• Liebe Mülltv-Fans,

    Ihr müsst jetzt ganz tapfer sein, denn unsere Autoren haben momentan eine Blog-Pause eingelegt! Wir melden uns an dieser Stelle wieder mit neuen Beiträgen, sobald die Zeit dies zulässt, versprochen!!!

    Bis dahin noch viel Spaß beim niveaufreien Fernsehen…

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  • DSDS (RTL) 09.05.2011 3 Comments

    Liebe Fans, Freunde und Leidtragende von “Deutschland sucht den Superstar”,

    heute heißt es Abschied nehmen von Dieter Bohlen und seinem RTL-Talentschuppen, denn wir befinden uns nach 8 Casting-Sendungen, 5 Recalls und 11 Liveshows (inklusive der wiederholten Top-6-Mottoshow) endlich im Finale. Und ganz ehrlich: Ich habe die Schnauze auch bis oben hin gestrichen voll. Diese achte Staffel quälte sich und die Zuschauer in den letzten Wochen doch ziemlich lahm durch die Wochenenden, finde ich. Dieters Sammlung neuer, bösartigen Kommentare fällt diesmal für seine Verhältnisse bedenklich dünn aus, wenn auch nicht so dünn, wie das Archiv seiner guten musikalischen Einfälle… :-) Und seine Position als Chefjuror wird immer fetter, ja man hat fast den Eindruck, die gesamte Sendung wurde eigens um ihn herum konstruiert.

    König Dieter von eigenen Gnaden umgibt sich mit einem Gefolge bedeutungsloser, austauschbarer Schranzen, Prügelknaben und Hofnarren. Dazu gehören die auf ihre Funktion als Stichwortgeber reduzierten Co-Juroren, deren eigenes Urteil völlig bedeutungslos ist, ja geradezu stört und dementsprechend bei Nichtgefallen von Dieter brüsk korrigiert wird. In dieser Staffel spielt diese undankbare Rolle u.a. der teilweise hyperkritische und etwas profilneurotisch wirkende Ex-Teeniepopsänger Patrick Nuo, der gelegentlich mal mit einer eigenen, dann meist negativen Meinung herauskommt, aber dabei so gut wie immer von Oberguru Bohlen gestoppt wird. Der schätzt den Schweizer offenbar nicht besonders und lässt ihn und uns das auch kräftig spüren. Dass zwischenzeitlich auch Patricks zerbröselnde Ehe ein Thema für die Blöd-Zeitung wurde, hat ihm den Job sicherlich auch nicht einfacher gemacht. Jurorin Nummer zwei ist bei dieser Staffel die abgedankte Girlie-Band-Sängerin Fernanda Brandao. Die Mittäterschaft bei der Seichtpop-Formation Hot Banditoz, die den Soundtrack so mancher Ballermann-Besäufnisse geliefert haben dürfte, hat man ihr wohl inzwischen verziehen. Sie fiel in der aktuellen Staffel auch eher nicht durch musikalische Kompetenz auf, sondern vor allem durch die mit jeder Show knapper werdenden Kostüme, was aus Bohlens Sicht vermutlich auch der ausschlaggebende Einstellungsgrund gewesen sein dürfte. Fernanda wirkt ziemlich konfliktscheu, was dazu führt, dass sie so ziemlich jedem Auftritt etwas Positives abgewinnen kann und wenn es nur ein schickes Kostüm ist oder der Anflug eines Dance-Move. Die heutige Blöd-Zeitung vermeldet übrigens, dass sich Papa Bohlen bereits jetzt dazu entschlossen hat, für die nächste DSDS-Staffel mal wieder neue Jurystatisten zu casten. Eine “nette” Geste, so unmittelbar vor der letzten Sendung seinen “Kollegen” öffentlich den Stuhl vor die Tür zu stellen, aber so ist er, der Master of the Universe aus Tötensen. Wenigstens nimmt das Patrick und Fernanda die Unsicherheit, wann genau das unvermeidliche Feilbeil auf sie herabsausen wird, nun kommt es also bereits vor dem Staffelende.

    Bedauerlicherweise gibt es für den nervigen Selbstdarsteller Marco Schreyl, der sich bei DSDS offiziell Moderator nennt, noch keinen Abschaltzeitpunkt. Von Jahr zu Jahr hofft man, dass die Quasselstrippe endlich mal Auslandskorrespondent am Südpol wird oder wenigstens ein Schweigegelübde ablegt und ins Männerkloster geht, aber die Hoffnungen zerplatzen dann stets mit der ersten Mottoshow der Staffel. Marcos größter Auftritt ist traditionell sein berühmter Foltermonolog im Finale, wenn er die Verkündung des endgültigen Abstimmungsergebnisses unerträglich in die Länge zieht, immer noch einen unnützen Satz einschiebt, noch ein weiteres Superlativ für die überragende Bedeutung der Superstar-Entscheidung erfindet, während die Kandidaten auf der Bühne in Tränen und Schweiß baden und alle herzkranken Zuschauer nur hoffen können, dass Marco schneller ist als der Sensenmann.

    Ach ja, noch ein Wort zu den eigentlichen Hauptdarstellern, den Kandidaten. Jedes Jahr vermeldet RTL hier neue Beteiligungsrekorde, diesmal gab es im Vorfeld gar 35.000 mediengeile Möchtegernsänger, wovon mindestens 34.900 durch einen halbwegs musikalischen Freundeskreis an der Teilnahme hätten gehindert werden sollen. Aber offenbar trickst das übergroße Ego vieler Leute ihren gesunden Menschenverstand aus und lässt sie in der objektiv völlig unwahrscheinlichen Erwartung einer bevorstehenden Musikerkarriere vor der Kamera Dinge tun, die sie anschließend ihr Leben lang bereuen werden. Was haben wir nicht wieder für Knallschoten kennen gelernt, die z.B. ihre Schulausbildung abgebrochen haben, in der sicheren Erwartung, bei DSDS mindestens in den Recall zu kommen. Schlimm und extrem nervig finde ich die Spezies Mensch, die genau wegen einer möglichst spektakulären Abfuhr durch Poptitan Bohlen Jahr für Jahr immer wieder ins Casting kommt, nur um sich erneut bestätigen zu lassen, lediglich mit dem musikalische Vermögen eines Pantoffeltierchens gesegnet zu sein. Angefangen mit dem grenzdebilen Falsettsänger Menderes, ist hier mittlerweile ein ganzer Zoo von Panoptikumsfiguren entstanden, deren Erscheinen zu DSDS gehört, wie “Dinner for One” zu Silvester. Da gibt es den absolut talentfreien Scooter-Imitator Andreas Gerlich, der mit seinem ostzonal-eingefärbten “Englisch” glänzt oder den selbstverliebten, stets gewaltbereiten Ex-Friseur Cosimo, der sich nie ohne seine Bodyguards ins Studio traut und fehlendes Großhirn mit großer Fresse zu kompensieren versucht. Übrigens erwarte ich heute einen Auftritt einiger dieser DSDS-Zombies…

    Die Kandidaten, die den Recall überleben und in die Mottoshows kommen, kann man mittlerweile auch schon in mehr oder weniger enge Schubladen sortieren. Da gibt es den Typus der Femme fatale, Frauen mit vorzugsweise üppiger Oberweite, die alle im Fernsehen aufkommenden Phantasien mit freizügigen Fotosessions in der Blödzeitung befriedigen. Unter den Mitkandidaten sorgt diese Art medialer Bevorzugung natürlich immer für Spannungen und solche Kandidatinnen rafft dann oft eine zu schnelle Sättigung der Fans dahin. Diese Sorte Kandidaten hatten wir diesmal allerdings nicht dabei, soweit ich mich erinnere, im letzten Jahr war das klar Steffi Landerer und im Jahr davor Annemarie Eilfeld. Dann gibt es da den Typus Gangsta oder Möchtegern-Gangsta mit Migrationshintergrund, also Leute, die vor allem mit ihrem polizeilichen Führungszeugnis beeindrucken und mit Hilfe ihrer bereits in jungen Jahren verkorksten Biografie problemlos tränentriefende Homestories liefern. Davon hatten wir in der siebten Staffel mit Menowin Fröhlich und Mehrzad Marashi gleich zwei Exemplare im Finale und diesmal bediente Ardian Bujupi diese Schiene zum Teil. Dann gibt es da noch den Part des Stimmungssängers, den 2009 Vanessa Neigert, letztes Mal Helmut Orosz und diesmal Norman Langen übernahm und der immer dann rausfliegt, wenn Dieter Bohlen keinen Bock mehr auf Schlagermucke hat. Und den ganz jungen, etwas stillen Kleinmädchenschwarm, den spielte in Staffel 6 Dominik Büchele, im Vorjahr Marcel Pluschke und dieses Mal Sebastian Wurth. Was gibt es noch? Klar, die Balladen-Diven mit der Riesenstimme natürlich. Diesmal waren das Sarah Engels, Nina Richel und Anna-Carina Woitschack und im Jahr 2009 Sarah Kreuz. Oder den Typus Klassenclown, zu dem 2011 Pietro Lombardi gehörte, im Vorjahr Thomas Karaoglan, 2009 Benny Kieckhäben. Und schließlich fehlt noch der Freak, der todsicher nicht ins Finale kommt, aber ein wenig Würze in die DSDS-Suppe bringt: Marvin Cybulski fällt mir hier ein und 2009 Holger Göpfert, das Tier.

    Aber nun genug der Vorreden, springen wir hinein in die heutige letzte Ausgabe von DSDS in der achten Staffel. In einem länglichen Trailer sehen wir die beiden Finalisten Sarah Engels und Pieterro Lombardi, die privat ein Paar sind, wie sie sich in ihrem Kandidatenhaus angeblich böse zoffen, erst nur verbal, dann sogar physisch inklusive der Verbrennung von Garderobeninventar des jeweils anderen. Naja, das ist natürlich alles nur (schlecht) gespielt, in Wirklichkeit sind die beiden langweilig einträchtig. Wir schalten um, befinden uns nun live in der Halle und blicken in das etwas feist gewordene Gesicht von Marco Schreyl, der den Abend gewohnheitsmäßig mit einer Kolossalansage startet. Er nennt DSDS dabei “die Mutter aller Samstagabendshows”, was wohl Rudi Carrell, Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff im Grabe rotieren lassen dürfte. Fernanda Brandao und Patrick Nuo zelebrieren ihren jeweiligen Einzug als vorerst letzten Auftritt in der Öffentlichkeit, dem nach Dieters heutiger Ansage per Blödzeitung zumindest hier bei DSDS auch keine weiteren mehr folgen dürften. Fernanda kommt im knappen Kleid durch ein Spalier riesiger Fächer, sehr cool, während Patrick wie immer im jugendliche Leichtsinn auf die Bühne gerannt kommt, dabei aber diesmal ins Straucheln gerät, ungünstigerweise direkt vor der Kamera. Die RTL-Regie schaltet sofort um auf die Totale und so sieht man nicht genau, ob er wirklich auf die Nase fällt oder nicht. Jedenfalls war das eher ein nicht so gelungener letzter Auftritt. Dieter Bohlen kommt hinterher mit Jeans und Frackjacke bei dramatischer Musik und Feuerwerk ins Studio, das Publikum spendet ihm stehend Applaus.

    Nun sehen wir alle unsere verflossenen Mottoshow-Kandidaten dieser Staffel wieder; sie singen und performen zusammen den Titel “Higher” von Taio Cruz und Kylie Minogue. Dies ist eine 1:1-Wiederholung der Anfangsnummer der ersten Liveshow (Top 15). Schön zu sehen und zu hören ist dabei übrigens die stark unterschiedliche Beliebtheit der Kandidaten: bei Strophen von Ardian Bujupi oder Sebastian Wurth kreischt das Publikum, Anna-Carina Woitschack hingegen wird dagegen ohne jede akustische Regung zur Kenntnis genommen (aber wenigstens nicht ausgebuht). Die Puppenspielerin hat halt vom RTL-Drehbuch die Rolle des intriganten Luders bekommen, Pech gehabt…

    Danach erscheinen endlich die heutigen Finalisten, Pietro Lombardi und Sarah Engels. Sie singen zu einer atemberaubenden grünen Lasershow gemeinsam eine blöde Diskoversion von “Time of my Life” aus dem Heul-Film “Dirty Dancing”, wobei Pietros Strophen eher ungewöhnlich klingen, vorsichtig ausgedrückt (“… Time of my li-hi-hi-hi-ve…”). Beide kommen heute in schwarz-roten Klamotten, sie im geringelten Kleid, er im quietscheroten “Spielanzug” mit schwarzem Shirt und Basecap.

    In der ersten von drei Runden singen beide Finalisten ihren “Herzenssong”. Bei Sarah Engels ist das “How will I know” von Whitney Houston, der mir auch aufgrund ihrer Nicht-Performance eher nur durchschnittlich gefällt. Egal, Patrick Nuo, demnächst arbeitslos, hat es “gigantisch” gefallen und er säuselt etwas von Weltkarriere und “Queen of Pop”. Auch Fernanda kann sich vor Lob kaum noch auf dem Stuhl halten. Dieter lästert dann zunächst etwas über Whitneys Drogenprobleme und kann sich dann angeblich vorstellen, dass Sarah selbst “eine kleine Whitney Houston” werden könne, wobei er vermutlich nur deren musikalische Qualitäten im Auge hat.

    Pietro Lombardis Herzenssong “Dance with my Father” von Luther Vandross finde ich auch wieder… na, sagen wir: anstrengend. Das, was die Jury “Pietros Interpretation” oder kurz “Lombardisierung” nennt, könnte man auch Vermackelung nennen. Der Kandidat ist offenbar nicht in der Lage, lange Töne zu singen, eiert bei jedem Ton um die richtige Note herum und scheint seine Intonation auch gar nicht steuern zu können. Also richtig Respekt hätte ich, wenn Pietro mal einen einzigen Titel ohne seine Verschnörkelungen singen würde, nur um zu zeigen, dass er auch so etwas auch kann. Wenn er das schaffte, würde ich ihm sofort zubilligen, dass seine Eiereien wirklich eine Art Interpretation darstellen und die Klappe halten. So aber bin ich überzeugt, dass Pietro gar nicht richtig singen kann. Punkt. Jury und Publikum sind anderer Ansicht, nach Dieters lobender Kritik gibt es minutenlange “Pietro”-Sprechchöre.

