Markus, Carsten, Herr Clausen, Berit, Willi, Tobias, Josef, Maurizio und Dieter, das sind die Protagonisten der fünften Staffel von RTLs Provinzler-Kuppelshow “Bauer sucht Frau”. Wie in den Vorjahren, so kümmert sich Inka Bause auch diesmal darum, einsame Landwirte unter dem Gejohle von Millionen Fernsehzuschauern mit mehr oder weniger passenden Partnern des anderen Geschlechts zu versorgen. Die Sendung ist ein wahres Eldorado für Freunde des Fremdschämens und deswegen taugt sie natürlich auch zum Ablästern hier bei uns im Mülltv-Blog. Aber springen wir gleich rein in die erste Folge.
Im Vorfeld hatten offenbar alle neun liebesbedürftigen Bauern einen Aufruf auf der RTL-Homepage gestartet und um Zuschriften gebettelt. Jeder darf davon zwei Bewerber zu einem sog. “Scheunenfest” einladen, das wir am Ende der heutigen Folge mit ansehen müssen. Inka klappert nun der Reihe nach die Höfe ab und überbringt in einem Korb die Bewerbungsschreiben. Bei Rinderwirt Dieter (40) holt sie sich dabei schon mal keinen Bruch, denn er bekommt ganze zwei Briefe. Der scheint aber an solche Abfuhren gewöhnt zu sein, steckt die Enttäuschung routiniert weg und muss sich jedenfalls nicht lange mit der Entscheidung quälen, wen er zum Fest mitnehmen soll.
Der “quirlige” ostfriesische Jungbauer Carsten gehört mit 23 Jahren eigentlich noch nicht zu den völlig hoffnungslosen Fällen und bekommt von Inka denn auch gleich so viele Briefe, dass ein Kumpel beim Sortieren helfen muss. Während bei Carsten ganz offensichtlich noch das Thema “Hörner abstoßen” aktuell ist (oder erst wird), sehnt sich der propere Markus (44) in der Pfalz nach einer eigenen Familie, die seine Traumfrau praktischerweise gleich fix und fertig mitbringen könnte. Auch ihm hilft ein Freund bei der Auswahl und die Kommentare beim Durchblättern der eingegangenen Briefe und Fotos hören sich an, als wollten sie ein Pferd kaufen (“schöner dunkler, natürlicher Typ”).
Pferdewirtin Berit (37) aus Meckpomm ist die erste Bäuerin in diesem Format und hat damit offensichtlich eine Marktlücke entdeckt, denn sie kriegt um die hundert Briefe. Eigentlich bekloppt, dass die Serie jetzt nicht umbenannt wird, aber das will RTL seinen einfältigen Zuschauern wohl nicht zumuten, lieber lässt man Berit laut Titel nach einer Frau suchen. Die erinnert mich übrigens spontan etwas an “Walter” aus “Hinter Gittern – der Frauenknast”. Aber es gibt ja auch innere Werte.
Im Chiemgau hat der angeblich fromme Milchbauer Josef (48) das Alleinsein mit seinen Kühen so satt, dass er dafür die öffentliche Demütigung im Fernsehen auf sich nimmt, wenn dabei nur eine Frau für ihn heraus springt. Für Josef haben die RTL-Drehbuchschreiber die Rolle des bajuwarischen Seppls vorgesehen. Er muss einen albernen Hut tragen und darf ausschließlich in seinem heimatlichen Idiom sprechen, weshalb er komplett untertitelt wird.
