• In der heutigen zweiten Folge von “Torf sucht Nase” begleiten wir die ersten Schritte von fünf unserer neun einsamen Landwirte mit ihren Auserwählten auf den heimischen Höfen. Was mit den anderen vier Bauern ist, verrät uns RTL allerdings nicht. Vielleicht denken die ja, wir Zuschauer könnten nicht zählen und bemerkten das nicht? Sowieso scheint RTL auch vor der Mattscheibe eher einfache Gemüter zu vermuten; in einem Anruf-Gewinnspiel für 3.000 Euro lautet die Frage “Was bringt Glück? a) Bügeleisen b) Hufeisen”. Während ich noch an der schwierigen Lösung kniffle, beginnt schon der bunte Reigen.

    Den Anfang macht der überdrehte Nordfriese Claus Clausen (!), der Besuch von seiner Andrea bekommt und sie unbedingt am Hafen mit einem zünftigen Krabbenbrötchen willkommen heißen muss. Der Clausen labert pausenlos dummes Zeug mit Küstenakzent, wie ich finde. So gern ich auch persönlich im Norden bin, geht mir seine impertinent zur Schau gestellte Heimatverbundenheit doch tierisch auf die Nerven – vielleicht liegt es auch daran, dass im Hintergrund der unsägliche Gassenhauer “An der Nordseeküste” von Klaus & Klaus dudelt. Wenn das kein Grund für Landflucht ist, weiß ich auch nicht…

    Clausens freistehendes Haus sieht gar nicht nach Bauernhof aus und die Einrichtung erinnert mich eher an etwas zwischen der “Southfork Ranch” der Ewings und einem Bestattungsinstitut. Andrea wird im alten Kinderzimmer der längst ausgezogenen Söhne einquartiert. Das Zimmer ist offenbar in keiner Weise für den Besuch hergerichtet worden und das (unbezogene) Bett fällt schon beim ersten Ansehen auseinander. Anschließend darf Andrea dann selbst unter Clausens prüfenden Blicken ihr Bett beziehen. Da kommt sie ob ihrer Erwünschtheit doch etwas ins Grübeln.

    Weinbauer Tobias plant für seine Kerstin einen Sektempfang, putzt dafür den elterlichen Hof und schickt die Mutti als Empfangskomitee zum Bahnhof. Dumm nur, dass die gar nicht weiß, wie Kerstin aussieht. Als sie sich gefunden haben, ist Kerstin denn auch leicht irritiert, dass sie nicht von dem von RTL angedichteten Herzallerliebsten, sondern nur von dessen wuchtiger Mami begrüßt wird. Nach dem Sekt darf die Frau ihr Gästezimmer für die nächsten Tage beziehen; es atmet den Charme der 50er Jahre. Und nebenan wohnt Tobias selbst; auch seine Butze ist voller Erbstücke der Oma. Auf seinem Bett sitzt ein riesiger Clown, den der Möchtegern-Herzensbrecher seiner nun doch verwirrt aussehenden Zukünftigen erklären muss.

    Nun geht es in das kleine Hofrestaurant und in die Küche, wo Tobias Mama bereits das Bauernfrühstück (wie passend) schmurgelt. Ob sie sich vorstellen könne, hier später mal mit anzupacken, wird Kerstin charmant aber bestimmt gefragt. Klar kann sie, was soll sie auch vor der Kamera anderes sagen? Die mollige Mutti ist augenscheinlich ganz angetan, kriegt Schwiegermuttergefühle und vermutet verschmitzt “da ist irgendwas im Busch, bei denen”.

    Im Schwabenländle erwartet Dieter seine auserwählte Friseurin Heike, die mich noch immer an Schneewittchen erinnert. Während sie mit dem RTL-Team eine halbe Stunde lang bei Regen in einer Bushaltestelle auf ihren Westentaschen-Galan wartet, räumt der angeblich noch in seiner Bude den Kleiderschrank leer. Gutes Timing, Dieter! Überhaupt scheint er dringend nochmal einen Benimmkurs für Anfänger machen zu müssen, denn weder nimmt er Heike die Tasche ab, noch hält er im strömenden Regen den Schirm über sie. Kein Wunder, dass er bislang auf Damenbesuch verzichten musste.