    In der zweiten Runde folgen olle Kamellen: Jeder darf seinen Lieblingstitel aus der Staffel noch einmal zu Gehör bringen. Sarah Engels beginnt mit “Run” von Leona Lewis, den wir bereits aus der von RTL verpatzten Top-6-Show kennen. Der Auftritt ist allererste Sahne, hier passt einfach alles: Stimme, Musik, Kostüm, Bühnenbild, Beleuchtung. Zum Ende des Songs hin wird die Sängerin auf einer Hebebühne 5m in die Höhe gefahren und sieht dort mit ihrem von Ventilatoren durchgepusteten weißen Flatterkleid so aus, wie sich Dieter einen Engel vorstellt. Das Publikum feiert sie frenetisch und fordert lautstark eine Zugabe, zu der es aber natürlich nicht kommt. Patrick urteilt nachher, dies sei “die brutalste Nummer aller Zeiten” gewesen, was er durchaus als Lob meint. Fernanda spricht ebenfalls von ihrem “schönsten Auftritt jemals bei DSDS”, es sei einfach unfassbar. Und auch Onkel Dieter spricht von einem himmlischen Auftritt.

    Pietro Lombardis zweite Nummer ist… man kann es fast nicht mehr hören… “Qué Será, Será”, das wir damit in dieser Staffel bereits zum dritten Mal hören müssen. Das sowieso schon sehr bunte Bühnenbild wird dabei zusätzlich durch einen Haufen Kinder bevölkert, die neckisch um den singenden Swarovskisteine-Kleber herumtollen. Doris Day würde ihren 50er-Jahre-Hit in der lombardischen Version vermutlich nicht mehr erkennen, aber das Publikum und die Jury lieben die 2011er-Fassung offenbar. Dieter ergeht sich in Lobeshymnen, als er Pietros Weg vom Loser ins DSDS-Finale für die vergesslichen Zuschauer in einem Satz zusammenfasst.

    Vor der dritten und letzten Runde gibt es eine Zusammenstellung der sogenannten Staffelhöhepunkte der beiden Kandidaten. RTL versucht mit allen Mitteln, die heutige Show zu strecken, denn mit den sechs Titeln allein kann man ja schlecht zweieinhalb Stunden Sendezeit füllen. In einer eingespielten Sequenz sucht Pietro zunächst lange nach dem Begriff “Schmetterlinge” und grübelt dann ernsthaft darüber nach, ob diese zu den Vögeln gehörten oder Insekten seien. Man hört das Saalpublikum im Hintergrund lachen und prusten, aber für diese Verpeiltheit liebt man den Halbitaliener. Seine naive, weltfremde Art ist es, die mich so sehr an den unbedarften Big-Brother-Helden Zlatko erinnert, wie in der letzten Woche beschrieben. (Hier übrigens eine kleine Reiseempfehlung: Wer mal so richtig die Beine baumeln und den Verstand komplett ausschalten will, sollte nach Karlsruhe fahren. In seiner Heimatstadt seien alle so wie er, da fiele er gar nicht auf, erzählt Pietro nämlich freimütig…)

    Als Bonus-Publikumsbeglückung singen die Kandidaten nun im Duett “We’ve got tonight” von Kenny Rogers. RTL will damit wohl so subtil wie möglich auf die Romanze der beiden anspielen. Auf der Bühne erkennt man im wabernden Trockeneisnebel einen mannshohen goldenen Ring, Pietro trägt einen Zylinder (zur Adidas-Trainingsjacke!), Sarah hat noch immer ihr langes weißes Kleid an und eine weiße Tüllblume im Haar, die von Ferne die Assoziation eines Brautschleiers erlaubt. Und ich bleibe dabei: Pietro kann nicht singen, jedenfalls nicht auf Befehl. Die Jury, insbesondere Dieter, wirkt hinterher sehr ergriffen. Der Poptitan verspricht in einer emotionalen Aufwallung, er werde bei einer möglichen Hochzeit von Sarah und Pietro gern Trauzeuge sein und würde ihnen auch die Ringe bezahlen. Das ist ja ganz großes Kino, der ansonsten immer recht geizig wirkende Bohlen hat also in einem verschrumpelten Winkel seiner Seele doch noch einen Rest Romantik gefunden. Vielleicht können sich Patrick und Fernanda ja an diesem Gedanken wärmen, wenn sie am Montag in der Schlange vorm Arbeitsamt stehen…

    Und wo Dieter gerade mal in Fahrt gekommen ist, wirbt er schon jetzt für die Teilnahme an der nächsten DSDS-Staffel, bei der dann übrigens der Gewinner 500.000 Euro “bar auf die Kralle” kriegen soll. Dieser Betrag werde aber für den heutigen Gewinner oder die Gewinnerin allein durch die Plattenverkäufe auch minimal drin sein, eher mehr, meint er. Und man werde im nächsten Jahr die Altersgrenze von bisher 30 Lenzen auch nicht mehr ganz so streng sehen, zwinker, zwinker. (Und damit ergeben sich auch neue Perspektiven für Dauerkandidat Menderes, wie er sein ohne Castingreinfälle sinnentleertes Leben bis zur Rente noch füllen könnte…)

    In der letzten Runde erfolgt traditionell der musikalische Stapellauf für ein neues Werk von Dieter Bohlen. Ja, der Titan von Tötensen lässt sich alljährlich herab, seine beiden Akkorde neu durchzuquirlen und frech umetikettiert als “Siegertitel” herauszubringen. Beide Finalisten müssen das betreffende Stück einmal vorsingen und Dieter darf gerührt tun, wenn sich sein musikalischer Genius und das vermeintliche Talent des neuen Superstars hier erstmals auf der Bühne vereinen. Seine Freude hat nebenbei auch noch ganz irdische Gründe, denn die GEMA-Gebühren für das mehrmalige Absingen in der heutigen Sendung (und auch in den Wiederholungen) sowie vor allem die Einnahmen aus der daraus produzierten Single wandern samt und sonders in den eh schon prallvollen Geldspeicher von Dagobert Bohlen. Und wenn man dann auch noch an seine vermutlich ebenfalls nicht unerhebliche Gage als Juror denkt, kriegt man wirklich Tränen in den Augen.

    Onkel Dieters Titel heißt diesmal “Call my Name” und ist genau so seicht, wie ich vorher schon vermutet hatte. Die Melodie flutscht Gott sei Dank schneller wieder aus dem Ohr, als ich sie mir merken kann. Glück gehabt! Nur dass das Lied eine verdächtige Ähnlichkeit hat zu “Marchin’ on” von OneRepublik, das habe ich behalten… Sarah Engels steht dazu auf der Bühne in einem sich drehenden, mit Lichterketten umwickelten Gestell, das mich sofort an eine Qualle erinnert. Patrick und Fernanda bemühen hinterher noch einmal alle positiven Floskeln, derer sie habhaft werden können, um den gerade gesehenen Auftritt angemessen beschreiben zu können. Dieter brabbelt etwas von “Gänsehaut, volle Kanone”, welch Wunder…

    Der anschließende Auftritt von Pietro Lombardi mit demselben Lied fördert für mich keine neuen, womöglich hörenswerten Aspekte des Bohlenschen Machwerks zutage. Und auch nicht von den begrenzten musikalischen Fähigkeiten des Delinquenten. Aber um solche Kleinigkeiten, wie z.B. “Können”, geht es bei DSDS ja auch gar nicht und das offenbar ebenso unmusikalische Publikum jubelt hinterher wie bekloppt. Patrick und Fernanda verbrauchen in ihrer allerletzten Kritik in diesem Format alle noch übrig gebliebenen Lobesworte und bleiben damit als weichgespülte, gekaufte Claqueure von Bohlens Gnaden in Erinnerung, die in der nächsten Staffel leicht ersetzt werden können. Das abschließende Live-Interview von Marco mit Pietro auf offener Bühne geht wieder in die Hose. Der Kandidat versteht die einfach formulierten Fragen offenbar nicht und antwortet ziemlich verquer, sofern man ihn überhaupt verstehen kann (“Ja, ich denk’ hier, äh, keine Ahnung”).

    Nun ist alles gesagt und gesungen worden, springen wir weiter in die Ergebnisverkündung. Also, der Sieger ist… Upps, nö, zurück, so schnell geht es dann doch nicht, vorher müssen wir noch eine Prüfung der besonderen Art über uns ergehen lassen, denn Menderes Bagci tritt auf, der Lieblingsfußabstreifer von Dieter Bohlen. Er hat das Ausscheiden im Recall wohl noch nicht ganz verwunden und darf sich deshalb hier heute Abend vor den wehrlosen Zuschauern noch einmal an seinem damaligen Genickbruch-Titel “Yummy, Yummy, Yummy” von Ohio Express versündigen. Das Ergebnis seiner mehrmonatiger Überei ist zwar für die Ohren recht dürftig, jedoch entschädigt Menderes dafür Augen und Zwerchfell mit einer wilden Performance zwischen Discodance und Moon Walk in Karaoke-Qualität. Die DSDS-Tänzer bemühen sich erkennbar – aber vergeblich – mit dem Sänger im Rhythmus zu bleiben. Der läuft dann auch noch mittendrin zum Jurytisch und schüttelt Fernanda die Hand, warum auch immer. Hinterher ist die Erleichterung über das Ende des Titels im Publikum groß, es wird anerkennend geklatscht und Dieter Bohlen verpasst dem ewigen Loser dann einen fulminanten Ritterschlag: Er habe noch niemanden mit so einem Kämpferherz gesehen wie Menderes – und dafür habe er ihn lieb! Diese Stelle der Show wird sich Menderes bestimmt als Dauerschleife immer und immer wieder ansehen bis die Augen bluten. Und Mark Medlock vielleicht auch, denn entgegen der Tradition tritt Bohlens Geschöpf heute nicht mit einem neuen Sommerhit auf.

    Dann ist es endlich soweit, Doktor Fleischhauer kommt mit einem goldenen Umschlag aus der RTL-Telefonzentrale und liefert Marco Schreyl darin das Ergebnis der Zuschaueranrufe. Der genießt den Moment der Macht, etwas zu wissen, was sonst noch kein Zuschauer weiß. Er lässt die Kandidaten auf der anderen Bühnenseite Aufstellung nehmen und dann beginnt sein verbales Waterboarding. Während Marco die Sätze unerträglich in die Länge ziiiiiiieht, sterben Sarah und Pietro schwer atmend tausend Tode und vergießen vor Aufregung das eine oder andere Tränchen. Die Halle ist in dramatisches blaues Licht getaucht, im Hintergrund hört man wortlose, elektronische Chöre und vorne labert Marco und labert und labert. Er rekapituliert die DSDS-Lebensgeschichte beider Finalisten, beginnend beim Urknall des Casting über den Recall bis hin zu den Mottoshows. Und labert und labert und labert. Zwischendrin blendet man das Publikum ein. Die Angehörigen leiden mindestens so viel wie die Kandidaten und wenn das noch lange weitergeht, kann Pietro in der nächsten Woche wohl zur Beerdigung seiner Oma fahren, die sieht nämlich echt fertig aus. Und Marco labert und labert und labert. Und noch ein unnützer Satz und noch eine sprachliche Pirouette und schließlich, nach unendlichen 9 Minuten und 45 Sekunden (persönlich mitgestoppt!), rückt er mit dem Ergebnis raus: Pietro Lombardi gewinnt die Staffel mit 51,9% aller abgegebenen Stimmen!

    Meine Güte, was bin ich überrascht, das konnte man ja beim besten Willen nicht voraussehen, dass Bohlens Liebling gewinnen würde… es sei denn, man hätte in den letzten Wochen DSDS geguckt oder diesen Blog gelesen. Sofort stürzen die anderen Mottoshow-Kandidaten auf die Bühne und umarmen den restlos verdatterten neuen Superstar, dem laut RTL-Inszenierung offenbar einzigen Menschen im Universum, der das Ergebnis nicht vorher geahnt hatte. Aus dem anschließenden Interview mit Marco Schreyl wird leider nichts, weil Pietros Gehirnzellen beide streiken und die Speichererweiterung unter der Basecap muss wohl auch neu gebootet werden. Als erste “Belohnung” für den Staffelgewinn darf er nun noch einmal den Bohlenschen Siegertitel singen, der in den Online-Downloadcharts in der Stunde zwischen Mottoshow und Ergebnisblock bereits aus dem Stand auf den ersten Platz gestiegen ist. (Es macht sich schon bezahlt, dass Mama Bohlen in Oldenburg von ihrem stinkereichen Sohnemann zu Weihnachten einen Internetanschluss bekommen hat…) Sarah erscheint dazu mit einem großen Blumenstrauß auf der Bühne, Pietro legt ihr den Arm um die Schulter und gemeinsam vermitteln sie ein brechreizerregendes Gefühl großer, aber total aufgesetzter Harmonie. Dieter nickt mit dem Kopf hin und her und freut sich anscheinend auch über die jetzt hereinbrechende Penunzeflut.

    Mit den letzten Tönen des Liedes kommt der Abspann und damit geht diese Sendung und damit die ganze Staffel zu Ende. Endlich! Ich muss ehrlich sagen, das war leider einer der schwächeren DSDS-Jahrgänge – und ich habe fast alle gesehen. Keine großen Stars oder wenigstens Sternchen in Sicht, keine epischen Auseinandersetzungen zwischen den Kandidaten oder mit Dieter, dafür viel Langeweile und ein seit Monaten vorhersagbares Ergebnis mit einem musikalisch sehr schwachen Sieger. Und ein Chefjuror, der aus seiner Befangenheit und Voreingenommenheit für einzelne Kandidaten keinen Hehl macht und auch nicht aus seiner Missbilligung von abweichenden Meinungen anderer Jury-”Kollegen”. DSDS als One-Man-Personality-Show eines professionellen Casting-Show-Richters (bald kommt wieder “Deutschland sucht das Supertalent”), das macht auf die Dauer keinen Spaß!