Der “lustige” Ziegenwirt Willi aus Hessen ist mit seinen 40 Lenzen beziehungstechnisch noch ein unbeschriebenes Blatt. Höchste Zeit, dass sich das nun ändert – vermutlich will seine mit ihm zusammen lebende Mutter endlich Enkelkinder. Seine Traumfrau sollte vor allem tierlieb sein, sagt er. Das passt gut, nebenbei ist er nämlich Hobbymetzger…
Holzbauer Maurizio (49) lebt in Baden-Württemberg, kommt aber eigentlich aus Italien, wie man sich denken kann. Seit seiner Scheidung vor zwei Jahren herrscht in puncto Frauen Ebbe und das will der selbst erklärte “emanzipierte Macho” nun schleunigst wieder ändern. Er ist ein knorriger, nun ja “origineller” Typ, der wohl eine verständnisvolle Sie braucht. Auch den “romantischen” Weinbauern Tobias (33) kotzt das Alleinsein an und er sucht auf diesem Wege eine Frau, mit der er denn auch gleich eine Familie gründen will. Er hat übrigens von allen Kandidaten die meisten Zuschriften gekriegt.
Eher in die Kategorie verschrobenes Original fällt der nächste Kandidat. Er stammt aus Nordfriesland und ist mit seinen 59 Jahren schon jenseits von Gut und Böse, deshalb wurde ihm auch das vertrauliche Duzen erlassen und er tritt in dieser Sendung schlicht als “Herr Clausen” auf. Auch seine Zuschriften sind eher originell, soweit man erkennen kann. Auf einem Bild sieht man eine in die Jahre gekommene dralle Blondine (Typ “Miss Westerland 1970″) beim Posing vor einer Fototapete mit kitschigem Sonnenuntergang am Meer. Grässlich, hoffentlich wählt er die aus…
Das sind also unsere Kandidaten. So weit, so gut. RTL ist bisher in Vorleistung gegangen und hat jedem Bauern mehr oder weniger viele Bewerber(innen) präsentiert. Nun fordert das Fernsehen von allen einen ersten Tribut, es folgen nämlich voyeuristische Einblicke in die Reisevorbereitungen für das ominöse Scheunenfest. Wir sehen, wie Mitbringsel für die Bewerberinnen gepackt werden, hier zwei hässliche Stoffkühe, die beim Umdrehen muhen, dort eine Dose mit selbst gemachter Leberwurst. Eben alles Dinge, mit denen man Frauen todsicher herumkriegt… Milchbauer Josef holt ein ledernes Reiseetui aus dem Schrank, das aussieht, als hätte es sein Opa schon im zweiten Weltkrieg dabei gehabt. Und Herr Clausen wirft sich in sein Verführer-Outfit: Großkariertes Bauernhemd mit neckischem Strohhut. Was in den 60er-Jahren funktioniert hat, kann doch jetzt nicht verkehrt sein, oder?
Eindeutiger Loser dieser Sequenz ist aber Ziegenwirt Willi, der für das Fernsehen ein Bad in Milch nehmen muss und als Nackedei, aber mit Brille, beim Einsteigen in die Wanne gefilmt wird. Auch den schmächtigen Dieter erwischt RTL bei der Körperpflege: Er geht zum Haarewaschen im Bad auf die Knie und steckt seinen Kopf in die gefüllte Badewanne. Eine wahrhaft bemerkenswerte Szene. Ihm würde eine ordnende weibliche Hand, rechts und links an die Ohren, wirklich nicht schaden…
Jetzt fahren unsere mehr oder weniger aufgebrezelten Landwirte per Planwagen zum Scheunenfest, ihren Auserwählten entgegen. Aus dem Off hört man Heino mit “Hoch auf dem gelben Wagen” und ich muss heftig lachen, denn RTL zwingt die Bande auch noch zum fröhlichen, disharmonischen Mitsingen. Kann denn die Not, keine Frau zu haben, wirklich so groß sein, dass man sich derart erniedrigen muss???
