• Liebe Trash-TV-Fans,

    auch eine der meistgesehenen Serien des Formats “Reality Soap” ist gut durch das Sommerloch gekommen und meldet sich heute gleich mit einem absoluten Highlight zurück: “Raus aus den Schulden” spielt diesmal in Perleberg im malerischen Brandenburg. In den Hauptrollen in dieser Pleitenposse sehen wir Judith M. als naive Krankenschwester und Stefan M. als verschlagenen Bruder. Den hilfreichen, leicht grantelnden älteren Herrn spielt der bekannte Laiendarsteller Peter Zwegat aus Berlin. Vorhang auf zum ersten Akt!

    (Anmerkung: Zwar wurde in der Sendung der volle Familienname genannt, aber nach einigen sehr unfreundlichen Kommentar-Mails der Protagonisten zu meinen vorangegangenen Zwegat-Blogs gehe ich hier mal in Vorleistung und schütze deren Rest von Privatsphäre. Eigentlich selbst Schuld, denn wer ins Fernsehen geht, muss damit rechnen, dass man ihn sieht und über ihn spricht.)

    Es geht gleich los beim Kern der ganzen Sendung: Krankenschwester Judith M. lebt in Hannover und hat sich vor drei Jahren mitten in ihrer alten Heimatstadt Perleberg ein Fachwerkhaus gekauft. Offenbar etwas unbedacht, denn hinter der einigermaßen ordentlichen Fassade ist das Gebäude völlig im Eimer, die Fernsehfuzzis sprechen sogar von einer Schrottimmobilie. Die Tapeten, wenn überhaupt noch vorhanden, hängen in Fetzen, die Decke bröselt bedenklich, viele Kabel sind aus der Wand gerissen, überall am Boden liegt Schutt, es gibt Beulen an den nassen Wände, kurz: Das Ding ist eine Ruine, für Menschen völlig unbewohnbar. Selbst als Ratte würde ich mich vor den anderen Ratten draußen auf der Straße schämen, wenn ich hier mein Loch hätte. Judith und ihr Vater steigen mühsam und sich heftig am Kopf kratzend durch die Trümmerlandschaft. Die allwissende Stimme aus dem Off weiß sogar noch ein paar mehr Details: Judith hat für den Erwerb dieser Bruchbude einen Bankkredit über 80.000 Euro aufgenommen – zu einem Zeitpunkt, als sie 1.400 Euro netto verdiente. Wir Zuschauer fragen uns natürlich unwillkürlich, wie ein Mensch so dämlich sein kann, so viel Geld für so wenig Haus zu bezahlen und welche Bank bekloppt oder gerissen genug ist, dafür auch noch einen solchen Kredit auszuspucken. Nun, das werden wir heute alles erfahren.

    Nicht nur, dass Judith ihre geliehenen 80.000 Talerchen für nichts verpulvert hat, ihre Schulden wachsen sogar immer noch weiter, denn die Hütte gammelt lustig vor sich hin, das Dach macht wohl bald den Schlappmann und Kreditraten, Grunderwerbssteuer, Grundsteuer und Versicherungsprämien sind längst überfällig. Auf der Einnahmenseite gähnt ebenfalls ein großes Loch, die erhofften Mieteinnahmen blieben natürlich aus, denn wer will schon in so einem Dreckloch hausen? Und womöglich auch noch dafür bezahlen??? Inzwischen sind Judiths Außenstände sechsstellig, sie sieht keine andere Lösung mehr und greift zum Äußersten, nämlich zum Hörer, und ruft das Fernsehen: “Hilfe, hilfe, lieber RTL, ich weiß nicht mehr weiter, bitte schickt den Zwegat!!!”