    So, damit ist jetzt auch dieser überlange Beitrag am Ende angelangt. Ich wünsche Euch allen einen schönen Sommer und vielleicht liest man sich hier ja mal wieder!

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  • DSDS (RTL) 01.05.2011 No Comments

    Schöne Walpurgisnacht gehabt zu haben, liebe Hexen unter den DSDS-Fans,

    falls Ihr Euch heute tatsächlich auf den Besen geschwungen und eine nächtliche Reise zum Blocksberg im Harz unternommen haben solltet, dann war das eine gute Wahl, denn vom Halbfinale von “Deutschland sucht den Superstar” kann man diesmal nur wenig interessantes berichten. Vielleicht ist das auch kein Wunder, denn die ganze DSDS-Maschine läuft schon seit Beginn der Mottoshows bestens geölt nach dem altbekannten Muster. Hier ein Skandälchen in der Blöd-Zeitung, dort ein kleiner Aufreger wegen angeblich versehentlich falsch eingeblendeter Anrufnummern, Ekstase mit Verletzten bei der Autogrammstunde, Antipathien und Liebeleien unter den Kandidaten, auf der Bühne Bewegungsmuffel in Leichenstarre, Leute mit pathologischem Zappeldrang und schlimme Textvergesser, im Publikum peinliche Freunde und Verwandte und stolze Omas, eine ungerechte Jury aus Dieter Bohlen und zwei austauschbaren Laienrichtern ohne relevante Meinung, Dieter hingegen hat und bevorzugt völlig ungeniert seine Lieblinge, als Moderator fungiert ein nerviger Wichtigtuer mit chronischem Sprechdurchfall, der eigentlich gar nichts zu sagen hat, es aber immer noch nicht merkt, usw. usf., halt das übliche Programm.

    Kennst Du eine Staffel, kennst Du alle. Das Schlimme ist: am Ende kommt immer das selbe dabei heraus, nämlich KEIN Superstar, sondern nur ein naiver Gewinner mit bemitleidenswert großen Hoffnungen auf eine echte Karriere im Musikbusiness, die in den Wochen nach dem Finale als heiße Luft verpuffen. Wenn der oder die Staffelgewinner(in) ganz viel Glück hat, springt dabei eine kurzzeitige Top-Platzierung des Siegertitels heraus, danach geht’s abwärts und wir sehen uns wieder in der großen RTL-Recyclinganlage, wo die abgenudelten Beinahestars dann für Sekunden als Stichwortgeber unten links in der Bildschirmecke bei der “ultimativen Chartshow” (schon der Titel dieser Serie ist ein Widerspruch in sich) erscheinen und bei den Zuschauern ein kurzes Grübeln nach dem Motto “war das nicht…?” hervorrufen.

    Okay, okay, für Mark Medlock gilt das offensichtlich nur teilweise. Der hat seine Seele vor einigen Jahren an den Teufel aus Tötensen verkauft und muss seitdem als Untoter in jedem Jahr beim DSDS-Finale auftreten und einen von Dieter Bohlen selbst verfassten Aufguss aller beiden ihm bekannten Akkorde als Sommerhit-Persiflage vortragen. Den Medlock sehen wir nächste Woche bestimmt auch wieder, hört auf meine Worte…

    Normalerweise wäre heute das Finale dieser Staffel gewesen, aber Papa Bohlen bekam vor einigen Wochen beim Blättern in der Programmzeitung wohl gehöriges Fracksausen, denn da sah er doch plötzlich nebenan in der Spalte “ZDF” die Ankündigung der letzten regulären Ausgabe von “Wetten, dass…?” mit Thomas Gottschalk auf dem Festland. (Eine allerletzte Ausgabe folgt noch im Sommer irgendwo auf einer der Deutschen liebsten Insel.) Auch wenn ich persönlich nicht glaube, dass Menschen, die sich ernsthaft für Typen wie Pietro oder Ardian begeistern, wegen der Abdankung eines 60jährigen Show-Mummelgreises mit Frisöraversionen auf den Gerontenkanal wechseln, so wollte Onkel Dieter vermutlich trotzdem auf Nummer Sicher gehen. Man inszenierte deshalb bekanntlich bei der Top-6-Show die Nummernverwechslung und wiederholte dann den ganzen Quatsch mit allen Protagonisten eine Woche später, womit sich alle nachfolgenden Shows um eine Woche verschoben.

    Heute nun also ist der Kreis der Superstar-Aspiranten auf drei zusammengeschrumpelt. Noch im Rennen sind Pietro Lombardi, ein leicht debiler Hallodri, der beweist, dass man auch mit einem zweistelligen IQ noch gut drauf sein kann, Ardian Bujupi, der trotz seiner sorgfältig kultivierten Macho-Allüren nicht müde wird, sich gleichzeitig als Frauenversteher aufzuplustern und dessen überheblich-stolzes Gehabe bei einem möglichen Finalsieg ich mir schon jetzt bildlich vorstellen kann. Und dann gibt es noch Sarah Engels, die bereits ausgeschieden war, aber wie Phönix aus der Asche zwei Wochen später zu DSDS zurückkehrte und seitdem offenbar unverwundbar jede Mottoshow verdient überlebt hat.

    Normalerweise ist für jeden mit der Bravo einigermaßen Vertrauten klar, dass Pietro diese Staffel gewinnen wird, denn seine Anhängerschaft ist einerseits schon im wahlfähigen Alter (äh, ich meine natürlich die Bedienung eines Handy, keine politische Wahl), darf aber andererseits Samstagabend noch nicht allein auf die Piste. Da bleibt ja nur noch das Anhimmeln von Jungs aus der Ferne per Telefon. Aber, so hat jetzt die Blöd-Zeitung spitzfindig verkündet, die Anhängerschaft des in der letzten Woche (ziemlich beleidigt) ausgeschiedenen DSDS-Opas Marco Angelini (26 Jahre!!!) bestehe wohl überwiegend aus jungen Frauen oberhalb des Teeniealters und suche nun nach einem neuen Star. Da böte sich vermutlich eher der (aber nur etwas) reifer wirkende Ardian an, als der niedlich-schusselige Teletubbie Pietro. Und außerdem spreche gegen den notorischen Basecap-Träger, dass er und Sarah sich in der letzten Woche als Liebespaar geoutet hätten, was ja naturgemäß alle schwärmerisch veranlagten Fans vor den Kopf schlagen dürfe. Und so könne es sein, dass sich die Waage heute zugunsten des Kosovo-Deutschen senke, sagt das Hamburger Intelligenzblatt mit den großen Buchstaben und der vielen Farbe. Mal sehen, ob diese Rechnung aufgeht.

    Marco Schreyl stellt wie immer das Jury-Team vor, als werde er nach Dezibel bezahlt. “Fernanda Brandao“, brüllt er, “die hauseigene Sexbombe”. Die so Angekündigte erscheint – wie immer – mit einem noch knapperen Kleid als in der letzten Show, mal sehen, wann der Rocksaum oberhalb des Bauchnabels landet… Patrick Nuo kommt – ebenfalls wie immer – laufend auf die Bühne und klatscht Marco mit High five ab, wohl um seine überbordende, jugendliche Vitalität unter Beweis zu stellen, dabei geht er auch schon langsam auf die 30 zu, der Gute. Für Dieter Bohlen, den RTL-Übermenschen, bricht die bisherige Musik ab, die Beleuchtung wechselt auf dunkelblau und der Poptitan marschiert durch ein Spalier roter Bengalfackeln in die Halle. Gemessen an diesem Tammtamm, erscheint das altbackene schwarz-weiß-karierte Sakko ein paar Nummern zu profan für einen Superhelden seines Kalibers, aber das ist ihm vermutlich total Wurscht, denn wo er ist, da ist oben und was er tut, das ist wohlgetan.

    Mit David Guettas “When Love takes over” erscheinen nun endlich die drei Hauptakteure des heutigen Abends auf der Bildfläche. In einem wahren Gewitter grüner Laserstrahlen werden sie in Kästen auf die Bühne herabgelassen und trällern dabei ihr Liedchen. Das Publikum verzeiht seinem Liebling Pietro dabei auch einige schräge Töne. Übrigens habe ich nicht mitgekriegt, ob und wenn welches Motto die heutige Show hat, ist aber eigentlich auch egal.

    Ardian Bujupi macht diesmal den Anfang und singt die Fußballhymne “Wavin’ Flag” von K’naan, wobei die RTL-Regie wieder ein optisch sehr beeindruckendes buntes Bühnenbild liefert, in dem die DSDS-Tänzer dann auch noch bunte Fahnen schwenken dürfen. Die Jury ist zufrieden und verrät dann auch noch, dass der Kandidat gerade in dieser Woche seinen 20. Geburtstag feierte, worauf die Halle – natürlich völlig spontan – “Happy Birthday” anstimmt.

    Nummer Zwei ist Sarah Engels. Sie bringt heute mit “Lady Marmalade” von Labelle (und diversen Cover-Künstlerinnen) einen textlich nicht ganz jugendfreien Knaller aus den 70ern. Passend dazu trägt sie ein kurzes rotes Kleid und auch die gesamte Bühne ist in rotes Licht getaucht. Der Auftritt läuft grandios, die Jury lobt hinterher besonders ihren Gesang, vermisst aber mal wieder ein paar Bewegungen. Dieter macht ihr dann jedoch ein ganz ungewohntes Kompliment: “Das hatte Niveau und Du hast das toll verkauft.”

    Als Dritter betritt Pietro Lombardi die Bühne. Auch wenn er das zu Beginn ausdrücklich vermeiden wollte, so ist er mittlerweile doch der erklärte DSDS-Clown, den kein Zuschauer wirklich Ernst nimmt. Heute beginnt er mit Elton Johns König-der-Löwen-Titel “Can you feel the Love tonight”, den wir von ihm übrigens schon aus dem Recall kennen. Tja, wenn ich ehrlich bin, verhunzt er den Song nach Strich und Faden, kaum ein Ton ist in Höhe und Länge wirklich richtig und sein Englisch bemerkenswert schlecht, aber was macht das schon, solange dies von Bohlen & Co. als Ausdruck künstlerischer Interpretation betrachtet wird. Patrick Nuo bemerkt die technischen Probleme in seiner Kritik und wird dafür vom Publikum gnadenlos ausgebuht. Dieter Bohlen dreht das dann unter dem großen Jubel des Saalpöbels genau um, bezweifelt gar, dass er und Patrick überhaupt dieselbe Show sähen. Die darauf folgenden zustimmenden Sprechchöre dauern mehrere Minuten und lassen betrübliche Rückschlüsse über den Geisteszustand der Anwesenden und erhebliche Zweifel bezüglich einer Verlängerung von Patricks Vertrag für die nächste Staffel aufkommen.

    Vor dem nächsten Block sehen wir in einem Einspieler, wie Ardian und Marco in der letzten Woche mit einem Kunstflieger zusammen einen Flug absolvieren. Genauer gesagt, ist der bei Marco bereits auf der Startbahn zuende, denn der Pizzabäcker schreit beim ersten Gasgeben schon panisch “Stopp, stopp!!!” und der Pilot bricht daraufhin tatsächlich den Start ab. Buttermemme! Ardian ist natürlich ein cooler Macker (“isch liebe Risiko!”) und zeigt sich seinen weiblichen Fans als ganzer Mann, den auch so ein rasanter Kunstflug nicht wirklich aus der Ruhe bringt. Naja, wer weiß, den Füllstand seiner Kotztüte bzw. Unterhose zeigt uns RTL jedenfalls nicht… Später im Studio ist Joel, einer der megacoolen Gang-Kumpel von Ardian, zum Interview da und zeigt Marco Schreyl stolz wie Oskar seine schicke Sonnenbrille, über die er sich ganz offensichtlich definiert. Ich habe ein Déjà-vu, in der letzten Woche kam doch schon so ein kurz- bis gar-nicht-haariger Typ und laberte nur über seine verspiegelte Sehhilfe, haben die Bujupi-Blutsbrüder denn alle ‘ne Brillenmacke???

    Nachdem nun also dem Ego von Ardian Bujupi ausführlich gehuldigt wurde, singt er den Titel “Loving you is killing me” von Aloe Blacc. Okay, der Auftritt ist ganz passabel, sowohl stimmlich, als auch von der Performance her. Ardian hat musikalisch wirklich was drauf, auch wenn mich die vielen anderen Facetten seiner Persönlichkeit eher abstoßen, aber ich muss ja schließlich nicht für ihn anrufen. Patrick und Fernanda sind von dem Auftritt begeistert, Dieter sieht das aber mal wieder anders, der Titel habe gut angefangen, sei später im Abgang aber langweilig geworden, urteilt der Überexperte.

    Auch Sarah Engels hatte in der letzten Woche ein spannendes Erlebnis, sie durfte nämlich beim Eishockeyspiel Deutschland gegen Weißrussland vor gefühlt 100 Milliarden Menschen live die Nationalhymne singen. Schadenfroh erinnern wir uns an das Fiasko ihrer Namensschwester Sarah Connor (“Brüh’ im Lichte dieses Glückes”) und registrieren deshalb anerkennend und ein klein wenig enttäuscht, wie souverän und ohne jegliche Textpatzer “unsere” Sarah heute ihren Job erledigt. Dafür, dass Deutschland das Spiel hinterher verlor, kann sie wohl nichts… Wieder im Hier und Jetzt singt Sarah “One Day in your Life” von Anastacia, wieder völlig ohne Fehl und Tadel, Respekt! Die Jury ist des Lobes voll; vielleicht sollten wir uns schon mal langsam an den Gedanken gewöhnen, dass Sarah uns auch im Finale erhalten bleibt – welches sie dann selbstredend gegen Pietro verlieren wird.

