• Markus, Carsten, Herr Clausen, Berit, Willi, Tobias, Josef, Maurizio und Dieter, das sind die Protagonisten der fünften Staffel von RTLs Provinzler-Kuppelshow “Bauer sucht Frau”. Wie in den Vorjahren, so kümmert sich Inka Bause auch diesmal darum, einsame Landwirte unter dem Gejohle von Millionen Fernsehzuschauern mit mehr oder weniger passenden Partnern des anderen Geschlechts zu versorgen. Die Sendung ist ein wahres Eldorado für Freunde des Fremdschämens und deswegen taugt sie natürlich auch zum Ablästern hier bei uns im Mülltv-Blog. Aber springen wir gleich rein in die erste Folge.

    Im Vorfeld hatten offenbar alle neun liebesbedürftigen Bauern einen Aufruf auf der RTL-Homepage gestartet und um Zuschriften gebettelt. Jeder darf davon zwei Bewerber zu einem sog. “Scheunenfest” einladen, das wir am Ende der heutigen Folge mit ansehen müssen. Inka klappert nun der Reihe nach die Höfe ab und überbringt in einem Korb die Bewerbungsschreiben. Bei Rinderwirt Dieter (40) holt sie sich dabei schon mal keinen Bruch, denn er bekommt ganze zwei Briefe. Der scheint aber an solche Abfuhren gewöhnt zu sein, steckt die Enttäuschung routiniert weg und muss sich jedenfalls nicht lange mit der Entscheidung quälen, wen er zum Fest mitnehmen soll.

    Der “quirlige” ostfriesische Jungbauer Carsten gehört mit 23 Jahren eigentlich noch nicht zu den völlig hoffnungslosen Fällen und bekommt von Inka denn auch gleich so viele Briefe, dass ein Kumpel beim Sortieren helfen muss. Während bei Carsten ganz offensichtlich noch das Thema “Hörner abstoßen” aktuell ist (oder erst wird), sehnt sich der propere Markus (44) in der Pfalz nach einer eigenen Familie, die seine Traumfrau praktischerweise gleich fix und fertig mitbringen könnte. Auch ihm hilft ein Freund bei der Auswahl und die Kommentare beim Durchblättern der eingegangenen Briefe und Fotos hören sich an, als wollten sie ein Pferd kaufen (“schöner dunkler, natürlicher Typ”).

    Pferdewirtin Berit (37) aus Meckpomm ist die erste Bäuerin in diesem Format und hat damit offensichtlich eine Marktlücke entdeckt, denn sie kriegt um die hundert Briefe. Eigentlich bekloppt, dass die Serie jetzt nicht umbenannt wird, aber das will RTL seinen einfältigen Zuschauern wohl nicht zumuten, lieber lässt man Berit laut Titel nach einer Frau suchen. Die erinnert mich übrigens spontan etwas an “Walter” aus “Hinter Gittern – der Frauenknast”. Aber es gibt ja auch innere Werte.

    Im Chiemgau hat der angeblich fromme Milchbauer Josef (48) das Alleinsein mit seinen Kühen so satt, dass er dafür die öffentliche Demütigung im Fernsehen auf sich nimmt, wenn dabei nur eine Frau für ihn heraus springt. Für Josef haben die RTL-Drehbuchschreiber die Rolle des bajuwarischen Seppls vorgesehen. Er muss einen albernen Hut tragen und darf ausschließlich in seinem heimatlichen Idiom sprechen, weshalb er komplett untertitelt wird.

    Der “lustige” Ziegenwirt Willi aus Hessen ist mit seinen 40 Lenzen beziehungstechnisch noch ein unbeschriebenes Blatt. Höchste Zeit, dass sich das nun ändert – vermutlich will seine mit ihm zusammen lebende Mutter endlich Enkelkinder. Seine Traumfrau sollte vor allem tierlieb sein, sagt er. Das passt gut, nebenbei ist er nämlich Hobbymetzger…

    Holzbauer Maurizio (49) lebt in Baden-Württemberg, kommt aber eigentlich aus Italien, wie man sich denken kann. Seit seiner Scheidung vor zwei Jahren herrscht in puncto Frauen Ebbe und das will der selbst erklärte “emanzipierte Macho” nun schleunigst wieder ändern. Er ist ein knorriger, nun ja “origineller” Typ, der wohl eine verständnisvolle Sie braucht. Auch den “romantischen” Weinbauern Tobias (33) kotzt das Alleinsein an und er sucht auf diesem Wege eine Frau, mit der er denn auch gleich eine Familie gründen will. Er hat übrigens von allen Kandidaten die meisten Zuschriften gekriegt.

