• DSDS (RTL) 19.04.2009

    Die wichtigste Frage, die lt. DSDS offenbar ganz Deutschland bewegt, wird schon im Intro gestellt: Ist Annemarie eine Hexe? Angeblich hat sie bei allen zurückliegenden Mottoshows immer richtig getippt, wer rausfliegt und muss deswegen mit dunklen Mächten im Bund sein. Also entweder ist Annemarie wirklich eine Hexe, hat einfach viel Glück oder kennt das Skript der ganzen Staffel…

    Heute muss jeder Kandidat wieder zwei Songs singen, diesmal unter dem Motto “Sonne und Regen”. Wie so oft, macht auch diesmal Benny Kieckhäben den Anfang. Komisch eigentlich, soviel Losglück, immer gehört er zu den ersten, das kann ja auch nur mit dem Teufel zugehen… Im Einspieler heult er sich beim Publikum über die böse Annemarie aus, die doch einfach hinter seinem Rücken über ihn getratscht hat, die alte Hexe! Trotzdem singt er mit “Walking on Sunshine” (Kathrina and the Waves) ein ausgesprochen fröhliches Lied.

    Annemaries Fluch hat Benny zwar knapp verfehlt, jedoch offensichtlich seine Kostümberater getroffen, anders ist der neongrüne Alptraum von Bermudashorts und Netzhandschuhen nicht zu erklären, mit dem er die Zuschauer malträtiert. Dieter meckert nachher über den Song und sieht Benny schon beim Kofferpacken, Nina spricht vor allem vom Neongrün und Volker gibt den Beschwichtiger und dämpft Dieters Kritik ein wenig.

    Sarah Kreuz hat nach den Texthängern vom letzten Mal Besserung geschworen. Auch sie spricht von Annemaries fiesen Machenschaften, steht aber angeblich über den Dingen: “Ich streite nicht, ich singe nur”. Sie präsentiert heute zuerst einen Regentitel, nämlich “It’s  raining Men” von den gewichtigen Weather Girls. Auf den ersten Hör ganz ordentlich, es scheint diesmal keine Texthänger zu geben. Volker findet auch heraus, warum: Sarah singt einfach so undeutlich, dass man die einzelnen Worte sowieso nicht verstehen kann, darum kann man ihr auch keinen Fehler nachweisen. Schlaue Idee! Außerdem ist Volker von Sarahs neuem Styling begeistert, wobei es ihm offenbar die knielangen, schwarzen Lackstiefel besonders angetan haben…

    Dieter ist gegen solche Einflüsse wohl schon immun, er ist nur lauwarm angetan, hat außerdem doch wieder Texthänger entdeckt und findet überhaupt, dass der ganze Song nicht zu Sarah passt. Die fragt nun zickig zurück, welcher Song denn besser gepasst hätte, Dieter weiß es nicht, wirkt dabei etwas dummbräsig und wir bekommen das schleichende Gefühl, dass für Sarah der Zug zum Superstar gerade abgefahren ist. Dieter auf offener Bühne anzupampen, ist für DSDS-Kandidaten meistens der karrieretechnische Suizid. (Habe gerade die Assoziation von einer blonden Hexe, die letzte Nacht eine Sarah nachempfundene Voodoo-Puppe mit Nadeln durchbohrt hat…)

    Nummer Drei ist Dominik Büchele. Wir erinnern uns: In der letzten Mottoshow hatte er zu Dieters Missfallen “Wire to Wire” von Razorlight gesungen, die Band hat das Cover angeblich gesehen (wer’s glaubt) und Dominik deshalb zu einem Konzert mit anschließendem Backstage-Besuch eingeladen. Zweites Thema seines Einspielers ist natürlich wieder der universale Zoff mit Annemarie, die angeblich hinter der Bühne über ihn gelästert habe, sich daran jetzt aber nicht mehr erinnern könne… Kein Wunder, dass die hinterfotzige Annemarie so gut mit der Blöd-Zeitung kann, die Masche ist irgendwie ähnlich. Langsam vermisse ich Holger, der war zwar ein Spinner, aber wenigstens harmlos.

    Mädchenschwarm Domi singt im bunten Hawaiihemd “Upside down” von Jack Johnson, also einen Gutelaunesong. Die ist dann aber bald vorbei, denn heute ist wohl nicht sein stärkster Tag (oder Annemarie hat heute Nacht mit ihren Voodoo-Puppen Überstunden gemacht). Dieter zerlegt ihn genüsslich nach Strich und Faden: “Hemd von Kick, Gesang kack, der Auftritt war gartenzwergmäßig, viel schlechter geht das nicht”, die Rest-Jury stimmt ihm inhaltlich zu, sagt es aber netter.