    Bevor Pietro Lombardi seinen zweiten Titel “Wenn das Liebe ist” (von Glashaus) singt, dürfen wir ihm in einem Film beim Besuch auf einem Männerspielplatz zusehen. Der Pizzabäcker und Glassteinchenkleber darf ‘ne Runde im Bagger fahren, weil das ja angeblich der Traum aller kleinen Jungen sei. Nö, stimmt gar nicht, er habe immer Fußballer werden wollen, berichtigt der Kandidat. Trotzdem steigt er ein und bewegt unter fortwährendem Gejohle die Schaufel seines Arbeitsgeräts. Danach ist Quad-Fahren angesagt, wobei Pietro erneut viele Nebengeräusche produziert, allerdings versteht man meist nicht, was er so nuschelt und brabbelt. Ganz schön mutig übrigens von RTL, dass sie ihn hier heute trotz seiner gerade erst verheilten Fußverletzung durchjagen, aber Kommerz ist alles und da hat sich die Gesundheit im Zweifelsfall unterzuordnen. Den zweiten Titel performt der Kandidat in einer klebrig warm aussehenden Jacke aus durchsichtigem Plastikmaterial, die im Laufe des Titels ekelig beschlägt. Und in seinen ebenfalls durchsichtigen Schuhe schwappt am Ende buchstäblich und ungelogen der Schweiß! Es ist eine sehr langsame, beinahe depressive Ballade, die nicht so recht zum Clown-Image passt. Patrick bescheinigt ihm hinterher viel Gefühl, Fernanda ist sowieso immer mit allem zufrieden und Onkel Dieter hat bei Pietro nur noch blinde Flecken.

    Der dritte Durchgang startet wieder mit Ardian Bujupi. Sein letzter Titel heute ist Michael Bublés Gute-Laune-Song “Feeling good”. Er bringt ihn zwar etwas atemlos, aber dennoch souverän rüber. Ardian beherrscht seine Stimme und ist dem Kollegen Pietro damit um Lichtjahre voraus, denn er ist gut, wo der andere nur niedlich oder lustig ist. Die Jury überschlägt sich vor Begeisterung. Dieter Bohlen: “Ich habe mich bei diesem Titel nicht gut gefühlt…” [Schrecksekunde] “…, sondern fantastisch! Das war sensationell!!!”

    Sarah Engels letzter Auftritt kommt mit der Ballade “Beautiful” von Christina Aguilera. Wieder brilliert sie mit ihrer glockenklaren Stimme, ist völlig sicher in den Höhen und reißt Publikum und Jury gleichermaßen zu Beifall hin. Also, wenn die heute nicht ins Finale kommt… dann haben wohl zu viele Fans zu Gottschalk rübergezappt. Nach dem positiven Urteil verdrückt sie vor Rührung ein, zwei Tränchen an der Seite von Marco Schreyl – gerade als sie ihm und uns berichtet, dass sie jetzt alles viel leichter nehme, als vor ihrem ersten Rauswurf. Geschicktes Timing, weinende Frauen kommen beim Publikum natürlich gut an…

    Pietro Lombardi hat sich für seinen letzten Auftritt in ein rot-weiß-gestreiftes Eisverkäuferkostüm mit Strohhut geworfen und memoriert auf der Kandidatencouch vermutlich intern nochmal den Text, als ihm der Moderator plötzlich das Mikrofon unter die Nase hält. Als Marco Schreyl ihn nach dem Namen seines gleich folgenden Titels fragt, kriegt Pietro die Antwort wie immer nur gerade so eben hin, wirkt dabei total verträumt oder verwirrt und macht keinesfalls den Eindruck völliger Orientiertheit. Der seit einigen Mottoshows etablierte Running Gag, dass Pietro die Werbung ansagt, klappt auch erst im dritten Anlauf, obwohl er buchstäblich nur das Zwei-Silben-Wort “Werbung” fehlerfrei aufsagen muss.

    Überhaupt erinnert er mich in seiner Naivität und Unbedarftheit sehr an Zlatko, den prollig-verpeilten Helden der ersten Big-Brother-Staffel aus dem Jahr 2000. Der hatte keine Ahnung von irgend etwas, lebte nur für den Augenblick und vor allem hatte er leider auch keine Scheu, seine Beschränktheit öffentlich zu machen. Im Gegenteil, das ungläubige Entsetzen seiner Umwelt schien er sogar zu genießen. Seine Unkenntnis von Shakespeare (hatte den Namen wohl noch nie gehört) machte damals schon lange vor der ersten PISA-Studie jedem Zuschauer klar, dass es beim deutschen Bildungssystem noch Optimierungspotenzial gibt, um das mal freundlich auszudrücken. Aber die Zuschauer mochten das seinerzeit, endlich war da mal einer noch blöder, als sie selbst, der seine Unbildung hoffähig und auch noch zu Geld machte. Eine Welle der Sympathie schwappte durch die Medienwelt, ein Aufatmen aller, die bis dato versucht hatten, ihre Ignoranz zu verbergen. Deren Idol Zlatko hatte sogar einen Top-10-Hit, obwohl er für jeden hörbar nicht singen konnte. Erst bei dem Versuch, einen Film zu produzieren, der dann hinterher wegen des ebenfalls fehlenden Schauspieltalents nicht veröffentlicht werden konnte, begann Zlatkos Stern zu sinken. Sein Waterloo hatte er dann übrigens beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2001, als er zu Recht von der Bühne gebuht wurde und sich mit “Ihr Fotzköppe” pöbelnd, aber authentisch, von der Öffentlichkeit verabschiedete.

    Nun zurück zum DSDS-Halbfinale: Pietro singt “Mambo No. 5″ von Lou Bega, einen belanglosen, in intellektueller Hinsicht unverdächtigen Titel. Seine Fans bejubeln den Auftritt hinterher frenetisch, dabei gäbe es objektiv nicht mehr Positives zu sagen, als dass Pietro den gesamten Text behalten hat und während des Gesangs nicht von der Bühne gepurzelt ist. Wie schon öfters bemerkt, gelten für ihn hier spezielle Regeln: Er könnte auch einfach auf den Fingern pfeifen, das Ergebnis beim Publikum wäre das selbe. Und auch bei der Jury, denn Dieter hat hinter den Kulissen vermutlich jedem einen schmerzvollen Tod angedroht, der seinem Pietro etwas tut. Marco fragt den Kandidaten hinterher noch, was sich durch DSDS bei ihm verändert habe, aber leider ist die Fragestellung zu komplex, als dass Herr Lombardi darauf etwas für Außenstehende Verständliches äußern könnte. Hier meine Mitschrift seiner epochalen, zlatkoesken Antwort: “Ich habe ein bisschen … Dings… also, wer mein Casting gesehen hat… also bisschen… also die Stimme ist bisschen gebessert hat.” Kein Kommentar.

    So, Schnellvorlauf durch die Comedy-Stunde und vorbei an der XXXL-Cindy gehen wir direkt in die Urteilsverkündung. Fernanda ahnt auf Marcos hartnäckiges Befragen, dass wir diesmal ein Liebes-Pärchen oder ein Freundespaar im Finale haben werden. Tolle Vorhersage, die Frau sollte Lotto spielen… Und sie behält tatsächlich Recht, denn zuerst kommt Sarah ins Finale und dann, nachdem die Feuerwehr ihre Freudentränen von der Bühne gepumpt hat, ihr derzeitiger Freund Pietro. Und damit fliegt heute im Halbfinale Ardian Bujupi aus dem Wettbewerb. So kurz vor Schluss hat es für den charmanten Chauvi doch nicht ganz gereicht gegen den Fleisch gewordenen Bubblegum Pietro.

    Dann also bis zum großen Pärchen-Finale – und wir alle wissen ja schon, wer gewinnen wird, nicht wahr? :-)

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  • DSDS (RTL) 26.04.2011 1 Comment

    Frohe Ostern, liebe DSDS-Fans,

    vorweg: wegen der Osterfeiertage habe ich leider nicht ganz so viel Zeit und werde mich deshalb heute etwas kürzer fassen, als Ihr es sonst gewöhnt seid. Aber nur etwas.

    Von Feiertagsruhe ist bei “Deutschland sucht den Superstar” nichts zu spüren, nicht einmal Marco Schreyl hat heute frei – leider. Heute geht es um das Motto “Rock, Pop, Diskofieber”, wobei jeder der verbliebenen vier Kandidaten wieder drei Titel vortragen wird. Aber zuvor läuft noch das allwöchentliche Ritual der Selbstbeweihräucherung ab: Die Willkommenszeremonie für die Jury wird so langsam richtig langweilig. Fernanda Brandao will wie immer nur sparsam bekleidet auf sich aufmerksam machen und Patrick Nuo läuft im gewollt-coolen Leder-Outfit dem eigenen Klischee hinterher, ebenfalls vergeblich. Man merkt beiden deutlich die Panik darüber an, dass sie altersmäßig inzwischen erheblich aus ihrem Zielpublikum herausgewachsen sind und ihre Karrieren zu enden drohen. Mit eigener Musik läuft derzeit nämlich nicht viel und der kurzzeitige Ruhm als Superstar-Geburtshelfer dürfte – mindestens bei Patrick – übertönt werden von einer gewissen Oberlehrerattitüde, die sich die ausgehenden Twens gegenüber ihren etwa 10 Jahre jüngeren DSDS-Kandidaten angewöhnt haben.

    Dieter Bohlen ist glatt doppelt so alt wie seine beiden Jury-Statisten und drei Mal so beliebt, daher bekommt er einen eigenen Auftritt: Die Halle wird verdunkelt, dramatische Musik wird eingespielt und plötzlich tritt ein Mensch mit einem Bündel grüner Laserpointer in jeder Hand auf die Bühne. Das ist natürlich Onkel Dieter, der Schlagertrillionär aus Tötensen in der Nordheide. Das Ganze sieht ein wenig peinlich aus, so wie ein kleines Kind, das seine erste Taschenlampe geschenkt bekommen hat und nun damit im Dunkeln herumspielt. Als das Licht wieder angeht, sieht man auch noch Bohlens anachronistisch anmutendes weiß-rot kariertes Peter-Frankenfeld-Gedächtnis-Sakko. Denn doch lieber sein albern-funkelnder Pailletten-Anzug oder noch besser: “Licht aus!”…

    Die vier Kandidaten kommen heute zunächst – außerhalb der Wertung – mit dem gemeinsamen Titel “Crying at the Discotheque” von Alcazar auf die Bühne. Den stärksten Szenenapplaus für seine Strophen bekommt dabei immer Pietro Lombardi, aber auch für Ardian Bujupi, Sarah Engels und Marco Angelini wird ordentlich geklatscht. Danach darf Oberjuror Dieter Bohlen inmitten hysterisch kreischender weiblicher Pietro-Fans noch ein paar salbungsvolle Worte über die heutige Musikauswahl sagen, die angeblich den Kandidaten sehr viel abverlange. Jeder müsse dieses Mal alles geben, niemand sei mehr sicher, erklärt Bohlen mit Blick auf den in der Vorwoche so unerwartet von uns gegangenen Sebastian und denkt dabei garantiert auch an die Telefoneinnahmen von RTL, die umso höher ausfallen, je mehr Leute befürchten müssen, ohne ihren persönlichen Anruf könne ihr Favorit ausscheiden. Wäre mal interessant zu wissen, ob Onkel Dieter von RTL wohl ein paar Prozentchen der Telefongebühren abbekommt?

    Als erster Kandidat geht heute Marco Angelini, der angehende Arzt und selbsternannte “Rocker” aus Österreich, ins Rennen. Er hatte ja in den letzten Shows deutliche Kritik einstecken müssen, sowohl wegen einer gewissen Schläfrigkeit, die seine Auftritte ausstrahlen, als auch wegen eines richtig fetten Patzers bei dem Titel “Hollywood Hills” von Sunrise Avenue am vergangenen Sonnabend. Warum trotzdem nicht er, sondern der vergleichsweise brillante Sebastian Wurth rausflog, wird ewig ein Rätsel bleiben. Sein erster Titel heute Abend ist “Angels” von Robbie Williams, ein Lied eher aus der langsamen Ecke, dessen Kraftlosigkeit die Jury auch nicht wirklich begeistert, am ehesten ist – man glaubt es kaum – Dieter Bohlen auf seiner Seite.

    Danach tritt Ardian Bujupi auf, der erfolgreich seinen Ruf als Macho wider Willen kultiviert. Er singt zuerst “Here without you” von 3 Doors Down, eine langsame Gitarrenrocknummer, bei der in den leiseren Passagen die beständigen Juchzer seiner weiblichen Anhängerschaft stören. Und gekreischt wird von denen immer, bei jeder noch so kleinen Bewegung ihres Stars. Der will das aber auch nicht anders und hat sich in ein ärmelloses Shirt gezwängt, damit er ja auch allen die Ergebnisse seiner Besuche im Fitnessstudio präsentieren kann. Dieter Bohlen ist trotz der lauten “Zugabe”-Rufe aus dem Publikum nicht restlos zufrieden, Ardian eiere – passend zu Ostern – immer noch zu viel mit den Tönen herum, da sei ihm Marco technisch wirklich überlegen.

    Der absolute, wenn mir auch unerklärliche, Favorit für die DSDS-Krone 2011 ist Pietro Lombardi. Er fühlt sich vermutlich schon so sicher, dass er heute mit “Just a Gigolo” von David Lee Roth, dem singenden Rest der Hardrock-Formation Van Halen, einen echten Fehlgriff riskiert. Das Lied ist nichts für ihn, er leiert häufig haarscharf am richtigen Ton vorbei, der Text sitzt offensichtlich auch nicht hundertprozentig und von Performance kann keine Rede sein. Pietro sieht mit seinem weißen Glitzersakko und dem silbernen eimerartigen Zylinderhut auf der Bühne etwas deplatziert aus, wie er so den Tänzern um sich herum bei der Arbeit zusieht. Naja, dem Publikum ist das völlig schnuppe, die kreischen und johlen trotzdem bei jeder Äußerung des 18jährigen. Patrick Nuo hat offensichtlich mit dem Leben abgeschlossen, wagt sich nach dem Ende des Titels aus der Deckung und kritisiert, das sei eine absolute Witzbold-Nummer gewesen, Pietro könne viel mehr und deshalb sei das einer seiner miesesten Auftritte bisher gewesen. Das Publikum pfeift entrüstet ob dieser blasphemischen Gotteslästerung!!! Fernanda beeilt sich daher, die letzten fünf Minuten schönzureden, Pietro stehe eben für gute Laune “There’s nobody like Lombardi!”. Gut gemacht, nun klatschen die Zuschauer wieder. Auch Dieter biedert sich selbstverständlich beim Zeitgeist an, denn davon lebt er schließlich (ziemlich gut). Er sehe das alles positiv, sagt er, wolle bei DSDS auch mal lachen und “nicht immer diese Betroffenheitsscheiße”, die man sonst dauernd im Radio hören könne. Würde Pietro bei gleicher Popularität nur depressive Lieder singen, dann hätte Bohlen garantiert genau das Gegenteil gesagt. Oder mit den unsterblichen Worten von Pippi Langstrumpf: “Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt!”