    Eher in die Kategorie verschrobenes Original fällt der nächste Kandidat. Er stammt aus Nordfriesland und ist mit seinen 59 Jahren schon jenseits von Gut und Böse, deshalb wurde ihm auch das vertrauliche Duzen erlassen und er tritt in dieser Sendung schlicht als “Herr Clausen” auf. Auch seine Zuschriften sind eher originell, soweit man erkennen kann. Auf einem Bild sieht man eine in die Jahre gekommene dralle Blondine (Typ “Miss Westerland 1970″) beim Posing vor einer Fototapete  mit kitschigem Sonnenuntergang am Meer. Grässlich, hoffentlich wählt er die aus…

    Das sind also unsere Kandidaten. So weit, so gut. RTL ist bisher in Vorleistung gegangen und hat jedem Bauern mehr oder weniger viele Bewerber(innen) präsentiert. Nun fordert das Fernsehen von allen einen ersten Tribut, es folgen nämlich voyeuristische Einblicke in die Reisevorbereitungen für das ominöse Scheunenfest. Wir sehen, wie Mitbringsel für die Bewerberinnen gepackt werden, hier zwei hässliche Stoffkühe, die beim Umdrehen muhen, dort eine Dose mit selbst gemachter Leberwurst. Eben alles Dinge, mit denen man Frauen todsicher herumkriegt… Milchbauer Josef holt ein ledernes Reiseetui aus dem Schrank, das aussieht, als hätte es sein Opa schon im zweiten Weltkrieg dabei gehabt. Und Herr Clausen wirft sich in sein Verführer-Outfit: Großkariertes Bauernhemd mit neckischem Strohhut. Was in den 60er-Jahren funktioniert hat, kann doch jetzt nicht verkehrt sein, oder?

    Eindeutiger Loser dieser Sequenz ist aber Ziegenwirt Willi, der für das Fernsehen ein Bad in Milch nehmen muss und als Nackedei, aber mit Brille, beim Einsteigen in die Wanne gefilmt wird. Auch den schmächtigen Dieter erwischt RTL bei der Körperpflege: Er geht zum Haarewaschen im Bad auf die Knie und steckt seinen Kopf in die gefüllte Badewanne. Eine wahrhaft bemerkenswerte Szene. Ihm würde eine ordnende weibliche Hand, rechts und links an die Ohren, wirklich nicht schaden…

    Jetzt fahren unsere mehr oder weniger aufgebrezelten Landwirte per Planwagen zum Scheunenfest, ihren Auserwählten entgegen. Aus dem Off hört man Heino mit “Hoch auf dem gelben Wagen” und ich muss heftig lachen, denn RTL zwingt die Bande auch noch zum fröhlichen, disharmonischen Mitsingen. Kann denn die Not, keine Frau zu haben, wirklich so groß sein, dass man sich derart erniedrigen muss???

    Inka eröffnet das Scheunenfest und hat sich dafür in eine bäuerliche Kluft geschmissen; ihr Rock und die Tischdecken haben übrigens das selbe rot-weiße Karomuster. Während unsere Bauern in der einen Raumecke stehen, kommen auf der anderen Seite die auserwählten Frauen und Männer herein. Aus dem Off dudelt dazu ein völlig unpassender Triumphmarsch. Nacheinander kommen die Kandidaten nun zu Inka und werden mit ihren Möchtegern-Partnern zusammengeführt. Willi steht offenbar auf barocke Frauen, scheint mit seiner Wahl für den Moment aber wohl zufrieden zu sein, hakt seine beiden Grazien unter und verschwindet gen Festsaal. Bemerkenswert ist wieder Herr Clausen, der zunächst mit ein paar Sätzen auf Plattdeutsch den Klassenkasper macht. Er hat sich Anja und Andrea ausgesucht, die ihn übrigens sofort duzen dürfen und auch vom Alter her wohl in seiner Liga spielen. Tatsächlich ist die leicht schrille, blonde Ex-Miss dabei, die in einem für sie zu kurzen Kleid auftritt. Das gibt noch was, ich ahne es…

    Dieter wird von Inka für seine bunte Krawatte gelobt, außerdem preist sie ihn als meisterlichen Tänzer mit unwahrscheinlichem Durchhaltevermögen. Äh, auf der Tanzfläche, meine ich. Während er ob des Lobes rot anläuft, kommen seine beiden Hübschen, Regina und Heike. Als Regina ihm noch die Hand gibt, guckt unser Dieter schon schreckensstarr an ihr vorbei auf die gut einen halben Kopf größere Heike (Dirndl, lange schwarze Haare, Typ Schneewittchen) und macht ein Gesicht, als hätte er in Seife gebissen. Die Dame fällt klar in die Rubrik “männermordend”; Gute Nacht, Dieter. Regina hat spätestens verschissen, als sie zugibt, überhaupt nicht tanzen zu können, während Heike darin angeblich jahrelange Übung hat.

