• Hurra, die Babinskys aus Gummersbach haben es endlich geschafft: An der Seite von Peter Zwegat steht die Familie für 45 Minuten im Mittelpunkt des RTL-Schuldenprangers. Nach dem Prinzip “Gier schlägt Scham” werden die kriminelle Vergangenheit und die Kaufsucht des Mannes genüsslich im Lichte der Fernsehöffentlichkeit ausgebreitet.

    Christoph Babinsky ist zwar erst 24 Jahre alt, aber er hat es schon in diesem “zarten” Alter weit gebracht: Nicht nur, dass er bereits Vater einer Tochter von vier Jahren ist, er hat außerdem zusammen mit seiner Ehefrau Tanja (30) einen ansehnlichen Berg von 40.000 Euro Schulden angehäuft. Seine viel versprechende Lehre als Hirbel in einem Tiermarkt (was ist das?) brach Christoph vor langer Zeit ab, nachdem ihm dort der Diebstahl eines Eis am Stiel vorgeworfen wurde – natürlich zu Unrecht. Danach kam er auf keinen grünen Zweig mehr, blieb arbeitslos und lebt mittlerweile seit Jahren von Hartz IV. Das sei eigentlich auch gar nicht mal so unbequem, findet er, wenn nur nicht dauernd die nervigen Besuche der Gerichtsvollzieher wären.

    Scheinbar ist es aber doch nicht so lustig als Arbeitsloser, wie die Stimme aus dem Off uns Zuschauern erklärt: Zuerst kriegte Christoph nämlich eine Depression, wurde dann computerabhängig und steigerte sich schließlich in eine exzessive Kaufsucht hinein, deren Ergebnis die o.g. 40.000 Euro Miese sind. Er bestellte nämlich online alles, was nicht niet- und nagelfest war, egal ob er es wirklich brauchte oder nicht. Als dank Schufa sein Kreditlimit auf Null ging, machte er einfach mit dem Konto seiner Holden weiter. Das war ziemlich doof, denn auch Tanja war damals schon arbeitslos und hatte keine Patte (angeblich, weil sie damals ihren chronisch klammen Vater unterstützte). Aus leicht nachvollziehbaren Gründen war Tanja wegen der 7.500 Euro Schulden sauer, die Christoph bei ihr verursacht hatte, und verließ den Göttergatten deswegen vorübergehend sogar. Dessen kriminelle Ader war übrigens schon vorher zutage getreten, als nämlich Christoph die EC-Karte nebst PIN einer Bekannten geklaut und benutzt hatte, was ihm eine Verurteilung wegen Checkkartenbetrugs einbrachte.

    Die Situation ist dermaßen verfahren, außerdem hat man nichts besseres zu tun, also schreckt man Peter Zwegat aus dem verdienten Ruhestand auf und bestellt ihn nach Gummersbach. Mit seinem üblichen, derbe ausgeleierten Willkommenssprüchlein steht er kurz darauf in der quietschenden Tür der Dachkammerwohnung und fragt rhetorisch, was die Babinskys denn von ihm wollten. Er solle ihnen aus ihren Schulden und ihrer “Doofheit” helfen, wünscht Tanja durchaus selbstkritisch – letzteres aber wohl vergeblich. Per aspera ad astra, wie der Lateiner sagt, vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt: Um ihre RTL-Gage zu verdienen, müssen die Babinskys jetzt erstmal das Fernsehteam einmal durch ihre etwas triste Wohnung schnüffeln lassen. Der bei Hartz-IV-Empfängern offensichtlich obligatorische fette Flachbildfernseher entlockt Zwegat einen Augenbrauenrunzler – angeblich hat Opa den Apparat gesponsert. Mit dem Geld hätten die zwei ja auch ein paar Schulden bezahlen können, aber das war ihnen wohl nicht aufregend genug. A propos Aufregung: Gerade am Vorabend waren Leute einer Inkasso-Firma bei den Babinskys und Tanja hat dabei in einem Anfall geistiger Umnachtung leichtfertig ein Schuldeingeständnis von mehr als 3.000 Euro unterschrieben. Zwegat rümpft wegen des in Insider-Kreisen berüchtigten Inkasso-Büros heftig die Nase und will die Sache von seinem Büro prüfen lassen. Lt. Schuldenpeter schieße diese Firma öfters mal über das Ziel hinaus, um das gelinde auszudrücken.

