Sternekoch Christian Rach ist ein Gewohnheitstier – diese Erkenntnis ergibt sich, wenn man ihm regelmäßig per RTL bei der Arbeit zusieht. Er zieht immer die gleiche Nummer ab: Kommt jedes Mal schon einen Tag früher als eigentlich vereinbart, so dass die pleitebedrohten Restaurantbesitzer sich pflichtschuldig überrascht geben (“Huch, heute schon?!”). Komisch nur, dass er immer von innen gefilmt wird, wie er den Schankraum das erste Mal betritt. Wenn die Wirtsleute Kamera und Licht nicht schon vorher bemerkt haben, brauchen sie wirklich Hilfe…
Dann kommt das nächste Ritual: Rach lässt sich die Karte reichen, sucht darin nach Spezialitäten der lokalen Küche, findet keine (oder zuviele) und bestellt dann einmal quer durch den Garten alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Jetzt folgt totsicher die erste Demütigung: Einer der Gänge hat Rachs meisterlichen Gaumen gekränkt, er doziert den schlimmen Befund halblaut von der Seite in die Kamera, trägt dann mit spitzen Fingern den letzten Teller in die Küche zurück und verlangt dort laut, den Verursacher der gastronomischen Ungeheuerlichkeit sprechen zu wollen.
Ein armes Wesen im weißen Kittel stammelt eine mickrige Entschuldigung und Übervater Rach lässt dieses eine Mal noch Gnade vor Recht ergehen. “Wir sehen uns dann morgen” ist seine übliche Drohung beim Verlassen des Lokals. Vor der Tür raunt er noch etwas wie “Na, da bin ich aber mal gespannt, was ich morgen vorfinde” in die Kamera und entschwindet.
Am nächsten Tag lässt sich der Meister dann den ganzen Betrieb zeigen und kommt fast immer zu demselben überraschenden Ergebnis: Der Umsatz ist so mau, weil keine Gäste da sind. Und die Gäste kommen nicht, weil die Speisekarte verwirrend groß ist, sich die Küche zuwenig auf ihre Spezialitäten konzentriert und die Räumlichkeiten nicht einladend wirken.
Diesmal heißt das Lokal “Zum Entenjakob” und hat – man glaubt es kaum - kein einziges Menü mit Ente auf der Karte. Das hat Rach denn auch gleich gemerkt und zwingt die Wirte zur Runderneuerung ihrer Speisekarte. Renoviert wird dann auch noch der Schankraum – diesmal stiftet der Meister einen Kamin und gebrauchte Bänke. Danach wird die Schürze umgebunden und es geht in die Küche. Unter den großen Augen der Köchin zieht Rach alle Register seines Könnens und man ahnt: Er ist Gott und wir sind Dreck.
Zum Schluss kommt die Bewährungsprobe, nämlich der große Abendevent als Premiere der neuen Speisekarte. Vorher bibbern alle, doch keine Angst, wie bei den Waltons geht die Story immer gut aus: Das Lokal ist voll, in der Küche dampft und brodelt es, die Kasse klingelt und die Gäste sind zufrieden (“wir kommen garantiert wieder”). Die Sonne geht strahlend unter, alle Menschen lieben sich und ganz besonders unseren Meisterkoch Christian Rach.
In einer Art Epilog guckt er – nach der letzten Werbepause – ein paar Wochen später nochmal vorbei und überprüft, ob seine Schützlinge noch immer auf dem rechten Weg sind. Klar sind sie das, wäre aber auch nicht schlimm, wenn nicht: dann würde der “Entenjakob” eben an “Hagen hilft” oder – als letzte Konsequenz – Peter Zwegat weiter gereicht.






February 24th, 2009 at 1:52 am
Na da muss ich dir aber etwas widersprechen. Es st stimmt zwar, dass in vielen Fällen die Restaurants rinr grausame Küche haben, aber z.B. im Fall der blauen Ente war die Lage einfach nur schlecht und der Rach war auch davon begeistert. Was ich ja hasse sind lethargische, inkompetente Leute, die einen wahren Juwel als Restaurant haben und nichts daraus machen. Hab mir auch einige Interviews vom Rach angeschaut, scheint ein ganz authentischer Mensch zu sein. Rach ist momentan die einzigste Serie, die ich mir im deutschen TV anschaue.
February 24th, 2009 at 1:53 am
Nachtrag: Der Rach war bei der blauen Ente vom Essen begeistert, nicht von der schlechten Lage.
February 24th, 2009 at 11:06 am
Also ich sehe mir den Rach auch gerne an, natürlich ist es im Prinzip immer der gleiche Ablauf, aber ich finde es auch immer lustig, wenn der Chef der Lokalität nicht richtig mitmacht und Rach sich darüber aufregt. Und es war ja auch schon eine Folge dabei, wo der Laden hinterher dicht gemacht hat. Es geht also nicht immer gut.
February 24th, 2009 at 8:20 pm
Rach ist definitiv die beste Sendung derzeit. Der Ablauf ist gleich – stimmt! Es gibt aber auch einen guten Grund dafür: Meist sind die Gründe für die Misere ja auch gleich. Warum also jedes mal was Neues ausdenken, wenn die klassischen Methoden funktionieren?
Fernsehen ist und bleibt Fernsehen, daher ist ein großer Teil Inszenierung, das erklärt die Innenansicht beim “ersten” Besuch. Ich mag Rach jedenfalls und so “übermenschlich” präsentiert er sich gar nicht.
February 24th, 2009 at 10:17 pm
@Nils,
Du hast natürlich Recht, der Rach ist schon gut und vor echten Experten wie ihm habe ich auch ehrlich Hochachtung. Ist nur trotzdem drollig, wie er mit immer dem gleichen Strickmuster Erfolg hat und eine ganze Sendung und Staffel füllt. Oder traurig, dass seine “Kunden” immer dieselben – scheinbar trivialen – Probleme haben, ohne von den anderen zu lernen. Macht auf jeden Fall Spaß, die Sendung zu sehen, keine Frage, sonst würde ich mir das auch nicht antun.