• Wir erinnern uns an die letzten Wochen: Sechs von ihren Eltern als unerziehbar aufgegebene Terrorkids reisen zur Therapie in die USA in die Obhut von Annegret Nobel und ihrem Psychologenteam. RTL berichtet wöchentlich von den Fortschritten im Umerziehungslager und lässt uns zu Zeugen werden, wie aus biestigen Kotzbrocken ansatzweise verträgliche Menschen zu werden scheinen. In der letzten Woche traten die sechs mit ihren Eltern die Heimreise nach Deutschland an. Die heutige Folge spielt ein paar Monate später und wir begleiten Annegret auf einer Tour zu den Elternhäusern ihrer temporären Schützlinge, auf der sie den Erfolg ihrer Therapie begutachten will. RTL macht daraus eine sog. “Bottle Show”, d.h. Rückblenden aus den vorherigen Folgen nehmen einen ganz erheblichen Teil der Sendung ein.

    Als erste kommt “Terrorkrümel” Jenifer an die Reihe. Zuerst wirkt es so, als habe Annegret hier wirklich ganze Arbeit geleistet: Jeni geht zur Schule, hat sich von ihren Säuferfreunden getrennt und überhaupt wohnt das vormalige Heimkind jetzt wieder bei Muttern. Beide begrüßen Annegret überschwänglich, aber die wittert als Profi-Mackenklempnerin natürlich sofort Probleme. Um das gegenseitige Vertrauen von Mutter und Tochter auf die Probe zu stellen, besucht die Therapeutin mit den beiden fernsehgerecht einen Zirkus. Hier werden beide auf ein Trapez gesetzt und können sich jeweils nur mit Hilfe der anderen daran festhalten. Schon beim Aufsteigen platzt Krümelchen der Kragen und sie giftet ihre Mutter mit “Halt die Klappe, Mann” und “Bist du doof!” an. Die nimmt die Sache offenbar auch nicht ganz ernst und lacht nur nervös. Annegret analysiert messerscharf, dass beide Blondinen innerlich total unruhig sind, sich eher wie Geschwister als wie Mutter und Tochter benehmen und es daher bis zu einer wirklich gesunden Beziehung noch ein langer Weg ist. :-|

    Ein Haufen Rückblenden stimmt uns dann auf den nächsten Kandidaten ein, Schulschwänzer Andreas. Der besucht seine Penne mittlerweile “fast regelmäßig”. Bei genauerem Nachfragen kommt heraus, dass er in den letzten zwei Wochen genau an vier Tagen in der Schule war – eine vollständige Heilung sieht ja wohl anders aus! Das lässt Annegret natürlich nicht auf sich sitzen und beschließt, Andreas zu zeigen, welche Dinge er sich ohne Schulabschluss verbauen würde. Sie holt ihn mittags nach dem Unterricht ab, wobei er wieder so verlangsamt wirkt, als sei er als kleines Kind mal in den Topf mit Valium gefallen…  Zusammen gehen sie in ein Tonstudio und besichtigen dort die Arbeitsplätze. Hier gibt es Jobs, die den Neigungen von Andreas entsprechen, behauptet Annegret, aber dafür bräuchte man natürlich einen guten Schulabschluss. Laut Stimme aus dem Off hat Andreas das wohl dank dieses Anstoßes begriffen und er sei jetzt “auf dem Weg in eine bessere Zukunft”. Hmmm, wirkte etwas nach Gesundbeten, glaube ich nicht so ohne weiteres. :-(

    Jetzt kommen wir zum Härtefall der Gruppe, dem komasaufenden Aggressivling Kevin. Der schnauzt gleich im aktuellen Einspieler, dass er Annegret so sehr schätze wie Fußpilz. Wir erinnern uns: Die Therapeuten hatten seinen Eltern vorgeschlagen, Kevin zunächst noch in den USA zu lassen, es gäbe “noch andere Optionen”… Die Eltern ließen sich dann aber von ihrem Sohnemann einlullen bzw. einschüchtern, so dass sie ihn denn doch in die Heimat mitnahmen. Schön doof, das war nämlich ein Fehler! Kevin hat seine Outlaw-Karriere kräftig angeschoben und bekommt jetzt häufig “Fanpost” von der Staatsanwaltschaft: In den gerade drei Monaten seit Colorado wurde er schon wegen Einbruch, Diebstahl, Körperverletzung und Vandalismus verhaftet. Sein Vater grüßt von der psychiatrischen Station des Krankenhauses, nach einer erneuten Tätlichkeit von Kevin hat er nämlich einen Nervenzusammenbruch erlitten.