    Der schüchterne Milchbauer Josef hat sich u.a. die aufgeregt kichernde Asiatin (Thailänderin?) Narumol ausgesucht. Wie die ohne Gebärdendolmetscher ihren zutiefst bayerisch parlierenden Galan verstehen soll, bleibt mir ein Rätsel. Humor braucht auch der dauergrinsende württembergische Italiener Maurizio, der u.a. eine XXL-Frau in einem azurblauen ZeltKittel abgestaubt hat.

    Nun werden zwischen den Dreierpärchen Worte und Geschenke gewechselt, Carsten verteilt seine dämlichen Stoffkühe, dafür kriegt Berit von einem Verehrer ein selbst gewerkeltes Frühstücksbrettchen. Josef bekommt eigene Marmelade von Narumol, kann aber bedauerlicherweise auch in mehreren Versuchen diesen exotischen Namen nicht fehlerfrei nachsprechen. Gottseidank hat sie aber noch einen leicht verständlichen “Spritznamen” [sic!], nämlich “Miau”. Parallel textet ihn seine andere Bewerberin voll, was für ein riesiger Bauernhof-Fan sie sei und wie gern sie Trecker führe.

    Weinbauer Tobias hat im Frauenversteher-Seminar der Volkshochschule gut aufgepasst und fragt so ziemlich als erstes ohne Umschweife, ob seine beiden Damen denn gut küssen könnten. Subtiler kann man eine romantische Beziehung wohl kaum anschieben… Auch Markus macht alles richtig, überreicht zwei Pakete mit selbst gebastelter Leber- und Blutwurst und dazu Gelee “für den süßen Abgang”. Lecker. Eine der Damen revanchiert sich mit einer hässlichen Puppe “als Erinnerung an Deine zukünftige Schwiegermutter”. Hä, wie jetzt?

    Dieter bekommt von Heike/Schneewittchen einen Haufen Klamotten mit dem Hinweis, sein Schlabberpulli im Internet hätte so blöd ausgesehen. Seine Größe habe sie nicht gewusst (vermutlich XXS), wenn der Pulli nicht passe, dann sei das eben Pech, meint sie mütterlich, aber bestimmt. Auch Dieter bedankt sich bei seinen beiden Frauen mit einer Kuhfigur, sehr sinnig.

    Maurizio macht gleich klaren Tisch: erstens könne er als Italiener aus genetischen Gründen das Flirten mit anderen Frauen nicht sein lassen, daran müsste sich seine Zukünftige eben gewöhnen, und zweitens erinnere ihn Wuchtbrumme Gertrud zu sehr an seine Ex-Frau und damit ist sie raus! Er wählt die alt-blonde “Sonnenanbeterin” Cornelia.

    Auch der muntere Herr Clausen liebt das offene Wort. Er überlegt mit seinen beiden Hübschen, wo er sie denn auf seinem Hof einsetzen könne. Das Scheibenputzen ist ihm schon von selbst eingefallen, da meldet die verblühte Ex-Miss ihren Anspruch auf das Mähdrescherfahren an. Clausen tut das mit einem höhnischen Lachen ab, untersucht ihre Hand und attestiert “das sind ja die idealen Fingernägel zum Unkrautjäten”. Sie möchte ihm damit stattdessen lieber den Rücken zerkratzen und mir kommt das Essen hoch. In einer späteren Szene sind die beiden Damen allein, wähnen sich unbeobachtet und lästern über Clausen ab. Natürlich haben sie nicht ernsthaft vor, auf seinem Hof auch nur einen Finger zu krümmen, da sind sich die beiden knuddeligen Endfünfzigerinnen einig.

    Zum Ende dieser Folge müssen nun alle Kandidaten entscheiden, ob sie eine oder beide Bewerber(innen) für eine Woche zu sich auf den Hof mitnehmen wollen. Maurizio hatte seinen Wonneproppen Gertrud – wie berichtet – wegen zu großer Ähnlichkeit mit seiner Ex bereits in den Wind geschossen und auch Berit entscheidet sich schon heute für ihrer Verehrer Stefan, weil der “so grob” ist, was ihr gut gefällt. Herrn Clausen tut nach seiner Turtelstunde ebenfalls “Butter bei die Fische”, lässt das blonde Gift Anja sitzen, weil sie zu viel Sexappeal habe. Der scheint das ganz recht zu sein, die Aussicht auf körperliche Arbeit hatte sie wohl doch schon etwas erschreckt. Unser Dieter ist nicht extrem stabil gebaut, für ihn sind zwei Frauen auf Mal zu viel, das erklärt die einfühlsame Inka uns Fernsehzuschauern. Dieter zögert nicht lange und nimmt natürlich Schneewittchen, die sich im bürgerlichen Leben Heike nennt.

