Sorry, bei uns ragt die Sommerpause dieses Jahr leider etwas weit in den Herbst hinein. War halt immer noch etwas anderes zu tun, als ausgerechnet Trash-TV zu gucken. Nun aber treibt mich das nasse Wetter aus dem Garten wieder vor die Glotze und ich treffe dort einen alten Bekannten…
Es ist Montag und da serviert uns RTL mal wieder den allseits beliebten 10-Sterne-Koch Christian Rach, der unermüdlich als Rächer der verdorbenen Mägen durch die deutschen Lande eilt. Heute schicken ihn die Drehbuchautoren nach Falkensee bei Berlin. Hier treiben Arno Müller und Horst Kremer ihr kulinarisches Unwesen in der “Kölschen Botschaft”. Sie haben sich mit ihrer tollen Idee, ein Stück rheinische Lebensart an Spree und Havel zu holen, offensichtlich etwas verkalkuliert, denn die Gäste bleiben aus und man steht kurz vor der Insolvenz.
Rach hat diesmal die wahnsinnig originelle Idee, früher als angekündigt zu kommen. Es gibt auch tatsächlich immer noch ein paar Torfnasen, die wohl seine Sendung nicht kennen und von diesem Trick auch wirklich überrascht werden. Arno und Horst gehören augenscheinlich dazu, denn sie sind beim Eintreffen des Hamburgers gerade abgängig. So muss nun eine einsame Kellnerin des Meisters ersten Schlag einstecken, der sich traditionell gegen die Speisekarte richtet: “Champignon-Rahmschnitzel, ist das was Kölnerisches?”, fragt er mit sardonischem Grinsen und wir alle wissen natürlich die Antwort.
Dann entdecken Rachs Argusaugen auf der Karte ein paar Speisen mit rätselhaften Kölner Namen. Wer sich einmal als Nicht-Jeck das Genöle von BAP ohne Gebärdendolmetscher angetan hat, weiß, dass man da als Normalmensch auch mit Phantasie nicht viel raten kann, was – oder ob überhaupt – das bedeutet. Tja, die Kellnerin ist nun mal leider nicht mit Rheinwasser getauft worden und bleibt die geforderte Übersetzung für die merkwürdigen Bezeichnungen schuldig. Aus dem Off lassen die Fernsehmacher hämisch den weithin gehassten Karnevalsschlager “M’r losse d’r Dom en Kölle” erklingen und Rach bestellt sich einen Speckpfannkuchen. Während er auf sein Essen wartet, doziert der Gastro-Messias in die Kamera, er fühle sich hier eher wie in der Toskana, als in Köln, das ganze Restaurant sei in sich nicht stimmig. Italien, Köln, Berlin, puh, da schwirrt dem normalblöden RTL-Zuschauer ganz schön der Kopf. Aber Rach wird die Sache schon richten, ganz sicher.
Kurz danach, der Meisterkoch kämpft sich gerade durch seinen zähen Pfannkuchen, tauchen plötzlich und unerwartet doch noch die beiden Besitzer auf. (In diesem Moment ist gerade die Kamera auf die sich öffnende Tür gerichtet, Zufälle gibt’s!) Müller und Kremer sind nach eigener Diagnose eigentlich zwei rheinische Frohnaturen, aber angesichts der massiv ausbleibenden Gäste ist ihnen momentan nicht mehr so richtig nach Lachen zumute. Und allein kommen sie nicht dahinter, was sie verkehrt machen. Am Essen und dem Ambiente könne es nicht liegen, das fänden nämlich alle Besucher toll, behaupten sie. Als sie Rach die Höhe ihrer Schulden beichten, kriegt der einen Sentimentalen und lädt die beiden in ihrem eigenen Restaurant zum Essen ein!
