Einkaufen gehört ja sowieso bekanntlich seit der Antike zu den weiblichen Domänen, besonders in Nordfriesland, wo das mit der Antike auch noch gar nicht soooo lange her zu sein scheint. Man hat das Gefühl, Herr Clausen wäre eigentlich am liebsten wieder allein und könnte das Junggesellendasein fortsetzen. Wenn doch bloß nicht die verlockende Gage von RTL wäre – noch eine Woche durchgehalten und er kann sich endlich den Flachbildfernseher mit Sky-Abo leisten… ;-)

    In der nächsten Szene zeigt Clausen seiner Andrea und uns Zuschauern seine diversen Landmaschinen. Bei diesem Thema wird der Friesenmuffel plötzlich ganz munter. Besonders sein grüner Mähdrescher hat es ihm angetan, er hat nämlich den größten. Letztes Jahr neu gekauft und natürlich bar bezahlt, erzählt der alte Angeber, als er Andrea zur Besichtigung die Leiter hinauf schiebt. Kaputtes Gästebett (siehe letzte Folge), Ebbe im Kühlschrank und dann protzt er plötzlich so mit seinem Vermögen rum, wie passt das denn zusammen?

    In der nächsten Szene schleppt Clausen seine Beute Auserwählte zu einer Windkraftanlage und zwingt sie dazu, die 68 Meter im Inneren hochzuklettern, obwohl sie nicht schwindelfrei ist. Der Nordfriese ist aber ein Charmeur der alten Schule: Mit den Worten “Zieh den Bauch ein, Du bist doch nicht schwanger” zieht er bei ihr den Klettergurt stramm und überprüft manuell den festen Sitz an ihrem Po, dann jagt er sie den Turm hoch. Hinterher findet er die ganze Aktion dann auch noch irgendwie erotisch, sagt er. Echt peinlich.

    Als Stiefkind dieser Folge erweist sich der rheinhessische Weinbauer Tobias. Er steigt mit seiner Kerstin in den heimischen Weinkeller und zeigt ihr, wie man Fässer reinigt. Später sieht man sie beim Kuscheln auf dem blauen Frotteesofa. Kein Streit, keine Missverständnisse, keine böse Schwiegermutter – da hab ich schon interessantere Testbilder gesehen, als diese Story. Irgendwie haben die beiden wohl den Sinn dieser Sendung nicht ganz verstanden, Kinder, hier geht es ums Fremdschämen, Harmonie habe ich selbst genug zu Hause, dafür muss ich den Fernseher doch nicht anmachen!!!

    Vermutlich haben sich die RTL-Drehbuchschreiber zulange in Tobias Weinkeller herumgetrieben und konnten dann wegen ihres Katers keine vernünftigen Geschichten mehr zusammendichten. Hoffen wir, dass sie bis zur nächsten Woche wieder nüchtern sind, denn dieser Staffel fehlt bisher klar die Action!

    Posted by TV-Glotzer @ 11:45 pm

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