• Jajaja, ich hatte das doch sowieso immer schon vorgeschlagen, diesmal ist es wirklich passiert: Peter Zwegat, der Gute Geist von Berlin, wandelt auf den Spuren eines anderen Fremdschäm-Experten, nämlich Christian Rach!!! In der heutigen Folge (eine Wiederholung, wie ich glaube) muss Schuldenguru Zwegat das Restaurant “Heideforelle” von Wilhelm und Kerstin Kruse und ihren drei Kindern vor dem Ruin retten. Wie sich die geneigten Leser vielleicht noch erinnern, hatte Gastropapst Rach zuletzt in der “Kölnischen Botschaft” neben der Küche auch noch gleich die Finanzen der Gastronomen in Ordnung gebracht. Somit haben jetzt beide Superhelden einmal im Revier des anderen gewildert und sind damit quitt.

    So, los geht’s mit dem heutigen Fall: Die Kruses betreiben seit 16 Jahren in Hanstedt am Rande der Lüneburger Heide das auf Fischgerichte spezialisierte Restaurant “Heideforelle”. Anfangs lief der Laden gut, aber seit der Mehrwertsteuererhöhung von Anno Knüll und einer langwierigen Baustelle vor dem Haus ist in der Geschichte der Wurm drin. Man prütschert den ganzen Tag, sieben Tage die Woche, aber der anfängliche Gästestrom ist zu einem dürftigen Rinnsal geworden. Mittlerweile müssen die Kruses alles selbst machen, Personal können sie sich schon lange nicht mehr leisten. Dabei brauchen sie eigentlich jeden Gast, denn für den Umbau des Restaurants haben sie sich vor einigen Jahren kräftig verschuldet und müssen dafür jetzt monatlich 4.000 Euro zurückzahlen. Das klappt kaum noch und mittlerweile droht die Bank (O-Ton Kruse: “Raubritter”) schon mit der Zwangsversteigerung. Die Situation steuert auf den Abgrund zu und da gibt es im RTL-Universum nur noch eine Chance: ZWEGAT HILF !!!

    Eigentlich gemein, statt dass der knarzige Berliner endlich mal die Pension genießen und wie andere Männer seines Alters die Enkelkinder auf den Knien schaukeln darf, jagt man ihn immer wieder hinaus in die böse Welt, auf dass er mit seiner Flipchart den Rechenunkundigen das kleine Einmaleins beibringe. Aber wie der Weihnachtsmann, der ja bekanntlich trotz vorgerückten Alters auch jedes Jahr wieder los muss, trägt Zwegat sein Schicksal mit Fassung und in Demut. Naja, andererseits bessert er mit der Fernsehgage für den Hausbesuch natürlich auch seine Rente auf…

    Wie dem auch sei, jedenfalls trifft Zwegat zu Fuß, wie uns RTL glauben lassen möchte, in Hanstedt ein. Auf dem Weg zum Kruse’schen Anwesen erkundigt er sich bei den Eingeborenen, die er rein zufällig vor der Kamera trifft, gleich mal nach der Reputation der “Heideforelle”. Die Begeisterung für den Laden und insbesondere für den angeblich leicht cholerischen Chef (also Kruse) hält sich in engen Grenzen. Genau genommen könnte die Vollversammlung des Heideforellen-Fanclubs, wenn es ihn denn gäbe, bequem in einer Telefonzelle tagen und man hätte immer noch viel Platz darin. Kein Wunder also, dass sich keine freiwilligen Gäste dort einfinden, den Laden mag einfach keiner.

    Nach einer gefühlten Wanderung von zehn Kilometern kommt Zwegat endlich an dem etwas abseits gelegenen Restaurant an und watschelt im Vorgarten an den Kindern und ihrem gefleckten Zwergpony vorbei. “Wie heißt euer Hund?”, fragt er dabei leutselig. (Hey, bitte nicht lachen, wer weiß, wie gut wir in dem Alter noch gucken können…) Nach den Formalitäten inkl. seinem Standardbegrüßungsspruch lässt er sich von Vater Kruse in das wirtschaftliche Dilemma einweihen. Mutter Kruse berichtet dann noch von den ehelichen Spannungen, die sich daraus ergeben und bei der günstigen Gelegenheit auch unbedingt im Fernsehen breitgetreten werden sollen.