Die Gefühlsduselei ist aber schnell wieder zu Ende, denn schon beim Auftragen der bestellten Gerichte steckt Rach seinen meisterlichen Finger in den Sauerbraten und beginnt zu zetern, das sei die falsche Soße und das Fleisch sei viel zu trocken und überhaupt. Man ahnt schon, das gibt Mecker in der Küche. Aber heute Abend ist noch Schonzeit angesagt, mit einem “flauen” Gefühl entschwindet Rach in die Nacht. Der Koch sollte für morgen lieber seine schnellen Schuhe anziehen…
Nächster Tag, die drei Protagonisten vom Vorabend treffen sich wieder in der “Kölschen Botschaft”. Rach stichelt, ob es denn wirklich so viel Terracotta gäbe in Köln, das erinnere ihn doch eher an die Toskana. Die beiden Geschäftsführer gestehen kleinlaut, dass sie die Fußböden und Vorhänge erst später eingebaut hätten, vorher sei das nämlich alles so kalt gewesen. “Ach – und seitdem brummt der Laden?”, ätzt Rach. Dann schreiten sie zur Besichtigung der restlichen Räume. Dem Hamburger entfährt dabei ein “auf Deutsch gesagt, sieht das hier Scheiße aus”. Upps!
Und schließlich geht es in die Küche. Blöderweise kommen in diesem Moment gerade zwei Gäste und Ko-Geschäftsführer Horst Kremer muss sich unter Rachs kritischem Blick plötzlich als Koch beweisen. Da kommt erkennbar Stress auf, verständlich, zwei Gäste gleichzeitig hat man im Restaurant schließlich auch nicht jeden Tag. Gottseidank erscheint jetzt auch noch Kochlehrling Benjamin auf der Bildfläche und greift seinem Chef unter die Arme. Der hat inzwischen auch schon ganz andere Sorgen, denn gerade kam ein Brief mit der Nachricht, dass die Stadtwerke der Botschaft den Strom abstellen wollen. (Mich durchzuckt ein genialer Gedanke: Warum rufen die jetzt nicht Peter Zwegat, den 10-Sterne-Schuldenberater, der wohnt doch gleich nebenan in Berlin? Zwegat und Rach zusammen würden die Welt aus den Angeln heben, garantiert, aber dann wären die hier gezeigten Probleme ja schon bis zum ersten Werbeblock gelöst, auch nicht so gut… also vergessen wir diese Idee.)
So geht es nicht weiter, Rach lässt sich von Arno und Horst eine Aufstellung ihrer Schulden geben (ca. 27.000 Euro) , ist entsetzt und fordert die beiden dann auf, sich ein tragfähiges Konzept und einen neuen Namen für ihren Laden zu überlegen, die “Kölsche Botschaft” sei jedenfalls tot! Leider fällt den beiden so auf die Schnelle und unter Druck nichts ein. Rach schlägt wieder die Hände vor’s Gesicht, pfeffert seine eigenen Namensvorschläge auf den Tresen und flüchtet erstmal aus dem Lokal. Trotz seiner offensichtlichen Depression ruft er ein paar Lieferanten und den Vermieter der “Botschaft” an und bittet um Stundung der diversen aufgelaufenen Forderungen. Das klappt auch tatsächlich und nun wittert man Morgenluft. Schnell ist ein neuer Name gefunden: Müller und Kremer wollen fortan unter “Müller & Kremer – Kreisbar” firmieren. Echt witzige Idee, haha!
Nun wird der ganze Laden umgekrempelt und auch die Speisekarte muss dran glauben. Horst wird zum Probekochen der neuen Rezepte in die Küche abkommandiert, während Rach und Arno einen Bittgang zum Finanzamt machen um die Sache mit den Steuerschulden zu regeln. Das klappt und der Silberstreifen am Horizont wird heller. In der Küche fängt sogar der lt. Müller & Kremer nicht zu säubernde Herd wieder an zu glänzen und Rach kommt in Fahrt: “Den müsst Ihr ab jetzt jeden Tag sauber machen, nicht einmal im Monat, sondern jeden Tag, jeden Tag, JEDEN TAG!”.
Der Rest der heutigen Folge verläuft absehbar: Nach einem intensiven Umbau von Lokal und Speisekarte wird der gesamte Ort zur Wiedereröffnung in die “Kreisbar” eingeladen. Die Leute stauen sich auch tatsächlich von der Eingangstür bis zum Horizont – die Erklärung dafür bleibt uns RTL allerdings schuldig. Das Fest gelingt und Rach läuft zu gewohnter Form auf, macht Horst in der Küche zur Minna und ist gleichzeitig in den Rollen Cheforganisator, Conferencier, Meisterkoch, Diktator, Motivator und Seelentröster zu sehen. Am liebsten aber brüllt er in der Küche Horst an.
