• Jau, auch wir haben es jetzt gemerkt: RTL hat beim Aufräumen ein paar leicht angestaubte Vorjahresfolgen von Rach, dem Restauranttester gefunden und versüßt uns mit den Wiederholungen den meteorologisch eher durchwachsenen Sommer. Danke, danke, danke!

    Mal wieder ist Super-Christian unterwegs in einer Mission gegen Salmonellen und schlechten Geschmack, diesmal im Hotel-Restaurant “Mühlenhof” bei Büsum. Das liegt bekanntlich an der Nordsee und für die Geografie-Nieten spielt RTL im Hintergrund sicherheitshalber auch noch den epochalen Superhit “An der Nordseeküste” von Klaus & Klaus.

    Irgendein Mitarbeiter des “Mühlenhof” hat seinen Chef verpfiffen und das Fernsehen alarmiert, mit dem Laden ginge es bergab, die Gäste blieben aus und nun solle Rach helfen (wenn erst Zwegat oder Hagen vor der Tür stehen, ist es auch wirklich zu spät…).

    Rach kommt überraschend (gäääääääähn) einen Tag früher als angekündigt und lässt sich von Namensvetter Christian Wehrmann in die Geheimnisse seines Etablissements einweihen. Wehrmann ist vom Typ Hobbysmutje, statt einer weißen Kochjacke hat er seine rundlichen Formen in ein hautenges, quietschoranges Büsum-T-Shirt gezwängt. Der äußerlich gute Eindruck (des Gebäudes!!!) verpufft sofort, als Rach drinnen in der Bar die fehlende Beleuchtung bemerkt (O-Ton Wehrmann: “Wir hatten Stromausfall.”) und auf die Frage, wann das denn passiert sei, die Antwort bekommt “ist schon ein bisschen her, aber uns fehlt das nötige Kleingeld…”.

    Schade, wäre doch lieber das Licht in der Küche kaputt, dann müssten Rach und wir Fernsehzuschauer viele schlimme Dinge nicht sehen, die man lieber ganz schnell wieder vergessen möchte. Da stapeln sich dreckige Teller und unsachgemäß gelagerte Vorräte bis zur Decke und in Sekundenschnelle hat der Hamburger Sternekoch die Situation durchschaut. Mit “das machen wir dann lieber morgen” drückt er sich aus der Küche, Wehrmann setzt nach mit “ich bin kein gelernter Koch”, was Rach quittiert mit “warum machen Sie es dann?”. Vergiss es, Wehrmann, Du hast bei Rach schon jetzt bis zur Steinzeit verschissen.

    Mit Todesverachtung – und weil das Drehbuch es so will – bestellt Rach dann tatsächlich auch noch etwas zu essen, besteht aber darauf, dass nur die Pfanne und frisches Fett benutzt werden dürfen. Offensichtlich ekelt er sich maßlos, aber seine Gier auf die RTL-Gage bleibt Sieger. Die Doppelbestellung von Steinbeißer und Schlemmerpfanne scheint jetzt auch den sternlosen Koch Wehrmann in milde Panik zu versetzen. Zurück in seiner Küche fängt er an zu werkeln und verkündet dabei in die Kamera “dem mach’ ich eine Portion, dass er platzt”. Soweit kommt es natürlich nicht, denn Schlaufuchs Rach hängt natürlich am Leben und an seinen drei eigenen Restaurants, darum isst er von beiden Tellern nur ein paar Bissen. Für das vernichtende Urteil genügt das auch und wir lernen nebenbei: Der verwöhnte Rach mag weder tiefgefrorenes Gemüse noch Fertigsoße. Er fordert von Wehrmann bis zum nächsten Tag eine schonungslose Selbstanalyse der aktuellen Zustände im “Mühlenhof” und verzieht sich – wohl zum Magenauspumpen.

    Am nächsten Tag scheint die Sonne und ein aufgeräumter Rach betritt den “Mühlenhof”. Die Überlegungen von Wehrmann und seinem mittlerweile aufgetauchten “Oberkellner” (der einzige Angestellte) haben nichts wirklich Signifikantes ergeben. Möglicherweise sei die Speisekarte nicht dazu angetan, die Leute aus Büsum hierher zu locken. Vielleicht habe das aber auch mit dem vormals schlechten Ruf der Mühle zu tun. Blablabla.