    Die letzte in der ersten Runde ist Sarah Engels. Nach einem kurzen Exkurs über ihr Tanz-Unvermögen steigt sie mit “I’m so excited” von den Pointer Sisters in das Rennen um das Halbfinale ein. Weshalb sie, die auf der Bühne am liebsten nur den Mund bewegt, sich gerade eine ausgesprochene Tanznummer ausgesucht hat, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Okay, sie turnt ein bisschen rhythmisch mit dem RTL-Cheftänzer herum, aber ansonsten lässt sie eher die anderen machen und folgt damit  dem Beispiel des Staffel-Neunten Marvin Cybulski, der wegen seines unterentwickelten Bewegungsdrangs beständig in Gefahr war, als Immobilie ins Grundbuch eingetragen zu werden. Patrick und Fernanda registrieren bei Sarah ein gewisses Bemühen, die Kritik der Vorwoche umsetzen zu wollen, aber Mühe allein genügt bekanntlich nicht. Onkel Dieter kommt dagegen wieder als Exekutor, er bedauere beinahe, der Kandidatin beim letzten Mal zu mehr Choreografie geraten zu haben. Sie sei und bleibe ein “Bewegungslegastheniker”, könne ja nicht mal im Rhythmus gehen, solle es lieber bleiben lassen und sich nur allein auf die Stimme konzentrieren.

    Zweite Runde, es geht weiter beim Ösidoktor Marco Angelini mit “How you remind me” von Nickelback: Ein weiterer nichtssagender Auftritt, der bei keinem Zuschauer im Gedächtnis haften bleiben dürfte, höchstens wegen der schwarzen Lederjacke mit den unpassenden roten Fransen an den Ärmeln. Trägt man sowas jenseits der Alpen etwa noch? Lauwarme Kritik der Jury, Patrick – wie so oft – negativ, Fernanda – wie eigentlich immer – positiv und Dieter stellt das Gesamtkonstrukt Marco infrage: Er sei kein Hardrocker, höchstens ein Schmuserocker und habe außerdem diesmal viele Töne versemmelt. Fazit: Daumen runter!

    Mit “Fairytale” hatte der fiedelnde Grinse-August Alexander Rybak 2009 den Eurovision-Song-Contest für Norwegen gewonnen. Im Jahr darauf siegte bekanntlich die Deutsche Lena Meyer-Klappstuhl und verteidigte den Titel danach dank der Versessenheit und Geschäftstüchtigkeit ihres Mentors Stefan Raab fünf Jahre lang immer wieder aufs Neue. Erst 2016 wurde die Dominanz des Kölner Metzgersohns dann von seinem Intimfeind, dem dauerbeleidigten Schlagerkomponisten Ralph Siegel, brutal beendet, der für Österreich mit einem Quintett alleinerziehender, lesbischer, veganer Rollstuhlfahrerinnen mit Migrationshintergrund antrat, für das er in jahrelanger Arbeit einen Protestsong gegen Atomenergie, Massentierhaltung und die Erhöhung der Vermögenssteuer auf spanische Immobilien maßgeschneidert hatte. Aber ich schweife ab, zurück zu “Fairytale”: Diesen Titel, den jeder radiohörende Mensch anno 2009 vermutlich bereits bis zum Ohrenbluten genießen durfte, singt jetzt unglaublicherweise Ardian Bujupi und kann damit entweder grandios auf die Nase fallen oder seinen Platz im ewigen DSDS-Olymp sichern, dazwischen gibt’s eigentlich nichts. Er imitiert den kleinen Norweger mit den weißrussischen Wurzeln dabei sehr genau, bis hin zu den gepressten hohen Tönen, die auch im Original immer ganz leicht “drunter” hingen. Und Ardian tanzt. Er dreht sich dabei mit ausgebreiteten Armen schnell auf der Stelle, es sieht aus wie bei einer Balkanhochzeit, wie Dieter Bohlen hinterher befindet. Und ein paar weitere schräge Töne hat er auch noch ausgemacht. Der Titel passe so gut zu Ardian wie Currywurst zu Schlagsahne und habe bei DSDS eigentlich sowieso gar nichts zu suchen.

    Bohlens Knuddelchen Pietro Lombardi wird in einem tränenrührenden Einspieler gezeigt, wie er im RTL-Kandidatenknast (angeblich) überraschenden Besuch von seiner kleinen Schwester Sarah bekommt. Die erweist sich als genetisch extrem verwandt, jedenfalls saut sie sich beim Ostereierausblasen genauso mit Dotter ein, wie zuvor ihr großer Bruder. Letzterer darf dann im Hasenkostüm noch ein bisschen die U7-Zielgruppe auf die Feiertage einstimmen. Uiiiii, ist der niedlich und so schön tolpatschig, Mammi-Mammi, darf ich für Pietro anrufen? Bitte, bitte, bitte!!!! Der allseits geliebte Kandidat bringt nun mit goldener Glitzerjacke und roter Hose “You are not alone” von Michael Jackson, einem im Nachhinein angesichts dessen traurigen Schicksals ziemlich nachdenklich machenden Titel. Musikalisch finde ich die Nummer eher flau, wieder eiert Pietro um den richtigen Ton herum, oft ohne ihn zu treffen, aber was macht das schon? Lombardi hat in Onkel Dieter inzwischen einen verlässlichen Paten und der verhindert jede substanzielle Kritik durch die anderen Jury-Kasper.

    Sarah Engels muss für den Einspieler ein Boxtraining bei Regina Halmich absolvieren, die es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht hat, ihre Geschlechtsgenossin für den harten Kampf gegen Dieter Bohlen fit zu machen. Keine Ahnung, was das hier soll, genau genommen natürlich doch: Es liefert die fadenscheinige Begründung für ein paar bunte und bewegte (!) Sarah-Bilder. Die bringt heute als Abschluss der zweiten Runde “Eye of the Tiger” von Survivor, was aus dem Soundtrack zum Boxfilm Rocky III des bekannten Friedensaktivisten Sylvester Stallone stammt. “Boxfilm” könnte wieder auf Sport und Bewegung hindeuten, aber natürlich nicht bei Sarah. Bohlen ätzt etwas, “das war eher »Osterei of the Tiger«”.

    Vor seinem dritten Titel müssen wir Marco Angelini im Einspieler noch beim Überlebenstraining in den Wald begleiten. Megaspannend, wie er mit seinem seppeligen Coach Feuer macht und Schnecken und Würmer frisst. Aber vielleicht braucht er das ja zukünftig, wenn RTL ihn irgendwann zur Superstar-Resteverwertung in den australischen Dschungel schickt? Da könnte man meiner Meinung nach auch gern den Song “Born to be alive” von Patrick Hernandez endlagern, der nervt schon im Original kolossal und wird in der Interpretation von Marco auch nicht besser. Im Stil eines Ferienclub-Animateurs singt er die Nummer zu Tode, auch wenn Onkel Dieter ihm hinterher bescheinigt, das sei heute sein bester Titel gewesen.

    Ardian Bujupi darf in seinem Einspieler – aber auch nur dort – wieder in ein Auto einsteigen und damit seinen Machismo unter Beweis stellen. Im “echten” Leben hat ihn die Staatsanwaltschaft momentan zum Fußgänger degradiert, aber vielleicht kann er sich ja demnächst von seinen Plattengagen einen Chauffeur leisten… Im Live-Interview darf einer der möchtegern-coolen Kumpels mit Dreitagebart-Frisur auf dem Kopf seine vollverspiegelte Sonnenbrille vorführen und sich dabei so richtig schön lächerlich machen. Ardian singt danach den schwitzigen James-Brown-Soul-Klassiker “Sex Machine”, der bei der Jury einhellig zu Begeisterungsausbrüchen führt.

    Mittlerweile scheint Pietro Lombardis ganzer Clan bei DSDS eingemeindet zu werden. Nach seiner ostereierblasenden Schwester lernen wir nun auch noch Tante Scarlet aus Amerika kennen, die extra eingeflogen wurde, um ihren Neffen mal live singen zu hören, nämlich “Gimme Hope Jo’anna” von Eddie Grant. Und diesmal singt er nicht nur, sondern pfeift zwischendrin sogar noch eine Strophe, was natürlich im Bezug auf das lästige Textlernen eine wesentliche Erleichterung für den vergesslichen Pietro darstellt. RTL fährt alles auf, was man zur Unterstützung eines zukünftigen Superstars so machen kann: Kunterbuntes Kostüm, knalliges Bühnenbild, Kinderchor und viele bunte Luftballons, die zum Ende von der Decke fallen. Der Kandidat scheint selbst begeistert von seinem Titel, das Publikum feiert ihn frenetisch und die Jury ist, Dieter sei Dank, völlig gleichgeschaltet zufrieden.

    Den Ausputzer macht Sarah Engels. Nachdem wir im Einspieler erleben können, wie sie von den drei Herren der Schöpfung mit Fußmassage, Maniküre und kollektivem Ansehen von Frauenfilmen (hier: “Titanic”) verwöhnt wird, hören wir “A Moment like this” von Kelly Clarkson. Die ruhige Ballade ist wieder etwas für fußfaule Interpreten, die Choreografie für überflüssigen Schnickschnack halten. Okay, die Stimme ist natürlich ziemlich großartig, daran kann nicht mal ich etwas zum Meckern finden, aber immer nur große Gefühle? Das wird auch irgendwann langweilig. Die Jury ist aber durchgehend zufrieden, spricht von “Gänsehaut” und “fantastischer Leistung”.

    Das war’s, alle Titel sind gesungen, jeder Einspieler gesendet, jeder derbe Vergleich von Bohlen aus dem Mülleimer hervorgewürgt und endlich kann Pietro seinen knappen Gedächtnisspeicher wieder für wichtigere Dinge freiräumen. Aber keine Mottoshow ohne Kandidatentod – jedenfalls fast keine… Vorbei am RTL-Comedy-Block, bestehend aus einer extrem undürren Dame im hautengen rosa Jogginganzug namens Cindy und einem unvorteilhaft frisierten Hänfling mit großkariertem Strickpullunder, spule ich direkt vor in die Verkündung des Ergebnisses, das diesmal eigentlich keine große Überraschung birgt: Marco Angelini darf sich fortan wieder ganz seinem Medizinstudium widmen, die Zuschauer schicken ihn heute nach Hause.

    So, bis denne, wir sehen bzw. lesen uns nächste Woche wieder im Halbfinale, dann ist es nur noch eine Woche hin bis zu Pietros Gewinn der diesjährigen DSDS-Krone.

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  • DSDS (RTL) 18.04.2011 No Comments

    Liebe Blog-Leser,

    auf meinem Fernseher erscheint bildschirmfüllend ein unrasierter Moderator und formuliert Sätze mit lauter Superlativen. Klarer Fall: Es ist Samstagabend und Marco Schreyl begrüßt die Halle und die restliche Welt zur siebten Mottoshow dieser Staffel von “Deutschland sucht den Superstar”. Show Nr. 1 nach Zazou Mall… Die sympathische, aber musikalisch nicht wirklich überragende Schweizerin ist letztes Mal rausgeflogen und kann jetzt nur noch hoffen, dass Sarah Engels irgendwie disqualifiziert wird, denn dann würde sie automatisch nachrücken. Sarah ist aber kreuzbrav, die macht garantiert keine regelwidrigen Dummheiten. Apropos “dumm”: Die verbliebenen fünf Kandidaten müssen heute richtig ran, jeder von ihnen singt im Laufe des Abends drei Titel – das sind zweieinhalb mehr, als sich Pietro Lombardi eigentlich merken kann. Mal sehen, wie er dabei die Kurve kriegt.

    Zunächst aber begrüßt Marco Schreyl überschwänglich wie immer die Jury. “Das Schnuckelchen von RTL”, Fernanda Brandao hat sich einmal mehr für weniger entschieden, nämlich für weniger Stoff, was ihr Kleid betrifft. Man muss das verstehen, denn mit heute sind es nur noch vier Shows, dann ist Fernandas Zeit im Licht der Fernsehkameras vorbei. Ihre Karriere mit den Hot Bandidoz ist seit der Auflösung der Gruppe 2008 Geschichte und die Halbwertszeit von DSDS-Jurystatisten ist Dank Dieter Bohlen fast ebenso kurz wie die der dabei gefundenen Superstars.

    Weiter geht es mit einem weiteren künftig Karrierenotleidenden, Patrick Nuo, dem lt. Schreyl “schönsten Schweizer aller Zeiten”, Applaus, Applaus!!! Das wird ein herber Schock für DJ Bobo, der diese Auszeichnung seit dem Ableben von Vicco Torriani eigentlich für sich beansprucht. Aber wenigstens bleibt ihm der Titel als “nervigster Tanzwichtel” erhalten.