    Der kommt natürlich auch sofort und dass, obwohl er doch lt. Vorspann dafür keinen Cent kassiert. Es ist die pure Menschenliebe, die den alten Mann antreibt, er ist ein reiner Guter, wie Dittsche sagen würde. Nun denn, Zwegat kommt also zu Besuch bei Judith M. und lässt sich alles, was er natürlich insgeheim schon längst aus dem Drehbuch weiß, nochmal haarklein vor der Kamera verklickern. Aha, aha, für 80.000 Tacken hat sie also das ominöse Haus gekauft. Und zwar von ihrem Bruder, dem gelernten Banker Stefan (M. natürlich, die heißen alle M.). Stefan ist genau so ein Banker, wie sich Nicht-Banker wohl den typischen Banker vorstellen, nämlich gerissen und geldgeil. Stefan hatte das Haus nur ein paar Tage zuvor selbst für gerade mal 30.000 Euronen erworben. Zwischen An- und Verkauf hat die Prachtvilla also innerhalb kürzester Zeit eine Wertsteigerung um sage und schreibe 167% erfahren. Oder mit anderen Worten: Stefan hat aus der Blödheit seiner naiven (damals 24jährigen) Schwester 50.000 Euro Gewinn geschlagen. Angeblich hatte er zuvor den Kauf als lukrative Investition und Altersabsicherung dargestellt und selbstlos versprochen, die Kreditraten zu übernehmen, bis die Schwester den ersten Mieter gefunden hat. Daraus wurde nichts, Bruder M. stellte nach dem Verkauf seiner Immobilie die Unterstützung von Schwester M. ziemlich bald ein und zog sich in der Folgezeit aus nachvollziehbaren Gründen überhaupt etwas aus der Familie M. zurück, der Kontakt zwischen den Geschwistern ist sozusagen abgerissen.

    Was Zwegat ein respektvolles Kopfnicken abnötigt, ist die Tatsache, dass Judith sich das Fachwerkhaus vor ihrer Unterschrift unter den Kaufvertrag nicht ein einziges Mal angesehen hat, obwohl es nur einen Steinwurf vom Haus ihrer Eltern entfernt liegt. Respekt, so naiv und hirnverbrannt waren in seiner Sendung nur wenige, wenn überhaupt. Diesen Tag sollte man sich als Fan des Schuldnerberaters rot im Kalender anstreichen. Hier sitzt tatsächlich eine Frau auf dem Sofa, die es hinsichtlich ihrer Geschäftsfähigkeit nicht mal mit einem Gummibaum aufnehmen könnte. Wäre ich Zwegat, würde ich die Adresse von Judith M. unter allen windigen Schlawinern dieser Welt meistbietend versteigern und mich von dem Geld zur Ruhe setzen.

    Der Berliner ist aber auch etwas Masochist, denn nun will er das fragliche Haus doch gern einmal selbst in Augenschein nehmen. In der nächsten Szene sehen wir Peter Zwegat also durch die ziemlich abgewrackten, leeren Straßen Perlebergs laufen, vorbei an Häusern ohne Putz, die womöglich älter sind als er selbst und im Hintergrund leise, aber sehr passend das Mundharmonikathema aus “Spiel mir das Lied vom Tod”. (Wie schon in einigen Blog-Einträgen angemerkt, liefert die RTL-Musikredaktion immer wieder subtile Soundtracks, deren wunderbare Ironie sich erst beim genauen Hinhören voll erschließt. Großartig!)

    Perleberg, die Hauptstadt der Prignitz, ist, wie man so sagt, auf den Hund gekommen. Die nächste Autobahn ist zwei Stunden entfernt, die Jugend flüchtet, sobald sie eine Fahrgelegenheit kriegt und zurück bleiben alte Leute und leere Häuser. Die Immobilienpreise bewegen sich dementsprechend auf Kellerniveau. Schwester Judith hat in einem wachen Moment mal von einem Gutachter den realen Preis ihres Traumhauses schätzen lassen und… man mag es ja kaum schreiben… der liegt bei gerade mal 5.000 bis 10.000 Euro.

    Ob das Gebäude unter Denkmalschutz stehe, will Zwegat wissen. Ja, vermutlich ja, kommt wenig verbindlich zurück. Der Berliner ist schon wieder perplex, dass Judith diese für alle Renovierungs- und Abrissfragen wichtige Information nicht wirklich parat hat. Im Haus verschlägt es ihm dann ganz die Sprache, auf die Besichtigung des Dachgeschosses verzichtet er sogar aus Rücksicht auf seine sonst vergeblich angesparte Rente. Stattdessen geht er gleich rüber zu Judiths Eltern, den Ms. Hier will er mal in den Familieninterna nach den Motiven des skrupellosen Bruders Stefan forschen. Die Eltern sind genau so ratlos wie Zwegat selbst, stehen fassungslos vor dem schwarzen Loch, in dem auch von ihnen bereits 15.000 bis 18.000 Euro verschwunden sind, weil sie beide Kinder nach Kräften finanziell unterstützt haben. Damit stünden sie jetzt selbst kurz vor der Pleite, berichten die rührigen Ms.