Inka eröffnet das Scheunenfest und hat sich dafür in eine bäuerliche Kluft geschmissen; ihr Rock und die Tischdecken haben übrigens das selbe rot-weiße Karomuster. Während unsere Bauern in der einen Raumecke stehen, kommen auf der anderen Seite die auserwählten Frauen und Männer herein. Aus dem Off dudelt dazu ein völlig unpassender Triumphmarsch. Nacheinander kommen die Kandidaten nun zu Inka und werden mit ihren Möchtegern-Partnern zusammengeführt. Willi steht offenbar auf barocke Frauen, scheint mit seiner Wahl für den Moment aber wohl zufrieden zu sein, hakt seine beiden Grazien unter und verschwindet gen Festsaal. Bemerkenswert ist wieder Herr Clausen, der zunächst mit ein paar Sätzen auf Plattdeutsch den Klassenkasper macht. Er hat sich Anja und Andrea ausgesucht, die ihn übrigens sofort duzen dürfen und auch vom Alter her wohl in seiner Liga spielen. Tatsächlich ist die leicht schrille, blonde Ex-Miss dabei, die in einem für sie zu kurzen Kleid auftritt. Das gibt noch was, ich ahne es…
Dieter wird von Inka für seine bunte Krawatte gelobt, außerdem preist sie ihn als meisterlichen Tänzer mit unwahrscheinlichem Durchhaltevermögen. Äh, auf der Tanzfläche, meine ich. Während er ob des Lobes rot anläuft, kommen seine beiden Hübschen, Regina und Heike. Als Regina ihm noch die Hand gibt, guckt unser Dieter schon schreckensstarr an ihr vorbei auf die gut einen halben Kopf größere Heike (Dirndl, lange schwarze Haare, Typ Schneewittchen) und macht ein Gesicht, als hätte er in Seife gebissen. Die Dame fällt klar in die Rubrik “männermordend”; Gute Nacht, Dieter. Regina hat spätestens verschissen, als sie zugibt, überhaupt nicht tanzen zu können, während Heike darin angeblich jahrelange Übung hat.
Der schüchterne Milchbauer Josef hat sich u.a. die aufgeregt kichernde Asiatin (Thailänderin?) Narumol ausgesucht. Wie die ohne Gebärdendolmetscher ihren zutiefst bayerisch parlierenden Galan verstehen soll, bleibt mir ein Rätsel. Humor braucht auch der dauergrinsende württembergische Italiener Maurizio, der u.a. eine XXL-Frau in einem azurblauen ZeltKittel abgestaubt hat.
Nun werden zwischen den Dreierpärchen Worte und Geschenke gewechselt, Carsten verteilt seine dämlichen Stoffkühe, dafür kriegt Berit von einem Verehrer ein selbst gewerkeltes Frühstücksbrettchen. Josef bekommt eigene Marmelade von Narumol, kann aber bedauerlicherweise auch in mehreren Versuchen diesen exotischen Namen nicht fehlerfrei nachsprechen. Gottseidank hat sie aber noch einen leicht verständlichen “Spritznamen” [sic!], nämlich “Miau”. Parallel textet ihn seine andere Bewerberin voll, was für ein riesiger Bauernhof-Fan sie sei und wie gern sie Trecker führe.
Weinbauer Tobias hat im Frauenversteher-Seminar der Volkshochschule gut aufgepasst und fragt so ziemlich als erstes ohne Umschweife, ob seine beiden Damen denn gut küssen könnten. Subtiler kann man eine romantische Beziehung wohl kaum anschieben… Auch Markus macht alles richtig, überreicht zwei Pakete mit selbst gebastelter Leber- und Blutwurst und dazu Gelee “für den süßen Abgang”. Lecker. Eine der Damen revanchiert sich mit einer hässlichen Puppe “als Erinnerung an Deine zukünftige Schwiegermutter”. Hä, wie jetzt?
Dieter bekommt von Heike/Schneewittchen einen Haufen Klamotten mit dem Hinweis, sein Schlabberpulli im Internet hätte so blöd ausgesehen. Seine Größe habe sie nicht gewusst (vermutlich XXS), wenn der Pulli nicht passe, dann sei das eben Pech, meint sie mütterlich, aber bestimmt. Auch Dieter bedankt sich bei seinen beiden Frauen mit einer Kuhfigur, sehr sinnig.
