Das Thema der heutigen dritten DSDS-Mottoshow heißt “Die größten Partyhits aller Zeiten” und es geht wirklich etwas mehr zur Sache, Power statt Deprimucke ist angesagt. Und weil RTL die Action auf der Bühne noch nicht reicht, hat man jetzt offenbar auch kräftig im Kandidatenhaus gezündelt. Fast alle Sternazubis bringen in ihrem Einspieler vor dem Auftritt ein Statement zur Hackerei in der letzten Woche zwischen Annemarie und Holger. Heraus kommt: Mehr Feinde hat das Blonde Gift. Holger tut den anderen Kandidaten eher leid – vermutlich wird er trotz Dieters Protegierung nicht ganz für voll genommen. Dabei ist der Mann nicht zu unterschätzen, immerhin kann er seit dieser Woche auch (etwas) schwimmen, wie wir bedauerlicherweise sehen müssen.
“Diva” Sarah Kreuz macht den Anfang. Schon im Einspieler geht sie beim Publikum auf Stimmenfang und nennt Annemarie herzlos. Die Holger-Fraktion jubelt dazu nach dem Motto “der Feind meines Feindes ist mein Freund”. Bestimmt ein schlauer Zug von Sarah, denn falls Holger mal eines Tages nicht mehr dabei sein sollte (Gott und Dieter bewahre), erbt sie vielleicht seine Fans…
Auch mit Gloria Gaynors “I will survive” macht sie alles richtig und die Jury ist rundweg begeistert… bis auf Dieter, der Sarahs mickrige Englischkenntnisse bemängelt. Aber dazu hat er seinen aktuellen Best Kumpel Bruce Darnell (“Drama, Baby”) eingeladen, der kurz den Catwalk machen darf und in den kommenden Wochen als Englischlehrer für Sarah fungieren soll. Ich vermute, dass sich Dieter durch die Verpflichtung von Bruce nur aus der Schusslinie der Gay Community manövrieren will, in die er letzte Woche durch die schwulenfeindliche Kritik an Benny gekommen war.
A propos Benny Kieckhäben, der selbsternannte Paradiesvogel kommt als nächster dran. In seinem Einspieler erklärt er erstmal seine Neutralität im Titanenkampf Annemarie gegen Holger “Isch lieb se alle – isch kann niemand hasse”. Dann werden die Ergebnisse des Fotoshootings von Benny aus der Bild-Zeitung (Dieters Leib- und Magenpostille) präsentiert. Unfreiwilllig lernen wir dann noch Marcel kennen, Bennys Entkorker und bester Freund. Passend dazu trällert Benny “What is Love” von Haddaway. Diesmal ist sogar Dieter begeistert, nichts mehr mit Transenshow und Tuntenball.
Für Babyface Daniel Schuhmacher hat sich RTL inzwischen das Attribut “Pretty Boy” überlegt. Er hat nicht nur eine neue Frisur, sondern auch ein geschicktes Händchen bei der Titelauswahl: Diesmal präsentiert er “Sweet Dreams” von den Eurythmics – wegen seiner hohen Stimme kann er den Song in derselben Lage wie Annie Lennox singen. Dieter prophezeit Daniel, dass er bei DSDS noch sehr weit kommen werde.
“Schlagerkönigin” Vanessa Neigert trifft in ihrem Einspielfilmchen zum ersten Mal seit drei Jahren ihren Vater, das gibt “Pipi in die Augen”. Anschließend versucht sie sich an einem Liedchen aus dem Neandertal des deutschen Schlagers, nämlich Gittes “Ich will ‘nen Cowboy als Mann”. Ihre Tanzperformance in grün schimmernder Wurstpelle mit Faltenrock ist ok, aber der Gesang… olala, da würde sich Gitte im Grabe umdrehen, wenn sie schon gestorben wäre… Diesmal fällt das sogar der Jury auf und Vanessa gelobt Besserung.
Pfeifkonzert zum Auftritt von Annemarie Eilfeld: Das blonde Gift hatte sich bekanntlich in der letzten Woche durch die Kritik an Dieters Liebling selbst aus dem Kreis der zivilisierten Menschheit herauskatapultiert, jetzt reicht schon die Nennung ihres Namens für lautstarke Missfallensäußerungen der Holgerianer. Sie scheint das aber zu genießen und zieht in ihrem Einspieler heute auch noch über Marc und Sarah her, die angeblich zusammen seien. Kommt mir vor wie in der fünften Klasse, passt aber zu ihrem Titel “99 Luftballons”.
Der Song geht so, aber Nena kann’s besser, sagt Gott Dieter, und der muss es wissen. Das etwas bitchige Kleid mag er auch nicht, dabei ist es doch so schön kurz, die hochhackigen Schuhe und die fehlende Achselbehaarung finden aber Anerkennung. Die Jury streitet kurz darüber, ob Buhrufe okay seien oder nicht und Bohlen formuliert wie immer das druckreife Schlusswort: “Also man darf sich darüber echt nicht wundern, wenn man sich zu Everybody’s Arschloch macht.”. (Als Annemarie die Bühne verlässt, tröstet sie Moderator Marco Schreyl charmant “Also ich glaube nicht, dass Du ein Arschloch bist”.)