    Nun kommen wir zu dem beliebten Ritual aller Zwegat-Folgen, der Addition der Schulden an der Flip-Chart. Neben dem eigentlichen Hauskredit hat Judith auch noch mehrere andere Konten komplett überzogen und sich trotzdem in dem ganzen Chaos auch noch ein Auto für 12.000 Euro geleistet, man gönnt sich ja sonst nichts. Summa summarum nennt die 27jährige 122.680 Euro Schulden ihr Eigen. Nochmal Respekt! Den monatlichen Einnahmen aus Job und Nebenjob in Höhe von 2.000 Euro stehen Ausgaben von 1.465 Euro gegenüber. Das sieht auf den ersten Blick ja fast positiv aus, allerdings bedient sie momentan ihre Kreditraten fast gar nicht. Würde sie das tun, machte sie etwa 180 Euro Miese pro Monat. Zeit für ein paar Gespräche, Zwegat läuft so langsam warm.

    Eigentlich bliebe nur die Privatinsolvenz, sagt der Schuldnerberater aus seiner langen Erfahrung mit Pleitiers. Schwester Judith behagt das aber gar nicht, nein, ins Insolvenzverfahren will sie partout nicht, “da bleibt von meinem Geld ja gar nichts übrig”. Irgendwie hat die Gute noch immer nicht geschnallt, dass schon jetzt von “ihrem Geld” gar keine Rede mehr sein kann, das ist allerhöchstens noch das Geld der Bank, sie ist nach ökonomischen Maßstäben völlig abgebrannt. Aber Mahatma Zwegat will immer nur das Beste für seine Kunden und fängt deshalb tatsächlich an, mit der Bank zu verhandeln.

    Währenddessen in Perleberg: Mutter M. feiert ihren sechzigsten Geburtstag und hat alle ihre beiden Kinder eingeladen. Alle? Ja alle, auch den fiesen Bruder. Es kommt also zum Geschwister-Showdown und wir sind dank RTL mittendrin!!! Offenbar hat ihn das Team schon vorab interviewt: Stefan M. redet sich mit einem Haufen Bankergebrabbel aus der Affäre, er hätte eigentlich die Renovierung von Judiths Haus bezahlen wollen, dann seien bei ihm aber Probleme mit der Steuerfahndung aufgetreten, “Kontendichtmachen, Kontenlöschen, Guthaben runterziehen, also das volle Programm”. Danach war bei ihm Ebbe und seine Schwester konnte er auch nicht mehr unterstützen. Angeblich habe er aber immer wieder versucht, einen Käufer für das Haus zu finden.

    Nach dem Kaffeetrinken bei Muttern gehen Judith und Stefan zur Aussprache runter auf die Straße, die Kamera natürlich immer dabei. Judith sagt zunächst überraschend ruhig, später aber doch noch sehr bewegt ihren Text mit den Vorwürfen auf und Stefan windet sich aalglatt und eiskalt mit Ausreden der Marke “kann ich nicht mehr ändern” und “ich hatte soviel andere Dinge im Kopf” heraus. Am Ende schweigen sich beide an, Judith weint, sie kenne ihren Bruder nicht mehr wieder und Stefan wirkt genervt, weil er ja immerhin nach den Pfändungen auch nur noch 990 Euro Gehalt im Monat hat. Das sei ja für ihn noch ein viel größerer Abstieg, wo er doch früher als Single ein riesiges Haus hatte und mehrere dicke Autos fuhr… Das Verhältnis der Geschwister dürfte sich mit diesem “Gespräch” nicht wesentlich verbessert haben, aber wenigstens hatte diese Folge ihren emotionalen Höhepunkt.

    Wenden wir uns wieder dem ehrlichen Handwerker Peter Zwegat zu. Der hat inzwischen mit der Hypothekenbank einen Deal eingefädelt, nach dem Judith ihr verdammtes Haus wesentlich unter dem Kreditwert verkaufen darf. Dann spricht er selbst einmal mit Bruder Stefan, der zur Zeit als Immobilienhändler tätig ist (auch wenn ihm, wie gesagt, das Finanzamt alle Einnahmen oberhalb von 990 Euro wegpfändet). Der findet angeblich tatsächlich nach einigen Wochen einen Käufer, der sage und schreibe 5.000 Euro für das vormals 80.000 Euro teure Haus auf den Tisch legen will. Damit die Hypothekenbank Judith endgültig vom Haken lässt, muss nun noch ein (ungenannter) fünfstelliger Vergleichsbetrag zusammengebracht werden. Judith bekommt von ihrem zweiten Arbeitgeber einen Arbeitnehmerkredit, die Eltern schießen auch noch etwas Geld zu (aus dem Verkauf von Sammlerpuppen) und dann kriegt Zwegat per Fax das Okay der Bank: Die gut 90.000 Euro Hypothekenkredit inklusive aufgelaufener Verzugszinsen usw. wären mit dem Vergleich erledigt. Die restlichen etwa 30.000 Euro und den neuen Arbeitnehmerkredit kann Judith bei bescheidener Haushaltsführung in absehbarer Zeit voraussichtlich ohne fremde Hilfe abstottern.