Maurizio macht gleich klaren Tisch: erstens könne er als Italiener aus genetischen Gründen das Flirten mit anderen Frauen nicht sein lassen, daran müsste sich seine Zukünftige eben gewöhnen, und zweitens erinnere ihn Wuchtbrumme Gertrud zu sehr an seine Ex-Frau und damit ist sie raus! Er wählt die alt-blonde “Sonnenanbeterin” Cornelia.
Auch der muntere Herr Clausen liebt das offene Wort. Er überlegt mit seinen beiden Hübschen, wo er sie denn auf seinem Hof einsetzen könne. Das Scheibenputzen ist ihm schon von selbst eingefallen, da meldet die verblühte Ex-Miss ihren Anspruch auf das Mähdrescherfahren an. Clausen tut das mit einem höhnischen Lachen ab, untersucht ihre Hand und attestiert “das sind ja die idealen Fingernägel zum Unkrautjäten”. Sie möchte ihm damit stattdessen lieber den Rücken zerkratzen und mir kommt das Essen hoch. In einer späteren Szene sind die beiden Damen allein, wähnen sich unbeobachtet und lästern über Clausen ab. Natürlich haben sie nicht ernsthaft vor, auf seinem Hof auch nur einen Finger zu krümmen, da sind sich die beiden knuddeligen Endfünfzigerinnen einig.
Zum Ende dieser Folge müssen nun alle Kandidaten entscheiden, ob sie eine oder beide Bewerber(innen) für eine Woche zu sich auf den Hof mitnehmen wollen. Maurizio hatte seinen Wonneproppen Gertrud – wie berichtet – wegen zu großer Ähnlichkeit mit seiner Ex bereits in den Wind geschossen und auch Berit entscheidet sich schon heute für ihrer Verehrer Stefan, weil der “so grob” ist, was ihr gut gefällt. Herrn Clausen tut nach seiner Turtelstunde ebenfalls “Butter bei die Fische”, lässt das blonde Gift Anja sitzen, weil sie zu viel Sexappeal habe. Der scheint das ganz recht zu sein, die Aussicht auf körperliche Arbeit hatte sie wohl doch schon etwas erschreckt. Unser Dieter ist nicht extrem stabil gebaut, für ihn sind zwei Frauen auf Mal zu viel, das erklärt die einfühlsame Inka uns Fernsehzuschauern. Dieter zögert nicht lange und nimmt natürlich Schneewittchen, die sich im bürgerlichen Leben Heike nennt.
Danach klingt die Folge mit dem gemütlichen Teil des Festes aus. Nachdem Inka bei ihrer Schlussabsage das Anzapfen eines Bierfasses völlig versemmelt, wird Live-Musik gespielt und unsere Hinterwäldler-Brigade schwingt das verkümmerte Tanzbein. Der angebliche Meistertänzer Dieter entpuppt sich als Reinkarnation von Holger Göpfert, dem DSDS-Megaspacken. Man muss sich doch wundern, wie viel Unmusikalität in so ein kleines Bäuerlein passt, denn er hüpft bis zum Ende der Gage immer schön gegen den Takt über das Parkett. Respekt!
Der italienische Testosteron-Junkie Maurizio wähnt sich im vierten Frühling und baggert – wie angedroht – alles an, was nicht bei drei auf dem Baum ist, sehr zum Verdruss seiner Cornelia. Die kriegt sich aber schnell wieder ein, denn “gegessen wird immer noch Zuhause”. Gnädigerweise entlässt RTL uns Zuschauer, als Maurizios zuerst gechaste Verehrerin, die extrem undürre Gertrud, durch eine Karaoke-Einlage ihre Warhol’schen 15 Minuten im Rampenlicht abfeiert. Man weiß nicht, was man sich zuerst zuhalten soll, Augen oder Ohren…
In der nächsten Folge wird es interessant, denn nach dem Spaß folgt der Ernst des Bauernlebens: Für eine Woche sollen die Auserwählten nämlich auf den Höfen mit anpacken. Wollen wir doch mal sehen, was von der heutigen Euphorie übrig bleibt.