    Die Einspieler von Daniel Schuhmacher leiden irgendwie immer an einer gewissen Künstlichkeit. Bei der Top-7-Show musste er aus unklaren Gründen Fallschirmspringen, beim letzten Mal gab es einen Besuch im Kinderkrankenhaus. Diesmal lässt man den ausgedachten Quatsch gleich ganz weg und es geht sofort wieder um Thema Numero Uno: Annemarie, Annemarie, Annemarie. Auch Daniel hat gehört, dass das blonde Gift über ihn und Dominik gelästert hat und das nun nicht mehr wahrhaben will. Blablablabla. Wenigstens bringt er eine neue Facette ins Spiel und lästert seinerseits über Annemaries krassen Vater, der wohl bei ihrer Erziehung versagt habe. Ach Kinders, ist das schön, man kann sich zurücklehnen und gemütlich aus dem Sessel zugucken, wie sich die Leute wegen nix in die Klotten kriegen. Endlich geht es bei DSDS mal um wichtige Dinge, das ewige Gesinge ging mir sowieso schon langsam auf die Nerven! ;-)

    A propos “Gesinge”, einen Song gibt es ja auch noch: Daniel bringt von den Eurythmics “Here comes the Rain again”. Nach “Sweet Dreams” in der Top-8-Show ist das schon sein zweiter Song von dieser Gruppe; seine relativ hohe Männerstimme entspricht einfach sehr der tiefen Frauenstimme von Annie Lennox. Bei ihm versagt Annemaries Fluch glücklicherweise, er performt ganz gut, die Jury ist begeistert und das Publikum jubelt sowieso frenetisch, sobald es ihn sieht. War das vielleicht der kommende Superstar 2009? Wenn er nicht noch etwas Wesentliches vermackelt, müsste das eigentlich reichen.

    Nun kommt Annemarie Eilfeld, die Hexe, und das Publikum buht sofort. Ihr Kernsatz im Einspieler ist “Ich bin nicht zu DSDS gekommen, um neue Freunde zu finden.”. Damit macht sie sich zwar zum Kameradenschwein, ist in ihrer Einstellung aber möglicherweise professioneller oder realistischer, als ihre Mitbewerber. Wenn ich Dieter Bohlens Bücher richtig memoriere, ergibt sich da sogar eine gewisse Seelenverwandschaft (weshalb ich keinen der beiden persönlich kennen möchte).

    Annemarie steigt mit “Bailando” von Loona in den Ring, von Beginn an heftig ausgebuht und von Gegen-Sprechchören begleitet. Warum ist sie auch so ein Kotzbrocken? Musikalisch kann man ihr leider nicht viel vorwerfen, Dieter macht es aber trotzdem: Er attestiert Gefühllosigkeit, nennt sie sogar “Bitch”, was ja im Englischen nicht gerade ein Kosename ist, und das Publikum applaudiert dazu begeistert. Die Sendung hieße nicht “Deutschland sucht den Karaoke-Star”, deshalb passe ihr Gesang nicht in seine Show. Die pathologisch harmoniesüchtige Nina lobt einerseits Annemaries Mut, in Spanisch zu singen, will dann aber auch nicht bei Dieter anecken und mäkelt deshalb etwas über ihr (Annemaries) schlechtes Styling und dass sie aussähe wie Linda de Mol. Von Volker kommt dann noch ein klassisches Sowohl-als-auch-Statement.

    Nach der ersten Runde sehen wir vermutlich aus Gründen der Eigen-PR den nervigen Oliver Pocher. Er blödelt sich durch einen Einspieler mit komplett vergeigtem Vocal-Coaching, reißt ein paar Schwulenwitze auf Kosten von Benny und bändelt schließlich mit Annemarie an. Am Ende der Show droht uns sein Liveauftritt, volle Deckung!

    Runde Zwei beginnt mit Benny Kieckhäben als Pia Zadora bzw. Jermaine Jackson mit “When the Rain begins to fall”. Das Lied ist im Original schon grässlich und Benny mangelndes musikalisches Zielvermögen macht es nicht besser. Seine Performance sieht immer aus, als wenn ein Storch durch den Salat stolziert, aber die Jury ist einigermaßen gnädig. Dafür bekommen Volker und Dieter (mit Widerstand) von Benny einen Kuss auf die Stirn gedrückt und laufen dann pflichtschuldig rot an.