    Eigentlich sollte Judith darüber sehr glücklich sein, aber bei ihr bleiben Zweifel, denn die ganze Lösung steht und fällt mit ihrem Bruder. Wenn der Käufer abspringt, ist der Vergleich Essig und es bleibt wohl nur der bittere Gang ins Insolvenzverfahren. Zwegat kann sie da auch nur bedingt beruhigen. Die Erlösung für unsere gepeinigten Nerven kommt aber mit dem Abspann: Aus dem Off erfahren wir, dass der unterschriebene Kaufvertrag inzwischen der Bank vorliegt und damit wohl der Vergleich zustande kommt.

    Juhu, das war eine Spitzenfolge, Supermann Zwegat hat es mal wieder geschafft, aus 90.000 Euro hat er im Handumdrehen einen kleinen fünfstelligen Betrag gemacht, eine verzweifelte Krankenschwester kann wieder lächeln und vielleicht kommt ja sogar das Verhältnis der entfremdeten Geschwister wieder etwas ins Reine. Wir sind gespannt, zu welchen Wohltaten der Schuldnermessias in der nächsten Woche aufbricht! :-)

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  • Hallo Leute,

    auch in der zweiten Folge der neuen Staffel von “Mein neues Leben” kommen keine echten Auswanderer vor. Aus der Vorwoche kennen wir bereits Lothar und Hans-Jürgen, die es auf Mallorca seit einigen Jahren mehr oder weniger freiwillig in eine Höhle verschlagen hat. Sie ernähren sich hauptsächlich aus den Mülltonnen eines benachbarten Supermarkts. Warum man ihr Schicksal in diese Auswandererserie gequetscht hat, weiß nur der zuständige Redakteur im Sender, ich jedenfalls nicht. Besser passen da schon Jürgen und Phoo Füller. Das Ehepaar ist von Deutschland in den Norden von Thailand ausgewandert und hat dort ein Hotel-Resort aufgebaut. Auch hier kann man nicht mehr direkt von einem “neuen Leben” sprechen, immerhin leben Füllers schon seit drei Jahren in Thailand. Mal sehen, wen uns Kabel 1 heute als dritten Handlungsfaden serviert. Der unsympathische Immobilienprotz Thomas Kramer, der in Miami maßgeblich für das Bild vom hässlichen Deutschen verantwortlich zeichnet, ist diesmal jedenfalls nicht dabei. Und das ist auch gut so!

    Tja, etwas zu früh gefreut, wir starten gleich schon wieder in Miami. Wo Kabel 1 mit seinem Filmteam gerade mal hier ist, nutzt man die Gelegenheit, einfach alle abzulichten, die ihre Visage immer schon dringend in eine Kamera halten wollten. Und davon gibt es hier offenbar mehr als genug. Nun denn, heute ist es eine Frau, die uns ihre erfolgreiche Karriere in der amerikanischen Metropole nahe bringen will. Uschi Winter (50) war früher mal Playmate und durchsucht heute als Modefotografin die Straßen Floridas nach neuen Models. Das Fernsehteam begleitet sie, wie sie im offenen Cadillac im Art Deco-Viertel von Miami Beach herumfährt, albern winkend und jeden Passanten grüßend. Währenddessen parliert sie mit offensichtlich sorgfältig gepflegtem amerikanischen Akzent über die Vorzüge der Oberflächlichkeit und unverbindlichen Freundlichkeit in ihrer neuen Heimat. Seit 20 Jahren lässt sie sich dort nun schon die Sonne auf ihren Alabasterkörper brennen, da haut es hier und da wohl auch mal eine Synapse im Sprachzentrum aus der Umlaufbahn. Textprobe: “Hier ist schon easy, you know, Leben ist schon schöner.”

    (Bemerkung am Rande: Was, um Himmels Willen, hat das bloß mit dem Titel der Sendung “Mein neues Leben” zu tun, die Frau ist seit zwanzig Jahren hier in Florida, das ist kein NEUES Leben, sondern ein schon mittelmäßig bejahrtes!)

