Die Globalisierung schreitet voran, wie man der gestrigen Folge von "Unser neues Leben" entnehmen konnte. Mal wieder wurden abwechselnd zwei Auswandererschicksale ans Licht der Weltöffentlichkeit gezerrt, die auf den ersten und zweiten Blick wenig spektakulär wirkten, aber für Otto Normalglotzer mit Sitzlähmung gerade noch annehmbar aufbereitet wurden.
Die erste Story ist eher nicht so der Bringer und spielt in den USA. Eine deutsche Auswandererin, Mitte vierzig, ehedem Verwaltungsangestellte, ist jetzt in Texas als Polizistin tätig. Aus irgend einem Grunde will sie nach Kalifornien ziehen und dort wieder Polizistin werden. Per Internet hat sie einen deutschen Auswanderer ausfindig gemacht, der dort Polizist ist und besucht ihn für ein paar Tage.
Sie fahren zusammen Streife durch die nächtlichen Problembezirke der Stadt und erzählen sich gegenseitig die gruseligsten Fälle aus ihren Revieren. Als mal ein Einsatzbefehl kommt, springt der Typ mit Taschenlampe und gezogener Wumme aus dem Auto und pirscht sich durch einen Trailerpark (sinnvollerweise unter voller Beleuchtung des Fernsehteams!). Die Frau bleibt dabei schön im Auto, denn sie hat ihre kugelsichere Weste nicht dabei.
Am nächsten Tag machen beide Schießübungen in der Wüste, wobei er gnadenlos abstinkt. Seine Hoffnung, sich demnächst für ein SWAT-Team zu bewerben, erfahren einen Dämpfer, während sich die Frau über ihn beömmelt.
Wie gesagt, das sind Dinge, die man sowieso nicht wissen wollte und jetzt auch getrost wieder vergessen kann. Wenden wir uns also dem interessanteren Fall zu, einem Pärchen aus Ostberlin, das seit drei Jahren in Paguera/Mallorca das Strandcafé "Schwarzwald" betreibt.
An einem regnerischen Tag eröffnen sie das erste Mal seit der Weihnachtspause ihr Lokal. Draußen regnet es und drinnen ist die Stimmung auch ziemlich düster: Die Lieferanten haben (mal wieder) mehrere Sachen vergessen und müssen nun telefonisch angeraunzt werden. Aus dem Off kommt dazu die hämische Bemerkung, dass die beiden auch nach drei Jahren auf der Insel noch immer kein Spanisch können! Aber man hat ja Erfahrung mit der Improvisation: Als der Lieferant bald leibhaftig vor ihnen steht, holen unsere beiden schnell den niederländischen Ladenbesitzer von nebenan, verklugfiedeln dem die Lage auf Deutsch mit heftigem Berliner Akzent, der übersetzt das im Kopf auf Holländisch und erklärt dann auf spanisch dem Lieferanten, dass die Kaffeesahne – oder was auch immer – noch fehlt.
So weit, so gut. Der Laden läuft trotz oder gerade wegen des Wetters ziemlich ordentlich und so kann man sich der nächsten Baustelle widmen: Man ist das dauernde Kuchenbacken leid, daher soll ein Bäcker eingestellt werden. Wohl angeregt durch die Casting-Schwemme im Fernsehen (oder gescriptet durch die Autoren dieser Sendung?), hat man sich dazu ein Wettbacken ausgedacht. Die zwei etwas nach Lebenskünstlern aussehenden deutschen Konditoren Lasse und Steven sollen im Keller des Café probeweise mehrere Torten produzieren; nach der Verkostung erhält der Gewinner dann einen festen Arbeitsvertrag.
Leider haben die Herren das Prozedere nicht ganz verstanden, denn sie teilen sich die Arbeit an den Torten freundschaftlich. Der eine macht die Böden, der andere später die Füllung und die Glasur. Es gibt zwar eine kleine Meinungsverschiedenheit über den richtigen Kirschwassergehalt der Schwarzwälder Kirschtorte, aber dann geht es sofort weiter. Zwischendurch kommt die Chefin mal kurz vorbei und wundert sich etwas über die kollegiale und beschwingt-lockere Art der beiden, sagt aber nichts. Auch den etwas verwaschen klingenden Hinweis auf das ausgegangene Kirschwasser überhört sie offenbar…
Zum großen Finale kommen beide Teigkünstler mit ihren Machwerken wieder an die Erdoberfläche und servieren die Kuchenstücke. Das Chefpärchen hat als Jury drei ebenfalls kräftig östelnde Bekannte hinzugebeten, die so aussehen, als ob sie öfter mal bei Esswettbewerben mitwirken. Nachdem der Geschmackstest zu keinem eindeutigen Ergebnis kommen konnte – weil beide Kandidaten an allen Torten gebastelt hatten – stand dann plötzlich doch ein Ergebnis fest: Einer der beiden hatte noch vier Wochen Kündigungsfrist und der andere war sofort frei. Weil die Stelle sofort besetzt werden sollte, war damit der Fall klar: And the Winner is Steven!