    Rach ist genervt und beginnt einen Rundgang des Schreckens durch das ganze Haus. Fast überall stapelt sich Müll (Zeitschriften im Waschbecken, ein Haufen Klappstühle neben dem Büffet), es wackeln die Lampen und Stuhllehnen, aber erst in der Küche kriegt Rach dann so richtig die Wut: Mit einem beherzten Griff in die Umpa zeigt er Wehrmann, wie er die angeblich nicht sauberer hinzukriegende Abzugshaube reinigen kann, schimpft über einen Eimer mit altem Fett (”Frittenschlotze”) und redet sich dann so langsam in Rage. Überall klebt der Dreck in den Ritzen und Kanten. Mein persönliches “Highlight” ist eine Reihe fehlender Fußbodenkacheln mitten in der Küche, wo Wehrmann offenbar seine aufgerauchten Kippen entsorgt hat.

    Als nächstes geht es nun auch noch in das zugehörige Hotel, wo ebenfalls fast alles in Unordnung ist. Das Licht geht auch hier nicht, die Rauchmelder sind von der Decke gefallen, an den Wänden schimmelt es, der Fußbodenbelag fehlt seit einem Wasserrohrbruch, die Zimmer sind nicht gemacht. Aber wenigstens hat Wehrmann für alles eine Erklärung.

    Die Besichtigung muss beendet werden, denn zwei Gäste haben sich in den “Mühlenhof” verirrt. Wehrmann kramt tatsächlich seine weiße Schürze heraus, denn nun wird gekocht und Rach darf ihm dabei über die Schulter sehen. Das wird natürlich zum Spießrutenlaufen und natürlich geht fast alles schief. Wehrmann taut (!) viel zu viel Eierstich und Fisch auf, vergisst die Pfanne für die Bratkartoffeln anzuschalten und benutzt Vorräte, die seit dem Vortag offen herumgestanden haben. Rach kriegt die Platze und spricht sein Urteil: Ein neuer Koch muss her!

    Nun geht alles zackzack: Wehrmann überarbeitet seine Speisekarte und engagiert zwei befreundete Köche, Wehrmanns Freundin putzt mit einem Hochdruckreiniger die Küche und Rach besorgt frische (!) Lebensmittel. Man plant für die kommenden Tage ein Fest im “Neuen Mühlenhof”, fährt dazu mit einem Fischkutter nach Büsum und verteilt dort Häppchen und Werbeflyer. Im Garten wird ein Streichelzoo eingerichtet, das Fernsehen macht’s möglich… (Ich frage mich, wer für die Tiere sorgt und mit welchem Geld das Futter bezahlt wird. Beim zweiten Mal Drübernachdenken wird klar, dass das nur eine Aktion für die Kamera ist und die Tiere am Abend nach dem Fest wieder abgeräumt werden. Hoffentlich landen sie nicht in der Küche!)

    So, der Festtag  ist da und eine überraschend große – vermutlich gecastete – Gästeschar fällt im “Mühlenhof” ein. Rach übernimmt in der Küche das Kommando und degradiert den bisherigen Amtsinhaber Wehrmann zum Gemüsebewacher auf Probe. Draußen sitzen die Gäste auf Bierbänken im neuen Garten und äußern sich – völlig spontan – sehr positiv zum Ambiente. Klar, sie würden alle sofort wiederkommen. Das wäre ja nun alles so schön geworden und sogar der Rasen sei gemäht! :-)

    Wir sind beim Fernsehen, am Ende wird da meist alles gut, aber diesmal haben die Drehbuchschreiber wohl zuviel am Klebstoff geschnüffelt, denn nun kommt der Schleim knüppeldick: Wehrmann hält im Garten eine Rede und dankt Rach dafür, dass er ihm permanent “in den Arsch getreten” habe. Dafür kriegt er einen dicken Blumenstraß. Als nächstes geht der vormalige Koch und neue Streichelzoobesitzer vor seiner Freundin auf die Knie und macht ihr einen Heiratsantrag, den sie auch gleich annimmt. Die umstehenden Gäste klatschen Beifall und behalten, soweit man sehen kann, ihr Essen trotzdem bei sich.

    Fünf Wochen später macht Rach den Controletti. Einer der beiden neuen Köche ist noch immer da, der alte Schlendrian aber auch: Die Spuren von dem Fest wurden im Garten nicht beseitigt, überall liegen Bänke und Sonnenschirme herum und der ungemähte Rasen ist inzwischen kniehoch gewachsen. Der neue Koch ist gefrustet, weil er keine Hilfe hat und so geht Rach am Ende mit einem flauen Gefühl davon. Sein Gefühl soll sich bestätigen: im Nachspann erfahren wir, dass Wehrmann seinen Pachtvertrag inzwischen verloren und den “Mühlenhof” verlassen hat. Tja, außer Spesen nichts gewesen, sagt man dazu wohl.

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