    Heute macht Uschi das Casting für das Foto-Shooting einer neuen Bademoden-Kollektion. In der Modelagentur ist sie wegen ihrer hohen Ansprüche gefürchtet, behauptet die Stimme aus dem Off. Und tatsächlich zeigt sie sich dort recht wählerisch, was Größe, Teint, Augenfarbe und Ernährungszustand der Bewerberinnen für die Bikinifotos angeht. Sie scheint schon ziemlich genau zu wissen, was sie will, über mangelnde Professionalität kann ich an dieser Stelle beim besten Willen nicht lästern. Hilfreich ist, dass Uschi früher selbst Model war (und immer noch gut beieinander ist), da sieht sie schon auf den ersten Blick, ob eine Bewerberin passt. 50 bis 100 “Mädchen” sichtet die Deutsche an so einem Tag. Was für mich zunächst nach einem traumhaften Job klingt, scheint aber bei Licht betrachtet doch echte Arbeit zu sein – für alle Beteiligten.

    Noch sind keine Models ausgewählt, da macht die “Location” für das Shooting Probleme: Eigentlich sollte das ganze im Swimming Pool von Uschis Villa stattfinden, doch in Miami herrschen momentan nur 17° Celsius und Gänsehaut macht sich auf Bademodenfotos nicht gut. Also wird kurzfristig umdisponiert, vielleicht könnte man ja auch auf einen Hotelpool ausweichen, die sind nämlich windgeschützt. Das nächste Debakel droht, als sich Uschi endlich auf das blonde Model Mareike festgelegt hat und die dann aber postwendend krank wird, kaum dass ein zweites Probeshooting auf einer gemieteten Yacht ansteht. Aber so dramatisch, wie vom Off-Sprecher ausgemalt, ist die Sache dann doch nicht, Uschi bestellt einfach eine andere Schöne und kriegt doch noch ihre Bilder auf dem Schiff.

    Das eigentliche Shooting am nächsten Tag beginnt ebenfalls unter leicht dramatischen Vorzeichen, der “Junge” erscheint nämlich nicht rechtzeitig. Später kommt er dann doch noch zum Set, lässt sich willig von den Damen eincremen, alles wird gut und Uschi kriegt endlich ihre gewünschten Motive am Strand und am Pool. Happy End, als die Sonne untergeht, hat sie das Shooting im Kasten und ist zufrieden.

    Okay, das war zwar auch wieder keine richtige Auswandererstory, aber im Gegensatz zur letzten Woche kamen die Akteure in Miami diesmal wenigstens sympathisch rüber und waren ansehbar.

    Nun aber von den Reichen und Schönen zu den Armen und Hässlichen: Die mallorquinischen Obdachlosen Lothar und Hans-Jürgen sind momentan etwas abgebrannt, ihr liquides Gesamtvermögen beläuft sich auf die überschaubare Summe von 4 Cent. Da schrillen natürlich die Alarmsirenen und es treibt die beiden aus ihrer Höhle, dringend muss ein Job her! Zunächst geben die beiden in der Nachbarkatakombe ihren neuen Hund “Bello” (klasse Einfall) bei den dortigen tschechischen Bewohnern ab und gehen dann zum Hafen von Palma, wo sie das schnelle Geld wittern. Und tatsächlich, die Drehbuchautoren haben sich nicht geirrt, werden sie für einen Tag zum Deckschrubben auf einer niederländischen Yacht angeheuert, was cash 13 Euro einbringt. Lothar gönnt sich bei der Arbeit ein paar nachdenkliche Momente, als er in die Kamera sinniert, wie die Besitzer der vielen teuren Boote hier wohl an ihre Knete gekommen sind. Übrigens war Lothar selbst auch mal ziemlich reich, allerdings nur sehr kurz und nicht ganz legal: Er hatte eine Bank überfallen, wurde erwischt und zu 18 Jahren Gefängnis verknackt.

    Die 13 Euro reichen nur für kurze Zeit und schon wieder dominiert der Hunger den Alltag von Lothar und seinem introvertierten Kumpel Hans-Jürgen. Nun versuchen sie ihr Glück auf der fast menschenleeren Strandpromenade von Arenal, doch niemand hat einen Job für sie, ist halt gerade keine Touristensaison. Da bleibt als letzter Ausweg wieder nur der Müllcontainer vom Supermarkt. Lothar beißt die Zähne zusammen, steckt den ganzen Arm in den Dreckhaufen und angelt dann tatsächlich eine dicke Packung abgelaufenes Schweinefilet. Auf Mallorca ist damit das Abendessen für zwei Tage gesichert, aber mir vergeht einstweilen der Appetit!

