“Ein Mann steht am Abgrund…”, verkündet unheilschwanger die Stimme aus dem Off. Es ist ein kalter, trüber, grauer Tag und die Kamera mit uns Zuschauern nähert sich von hinten einem mittelalten Mann mit beginnender Glatze, der in seinem braunen Wintermantel direkt am Rand eines ziemlich tiefen Tals steht. Wer noch keine Depressionen hat, bekommt sie jetzt ganz schnell und der Typ hat sie, das merkt man sofort… wird er springen?
Nein, natürlich nicht, denn das ist doch bloß der etwas reißerische Anfang der heutigen Episode von Peter Zwegats “Raus aus den Schulden”. Dabei hat Francisco Pereira allen Grund zur Verzweiflung: Seine erste Frau ist gestorben, seine Tochter ist von Geburt an schwer herzkrank, die zweite Frau ist samt den beiden jüngsten Kindern vor kurzem weggelaufen und nun hat er selbst auch noch den Job verloren. Zwischendrin hat der gute Mann auch noch haufenweise Schulden gemacht, weiß aber kaum bei wem und wie viel. Das reicht normalerweise für die Fahrkarte in die Nervenklinik, in diesem Fall ruft es aber den Erzengel der Überschuldeten auf den Plan, Peter Zwegat.
Der kommt mit seiner unvermeidlichen schwarzen Aktentasche und etwas miesepetriger Laune aus Berlin nach Dettingen an der Erms (Baden-Württemberg), wo Pereira und sein Sohn in einem Fachwerkhaus wohnen. “Lauter Ruf bis nach Berlin, hier bin ich, was kann ich für sie tun?” schnarrt Zwegat seinen üblichen Begrüßungstext im Telegrammstil herunter. Er lässt sich die traurige Geschichte der Familie berichten und inspiziert dann erstmal die Bleibe seines neuen Klienten. Der Kinofernseher im Wohnzimmer macht ihn stutzig, Schulden und so ein großes Gerät passen für Zwegat nicht zusammen. Als Pereira behauptet, der Kasten sei ein Geschenk seiner Eltern, grantelt der Berliner “Krieje ick mal die Adresse ihrer Eltern, ick brauch auch so’n jroßes Ding!”. Wie gesagt, irgendwie ist bei ihm heute stimmungsmäßig der Wurm drin. Später meckert er ungefragt über die Raumaufteilung “So, naja, der zweitgrößte Raum in der Wohnung ist der Korridor” und über Bilder an der Wand “die weinenden Kinder würde ich wegmachen”. Im Zimmer des Sohnes entlockt ihm ein Poster von Rapper 50 Cent den dürftigen Kalauer “der hätte ja noch 50 Cent zulegen können, dann wäre es wenigstens ein Euro gewesen”.
Cut, ein paar Tage später (sagt RTL) wieder in Pereiras Wohnzimmer: Zwegat hat alle verfügbaren Akten durchgearbeitet und pinselt die schöne runde Zahl “100.000 Euro” an die Flipchart, das ist nämlich die Summe der Schulden des Portugiesen. Der hat schon lange den Überblick verloren, weiß kaum, wofür und wo er welche Schulden gemacht hat und kann oder will sich nicht erinnern. Zwegat ist ziemlich angefressen und hält Pereira eine Moralpredigt.
Wenn man dem Off-Kommentar glauben will, rüttelt diese Rede Pereira so auf, dass er am nächsten Tag gleich lossprintet, nach Jobangeboten sucht und sich auch um einen Termin bei einem Psychologen bemüht. Zwegat, der aus Sorge um Pereira angeblich extra einen späteren Zug zurück nach Berlin nehmen will, ist von den Veränderungen begeistert. Jetzt müsse er “das Feuer, das wir gestern angezündet haben” aber für die ganzen sieben Jahre des Insolvenzverfahrens am Glimmen halten.
Danach geht die Geschichte schnell zuende: Pereira findet zwar keine Arbeit, aber dafür eine neue Freundin in einem anderen Ort, wohin er dann auch kurzerhand umzieht. Der Sohn bleibt in dem Haus und gründet eine Wohngemeinschaft. Beim Umzug findet Pereira blöderweise Unterlagen über drei weitere Gläubiger, was Zwegat genervt zur Kenntnis nimmt. Er selbst hat nämlich inzwischen auch noch elf neue Gläubiger gefunden und vermutet, dass das noch immer nicht das Ende vom Lied ist. Damit muss die Beantragung des Insolvenzverfahrens um ein paar Monate verschoben werden. Das gibt einen weiteren Zwegatschen Anschiss, Pereira gelobt Besserung und Zwegat trollt sich leicht kopfschüttelnd.
Keine Ahnung warum, aber bei dieser Folge werde ich mit keiner der Figuren richtig warm, nicht mal mit Zwegat selbst, der heute eine etwas misantropische Facette zeigt, Typ Meckeronkel. Vielleicht hat er ja Zahnschmerzen oder was Leute seines Alters eben so haben. Das kann er eigentlich besser!