    Danach klingt die Folge mit dem gemütlichen Teil des Festes aus. Nachdem Inka bei ihrer Schlussabsage das Anzapfen eines Bierfasses völlig versemmelt, wird Live-Musik gespielt und unsere Hinterwäldler-Brigade schwingt das verkümmerte Tanzbein. Der angebliche Meistertänzer Dieter entpuppt sich als Reinkarnation von Holger Göpfert, dem DSDS-Megaspacken. Man muss sich doch wundern, wie viel Unmusikalität in so ein kleines Bäuerlein passt, denn er hüpft bis zum Ende der Gage immer schön gegen den Takt über das Parkett. Respekt!

    Der italienische Testosteron-Junkie Maurizio wähnt sich im vierten Frühling und baggert – wie angedroht – alles an, was nicht bei drei auf dem Baum ist, sehr zum Verdruss seiner Cornelia. Die kriegt sich aber schnell wieder ein, denn “gegessen wird immer noch Zuhause”. Gnädigerweise entlässt RTL uns Zuschauer, als Maurizios zuerst gechaste Verehrerin, die extrem undürre Gertrud, durch eine Karaoke-Einlage ihre Warhol’schen 15 Minuten im Rampenlicht abfeiert. Man weiß nicht, was man sich zuerst zuhalten soll, Augen oder Ohren…

    In der nächsten Folge wird es interessant, denn nach dem Spaß folgt der Ernst des Bauernlebens: Für eine Woche sollen die Auserwählten nämlich auf den Höfen mit anpacken. Wollen wir doch mal sehen, was von der heutigen Euphorie übrig bleibt.

    Tags: ,

  • Jajaja, ich hatte das doch sowieso immer schon vorgeschlagen, diesmal ist es wirklich passiert: Peter Zwegat, der Gute Geist von Berlin, wandelt auf den Spuren eines anderen Fremdschäm-Experten, nämlich Christian Rach!!! In der heutigen Folge (eine Wiederholung, wie ich glaube) muss Schuldenguru Zwegat das Restaurant “Heideforelle” von Wilhelm und Kerstin Kruse und ihren drei Kindern vor dem Ruin retten. Wie sich die geneigten Leser vielleicht noch erinnern, hatte Gastropapst Rach zuletzt in der “Kölnischen Botschaft” neben der Küche auch noch gleich die Finanzen der Gastronomen in Ordnung gebracht. Somit haben jetzt beide Superhelden einmal im Revier des anderen gewildert und sind damit quitt.

    So, los geht’s mit dem heutigen Fall: Die Kruses betreiben seit 16 Jahren in Hanstedt am Rande der Lüneburger Heide das auf Fischgerichte spezialisierte Restaurant “Heideforelle”. Anfangs lief der Laden gut, aber seit der Mehrwertsteuererhöhung von Anno Knüll und einer langwierigen Baustelle vor dem Haus ist in der Geschichte der Wurm drin. Man prütschert den ganzen Tag, sieben Tage die Woche, aber der anfängliche Gästestrom ist zu einem dürftigen Rinnsal geworden. Mittlerweile müssen die Kruses alles selbst machen, Personal können sie sich schon lange nicht mehr leisten. Dabei brauchen sie eigentlich jeden Gast, denn für den Umbau des Restaurants haben sie sich vor einigen Jahren kräftig verschuldet und müssen dafür jetzt monatlich 4.000 Euro zurückzahlen. Das klappt kaum noch und mittlerweile droht die Bank (O-Ton Kruse: “Raubritter”) schon mit der Zwangsversteigerung. Die Situation steuert auf den Abgrund zu und da gibt es im RTL-Universum nur noch eine Chance: ZWEGAT HILF !!!