    Zwegat lässt sich das ganze Anwesen inklusive des dicken Familienautos zeigen und man ahnt schon dunkel, wo er später mal den Rotstift ansetzen wird. Das riesige Wohnzimmer ist ein mit kitschig-biederen Bauernmöbeln garnierter Alptraum. Ich würde alles darauf wetten, dass Kruses privat nur deutsche Schlager hören und im Schlafzimmer den Starschnitt von Florian Silbereisen hängen haben. :-)

    Zwegat schnappt sich ein paar Aktenordner, fährt zurück nach Berlin und ist nach ein paar Tagen erneut in der Heide. Jetzt folgt nämlich der bei uns Adepten dieser Sendung so beliebte Tag der Wahrheit, nämlich die Verkündung des Schuldenstandes. Angeblich läuft Peterle schon wieder den ganzen Weg zu Fuß, jedenfalls zeigt ihn die Kamera, wie er mit Anzug und Aktentasche an dem Ortsschild “Hanstedt” vorbeitrullert. In Wirklichkeit hat er bestimmt einen Seniorenpass und ist bis Hamburg mit der Eisenbahn gefahren. Ist aber ganz schön kniepig von RTL, dass man ihm nicht mal Geld für den Bus gibt!

    Fast hätte mich diese rührende Story eingelullt, aber dann entdecke ich plötzlich die Ungereimtheit schlechthin: Noch am Ortsschild hatte Zwegat nur seine Aktentasche in der Hand, nun, im Kruseschen Kitsch-Wohnzimmer, steht er plötzlich neben der Flipchart! Ja wo kommt die denn plötzlich her? Da haben die RTL-Fuzzis vom Script aber nicht ordentlich aufgepasst!!! Also Leute, wenn in Hollywood später mal das Remake von dieser Geschichte verfilmt wird, erwarte ich unbedingt, dass Tom Hanks, oder wer auch immer Zwegat dann spielt, auf dem Fußmarsch neben der Aktentasche auch noch die Flipchart hinter sich her zieht.

    Nun folgt die beliebte Disziplin “Schuldenraten”. Beide Kruses dürfen mal, sie tippt auf 450.000 Euro, er auf 500.000 Euro und die richtige Lösung hätte 544.000 Euro gelautet. Damit ist Herr Kruse klarer Gewinner – eigentlich auch kein Wunder, denn schließlich macht er die Buchhaltung in der “Heideforelle” und hätte den aktuellen Wasserstand deshalb eigentlich noch wesentlich genauer wissen müssen. So richtig geschockt scheinen beide Kruses nicht, sie ringt sich sogar zu einem Satz à la “da müssen wir aber mal was gegen tun” durch.

    Zwegat nimmt die Frau beiseite, nur er und sie und ein paar Millionen Zuschauer, und entlockt ihr noch das Geständnis, dass ihre Beziehung kriselt, weil ihr Mann so ein unfreundlicher Knopf sei. Die Worte “bitte” und “danke” habe er wohl nie gelernt. In der Ehe, im Geschäft und in der Küche ist Herr Kruse der Chef von Gottes Gnaden, der alles allein entscheidet. Seine devote Frau darf ihm nur zuarbeiten und muss ansonsten kuschen. Näää, sind wir hier im Mittelalter? Das ist ja politisch völlig unkorrekt und muss vom Schuldenpapst gleich auch noch mit erledigt werden. Den Kruse zieht er in dieser Folge noch auf links, soviel ist klar!

    Nebenbei hat Papa Kruse noch eine absurde Idee ausgebrütet, um an Geld zu kommen: Er hat in seinem Keller einen alten, zugemauerten Brunnen entdeckt, in dem vermutlich eine Mineralwasserquelle sprudelt, die pro Tag 18.000 Liter liefert. Er will den Brunnen wieder öffnen und das Wasser in Flaschen abgefüllt verkaufen. Profi, der er ist, schlägt sich Zwegat wohl nur intern die Hand vor die Stirn und mimt nach außen höfliches Interesse für diesen Schwachsinnsvorschlag. Nach einem schnellen Besuch bei einem Mineralwasserexperten in der Nähe ist das Vorhaben mausetot. Die Fördermenge ist zu gering, die Kosten für einen richtigen Brunnen und eine Abfüllanlage sind dagegen immens. Zwegat und der etwas knirschige Kruse nageln die Brunnenöffnung symbolisch wieder zu.