Zwei Monate später kommt Rach zurück in die “Kreisbar” und sieht nach, was von seinen Ideen hängen geblieben ist. Das ist diesmal leider auf den ersten Blick nicht allzu viel, beide Chefs sind nicht da, man sieht kaum Gäste, das wenige Personal hängt lustlos in der Gegend herum und die neue Einrichtung sieht auch schon wieder ungepflegt aus. Arno kommt aus seinem freien Tag herbeigeeilt und berichtet, dass Horst inzwischen ausgestiegen sei. Klar klar, in Freundschaft, das hätte eben nicht mehr gepasst. Rach ist ziemlich vergnatzt, er habe den beiden den Hintern gerettet und kaum sei er weg, würden sie die Segel streichen. Er lässt sich aber von Arno beruhigen, der habe alles im Griff und mache weiter, wie der Meister es befohlen habe.
Rach verlässt die Szene und zieht ein etwas ängstlich-skeptisches Fazit, wünscht Arno aber einen langen Atem. Und offenbar ist tatsächlich bis dato alles gut gegangen, denn beim Abspann wird nicht die von mir befürchtete Hiobsbotschaft eingeblendet. Und gerade eben, wo ich dieses schreibe, finde ich die Kreisbar auch im Internet. Also Arno, halt durch und mach’s gut!
Nachtrag (07.12.2009): Auch Horst Kremer, einer der Protagonisten dieser Folge, gehört zu unseren Lesern! Schaut Euch mal in den Kommentaren an, wie er die ganze Geschichte sieht.






October 13th, 2009 at 7:35 am
Vielleicht habe ich das Konzept dieser Seite nicht ganz verstanden, aber wo genau wird hier abgelaestert? Ok, habe zwar nur einen Artikel gelesen: “Rach und die Kreisbar”, aber fuer mich war euer Artikel einfach nur eine Inhaltsangabe der letzten Sendung, so dass ich nicht die Lust verspuert habe weitere “Laestereien” zu lesen. Vielleicht waere eine Fernsehsendung nach dem Motto “Hermann der Internetseitentester” etwas. Eure Seite schreit naemlich ein wenig nach einem neuen Konzept.
October 13th, 2009 at 9:56 am
Hi Cauley,
vielleicht sind meine Lästereien zu subtil für Dich und Du brauchst eher eine Site, wo nach dem Motto “hau drauf und Schluss” verfahren wird? Würde ich hier und da tatsächlich auch gern machen, allerdings ist mein Blogwart so ein bisschen schissig und hat Angst, dass ihm Rach oder Zwegat mal die Tür eintreten, wenn ich zu deutlich werde…
TV-Glotzer
October 22nd, 2009 at 5:00 pm
Also ich find deine Site toll und hab die letzten scheinbar unendlich langen Wochen darauf gewartet, dass es wieder was Neues zu lesen gibt! Danke danke danke- macht weiter so!
October 25th, 2009 at 5:38 pm
Cauley hat einfach recht. Das angebliche “Ablästern über Müll im TV” besteht aus eitlem und unoriginellem Bla-Bla. Völlig überflüssige site.
November 1st, 2009 at 1:33 pm
@ geyik
Warum bist du dann hier?
December 7th, 2009 at 12:55 am
Ich bin der, der sich laut Rach “vom Acker gemacht hat”.
Fakt ist: nicht alles, was im TV gezeigt wird, ist so, wie wir es tatsächlich er- und durchlebt hatten! Rach bzw. besagter TV-Sender haben gesprochen und wir mußten machen-da gab’s kein Aber. Das dieses Konzept nicht so funktioniert, war eigentlich klar; denn Falkenseer sind anders. Ich hatte mich auch nicht “vom Acker gemacht”. Es ist doch vielmehr so gewesen, dass ich seit längerem schon der Meinung war, das dieses Restaurant eine Nummer zu groß ist. Den endgültigen Schritt zur Aufgabe ebneten mir Rach und mein Partner höchst persönlich. Rach indem er alles umgestellt hat und es trotzdem nicht funktionierte. Es sind angeblich Gelder geflossen, die nicht tatsächlich gegeben wurden, es wurde angeblich die Pacht gemindert, wovon der Pächter nichts mehr wußte usw. Um den Akt zum Abschluss zu bringen: als ich verkaufen wollte, war ein neuer Pachtvertrag bereits in Verhandlung – und das ohne mein Wissen!