    Eigentlich gemein, statt dass der knarzige Berliner endlich mal die Pension genießen und wie andere Männer seines Alters die Enkelkinder auf den Knien schaukeln darf, jagt man ihn immer wieder hinaus in die böse Welt, auf dass er mit seiner Flipchart den Rechenunkundigen das kleine Einmaleins beibringe. Aber wie der Weihnachtsmann, der ja bekanntlich trotz vorgerückten Alters auch jedes Jahr wieder los muss, trägt Zwegat sein Schicksal mit Fassung und in Demut. Naja, andererseits bessert er mit der Fernsehgage für den Hausbesuch natürlich auch seine Rente auf…

    Wie dem auch sei, jedenfalls trifft Zwegat zu Fuß, wie uns RTL glauben lassen möchte, in Hanstedt ein. Auf dem Weg zum Kruse’schen Anwesen erkundigt er sich bei den Eingeborenen, die er rein zufällig vor der Kamera trifft, gleich mal nach der Reputation der “Heideforelle”. Die Begeisterung für den Laden und insbesondere für den angeblich leicht cholerischen Chef (also Kruse) hält sich in engen Grenzen. Genau genommen könnte die Vollversammlung des Heideforellen-Fanclubs, wenn es ihn denn gäbe, bequem in einer Telefonzelle tagen und man hätte immer noch viel Platz darin. Kein Wunder also, dass sich keine freiwilligen Gäste dort einfinden, den Laden mag einfach keiner.

    Nach einer gefühlten Wanderung von zehn Kilometern kommt Zwegat endlich an dem etwas abseits gelegenen Restaurant an und watschelt im Vorgarten an den Kindern und ihrem gefleckten Zwergpony vorbei. “Wie heißt euer Hund?”, fragt er dabei leutselig. (Hey, bitte nicht lachen, wer weiß, wie gut wir in dem Alter noch gucken können…) Nach den Formalitäten inkl. seinem Standardbegrüßungsspruch lässt er sich von Vater Kruse in das wirtschaftliche Dilemma einweihen. Mutter Kruse berichtet dann noch von den ehelichen Spannungen, die sich daraus ergeben und bei der günstigen Gelegenheit auch unbedingt im Fernsehen breitgetreten werden sollen.

    Zwegat lässt sich das ganze Anwesen inklusive des dicken Familienautos zeigen und man ahnt schon dunkel, wo er später mal den Rotstift ansetzen wird. Das riesige Wohnzimmer ist ein mit kitschig-biederen Bauernmöbeln garnierter Alptraum. Ich würde alles darauf wetten, dass Kruses privat nur deutsche Schlager hören und im Schlafzimmer den Starschnitt von Florian Silbereisen hängen haben. :-)

    Zwegat schnappt sich ein paar Aktenordner, fährt zurück nach Berlin und ist nach ein paar Tagen erneut in der Heide. Jetzt folgt nämlich der bei uns Adepten dieser Sendung so beliebte Tag der Wahrheit, nämlich die Verkündung des Schuldenstandes. Angeblich läuft Peterle schon wieder den ganzen Weg zu Fuß, jedenfalls zeigt ihn die Kamera, wie er mit Anzug und Aktentasche an dem Ortsschild “Hanstedt” vorbeitrullert. In Wirklichkeit hat er bestimmt einen Seniorenpass und ist bis Hamburg mit der Eisenbahn gefahren. Ist aber ganz schön kniepig von RTL, dass man ihm nicht mal Geld für den Bus gibt!

    Fast hätte mich diese rührende Story eingelullt, aber dann entdecke ich plötzlich die Ungereimtheit schlechthin: Noch am Ortsschild hatte Zwegat nur seine Aktentasche in der Hand, nun, im Kruseschen Kitsch-Wohnzimmer, steht er plötzlich neben der Flipchart! Ja wo kommt die denn plötzlich her? Da haben die RTL-Fuzzis vom Script aber nicht ordentlich aufgepasst!!! Also Leute, wenn in Hollywood später mal das Remake von dieser Geschichte verfilmt wird, erwarte ich unbedingt, dass Tom Hanks, oder wer auch immer Zwegat dann spielt, auf dem Fußmarsch neben der Aktentasche auch noch die Flipchart hinter sich her zieht.

    Nun folgt die beliebte Disziplin “Schuldenraten”. Beide Kruses dürfen mal, sie tippt auf 450.000 Euro, er auf 500.000 Euro und die richtige Lösung hätte 544.000 Euro gelautet. Damit ist Herr Kruse klarer Gewinner – eigentlich auch kein Wunder, denn schließlich macht er die Buchhaltung in der “Heideforelle” und hätte den aktuellen Wasserstand deshalb eigentlich noch wesentlich genauer wissen müssen. So richtig geschockt scheinen beide Kruses nicht, sie ringt sich sogar zu einem Satz à la “da müssen wir aber mal was gegen tun” durch.

    Zwegat nimmt die Frau beiseite, nur er und sie und ein paar Millionen Zuschauer, und entlockt ihr noch das Geständnis, dass ihre Beziehung kriselt, weil ihr Mann so ein unfreundlicher Knopf sei. Die Worte “bitte” und “danke” habe er wohl nie gelernt. In der Ehe, im Geschäft und in der Küche ist Herr Kruse der Chef von Gottes Gnaden, der alles allein entscheidet. Seine devote Frau darf ihm nur zuarbeiten und muss ansonsten kuschen. Näää, sind wir hier im Mittelalter? Das ist ja politisch völlig unkorrekt und muss vom Schuldenpapst gleich auch noch mit erledigt werden. Den Kruse zieht er in dieser Folge noch auf links, soviel ist klar!