    Jeder Zwegat-Anhänger weiß, dass der Meister vor der Privatinsolvenz immer erst einen Vergleich anstrebt. Das geht nicht nur schneller, sondern ist für die Zuschauer auch viel interessanter, denn es konfrontiert die Schuldner meist direkt mit ihren Gläubigern. Auch diesmal sucht der Berliner erstmal nach Geld für einen Vergleich. Dabei fällt ihm die Babinsky’sche Familienkutsche vor dem Haus auf, die – wie der Fernseher – von Christophs Opa stammt. Der Typ muss wohl Schotter haben und Zwegat verabredet sich schleunigst mit ihm. In der nächsten Szene treffen die beiden älteren Herren dann tatsächlich aufeinander in Opas dickem Haus auf dem Berg, wobei der mich in seinem fetten Sessel etwas an Jabbe the Hut erinnert. Leider ist er nicht so ganz willens, seinem Enkel nochmal mit geschätzt 12.000 bis 15.000 Euro unter die Arme zu greifen. Der sei ja immer noch am Geldverprassen, auch gerade ganz aktuell dieser Tage für sein Auto und für Fastfood – Zwegat ist sichtlich irritiert, wähnte er Christoph doch auf dem Weg der Besserung. (Das gibt nachher Senge, soviel ist klar.) Der Opa will sich heute noch nicht entscheiden, sondern erst noch mit der Oma drüber sprechen. Eine spontane Zusage wäre ja dramaturgisch gesehen auch eine Katastrophe, was soll Zwegat denn sonst in den restlichen 20 Minuten dieser Folge machen, etwa Witze erzählen oder kochen?

    Erstmal nimmt er sich jetzt Christoph, den Hallodri, vor und meldet ihn zu einer Therapie gegen seine Kaufsucht an. Der schwört hinterher Stein und Bein, sich in Zukunft bessern zu wollen. Als nächstes pumpt Old Knitterface den Vater von Tanja an, der, nebenbei bemerkt, einen nicht unerheblichen Anteil an ihren Schulden hat. Doch hier ist absolut nichts zu holen, der Frührentner ist nach wie vor blitzeblank. Also läuft wohl alles auf den Opa hinaus.

    Zwischenzeitlich bauen die RTL-Schreiberlinge wieder einen kleinen Spannungsmoment ein: Es kommt ein Liebesbrief vom Zoll, man will wegen zu Unrecht erhaltener Zahlungen vom Arbeitsamt jetzt die Vollstreckung einleiten. Tanja kriegt Schiss, was ist, wenn die jetzt den großen Fernseher wegpfänden, dann könnten sie abends nur noch auf die Wand starren! “Die sind gnadenlos!!!”, ahnt sie. Das Leben kann so grausam sein und so ungerecht, da macht man nur mal ein paar kleinere Schulden und bescheißt das Arbeitsamt, also alles Kavaliersdelikte, und dann drohen die Brutalos vom Amt damit, dieser armen Familie den Lebensmittelpunkt herauszureißen. Ein Leben ohne Flachbildschirm, unvorstellbar, ja eigentlich sinnlos, da könnten sie einem ja gleich bei lebendigem Leibe die Organe rausnehmen. Klein-Tanja ist verzweifelt, aber Zwegat, der verkappte Papi, tröstet sie und man ahnt, alles wird gut, der Fernseher bleibt, die Babinskys können weiterhin RTL gucken. Der Vollstreckungsfuzzi will den Fernseher nämlich gar nicht, der sei nicht so viel wert, wie Abholung und Versteigerung kosten würden. Puh, Glück gehabt, das war der Spannungshöhepunkt dieser Folge, wenn nicht sogar der ganzen bisherigen Staffel.

    Zwegat steigt nochmal zu Christophs Opa auf den Berg, denn der Patriarch – bzw. seine Frau – hat sich entschieden: Er will zunächst den Vergleich für die angeheiratete Enkelin Tanja unterstützen, denn bei der gibt es begründete Hoffnungen, dass sie danach schuldenfrei bleibt. Den Christoph will man dagegen aus pädagogischen Gründen erstmal ein paar Monate lang zappeln lassen, bis er vor Zeugen Amazon und McDonald’s abschwört. Insgeheim ahnen wir natürlich alle, das Opas weiches Herz spätestens zu Weihnachten auch für Christoph eine kleine fünfstellige Überraschung ausspucken wird.

    Nun zieht Zwegat mit Tanja und Opas Moneten los und überzeugt ihre Gläubiger von der Vergleichslösung; das gibt bei ihr viel “Pipi in die Augen”. Währenddessen zeichnet sich auch für Meisterschuldner Christoph ein Silberstreif am Horizont ab, denn er kann seine damals abgebrochene Ausbildung in einer Maßnahme vom Arbeitsamt fortsetzen. Und nun kommt der Knaller: Christophs neuer Ausbilder will Tanja eine Vollzeitstelle als Verkäuferin für Obst und Gemüse vermitteln. Super, der Flachbildfernseher scheint endgültig gerettet zu sein, Zwegat darf sich zufrieden die Hände reiben und wird von den Babinskys mit einem freundlichen Winken aus der Haustür verabschiedet.

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    Posted by TV-Glotzer @ 5:38 pm

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  • 2 Responses

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    • Cheops Says:

      Wie machen die das nur oder wie dumm kann man sein? Mit 24 und 30 satte 40 000 Euro Schulden anhäufen, ohne etwas Handfestes vorweisen zu können? Und RTL macht daraus noch eine Sendung, um damit die Lücken zwischen den Werbeblöcken zu füllen…

    • Siggi Says:

      Also ich kenn den Kerl aus dem Internet-Cafe….der hat da damals schon geld verzockt beim Poker spielen…

      und dem seine Klein-Tanja hab ich gestern im REWE gesehen…Komisch das wenn man soviele schulden hat das man sich da noch brot vom bäcker und Fleisch vom metzger leisten kann

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