    Dieter Bohlen schließlich, wird von unserem Moderationskomparsen als “Erfinder der Popmusik” angekündigt. Das ist eine etwas verkürzte Sichtweise, wie der geneigte Musikliebhaber weiß. Natürlich kann man die paar läppischen Jahrzehnte Popmusik vor dem Erscheinen des Titan von Tötensen getrost in den Toaster schieben, aber ganz allein hat er sie denn doch nicht erfunden: Onkel Dieter entdeckte lediglich die zwei wichtigsten Akkorde, die er seitdem rigoros und erfolgreich bis zum Abwinken vermarktet. Andere, fast ebenso bedeutsame Vertreter dieses Genre sind natürlich Gottlieb Wendehals, Vader Abraham und Rex Goldi, aber das gehört hier gar nicht hin, denn heute Abend wird eben Dieter Bohlen abgefeiert. Und er ist ja soooo toll, trägt beim Einmarsch unter dramatischen Orchesterfanfaren in der dunklen Halle eine Sonnenbrille, wahnsinnig cool. Und einen schwarzen Umhang wie Darth Vader, Mannomann! Aber Vorsicht, dieser Typ ist nicht ganz so harmlos, wie er dank seiner lächerlichen Verkleidung aussieht, tatsächlich düngt Dieter seinen Garten mit Superstar-Asche! (…Oder hat man jemals wieder etwas von Daniel Schuhmacher und Mehrzad Marashi gehört?)

    Die eigentlichen Hauptpersonen sind aber die Kandidaten und die kommen jetzt gemeinsam mit “I gotta Feeling” von den Black Eyed Peas auf die Bühne. Zwar gab es diesen Titel bereits bei der Top-10-Show der letzten DSDS-Staffel, aber bevor die nachher womöglich noch zusammen Dieter Bohlens tonales Brechmittel “Geronimo’s Cadillac” anstimmen, sollen sie lieber gute Titel recyclen, mir ist’s recht. Nach der Intensität des Publikumsgekreisches zu urteilen, müsste übrigens Pietro Wettkönig, äh upps, ich meine natürlich Superstar, werden. Danach kommt noch ein kleiner Bauchpinsler für den Poptitan: Jennifer Lopez bedankt sich per Einspielung ausdrücklich bei Dieter Bohlen, dem Herrscher des bekannten Universums, dafür, dass er vor zwei Wochen ihr Lambada-Cover “On the Floor” als Eröffnungsnummer ausgewählt hatte. Dass sie dafür im Gegenzug Modern Talking als Vorgruppe bei ihrer nächsten Tournee engagieren will, ist hingegen ein unbestätigtes Gerücht…

    Die Kandidaten singen heute jeweils einen Titel aus den 80ern, einen aus den 90ern und einen Hit von heute. Aus Jugendschutzgründen führt der 16jährige Sebastian Wurth auch heute das Feld an und beginnt mit einem aktuellen Titel. Sebastian singt Milows “Ayo Technology” und begleitet sich dabei mit der Gitarre, muss sich also wunschgemäß nicht sehr bewegen. Wie immer legt er einen prima Auftritt hin, die Jury ist begeistert, das Publikum sowieso.

    Ardian Bujupi folgt jetzt mit “We’ve got it going on”, dem ersten Hit der Backstreet Boys aus dem Jahr 1995. Den Titel finde ich schon im Original etwas langweilig, bei Ardian in seinem blauen Schlumpfanzug wird er nicht besser und dementsprechend ist hinterher auch die Jury mäkelig drauf. In der Vorwoche hätten ihn Ardians Lieder mehr “getroffen”, resümiert Bohlen. Der Kandidat scheint von seiner Titelauswahl selbst nicht so übermäßig begeistert zu sein, entschuldigt sich fast, die Backstreet Boys seien sein erstes Album gewesen und das habe er halt mal singen wollen, klar sei das kein besonders starker Titel. Hallo-hallo, jemand Zuhause? Willst Du kein Superstar mehr werden, Ardian, oder wieso riskierst Du Deine Versetzung in die nächste Mottoshow mit einem nicht-starken Titel?

    Doktor Ö, Marco Angelini, entwickelt sich etwas überraschend zum Sorgenkind des Abends. Im ersten Durchgang bringt er “Hollywood Hills” von Sunrise Avenue, einen Titel aus den aktuellen Top 10. Er vergaloppiert sich gleich zu Beginn, stimmt den Song viel zu hoch an und singt dann mit sichtlich entsetzten, vor Schrecken geweiteten Augen, eine ganze Oktave tiefer weiter. Bis zum Ende des Titels scheint er unsicher, so als hätten ihn die ersten missratenen Takte völlig aus der Bahn geworfen. Die Jury ist alles andere als zufrieden, selbst Fernanda kritisiert Marco, sie wisse auch heute, in der siebsten Mottoshow, noch immer nicht, wofür er eigentlich stehe. Für Rock fehle ihm die “roughe Coolness”. Vielleicht hatte Dieter ja beim letzten Mal recht, Marco ist eben doch nur ein – ziemlich gut – singender Arzt.

    Sarah Engels kommt mit einem 80er-Jahre-Titel, sie singt in einem knappen Trikötchen Tina Turners “The Best”. Gesanglich ist das allererste Sahne, jedoch gefällt Herrn Bohlen Sarahs Performance nicht. Genau genommen stößt er sich daran, dass es KEINE Performance gibt. Sie solle sich doch mal ein Beispiel an Tina Turner nehmen. Die marschiere so langsam auf die 80 Lenze zu, sagt er (naja, eigentlich ist sie genau 71) , bewege sich aber heute noch auf der Bühne mehr als Sarah gerade eben. Letztere habe eine Performance wie eine “Bügelstation”, was auch immer das sei – bestimmt etwas aus Bohlens Jugendtagen, also noch vor Erfindung des elektrischen Stroms.

    Pietro Lombardi steigt mit “I just called to say I love you” von Stevie Wonder in den Ring. Ich persönlich hasse das Lied und mag es auch nicht in der Bearbeitung durch Pietro. Er schluchzt und wimmert wie gehabt, eben Pietro-Style, wie Dieter das nennt. Das klingt ja fast so, als mache der Kandidat das mit Überlegung und Absicht. Ich hingegen glaube, er kann gar nicht anders singen und das Gehörte ist eben das Ergebnis, wenn Pietro ein Lied so ähnlich wie möglich nachsingt. Das ist natürlich irgendwie ein bequemer Umstand, dass die eigenen Macken von den anderen als Genialität interpretiert werden. Und mit dieser Masche ist er bis in die Top 5 gekommen und hat Bohlen als Adoptiv-Patenonkel für sich gewinnen können. Die Kritik der Jury fällt dann auch entsprechend freundlich aus und die mitgebrachten Lombardi-Claqueure tun lautstark ihre Pflicht. Übrigens scheint sich Pietro mit der Fußverletzung weiter auf dem Weg der Besserung zu befinden, mittlerweile kann er sich ohne Krücken auf der Bühne bewegen, wenn auch vorsichtig. RTL unterstützt dies mit dem Bühnenbild, einer zum Lied passenden offenen US-amerikanischen Telefonzelle. (Immerhin, die muss man auch erst mal herschleppen, Hut ab vor den Bühnenbildnern…)

    Der zweite Durchgang beginnt wieder mit Sebastian Wurth. Im Einspieler begleiten wir ihn bei den kläglichen Anfängen seiner allerersten praktischen Fahrstunde. An die Kupplung muss er sich erst noch gewöhnen, der Fahrschulwagen hüpft, als habe er Kängurubenzin getankt. Zurück in der Liveshow singt Sebastian den Teenie-Weichspülhit “I promised myself” vom singenden Jeans-Model Nick Kamen aus dem Jahr 1990. Stimme gut, Performance naja, würde ich den Auftritt mal zusammenfassen. Egal, der Jury gefällt’s, Bohlen meint gar, wenn er davon eine CD produzieren würde, wäre das garantiert ein Hit.

    Nach einer kurzen Werbepause kommt… Sebastian Wurth zum Dritten! Damit der Kleine rechtzeitig bis 22 Uhr mit der Arbeit fertig ist und RTL sicher vor den bösen Jugendschutzkontrolleuren und ihren angedrohten Strafen, frühstückt die DSDS-Regie seinen letzten Auftritt einfach sofort mit ab. Diesmal singt er “Mandy” von Westlife. Hmmm, nicht dass ich pingelig wirken möchte, aber dieses Remake (des bekannten Remakes von Barry Manilow) stammt von 2003 und gehört damit weder zu den Hits der 80er, der 90er noch zu den aktuellen Hits. Wie immer ist RTL in eigener Sache recht großzügig. Aber auch beim Bühnenbild lässt sich der Sender nicht lumpen und spendiert Sebastian ein Meer von brennenden Kerzen für seinen schnulzigen Schmachttitel mit der Lizenz zum Plombenziehen. Der nutzt die Gunst der Stunde und liefert auch seinen dritten Titel in Folge sehr gut ab. Patrick Nuo spricht im wichtigtuerischen VIP-Denglish von “sehr gänsehautmäßig performed”; Dieter schweinigelt wieder herum: “Das war hundert Prozent gefühlsecht, ich steh’ auf gefühlsecht!”

    Vor Ardian Bujupis zweitem Auftritt darf sein Papi im Live-Interview mit Marco Schreyl beweisen, dass nicht nur die Lombardis unverständliche Sätze produzieren können. Soweit ich verstehe, hat Vater Bujupi früher Pink Floyd gehört, kann aber mit den Backstreet Boys eher nur wenig anfangen und irgend etwas von “Ritterschlag” brabbelt er sich auch noch in den Bart. Unter’m Strich ist er jedenfalls ein Fan seines Sohnes, soviel kriege ich denn doch mit. Letzterer kommt jetzt mit “More” von Usher, einem ausgesprochen zeitgenössischen Dancefloor-Titel, bei dem er viel Power zeigen kann. Die Jury ist diesmal sehr zufrieden, Bohlen attestiert “Superleistung, das sah sehr profimäßig aus, war showmäßig der bisher beste Auftritt heute Abend”.

    Alpenländler Marco Angelini hat lt. Einspieler in der letzten Woche seine Höhenangst besiegt. Tolle Story, weckt mich, wenn’s vorbei ist… Er singt den 90er-Jahre-Titel “Fly away” von Lenny Kravitz und auch hier könnte ich gleich wieder einnicken, irgendwie haut mich das alles nicht vom Stuhl, was der gute Doktor hier heute produziert, auch wenn er sich erkennbar Mühe gibt. Aber Mühe allein genügt nicht, wie der Volksmund sagt… oder war’s Frau Sommer aus der Jacobs-Kaffee-Werbung? Die Jury sieht auf jeden Fall eine Verbesserung zur ersten Runde und das ist ja immerhin schon mal etwas.

    Sarah Engels ist mit höheren Mächten im Bunde, sie benutzt nämlich “Glückssteine”. Die kriegt sie fix und fertig besprochen von ihrer Tante Sibilla, die sich dazu live im Studio von Marco Schreyl interviewen lässt. Allen Ernstes behauptet die Tante, die Steinchen dienten als Wunscherfüller und für jede Show habe sie ihrer Nichte einen davon gegeben. Am Abend der 1. Mottoshow hatte Sarah die Teile übrigens vergessen und flog dann prompt raus, sagt Tante Sibilla. Mal sehen, ob die Steinchen heute ihren Job machen… Die Kandidatin singt jetzt “What a Feeling” von Irene Cara aus dem 80er-Tanzfilm “Flashdance”, begleitet von den hüpfigen DSDS-Tänzern, die bei diesem Hit voll in ihrem Element sind. Sarah ist der ruhende Pol auf der Bühne, gibt sich völlig statisch, singt dafür aber umso besser. “Stiftung Bohlen-Test sagt, das war gesanglich brillant”, urteilt Onkel Dieter, bemäkelt aber gleichzeitig die offensichtliche Bewegungsmuffeligkeit der Kandidatin.

    Pietro Lombardi muss im Einspieler zusammen mit Kumpel Ardian Bujupi zum Camping in den Wald. Vermutlich haben sie das dabei angeblich entstandene Filmchen im Garten ihrer Kölner DSDS-Villa gedreht, die Wiese, die sie nach einigen künstlichen Schwierigkeiten erreichen, sieht jedenfalls verdächtig nach Park aus. Unter erheblicher Mühe errichten die beiden das Zelt und grillen sich eine Dose Ravioli am offenen Feuer, danach kommt ein kleines Debakel: Pietro weigert sich, die Nacht im Zelt zuzubringen, denn er hat dort Grashüpfer gesehen, vor denen er offenbar panische Angst hat. Jetzt in der Show singt Pietro eine etwas eigenwillige Version von “To make you feel my Love”, angeblich von Kris Allen, tatsächlich im Original aber von Bob Dylan. Um ihn herum auf der Bühne liegen mehrere Säcke voller Pietro-Fanpost, behauptet jedenfalls der Moderatoren-Marco. Hinterher ist die Jury mal wieder unisono begeistert, entsprechend der von Papa Bohlen ausgegebenen Devise. Der gefühlte Halb-Amerikaner Patrick spricht von “das war traumhaft, ich bin geflasht”, also ist er geblitzt, oder was will er damit ausdrücken? Dieter ist sogar ausgesprochen stolz auf Pietro, er habe den Text behalten, mit viel Gefühl gesungen und ganz besonders wichtig sei der große Wiedererkennungswert, den alle von ihm gesungenen Titel hätten. Ja, das ist für die Vermarktbarkeit ein ganz wichtiger Punkt und Onkel Dieter muss ja bei aller Liebenswürdigkeit gelegentlich auch mal an das Geschäft denken.

    Nach einem inhaltsleeren Einspieler über sinnloses Benzinverprassen beim Speedbootfahren mit seiner Gang erscheint Ardian Bujupi im dritten Durchgang mit der Powerballade “I just died in your Arms tonight” von der Cutting Crew aus dem Jahr 1986. Ein artig-durchschnittlicher Auftritt mit einigen Patzern bei den höheren Tönen. Das hat die Jury auch gemerkt und ist einigermaßen (Patrick und Fernanda) bis gar nicht (Dieter) zufrieden, die Gesamtperformance in der letzten Woche sei eindeutig besser gewesen.