    Nebenbei hat Papa Kruse noch eine absurde Idee ausgebrütet, um an Geld zu kommen: Er hat in seinem Keller einen alten, zugemauerten Brunnen entdeckt, in dem vermutlich eine Mineralwasserquelle sprudelt, die pro Tag 18.000 Liter liefert. Er will den Brunnen wieder öffnen und das Wasser in Flaschen abgefüllt verkaufen. Profi, der er ist, schlägt sich Zwegat wohl nur intern die Hand vor die Stirn und mimt nach außen höfliches Interesse für diesen Schwachsinnsvorschlag. Nach einem schnellen Besuch bei einem Mineralwasserexperten in der Nähe ist das Vorhaben mausetot. Die Fördermenge ist zu gering, die Kosten für einen richtigen Brunnen und eine Abfüllanlage sind dagegen immens. Zwegat und der etwas knirschige Kruse nageln die Brunnenöffnung symbolisch wieder zu.

    Genug gesponnen, nun müssen dringendere Feuer gelöscht werden. Zwegat saust mit Herrn Kruse zur Hamburger Sparkasse (Haspa) in die Elbemetropole und verhandelt mit den Schlippsträgern um die Verringerung der monatlichen Raten. Tatsächlich gewähren diese der “Heideforelle” eine kurze Verschnaufpause, setzen für ein paar Monate die Raten ganz aus und verringern sie anschließend auf 2.300 Euro pro Monat. Die Zwangsversteigerung wird einstweilen verschoben. Zwegat jubelt, aber Chefkoch Kruse bleibt seltsam depressiv. (Positive) Emotionen sind sein Ding nicht, das kennen wir ja inzwischen schon.

    Nun kommt der Rach im Zwegat zum Vorschein, denn er setzt sich mit den Eheleuten hin und fängt an, in der Speisekarte herumzustreichen! Wir wissen ja alle aus der Sendung des gnadenlosen Restauranttesters, dass weniger in der Gastronomie oft mehr ist, soll heißen: Es ist besser, wenn sich die Küche auf ein paar gute Gerichte spezialisiert. Diese Lektion haben offenbar auch der Berliner und Frau Kruse verinnerlicht. Gemeinsam streichen sie solche Exotenmenüs wie Haifisch, währenddessen Herr Kruse so verzweifelt aussieht, als wolle man ihm bei lebendigem Leib Organe entnehmen. Am Ende gibt es ein Drittel Gerichte auf der Karte weniger und Wilhelm Kruse ist stinkig.

    Die Sendung geht so langsam ihrem Happy End entgegen und Zwegat gibt nochmal alles! Erst kommt ein Touristikunternehmer vorbei, der zukünftig vielleicht öfter mal mit seinem Reisebus in der “Heideforelle” Station machen will. Auf der Flipchart zeigt das Finanzgenie Zwegat dann auch noch, wie nachhaltig sich die ökonomische Lage der Kruses vor allem durch das Entgegenkommen der Haspa gebessert hat. Zum krönenden Abschluss arrangiert er eine Art Versöhnungskuss zwischen den Eheleuten Kruse.

    Im Nachspann sehen wir den rüstigen Berliner wieder zu Fuß am Hanstedter Ortsschild vorbei laufen, diesmal aber in die andere Richtung, hinein in die Abenddämmerung und weiteren Wohltaten für die Menschheit entgegen…

    Tags: ,

  • Raus aus den Schulden (RTL) 18.10.2009 Enter your password to view comments.

    This post is password protected. To view it please enter your password below:


    Tags: ,

  • Sorry, bei uns ragt die Sommerpause dieses Jahr leider etwas weit in den Herbst hinein. War halt immer noch etwas anderes zu tun, als ausgerechnet Trash-TV zu gucken. Nun aber treibt mich das nasse Wetter aus dem Garten wieder vor die Glotze und ich treffe dort einen alten Bekannten…

    Es ist Montag und da serviert uns RTL mal wieder den allseits beliebten 10-Sterne-Koch Christian Rach, der unermüdlich als Rächer der verdorbenen Mägen durch die deutschen Lande eilt. Heute schicken ihn die Drehbuchautoren nach Falkensee bei Berlin. Hier treiben Arno Müller und Horst Kremer ihr kulinarisches Unwesen in der “Kölschen Botschaft”. Sie haben sich mit ihrer tollen Idee, ein Stück rheinische Lebensart an Spree und Havel zu holen, offensichtlich etwas verkalkuliert, denn die Gäste bleiben aus und man steht kurz vor der Insolvenz.