Auch “Strahlemann” Marc Jentzen schlägt sich auf Holgers Seite und meckert über die böse Annemarie. Sein “Celebration” von Kool and the Gang kriegt er ungewohnt sauber rüber, macht gut Action auf der Bühne und verdient sich damit das Lob der Jury.
Und dann ist es wieder so weit, der Grund, weshalb ich sonnabends nur noch leichte Kost zu mir nehme: Holger Göpfert tritt auf. Doch vor den Angriff auf Ohren und Verdauungsorgane hat RTL diesmal noch ein besonderes Highlight gesetzt. Wer die letzte Sendung gesehen hat, ist vorgewarnt und schafft vielleicht noch den rettenden Griff zur Fernbedienung, alle anderen müssen nun Bilder sehen, die eigentlich keinem Menschen zugemutet werden sollten: Holger lernt schwimmen. Die Story beginnt damit, dass ER im weißen Bademantel und mit Dieters geschenkten Schwimmflügelchen am Beckenrand steht und irgendetwas mit seiner Schwimmlehrerin brabbelt. Gnädigerweise ist die Kamera gerade am anderen Ende des Beckens, als ER den Bademantel fallen lässt und blitzschnell die Leiter hinuntersaust ins Wasser. Bestimmt gibt es jetzt ein paar ganz böse Zuschauer, die hoffen, dass die Schwimmflügel Löcher haben!? Pfui, wie gemein! (Ich würde das nie denken, denn worüber sollte ich ohne Holger nächste Woche lästern?) Also, die Schwimmflügel sind nicht kaputt, Holger taucht wieder auf und brabbelt unverdrossen weiter. Am Ende kriegt er tatsächlich eine Bescheinigung, dass er die “Seepferdchen”-Prüfung bestanden hat – auch wenn es mehr nach See-Elefant aussieht. Ein Phänomen, denn damit kann er jetzt schon besser schwimmen als singen…
Während man angesichts der gerade gesehenen Bilder noch um Luft und Fassung ringt, beginnt die Hauptattacke auf den guten Geschmack, denn Göpfert betritt jetzt live die Arena. Heute dilletiert er schon zum zweiten Mal mit einem Queen-Titel, nämlich mit “We are the Champions”. Der arme Freddie Mercury – auch der kann sich mangels Beisetzung nicht im Grabe umdrehen, aber vermutlich küselt sich jetzt irgendwo seine Asche. Musikalisch ist das schon eine ziemliche Zumutung, aber optisch vermurkst Captain Entertainment im Smoking diese wunderschöne Hymne dann total. Seine unmotivierten Zuckungen und Drehungen wirken wie eine schlechte Kopie einer ganz miesen Parodie auf den charismatischen Queen-Sänger. Wenigstens weiß ich jetzt wieder, was ich heute zum Mittag hatte…
Die Jury steht wie gewohnt völlig unter Dieters Knute und gratuliert Holger geschlossen zum bestandenen Seepferdchen und zum heutigen Titel. Nina und Volker sollten geistige Insolvenz anmelden, ich kann mir das nur so erklären, dass Dieter ihre Gehaltsschecks zurückhält! Dazu passt auch, dass nach der nun folgenden Werbepause ganz fett Propaganda für den Dieter-Film am Sonntagabend gemacht wird. Prima, sein Haussender RTL macht den Kotau und sendet zur Prime Time einen Streifen, der wegen mangelnder Qualität nicht mal einen Kinoverleiher gefunden hat!
Das Ende markiert “Herzensbrecher” Dominik Büchele mit einer echten Überraschung: Er singt scheiße! Die Backfischhymne “Reality” von Richard Sanderson wirkt schon im Original wie eine Musik gewordene Dreifachportion Tiramisu, aber Dominik eiert und leiert zusätzlich durch dieses Stück, dass man denkt, er habe zu lange neben Holger auf der Bank gesessen. Dieter schimpft, das sei nur Hasenfuß-Musik und reiche nicht für einen Spitzenplatz. Die anderen Jurymitglieder sind wie immer natürlich auch seiner Meinung.
Diesmal gibt es zwischen der Hauptsendung und dem Ergebnis einen Boxkampf – vermutlich wird dabei mehr gelacht, als bei den unsäglichen Humorgranaten, die RTL an den vorherigen Sonnabenden an dieser Stelle sendete.
Jetzt kommt das Urteil der Zuschauer: Nach vorn müssen wie in der Vorwoche Marc, die böse Annemarie und Benny, dazu diesmal auch noch Vanessa. Raus fliegt dann am Ende Marc Jentzen. Holger ist somit bei der nächsten Show in zwei Wochen wieder dabei. Nachdem er inzwischen schon schwimmen kann, lernt er ja diesmal vielleicht fliegen… oder sogar singen?