    Bei Marco Angelini ist heute echt der Wurm drin. Sein letzter Titel ist der bekannte Neue-Deutsche-Welle-Titel “Major Tom” von Peter Schilling. “Völlig losgelöst von der Erde”, wie es im Refrain heißt, ist der Auftritt nicht, eher abgespaced verschroben bis merkwürdig, wie der lange Österreicher da mit kantigen Roboterbewegungen durch die skurril verkleidete Tänzertruppe schleicht. Fernanda kritisiert ausgesprochen selten und scheint wohl für eine Jurorin unnötig harmoniebedürftig, hier meckert sie aber nun doch einmal: Marco solle nicht immer so komische Grimassen beim Singen machen, das sehe unsexy und aufgesetzt aus, vielleicht könne er das ja mal vor dem Spiegel üben. Dieter ist nicht gerade als Diplomat bekannt, sondern vielmehr als großer Freund verbaler Gewalttätigkeiten. Er vermutet, nach dieser schwachen Leistung würden die Zuschauer Marco wohl am liebsten auf den Mond schießen, ihm persönlich habe das jedenfalls nicht gefallen. Okay, von dem Mann habe ich schon viel schlimmere Verrisse gehört, das ging ja noch.

    In einem sehr verzichtbaren Bericht sehen wir Sarah Engels beim Klamottenkaufen, das durch ihre ausgeprägte Entscheidungsschwäche arg in die Länge gezogen wird. Als dritten Titel singt sie die Ballade “Footprints in the Sand” von Leona Lewis. Das Bühnenbild besteht aus rosa eingeleuchtetem waberndem Diskonebel, um sie herum nur rote Scheinwerfer. Man muss es zwischen all der Häme einfach mal wieder sagen: Bei RTL arbeiten auch viele Profis – und insbesondere die Bühnenbildner verstehen ihr Handwerk! Und auch Sarah selbst macht ihren Job wieder gut, die Jury ist einhellig begeistert, von Fernanda gibt’s Standing Ovations für diese Leistung und Dieter verpasst ihr den Ritterschlag: “Du warst heute Abend sowieso die Beste und der Song war Dein allerbester überhaupt!”

    Oma Lombardi lernt momentan gerade die Schattenseiten des schnellen (und wohl auch kurzen) Starruhms ihres Enkels kennen. Sie berichtet im Interview, dass sie nachts häufig telefonisch von Pietro-Fans aus dem Schlaf gerissen werde, die wollten dann Autogramme, die Telefonnummer oder auch einfach Omas Erlaubnis, mit ihrem Enkel zusammen sein zu dürfen. Hä, wie sind die denn krass drauf? Pietro Lombardi himself kommt nun mit Inner Circles Song “Sweat”, der auch unter dem alkoholkompatiblen Titel “A La La La La Long” bekannt sein dürfte. Wieder macht der kunterbunt wie ein Kanarienvogel und mit grünen Bermudas kostümierte Kandidat daraus eine eigenwillige Interpretation. Masche oder Unvermögen, wir werden es wohl nie ganz ergründen, ich glaube aber noch immer, dass Pietro gar nicht richtig singen kann und seine Titel eher unwillkürlich “lombardisiert”. Mit dieser Meinung bin ich aber wohl allein, denn das Saalpublikum und die Jury feiern frenetisch die Tatsache, dass Pietro damit auch den dritten Titel ohne wesentlichen Textunfall über die Bühne gebracht hat. Fernanda bringt es auf den Punkt: “Wir lieben Dich, Pietro!”

    Das waren die heutigen 15 Liveauftritte, der erste Teil der Show ist damit beendet. Was mir heute etwas fehlt, ist die lieb gewordene, schamlose Cross Promotion für “Let’s dance”, aber das kommt sicherlich beim nächsten Mal wieder. Wir zappen nun vorbei an der molligen Cindy aus Marzahn direkt in die Ergebnisverkündung. Nach der Übergabe des Zuschauerurteils durch Dr. Fleischhauer schickt Marco Schreyl die Kandidaten und Kumpels Sebastian Wurth und Ardian Bujupi in die Zitterrunde, wobei Sebastian wegen der bekannten Jungendschutzproblematik in seinem goldenen Thron neben Mama Wurth im Publikum sitzen bleiben muss. An diese Perspektive kann er sich auch gleich gewöhnen, denn Sebastian Wurth fliegt heute Abend raus!!! Howgh, die Zuschauer haben gesprochen, auch wenn sie keiner versteht, am allerwenigsten das laut buhende Saalpublikum. Während Ardian von seiner etwas furchteinflößend aussehenden Gang überschwänglich umarmt und gefeiert wird, spricht Sebastian erstaunlich ruhig und abgeklärt ein paar tröstende Worte an seine Fans ins Mikrofon und verabschiedet sich damit ziemlich unerwartet aus dem Wettbewerb. Diese ein, zwei letzten Sätze könnten RTL wegen des damit verbundenen Verstoßes gegen den Jugendschutz übrigens noch teuer zu stehen kommen. Andererseits kann man nun die Planung einstellen, mit dem DSDS-Finale in die Niederlande umzuziehen, weil es dort ein lascheres Jugendschutzgesetz gibt, so dass Sebastian auch nach 22 Uhr hätte singen dürfen.

    Tschüss bis zur nächsten Woche, dann sehen wir Marco Angelini, Ardian Bujupi, Sarah Engels und Pietro Lombardi im Viertelfinale wieder.

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  • DSDS (RTL) 10.04.2011 No Comments

    Liebe Leute,

    seltsame Dinge passieren derzeit auf der Welt. Neinnein, ich spreche nicht von Japan, Libyen oder China und nicht von Atomkraftwerken, Doktortiteln oder mit Bechern beworfenen Linienrichtern, sondern von dem merkwürdigen Umstand, dass in Köln eine komplette große Samstagabendshow wiederholt werden muss, nur weil irgend so eine Torfnase in der RTL-Redaktion für einen Moment nicht aufgepasst hat. Ja richtig, “Deutschland sucht den Superstar” geht heute ein zweites Mal mit den Top 6 an den Start, denn am letzten Samstag wurden für einen kurzen Moment die Anrufnummern von Marco Angelini und Zazou Mall vertauscht angezeigt. Vermutlich hatte RTL dabei das Muffensausen gekriegt und diplomatische Verwicklungen befürchtet. Immerhin kommen die beiden Kandidaten aus unseren geschätzten südlichen Nachbarländern, da will man die – trotz Eurovision Song Contest – über Jahrzehnte mühsam aufgebaute kulturelle Verbundenheit nicht einfach so aufs Spiel setzen, nur weil ein Fernsehpraktikant bei RTL zur falschen Zeit ein Nickerchen gemacht hat. Papa Bohlen hat also entschieden, dass DSDS diesmal in die Verlängerung geht, die Top-6-Show wiederholt und das Finale vom 30.04.2011 um eine Woche auf den 07.05.2011 verschoben wird. “Zufällig” löst er damit noch ein zweites Problem, denn am 30.04.2011 präsentiert Opa Gottschalk im ZDF (mal wieder) seine letzte “Wetten, dass…?”-Sendung. Auch wenn das normalerweise nur ein Event für die Kukident-Fraktion ist, die den vom Zivi angeknipsten Fernseher nicht mehr allein auskriegt, könnte es vielleicht doch sein, dass der eine oder andere aus der DSDS-Zielgruppe an diesem besonderen Abend mal im Gerontenkanal fremdsieht. Sicher ist sicher, hat Übergotttitan Dieter Bohlen sich gedacht und dabei nicht zuletzt wohl auch ein wenig die pekuniären Aspekte der Sache betrachtet: Der Mann geht so langsam auf die Rente zu und ist gerade zum fünften Mal Vater geworden. Kinder kosten viel Geld, Freundinnen, Ex-Freundinnen und Ex-Gattinnen auch und andererseits hat er die erste Milliarde Euro noch immer nicht ganz zusammen, da kommt man echt ins Grübeln und vielleicht auch auf komische Gedanken: Eine Show mehr bedeutet nämlich auch einmal Honorar mehr! Wollen wir also mit Onkel Dieter heute nicht so streng sein, auch wenn die Begründung für die heutige Show-Wiederholung noch so fadenscheinig wirkt, es ist für eine gute Sache, nämlich für die Bohlensche Rentenkasse.

    RTL hat auf die Ereignisse der letzten Woche superflexibel reagiert und die interne Denkfabrik angeworfen. Nach tagelangem Grübeln hat man wie aus dem Nichts ein hochinnovatives Motto für diese eigentlich ungeplante Show zusammengezimmert, das einem allergrößten Respekt abnötigt: Hieß es beim missglückten Erststart der Top 6 in der Vorwoche noch “England gegen Deutschland”, so ist man diesmal auf das Motto “Europa gegen Amerika” verfallen. Superidee. Mal sehen, was die nächste Woche machen, wenn das heute nochmal schief geht, “Australien gegen Afrika” würde mich mal interessieren…

    Der neuerdings immer etwas ranzig-unrasiert aussehende Marco Schreyl ist leider heute Abend auch wieder dabei und stellt sich vor als “Lieblingsprügelknabe aller Hobbykritiker” – upps, ich fühle mich ertappt… ;-) Dann begrüßt er die Jury-Menschen, allen voran die “Venus von DSDS”, mit bürgerlichem Namen Fernanda Brandao, und als zweiten “Mister Fantastic” Patrick Nuo. Beide kommen zur Befriedigung ihres cool-jugendlichen Egos fahnenschwingend als Sozius auf Motorrädern auf die Bühne. Dieter Bohlen ist über derlei juvenile Eskapaden schon seit Jahrzehnten hinweg und steht zu seinem biblischen Alter. Wenn man den Geschichtsbüchern der angeblich goldenen Achtziger trauen darf, hat er seine erste Million noch in D-Mark gemacht, als dauergrinsender, stummer und völlig talentfreier Gitarrist zusammen mit einer langhaarigen Indianer-Squaw mit komischer NORA-Halskette in einem Pop-Duo namens “Modern Talking”. Ja, damals war die Musik im Radio noch schwarz-weiß und vor allem öffentlich-rechtlich. Vom RTL-Fernsehen weit und breit keine Spur und Marco, Fernanda und Patrick waren zu diesem Zeitpunkt noch Quark im Schaufenster. Wie ein übriggebliebenes Fossil hat sich Dieter Bohlen aus dieser dunklen Vorzeit ins Jahr 2011 hinübergerettet. Das Publikum zollt ihm Respekt, wie er so ganz schlicht ins Studio kommt, eine Hand lässig in der Hosentasche, mit der anderen den Zuschauern freundlich zuwinkend.

    Der musikalische Teil des Abends beginnt mit dem traditionellen Gruppengesang der DSDS-Überlebenden. Die sechs Kandidaten führen ihre sehr ansprechende Version von David Guettas “Wo’s that Chick?” auf. Abwechselnd übernehmen sie dabei für kurze Momente die Rolle des Lead Vocal und man kriegt anhand der jeweils aufbrandenden Begeisterungsstürme schnell mit, wer die größte – oder zumindest lauteste – Anhängerschaft im Saal hat. Das sind ganz klar Pietero und Ardian und etwas abgeschlagen Sebastian.

    Sebastian Wurth startet dann die erste, europäische Hälfte der Mottoshow. Er singt den Titel “You and me” des belgischen Singer-Songwriter Milow in College-Klamotten und mit Gitarre. Seine gesamte Choreografie besteht darin, dass Sebastian vor dem Mikrofon steht. Punkt. Der Gesang ist allerdings wie immer allererste Sahne, jede Note und der Text sitzen perfekt – und das gilt auch für das Welpen-Grinsen. Die Jury ist hochzufrieden, auch das ist bei Sebastian schon normal.

    Ardian Bujupi ist offensichtlich sehr von sich eingenommen und gibt nicht viel auf Kritik, jedenfalls nicht auf negative. Sein Song “Glow” stammt aus Norwegen von Madcon und läuft auch ziemlich gut. Es gibt eine fetzige Tanzchoreografie mit den DSDS-Hupfdolls und dabei bewegt sich Ardian auch heftig auf der Bühne mit, ganz im Gegensatz zu Sebastian vorher. Die Jury kann auch hier keine Kritikpunkte erkennen, Dieter nennt den Auftritt gar “hammermäßig”, irgendwie sei bei Ardian seit der letzten Woche wohl der Knopf geplatzt. (Und dabei kann er diesmal sogar den Vornamen des Kandidaten fehlerfrei aussprechen! Im Entscheidungsteil der Show nennt er ihn allerdings wieder “Adrian”.)

    Vor der Werbepause fängt Marco Schreyl noch ein paar wirre Worte unseres verpeilten Freundes Pietro Lombardi ein. Ob der wisse, was ein “Gig” sei. – “Hä?” – “Ein Gig!” – “Ein Dick?”… O Mann, diese Fast-Interviews sind immer an der Grenze zum Schwachsinn, diesmal sogar wieder mit einem Fuß übergetreten.

    Zazou Mall, die eidgenössische DSDS-Teilnehmerin, bringt danach eine sehr schön gesungene Version von Caro Emeralds “A Night like this”. Sie trägt ein sehr enges und kurzes Kleid im gestreiften Wespenlook und wird auf der Bühne von den mal wieder nur spärlich gekleideten Herren der Tanzgruppe Bohlen unterstützt. Patrick, Fernanda und der Rest der Welt finden den Auftritt wohl ganz gut, aber bei Dieter hat Zazou aus irgendwelchen Gründen bis in die Steinzeit verschissen. Er mag partout ihre Stimme nicht und spricht erneut von einem “ganz schlimmen Gequake”. Das Publikum buht, aber solche negativen Emotionen scheint Dieter geradezu zu lieben; er grinst fast triumphal.

    Marco Angelini, der angehende österreichische Arzt, kommt mit einem Landsmann: Er singt im weißen Anzug und mit ach-so-cooler Sonnenbrille “der Kommissar” vom seligen Falco. Den Wiener-Schmäh-Akzent kann er ja schon bauseitig und auch in der Tonlage hält er sich extrem eng an das Original. Das ist schon kein Marco-Titel mehr, sondern eher eine bestürzend gut gemachte Imitation, mehr aber auch nicht. Dieter ist entsprechend kritisch, Marcos Bonus als netter Akademiker sei verbraucht, er habe nunmal keinen Star-Appeal, was besonders im Vergleich zu Falco – den Bohlen selbstredend persönlich kannte – deutlich zu sehen sei. Oha, da beginnt nun also ein weiterer Stern zu sinken und wir alle wissen: Ohne Dieters Segen ist noch kaum jemand zum Superstar gewählt worden (geschweige denn, hinterher ein Superstar geblieben).