    Sarah Kreuz singt im zweiten Aufguss Stevie Wonders “You are the Sunshine of my Life”. Mittlerweile hat sie den strengen Zopf  aus dem ersten Durchgang wieder gelöst und ein gelbes Kleidchen übergeworfen. Passend zum swingigen Titel performt sie nur sparsam, fast sogar spärlich, und steht die ganze Zeit auf dem selben Fleck auf der Bühne. Marco Schreyl haut anschließend den Klopfer des Tages raus, bemerkt und meint das aber gar nicht so: “Stevie hätte das gefallen, wenn er es gesehen hätte.” Der Jury hat es jedenfalls auch viel besser als der erste Titel gefallen.

    “Why does it always rain on me” (Travis) fragt sich und uns Dominik Büchele. Dieser Titel passt ihm wie angegossen und macht den schwächeren Auftritt in der Hinrunde vergessen. Etwas nervig sind aber die überdimensionalen “Domi”-Transparente, die von seinen Anhängern in die Kamera gehalten werden. Die Dieters finden die Leistung zwar ok, aber möglicherweise nicht finaltauglich.

    Als nächstes singt Daniel Schuhmacher “Ain’t no Sunshine” von Bill Withers und das ist der beste Auftritt des Abends, lt. Dieter sogar der ganzen Staffel. Obwohl das musikalisch keine leichte Kost ist, sitzt buchstäblich jeder Ton und es gibt von der gesamten Jury Standing Ovations. Also, wenn Daniel diesmal nicht Superstar wird, dann weiß ich auch nicht.

    Ganz anders läuft es nun bei der bösen Annemarie Eilfeld, die den Abend mit “Purple Rain” von Prince beschließt. Die Jury bescheinigt der blonden Vielleicht-Hexe trotz technisch guter Leistung wieder “Gefühllosigkeit”; sie habe den Titel zu einer Schlager-Version gemacht. Dieter kommt fast ins Pöbeln mit “so stellt Oma Kasuppke sich Prince vor”, sie sänge wie “die Kastelruther Spatzen” oder “die Flippers” (kenne ich Gottseidank alles nicht) und das sei “eine gruselige Schlumpfversion von Purple Rain” gewesen. Annemarie solle sich mal lieber auf die Karriere als Doppelgängerin von Linda de Mol konzentrieren. Während ihre Claqueure protestieren, ahnt man, dass Dieter sie nicht wirklich mag.

    Nun kommt wieder eine Stunde gequirlter Schwachsinn für Humorlose, notdürftig als “Comedy” getarnt, danach geht es ähnlich niveaulos weiter: Aus mir nicht klar nachvollziehbaren Gründen beginnt die Ergebnissendung mit einem unterirdischen Ulk-Auftritt von Harald Schmidts ehemaliger schlechterer Hälfte Oliver Pocher. Der dilettiert sich in einer bekloppten Maskerade mit Zottelperücke durch Tokio Hotels Titel “durch den Monsun”, rennt dabei wie angestochen (oder wie Holger) über die gesamte Bühne, rutscht ungeplant aus und landet dabei gerechterweise voll auf dem Steißbein. Das hat gezwirbelt; das Jüngelchen hält sich hinterher schmerzverzerrt den Bürzel. Dieter wirkt ob der Entweihung seiner Sendung stark angesäuert, verzieht sich vorher rechtzeitig auf die Toilette und verweigert hinterher eine Einschätzung des Auftritts. Recht so!

    Nun wird es Ernst, Zeit für die Urteilsverkündung: Nach vorn müssen Annemarie, Benny und Sarah, raus fliegt dann “Paradiesvogel” Benny. Schade eigentlich, dass er ausgerechnet gegen jemanden wie Annemarie dran glauben muss. Tränenreich verabschiedet er sich ein letztes Mal im Rampenlicht von seinem Publikum in die mediale Bedeutungslosigkeit. Wollen wir mal hoffen, dass bei Top 4 Endstation für die blonde Hexe ist. Künstlerisch hat sie nichts drauf und allein der kurze Draht zur Blöd-Zeitung macht sie ja wohl noch nicht zum Superstar!

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    Posted by TV-Glotzer @ 12:49 am

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