    Wie würde man das jetzt positiv ausdrücken? Achja, genau: Bei Kevin ist noch Luft nach oben, da gibt es viel Optimierungspotenzial. “Völlige Therapieresistenz” würde es auch treffen. Aber Annegret kennt keinen Schmerz und will Kevin trotzdem sehen. Der flieht rechtzeitig vor ihrem Eintreffen und so trifft sie nur noch seine Mutter an. Die zeigt ihr und uns wenigstens Kevins frisch renoviertes Zimmer, das er in Rekordzeit wieder in einen dreckigen Saustall zurückverwandelt hat. Mittlerweile planen die Eltern, Kevin rauszuwerfen und die weitere Erziehung dem Staat zu überlassen. Endstation Knast scheint hier vorprogrammiert. :-(

    Ex-Punkerin Crissi war in der Therapie bereits hinreichend weichgespült worden, dass man wenigstens hier ein Happy End vermuten könnte. Seit Amerika haben Eltern und Tochter jetzt eine viel bessere Beziehung, sagt die Mutter. Tja, wie man’s nimmt, jedenfalls ist Crissi inzwischen Zuhause ausgezogen und wohnt jetzt im Heim. Genau genommen wohnt sie auch dort nicht mehr, weil sie gerade weggelaufen ist. Passenderweise ruft sie genau in dem Moment bei den Eltern an, als die Kamera gerade läuft und bald darauf gibt es ein kurzes Wiedersehen mit Crissi, ihrer Mutter, Annegret und dem Fernsehteam mitten auf dem Berliner Alexanderplatz. Wenigstens will Crissi jetzt zurück ins Heim, das muss heute als Erfolg genügen. :-|

    Nummer Fünf ist Gewohnheitskiffer Moritz. Auch den hatte Annegret in Colorado umgedreht und er schwor den Drogen ab. Dort verbesserte sich auch das Verhältnis zu seinen Eltern wesentlich. Tja, auch hier hat es nicht sollen sein: Als Annegret den Hausbesuch macht, ist Moritz seit einem Tag verschwunden, hat wohl in einem Wutanfall das Elternhaus verlassen und ist jetzt bei einem Freund untergekommen. Drogen nimmt er inzwischen auch wieder! Annegrets goldener Tipp “Nachbetreuung ist übrigens sehr wichtig” kommt hier leider etwas zu spät. Wenigstens sind die Eltern kooperativ und spielen für das Fernsehen bereitwillig die Szene nach, als sie am Vortag eine vom Filius eingetretene Zimmertür entdecken. (Für GZSZ würde ihr Talent reichen!)

    Annegret zeigt den Eltern zwei Alternativen auf: Entweder geht Moritz zum Entzug in eine geschlossene Einrichtung oder er kommt nochmal zu ihr nach Colorado (Annegret muss schließlich auch mal ans Geschäft denken…). Sie besucht Moritz (natürlich mit Fernsehteam) bei seinem Kumpel und stellt ihn vor die Wahl. Ob er das alles so ganz begreift, erscheint mir zumindest fraglich, er wirkt jedenfalls etwas zugedröhnt…

    Nun kommt ein absolut konstruiert wirkender Handlungsstrang: Jeni, seine pummelige Zellengenossin aus dem Umerziehungslager, hat von Annegret getratscht bekommen, was mit Moritz los ist und nun meint sie (oder der Drehbuchautor), ihm helfen zu müssen. Mit – wohl abgelesenen – wichtigtuerischen Worten redet die 14jährige dem zwei Köpfe größeren und drei Jahre älteren Jugendlichen ins Gewissen. Danach geht der mit Annegret zu seinen Eltern zurück und entscheidet sich für die Entgiftung in einer Drogentherapieeinrichtung. Tut mir Leid für Annegret, den Auftrag hat sie leider nicht gekriegt. :-(

    Zuletzt kommt Schlägerbraut Linda. Nach dem länglichen Rückblick auf ihre Gewaltkarriere und die mäßig erfolgreiche Zeit in Colorado, wenden wir uns der Gegenwart zu: Linda kloppt und säuft zwar nicht mehr, dafür benötigt sie aber demnächst eine andere Konfektionsgröße, sie ist nämlich schwanger. Es sei so eine Art Wunschkind, murmelt sie in die Kamera. Hurra, das nenne ich konsequente Zukunftsplanung, da wächst ja dann wohl bald die nächste Generation von Schwererziehbaren heran, so werden auch Annegrets Nachfolger nicht arbeitslos! Die Stimme aus dem Off kommentiert das alles positiv “von der Schlägerin zur verantwortungsvollen Mutter – die Therapie hat Lindas Leben verändert”. Mannomann, wie naiv muss man sein, um das zu bejubeln.

    Nebenbei eine kleine Denksportaufgabe für Hobbygynäkologen: Das Kind soll schon demnächst geboren werden, Colorado ist gerade drei Monate her, also war Linda dort schon ziemlich schwanger. Hallo? Jemand zuhause bei RTL??? Kein Wunder, dass das Mädel da immer so zickig drauf war, die hätte das Programm schon rein körperlich gar nicht so ohne weiteres mitmachen dürfen.

    Annegrets Besuch trifft bei Linda nicht auf Begeisterung. “O neee, jetzt guckt die mich gleich wieder so an” sind ihre Begrüßungsworte, als die Therapeutin ins Wohnzimmer kommt. Sie dreht den Kopf weg und sieht sie während des gesamten Treffens nicht einmal an. Wir konstatieren: Auch dieser Fall ist ein Schuss in den Ofen. :-(

    Aus mir unerklärlichen Gründen schafft es Annegret, ein positives Gesamtfeedback ihrer Therapiestaffel zu ziehen. Wenn ich mal meine Emoticons aus diesem Beitrag zusammenzähle, komme ich leider nur auf 4x :-( und 2x :-| . Annegret und ihre Leute haben sich wirklich viel Mühe gegeben, aber geholfen hat es nicht übermäßig, finde ich. Mal gucken, ob wir sie in einer weitere Staffel wieder sehen, genügend Schwererziehbare müsste es eigentlich noch geben…

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    Posted by TV-Glotzer @ 1:30 am

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