    Rach hat diesmal die wahnsinnig originelle Idee, früher als angekündigt zu kommen. Es gibt auch tatsächlich immer noch ein paar Torfnasen, die wohl seine Sendung nicht kennen und von diesem Trick auch wirklich überrascht werden. Arno und Horst gehören augenscheinlich dazu, denn sie sind beim Eintreffen des Hamburgers gerade abgängig. So muss nun eine einsame Kellnerin des Meisters ersten Schlag einstecken, der sich traditionell gegen die Speisekarte richtet: “Champignon-Rahmschnitzel, ist das was Kölnerisches?”, fragt er mit sardonischem Grinsen und wir alle wissen natürlich die Antwort.

    Dann entdecken Rachs Argusaugen auf der Karte ein paar Speisen mit rätselhaften Kölner Namen. Wer sich einmal als Nicht-Jeck das Genöle von BAP ohne Gebärdendolmetscher angetan hat, weiß, dass man da als Normalmensch auch mit Phantasie nicht viel raten kann, was – oder ob überhaupt – das bedeutet. Tja, die Kellnerin ist nun mal leider nicht mit Rheinwasser getauft worden und bleibt die geforderte Übersetzung für die merkwürdigen Bezeichnungen schuldig. Aus dem Off lassen die Fernsehmacher hämisch den weithin gehassten Karnevalsschlager “M’r losse d’r Dom en Kölle” erklingen und Rach bestellt sich einen Speckpfannkuchen. Während er auf sein Essen wartet, doziert der Gastro-Messias in die Kamera, er fühle sich hier eher wie in der Toskana, als in Köln, das ganze Restaurant sei in sich nicht stimmig. Italien, Köln, Berlin, puh, da schwirrt dem normalblöden RTL-Zuschauer ganz schön der Kopf. Aber Rach wird die Sache schon richten, ganz sicher.

    Kurz danach, der Meisterkoch kämpft sich gerade durch seinen zähen Pfannkuchen, tauchen plötzlich und unerwartet doch noch die beiden Besitzer auf. (In diesem Moment ist gerade die Kamera auf die sich öffnende Tür gerichtet, Zufälle gibt’s!) Müller und Kremer sind nach eigener Diagnose eigentlich zwei rheinische Frohnaturen, aber angesichts der massiv ausbleibenden Gäste ist ihnen momentan nicht mehr so richtig nach Lachen zumute. Und allein kommen sie nicht dahinter, was sie verkehrt machen. Am Essen und dem Ambiente könne es nicht liegen, das fänden nämlich alle Besucher toll, behaupten sie. Als sie Rach die Höhe ihrer Schulden beichten, kriegt der einen Sentimentalen und lädt die beiden in ihrem eigenen Restaurant zum Essen ein!

    Die Gefühlsduselei ist aber schnell wieder zu Ende, denn schon beim Auftragen der bestellten Gerichte steckt Rach seinen meisterlichen Finger in den Sauerbraten und beginnt zu zetern, das sei die falsche Soße und das Fleisch sei viel zu trocken und überhaupt. Man ahnt schon, das gibt Mecker in der Küche. Aber heute Abend ist noch Schonzeit angesagt, mit einem “flauen” Gefühl entschwindet Rach in die Nacht. Der Koch sollte für morgen lieber seine schnellen Schuhe anziehen…

    Nächster Tag, die drei Protagonisten vom Vorabend treffen sich wieder in der “Kölschen Botschaft”. Rach stichelt, ob es denn wirklich so viel Terracotta gäbe in Köln, das erinnere ihn doch eher an die Toskana. Die beiden Geschäftsführer gestehen kleinlaut, dass sie die Fußböden und Vorhänge erst später eingebaut hätten, vorher sei das nämlich alles so kalt gewesen. “Ach – und seitdem brummt der Laden?”, ätzt Rach. Dann schreiten sie zur Besichtigung der restlichen Räume. Dem Hamburger entfährt dabei ein “auf Deutsch gesagt, sieht das hier Scheiße aus”. Upps!