    Sarah Engels hat einen Titel aus Großbritannien mitgebracht: Katrina and the Waves mit “Walking on Sunshine”. Eine temperamentvolle Up-Tempo-Nummer, bei der mir heute zum ersten Mal Sarah nicht ganz souverän erscheint. Vielleicht wegen der anstrengenden Choreografie inklusive Hüftschwung wirkt ihre Stimme an vielen Stellen eine Nuance zu niedrig, was dem ganzen einen leichten Karaoke-Touch gibt. Fernanda hat das auch gemerkt und attestiert Unkonzentriertheit, auch seien der Hüftschwung und überhaupt alle Schritte mit den High Heels noch ausbaufähig. Dieter sieht wie immer alles anders. Er ist sowohl mit dem direkt vor seinem Jurytisch ausgeführten Hüftschwung hochzufrieden, als auch mit der gesanglichen Leistung.

    Pietro Lombardi beschließt mit seinem Auftritt die erste Runde der heutigen Show. Er singt “Don’t worry be happy” von der Hermes House Band, die aus den Niederlanden, also Europa, stammt. In Wirklichkeit ist das aber mal wieder eine kleine Mogelei von RTL, denn die Stimmungstruppe vom Gouda-Planeten hat den Song nur gecovert, das Original stammt von Bobby McFerrin und der ist ein waschechter US-Amerikaner aus New York City. Pietros Auftritte sind nichts für schwache Nerven, man zittert immer, ob er den Text drauf hat und die Melodie kann. Das gilt insbesondere seit dem katastrophalen Textaussetzer vom letzten Sonnabend. Angeblich hatte der Kandidat diesmal sogar seine DSDS-Karriere abbrechen wollen, wenn er den Text seiner beiden heutigen Lieder bis Freitag nicht drauf gehabt hätte. Sagt die Blöd-Zeitung – und die muss es wissen, denn bestimmt hat sie dieses Gelübde selbst erfunden. Wie auch immer, in den Sack gehauen hat Pietro nicht, sondern er steht zwar etwas ruhiger als früher, aber mittlerweile ohne Krücken, auf der Bühne und schmettert sein Lied. Auf dem Kopf trägt er die obligatorische Baseball-Dunstkiepe, bemerkenswert sind aber auch seine grasgrünen Gärtnerhosen, die ein wenig nach Clown aussehen. Musikalisch ist das nach meiner Meinung nicht gerade nobelpreisverdächtig, einige Male kann man im Refrain den Sänger nicht vom Backgroundchor unterscheiden. Dieter Bohlen hat an Pietro aber einen Narren gefressen, egal was und wie der singt, der Poptitan findet es gut und Amen. Es geht hier absolut nur noch um kommerzielle Verwertbarkeit. Der Kandidat hat großen Rückhalt bei den pubertierenden Bravo-Mädchen, ergo ist er auch für Bohlen interessant. Würde er für Zazou und Pietro die selben Maßstäbe anlegen, müsste er Pietro eigentlich anschreien. Stattdessen bastelt sich Dieter einen hanebüchenen Vergleich zusammen, der inhaltlich völlig dem Niveau des Kandidaten angepasst ist: “Jesus hatte Anhänger und Du hast Texthänger.” Die Erklärung, was er mit diesem Kalauer eigentlich sagen will, bleibt uns der Millionär aus Tötensen schuldig. Nettes Detail am Rande: Pietro erzählt Marco, dass er sich das Gipsbein selbst abmontiert habe. Eigentlich sei er noch gar nicht gesund und habe auch gelegentlich noch Schmerzen im Fuß. Ja, für die DSDS-Karriere muss man echt über Leichen gehen – und wenn es die eigene ist.

    Nun beginnt die zweite Runde, ab jetzt kommen nur noch amerikanische Songs, wobei allerdings nur die USA gemeint sind, alle übrigen Länder dieses Doppelkontinents fallen unter den Tisch. Bevor Staffelzwerg Sebastian Wurth auf die Bühne tritt, muss RTL in einem Einspieler noch mal dringend Werbung in eigener Sache machen, denn offenbar stimmen mittwochs die Quoten noch nicht: Wir sehen Sebastian und Pietro bei ihrem Besuch hinter den Kulissen von “Let’s dance”. Angeblich geiern sie vor allem auf ein Autogramm – und mehr – der Moderatorin Sylvie van der Vaart, treffen dort in der Garderobe bedauerlicherweise aber auch auf Nervbold Thomas Karaoglan. Diese DSDS-Altlast aus der letzten Staffel ist wegen seiner erfolglosen Gesangskarriere nun als C-Promi zu einer Odyssee durch die Niederungen des deutschen Kommerzfernsehens verdammt und muss sich dabei momentan als Tanzkandidat von einem gewissen Herrn Llambi verbal zu Brei schlagen lassen. Der Llambi ist quasi die wildgewordene Version von Bohlen und mimt bei “Let’s dance” den Oberjuror. Aber keine Sorge, Thomas wird für seine Erniedrigung bezahlt, vermute ich jedenfalls… Zurück zu DSDS 2011: Sebastian singt in der zweiten Runde den Titel “Hallelujah” von Rufus Wainwright. Auch der hat den Song nur gecovert, genau wie vor ihm – aber genialer – Jeff Buckley. Das Original stammt von Leonard Cohen. Sebastian steht (natürlich stocksteif) wie ein Konfirmant in einem etwas zu klein wirkenden weißen Anzug vor einem dramatisch beleuchteten Bombasto-Bühnenbild, das irgendwie nach Kirche aussieht. Aus nicht klar ersichtlichen Gründen scheint er diesmal unruhiger als sonst, das lang ausgehaltene “Halleluja” im Refrain muss er stets ein zweites Mal ansetzen, weil ihm offenbar zwischendrin die Puste ausgeht. Patrick und Fernanda sind trotzdem total beeindruckt, waren angeblich beinahe zu Tränen gerührt, aber Onkel Dieter muss die weihevolle Stimmung wieder mit Kritik zerstören. Er vermisse das Gefühl, die Nummer müsse eigentlich vor Schmalz triefen, doch davon habe er nichts gesehen, den ersten Titel fand er besser.

    Ardian Bujupi zeigt sich in seinem Einspieler mal wieder als ekeliger Gelegenheitsmacho, der immer gern einen sexistischen Spruch ablässt, wenn er ein offenes Mikro findet. Er bringt nun “I need a Dollar” von Aloe Blacc und macht seine Sache zum zweiten Mal an diesem Abend sehr gut. Die Jury spricht erneut von “Gänsehaut”, “Spaß beim Zugucken” und vor allem “Du bist die Überraschung des Abends”.

    Zazou Mall war in der letzten Woche zusammen mit Sarah beim Pferderennen und deswegen wird ihr Einspieler gefüllt mit langweiligen Bildern von Pferden und reichen Frauen mit Hut. Lustigerweise wettet Zazou 20 Euro auf einen Hengst namens Zazou, der dann hinterher aber nur auf dem fünften Platz landet. Sie will es bei DSDS aber weiterbringen, als nur bis zum 5. Platz, sagt sie. Ihr Titel “Waka-Waka” von Shakira wäre ohne Ton supertoll, sie trägt ein enges, kurzes Leopardenkleidchen und passt bestens zu den mit Tiermasken kostümierten DSDS-Tänzern. Mit Ton hört man allerdings ihre dünne Stimme, auch Dieter Bohlen tut das: “Das war nicht Waka-Waka, sondern Kacka-Kacka”, gibt er seinen Senf dazu.

    Marco Angelini singt im zweiten Durchlauf “Use somebody” von den Kings of Leon. Er performt die Hymne mit großen Gesten in einem dramatisch aussehenden Blitzlichtgewitter, da werden die Kölner Stadtwerke wohl kurzzeitig ihre Stromzähler als Ventilatoren benutzen können. Der Gesang war wieder sehr nahe am Original dran und überzeugt die Jury. Dennoch unkt Dieter herum, er sehe nachher in der Zitterrunde Zazou und Marco.

    Vor der nun folgenden Werbepause interviewt Marco Schreyl die Kandidaten auf ihrem Sofa. Offenbar haben die alle akute Anfälle von Schlafkrankheit, denn Pietro fällt nicht mehr ein, von wem sein nächster Song stammt, eine an Sarah gerichtete Frage schreckt diese offenbar aus einem kurzen Nickerchen hoch (“Hä?”) und dann versemmelt Pietro auch noch seine bereits zig-fach praktizierte Ansage der Reklamepause. Auf Marcos Stichwort “Und nun kommt…” reagiert Pietro mit “Ciao!” (richtig wäre “Werbung” gewesen). Marco schüttelt nur den Kopf über die ganzen Stümper um ihn herum.

    Sarah Engels war zur Füllung ihres Einspielfilmchens einen Vormittag als Praktikantin im Kölner Zoo. Wer bisher nicht wusste, wie sehr Pinguinscheiße am Beckenrand klebt, der hat heute bei DSDS wirklich was gelernt. Zum Beispiel auch, dass Sarah Angst vor Eulen hat und Erdmännchen dagegen süß findet, weil die angeblich ein wenig so aussehen wie Pietro, behauptet sie. Live singt sie heute Abend “Hurt” von Christina Aguilera, einen schweren, langsamen Song, den sie aber prima meistert. Im Hintergrund dreht sich ein Karussell auf der Bühne, Feuerwerk sprüht und die Streicher im Orchester machen Überstunden.Die Jury findet kaum noch Superlative: “grandios”, “gigantisch”, “wunderschön”, “ganz große Klasse”, “Gänsehaut pur” usw. Nur Dieterchen muss ein wenig die Euphorie bremsen, es sei zwar alles toll gewesen, er vermisse aber Originalität, das da eben sei zu sehr Kopie und zu wenig Sarah gewesen, findet er.

    Pietro Lombardi macht den Ausputzer mit “Mad World” von Gary Jules. Ganz ursprünglich stammt der Song von Tears for Fears, die übrigens aus Großbritannien kommen, welches – jedenfalls geografisch – nicht zu Amerika gehört, liebe RTL-Musikredaktion, ich hab’s gerade bei Google-Earth nachgesehen. Ich würde vorschlagen, wir verrechnen diesen neuerlichen Geografie-Fauxpas mit dem umgekehrten Problem aus der Hinrunde, als Bobby McFerrin den Europäern zugeschlagen wurde. Bevor der Gesang startet, wird es erst mal wieder peinlich, denn als Ouvertüre zu Pietros Auftritten darf bekanntlich immer jemand aus seiner Familie peinliche Interna über den Kandidaten ausposaunen. Nachdem in der Vorwoche sein Bruder beim Interview durch Marco mit unverständlichen Sätzen und einem klingelnden Handy glänzte, hat RTL diesmal Oma Lombardi vorgeladen. Sie berichtet auch wirklich treudoof, dass ihr Enkel ziemlich schusselig sei und “immer irgendwo ‘ne Macke” habe, wie sie sich ausdrückt. Dann kommt live endlich Pietros Lied. Er steht dabei mutterseelenallein mit seiner silbrig glänzenden Basecab in einem Lichtkegel auf der Bühne und schafft es tatsächlich, das ganze “Mad World” ohne Texthänger abzuliefern – auch wenn sein Englisch an einigen Stellen noch ungewöhnlicher ist, als das von Lena Müller-Klappstuhl, oder wie die Eurovisionsfrau heißt. Patrick Nuo ist nicht hundertprozentig zufrieden, der Titel sei vielleicht doch eine Nummer zu groß gewesen. Dagegen ist Fernanda zufrieden, so wie eigentlich sowieso immer. Dieter bekennt: “Du schluchzt und wimmerst wirklich hervorragend, das ist Dein eigener Style und ich finde den Pietro-Style einfach geil, das weißt Du.” Klar weiß er das, alle wissen es, wenn Dieter sich mal wieder einen Lieblingskandidaten erkoren hat, dem er durch dick und dünn die Treue hält, egal wie er singt. Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an den grässlichen, etwas verhungert aussehenden Mark Medlock (den ich übrigens als Gast im Finale erwarte), an den weinerlichen Daniel Schumacher und gerade in der letzten Staffel natürlich an Dackelblickträger Marcel “Plüschi” Pluschke. Dieses Mal heißt Bohlens musikalischer Adoptivsohn also Pietro Lombardi.

    So, Bühne frei für das Telefonvoting. Diesmal geht alles gut, keine Nummernvertauschereien, RTL hat gelernt. Wir spulen mal ganz schnell vor, vorbei an Bülent Ceylan, der heute Abend mit einem hässlichen Gag-Assistenten im handgestrickten Pullunder erneut seine drei Grundpointen variiert und denkt, keiner merkt was. Wir kommen nun also direkt zur Bekanntgabe des heutigen Rauswurfs: In die Zitterrunde müssen Zazou, Marco (Angelini, leider nicht Schreyl) und Sarah und am Ende muss Zazou Mall die Koffer packen. Ich denke, die Entscheidung geht nach musikalischen Gesichtspunkten in Ordnung, gerade der Schnelldurchlauf sämtlicher Titel hat deutlich ihre Schwächen gegenüber allen anderen Kandidaten gezeigt. Optisch wird sie aber fehlen, da hatte sie schon ganz klar Star-Appeal, mehr als alle anderen.

    Dieter Bohlen hat sich also auch in diesem Punkt mal wieder durchgesetzt, die von ihm am wenigsten geschätzte Kandidatin ist raus. Ab jetzt wird es sicherlich eng für Marco, dann Sarah und danach beginnt der Kampf der großen Drei, wobei ich Sebastian und Pietro im Finale sehe.

    Bis zur nächsten Show! Dann muss übrigens jeder Kandidat drei Songs singen, das wird ziemlich hart für Pietros graue Zellen…

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