    Zuhause angekommen wird das Paar von Dieters hutzeliger Mutter begrüßt. Die erzählt in einem offenbar später aufgenommenen Einspieler “Mein erster Eindruck war gut…” – deutet sich da etwa schon eine eher ungünstige Wendung des Dieterschen Schicksals an? Aber warten wir es ab. Zunächst besichtigt Heike Dieters für sie geräumtes Zimmer, das aussieht wie ein Kinderzimmer. Mit sichtlichem Unbehagen erfährt sie, dass sie in seinem Bett schlafen soll (“das ist aber neu bezogen, gell?”). Dieters Vater hat übrigens keine Zeit, seine möglicherweise angehende Schwiegertochter zu begrüßen, denn “der ist noch im Stall”. Das reicht für heute, Heike ist müde und wird von Dieter auf ihr Zimmer gebracht. Mit einer ungelenken Umarmung verabschiedet sich das Paar in spe.

    Der knuffige Pfälzer Markus hat offenbar keine Angst vor Kitsch und holt seine Yvonne mit einer Pferdekutsche vom Bahnhof ab. RTL legt unter die herzergreifenden Begrüßungsszenen passenderweise “Take my Breath away” aus dem Film “Top Gun”. Markus hat aber auch so gar nichts von Tom Cruise… Lt. Texteinblendung steht Yvonne auf “stämmige Männer und große Hunde” und freundet sich auf dem Hof gleich mit Markus Rottweiler an. Ansonsten passiert hier in dieser Folge nichts Bemerkenswertes.

    Nun kommen wir zum auf mich immer leicht gestört wirkenden, aber angeblich frommen, Josef nach Bayern. Wie sich die geneigte Leserschaft möglicherweise erinnert, hat der Milchbauer im hormonellen Überschwang gleich zwei Damen zu sich auf den Hof bestellt. Zunächst holt er die Thailänderin Narumol (Kampfname “Miau”), deren Namen er nach wie vor nicht ohne Holpern aussprechen kann, per Traktor vom Bahnhof ab. Übrigens hat RTL den Stationsnamen ausgepixelt, das lässt noch auf ein paar peinliche Szenen hoffen! Weiterhin muss Josef wegen fehlender Kenntnisse des Hochdeutschen komplett untertitelt werden, Narumol dagegen nur manchmal. Mir bleibt schleierhaft, wie die beiden miteinander kommunizieren sollen, aber wahre Liebe überwindet ja alle Grenzen.

    Auf dem Hof führt Josef zunächst sein intensiv grün-gekacheltes, heimatmuseumsreifes Badezimmer mit Holzheizung vor. Narumol wirkt überrascht, nicht aber erfreut. Danach gibt es Abendbrot mit frischem Aufschnitt und Himbeerkuchen – was für eine Zusammenstellung. Narumol ekelt sich zwar scheinbar vor den Fliegen, die überall auf dem Tisch herum fliegen, ist aber ansonsten ganz pfiffig. Ein Besteck braucht sie nicht zum Essen “Ich nehme Hand – Messer ist Scheiße”. Danach will sie ins Bett und gibt dem frommen Josef einen Gutenachtkuss, was den völlig aus der Bahn wirft.

    Das war ja insgesamt nur mäßig peinlich, hoffentlich geht da in den restlichen Folgen noch was. Und wo bitte bleiben die anderen vier Bauern aus der ersten Episode? Die Vorschau für die nächste Woche verheißt übrigens Action: In einer kurzen Szene kreischt Dieters alte Mutter seine Heike in der Küche an. Ich bin gespannt, wie schnell die Greisin ihren halben Hahn von Sohn wieder zum Single macht. Mehr davon dann also in einer Woche an dieser Stelle.

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    Posted by TV-Glotzer @ 1:56 am

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  • 2 Responses

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    • maximo Says:

      Sehr schön geschrieben. Erinnert sehr an den Schreibstil der Bücher “Vollidiot” und “Millionär°… Weiter so, hab mich (weil wirklich alles zutreffend analysiert wurde) beeumelt vor lachen :)

    • admin Says:

      Danke für das Kompliment – Asap gibt es mehr von “Bauer sucht Frau” :-)

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