    Und schließlich geht es in die Küche. Blöderweise kommen in diesem Moment gerade zwei Gäste und Ko-Geschäftsführer Horst Kremer muss sich unter Rachs kritischem Blick plötzlich als Koch beweisen. Da kommt erkennbar Stress auf, verständlich, zwei Gäste gleichzeitig hat man im Restaurant schließlich auch nicht jeden Tag. Gottseidank erscheint jetzt auch noch Kochlehrling Benjamin auf der Bildfläche und greift seinem Chef unter die Arme. Der hat inzwischen auch schon ganz andere Sorgen, denn gerade kam ein Brief mit der Nachricht, dass die Stadtwerke der Botschaft den Strom abstellen wollen. (Mich durchzuckt ein genialer Gedanke: Warum rufen die jetzt nicht Peter Zwegat, den 10-Sterne-Schuldenberater, der wohnt doch gleich nebenan in Berlin? Zwegat und Rach zusammen würden die Welt aus den Angeln heben, garantiert, aber dann wären die hier gezeigten Probleme ja schon bis zum ersten Werbeblock gelöst, auch nicht so gut… also vergessen wir diese Idee.)

    So geht es nicht weiter, Rach lässt sich von Arno und Horst eine Aufstellung ihrer Schulden geben (ca. 27.000 Euro) , ist entsetzt und fordert die beiden dann auf, sich ein tragfähiges Konzept und einen neuen Namen für ihren Laden zu überlegen, die “Kölsche Botschaft” sei jedenfalls tot! Leider fällt den beiden so auf die Schnelle und unter Druck nichts ein. Rach schlägt wieder die Hände vor’s Gesicht, pfeffert seine eigenen Namensvorschläge auf den Tresen und flüchtet erstmal aus dem Lokal. Trotz seiner offensichtlichen Depression ruft er ein paar Lieferanten und den Vermieter der “Botschaft” an und bittet um Stundung der diversen aufgelaufenen Forderungen. Das klappt auch tatsächlich und nun wittert man Morgenluft. Schnell ist ein neuer Name gefunden: Müller und Kremer wollen fortan unter “Müller & Kremer – Kreisbar” firmieren. Echt witzige Idee, haha!

    Nun wird der ganze Laden umgekrempelt und auch die Speisekarte muss dran glauben. Horst wird zum Probekochen der neuen Rezepte in die Küche abkommandiert, während Rach und Arno einen Bittgang zum Finanzamt machen um die Sache mit den Steuerschulden zu regeln. Das klappt und der Silberstreifen am Horizont wird heller. In der Küche fängt sogar der lt. Müller & Kremer nicht zu säubernde Herd wieder an zu glänzen und Rach kommt in Fahrt: “Den müsst Ihr ab jetzt jeden Tag sauber machen, nicht einmal im Monat, sondern jeden Tag, jeden Tag, JEDEN TAG!”.

    Der Rest der heutigen Folge verläuft absehbar: Nach einem intensiven Umbau von Lokal und Speisekarte wird der gesamte Ort zur Wiedereröffnung in die “Kreisbar” eingeladen. Die Leute stauen sich auch tatsächlich von der Eingangstür bis zum Horizont – die Erklärung dafür bleibt uns RTL allerdings schuldig. Das Fest gelingt und Rach läuft zu gewohnter Form auf, macht Horst in der Küche zur Minna und ist gleichzeitig in den Rollen Cheforganisator, Conferencier, Meisterkoch, Diktator, Motivator und Seelentröster zu sehen. Am liebsten aber brüllt er in der Küche Horst an.

    Zwei Monate später kommt Rach zurück in die “Kreisbar” und sieht nach, was von seinen Ideen hängen geblieben ist. Das ist diesmal leider auf den ersten Blick nicht allzu viel, beide Chefs sind nicht da, man sieht kaum Gäste, das wenige Personal hängt lustlos in der Gegend herum und die neue Einrichtung sieht auch schon wieder ungepflegt aus. Arno kommt aus seinem freien Tag herbeigeeilt und berichtet, dass Horst inzwischen ausgestiegen sei. Klar klar, in Freundschaft, das hätte eben nicht mehr gepasst. Rach ist ziemlich vergnatzt, er habe den beiden den Hintern gerettet und kaum sei er weg, würden sie die Segel streichen. Er lässt sich aber von Arno beruhigen, der habe alles im Griff und mache weiter, wie der Meister es befohlen habe.

    Rach verlässt die Szene und zieht ein etwas ängstlich-skeptisches Fazit, wünscht Arno aber einen langen Atem. Und offenbar ist tatsächlich bis dato alles gut gegangen, denn beim Abspann wird nicht die von mir befürchtete Hiobsbotschaft eingeblendet. Und gerade eben, wo ich dieses schreibe, finde ich die Kreisbar auch im Internet. Also Arno, halt durch und mach’s gut!

    Nachtrag (07.12.2009): Auch Horst Kremer, einer der Protagonisten dieser Folge, gehört zu unseren Lesern! Schaut Euch mal in den Kommentaren an, wie er die ganze Geschichte sieht.

    Tags: