Entgegen dem Serientitel geht es in der heutigen Folge gar nicht um ein "neues" Leben, die beiden vorgestellten Auswandererpaare sind nämlich schon das dritte Jahr in Spanien bzw. seit 11 Jahren in Thailand. Aber egal, für die mediale Verwurstung im 45-Minuten-Format reichen die eigentlich banalen Schicksale gerade noch aus. Dabei hat man wieder schön nach dem Halb-und-halb-Prinzip gearbeitet: einem Loser wird ein Gewinner gegenübergestellt.
Der Gewinner ist ganz klar Holger, der auf der Insel Phuket mehrere Tauchschulen betreibt und in ein paar Tagen auch die Tauchkurse in einem Fünf-Sterne-Hotel übernehmen soll. Dabei geht hier und da etwas schief, die Ausrüstungen kommen erst nicht und sind dann falsch zusammengebaut, ein Tauchlehrer wird krank und es fehlen noch Möbel in der neuen Location. Gääääähn… Das Ganze ist an Dramatik nur schwer zu unterbieten und hält einen kaum wach.
Aber für die Spannung haben wir ja die Loser: Den Part übernehmen heute Norbert und Erika Meny, die vor drei Jahren aus nicht klar nachvollziehbaren Gründen ihre Jobs als Banker und Versicherungsangestellte in Deutschland gekündigt haben. Seitdem tingeln sie als Straßenkünstler durch Benidorm an der Costa Brava und leben buchstäblich von der Hand in den Mund. Die Tageseinnahmen liegen typischerweise bei 20 Euro, bei schlechtem Wetter auch weniger. Das reicht nicht mal in Spanien zum Leben und so haben Norbert und Erika jetzt eine neue Idee ausgetüftelt: Sie gründen den kleinsten bayerischen Biergarten der Welt um endlich an das große Geld heranzukommen.
Auf dem Sperrmüll haben sie einen Grill, einen Tisch und Stühle gefunden, die werden nun weiß-blau angemalt. Die aus Deutschland per Internet bestellten Würstchen kommen erst mit Verspätung und dienen damit als Cliffhanger für eine Werbepause. Später sieht man die beiden Bayern in Lederhose und Dirndl, wie sie an der Strandpromenade laut jodelnd Flyer für ihren 4-Personen-Biergarten an die verschreckten Passanten verteilen. Ein echter Moment zum Fremdschämen…
Ein weiterer solcher Moment kommt, als sie zu einem (britischen) Getränkegroßhändler gehen, bei dem sie sich vorher dick als neue Biergartenbesitzer angekündigt haben. Der Händler ahnt das Geschäft seines Lebens und hat fässerweise bayerisches Bier bereit gestellt. Sehr peinlich, wie Norbert dann kleinlaut – auf englisch – die Mickrigkeit seiner wirtschaftlichen Existenz zugeben muss und mit ganzen zwei Kisten wieder abzittert.
Am Vorabend regnet es noch und Norbert und Erika sind verzweifelt, aber am Eröffnungstag ist es trocken. Die beiden bauen ihren einzigen Tisch mit Sonnenschirm und vier Stühlen auf, drapieren alles mit bayerischen Fahnen und schalten den Verstärker ein. Dann nervt Norbert die umstehenden Spanienurlauber mit seinem Gesang "In München steht ein Hofbräuhaus", hakt sich bei allen Passanten unter, die nicht schnell genug weg sind, und nötigt sie zum Wurstessen und Weißbiertrinken.
Am Ende des Tages haben die beiden 35 Euro Umsatz gemacht und verbuchen den scheinbar als Gewinn, denn von den Kosten für Wurst, Bier und Standmiete ist keine Rede mehr. Etwas üppiger hätte es sein können, aber man schiebt das auf den doofen Standplatz. Ich tippe mal, demnächst sehen wir Peter Zwegat oder den helfenden Hagen, wenn sie per Flipchart den zwei Trachtenträgern erklären, wie sie das Geld für die Heimfahrt nach Deutschland zusammensparen können…