    Genug gesponnen, nun müssen dringendere Feuer gelöscht werden. Zwegat saust mit Herrn Kruse zur Hamburger Sparkasse (Haspa) in die Elbemetropole und verhandelt mit den Schlippsträgern um die Verringerung der monatlichen Raten. Tatsächlich gewähren diese der “Heideforelle” eine kurze Verschnaufpause, setzen für ein paar Monate die Raten ganz aus und verringern sie anschließend auf 2.300 Euro pro Monat. Die Zwangsversteigerung wird einstweilen verschoben. Zwegat jubelt, aber Chefkoch Kruse bleibt seltsam depressiv. (Positive) Emotionen sind sein Ding nicht, das kennen wir ja inzwischen schon.

    Nun kommt der Rach im Zwegat zum Vorschein, denn er setzt sich mit den Eheleuten hin und fängt an, in der Speisekarte herumzustreichen! Wir wissen ja alle aus der Sendung des gnadenlosen Restauranttesters, dass weniger in der Gastronomie oft mehr ist, soll heißen: Es ist besser, wenn sich die Küche auf ein paar gute Gerichte spezialisiert. Diese Lektion haben offenbar auch der Berliner und Frau Kruse verinnerlicht. Gemeinsam streichen sie solche Exotenmenüs wie Haifisch, währenddessen Herr Kruse so verzweifelt aussieht, als wolle man ihm bei lebendigem Leib Organe entnehmen. Am Ende gibt es ein Drittel Gerichte auf der Karte weniger und Wilhelm Kruse ist stinkig.

    Die Sendung geht so langsam ihrem Happy End entgegen und Zwegat gibt nochmal alles! Erst kommt ein Touristikunternehmer vorbei, der zukünftig vielleicht öfter mal mit seinem Reisebus in der “Heideforelle” Station machen will. Auf der Flipchart zeigt das Finanzgenie Zwegat dann auch noch, wie nachhaltig sich die ökonomische Lage der Kruses vor allem durch das Entgegenkommen der Haspa gebessert hat. Zum krönenden Abschluss arrangiert er eine Art Versöhnungskuss zwischen den Eheleuten Kruse.

    Im Nachspann sehen wir den rüstigen Berliner wieder zu Fuß am Hanstedter Ortsschild vorbei laufen, diesmal aber in die andere Richtung, hinein in die Abenddämmerung und weiteren Wohltaten für die Menschheit entgegen…

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    Posted by TV-Glotzer @ 11:58 pm

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  • One Response

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    • jey Says:

      schon armsellig wenn man staendig menschen runter zieht. doch nicht besser ist. sehr traurig find ich es ja das die menschen sich helfen lassen oder wollt ihr einem erzaehlen das in westen keine menschen schulden haben ? die machen sich ja auch total lustig und daemlich im fernsehn meinter nicht ?
      denn ich bin ossi und das was mit 14.10 sehr unhoefflich , denn ich persoehnlich kenne diese familie und so wie ihr sie beschreiben moeget sind sie mit keinem falle. ihr solltet euch schaemm. ueber andere menschen so herzuziehen schaut erstmal euer leben an.
      denn eigendlich ist es ja dumm osten westen meine fresse. ich bin in westen geboren und lebe seid jahren im osten da ist kein unterschied. schaemmen solltet ihr euch. auch eure eltern muessten sich schaemmen fuer ein sollchen kindisches verhalten ob 18. 28 oder 68 . dumm ist es alle male wie du, er ,sie es keine ahnung , menschen beleidigen zu muessen die man nicht einmal kennen mag. die einzigen menschen die hilfe brauchen sind sollche idiotischen menschen wie euch die sich darueber lustig machen aber selbst nicht besser sind , geht mal zum arzt abchecken lassen ;)

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