    Am nächsten Morgen kommt mal wieder eine der gefürchteten Kontrollen: Miguel ist so eine Art Hausmeister bei den dicken Millionärsvillen oben über den Höhlen. Und er hat für alle Höhlen die Oberaufsicht, guckt nach, ob Müll herum liegt oder die Bewohner Feuer machen oder sonst wie gegen die ungeschriebenen Höhlenhausordnungen verstoßen. Wen Miguel nicht mag oder wer ihm quer kommt, dem entzieht er die Duldung und die Grottenolme müssen sich mitsamt Inventar ad hoc eine neue Bleibe suchen. Aber Lothar ist geschickt und weiß genau, wann er buckeln muss, nämlich jetzt. Miguel hat nichts zu beanstanden bei den ordentlichen Deutschen, die können erst mal bleiben.

    Anschließend machen Lothar und Hans-Jürgen den wöchentlichen Bade-Besuch bei einem befreundeten Ehepaar, ebenfalls aus Deutschland, aber vermögend. Und großzügig, denn hier dürfen die Höhlenmenschen ihre Wäsche und sich selbst waschen. Und die Haare werden ihnen bei Bedarf auch gleich geschnitten. Hans-Jürgen startet am Ende dieser Folge noch einen Arbeitsversuch als Gärtner, sägt den ganzen Tag Palmen und verpflanzt Oleander, kriegt den angebotenen Job aber am Ende nicht, weil er kein Wort Spanisch spricht. Also zurück in die Höhle… Grottenolm forever?

    Phoo (gesprochen “Boh”) und Jürgen Füller erwarten in ihrem Hotel-Resort in Thailand-Nord heute wichtigen Besuch aus Deutschland: Ein Investorenpaar hat sich angesagt, das eventuell mit einer namhaften Summe in das junge Unternehmen einsteigen will. Und nicht nur das: Brigitte und Reinhard wollen vielleicht sogar selbst ganz in Thailand bleiben, so gut hat ihnen der letztjährige Urlaub im Reisfeld-Resort bei den Füllers gefallen. Das wäre natürlich auch für diese Sendung ein Kracher, denn dann hätten wir endlich die ersten richtigen neuen Auswanderer dieser Serie. Und für Füllers wäre das auch gut, denn die bräuchten mal ein bisschen tatkräftige Unterstützung nach den Jahren ohne Urlaub und Pause.

    Gleich am nächsten Morgen könnte Jürgen die Hilfe gebrauchen, er muss allein das Frühstück für alle Gäste zubereiten weil Phoo zum Arzt ist, da fällt das Gas aus und der Herd bleibt kalt. Ohne Herd gibt’s kein Rührei, es ist aber noch kein Angestellter aufgetaucht, also muss sich Jürgen höchstselbst um die neue Gasflasche bemühen. Er kriegt vor laufender Kamera die Krise und entschwindet dann laut fluchend mit dem Auto in Richtung Gasmann. Später gibt es dann für sein irgendwann doch noch erschienenes Personal eine Standpauke. Verspätet kommen, aber pünktlich gehen, das funktioniert nicht. Allzu krass darf Jürgen seinen Anschiss aber nicht formulieren, entsprechend der hiesigen Kultur verlieren die Thailänder sonst ihr Gesicht und verdrücken sich dann auf Nimmerwiedersehen. Jürgen hat es schon nicht leicht als pingeliger Deutscher, der er im Herzen natürlich immer noch geblieben ist.

    Erschwerend kommt hinzu, dass Brigitte und Reinhard, das potenzielle Investorenpaar, von der Personal-Malesche nichts mitbekommen sollen, sonst hauen die womöglich auch mitsamt ihrem Geld auf Nimmerwiedersehen ab. Zum Glück merken die aber nichts (spätestens wenn sie diese Sendung sehen, dürften sie aber ziemlich sparsam gucken) und es bahnt sich tatsächlich der Einstieg der beiden Schwaben im Füllerschen Imperium an. Brigitte und Reinhard sind von Hause aus Fahrradhändler und wollen das nach Möglichkeit auch hier in Asien wieder werden. Jürgen hat dazu gleich frech behauptet, die Thailänder seien neuerdings Fahrrad-verrückt und so ein Laden wäre ein glatter Selbstläufer. Sogar ein Fahrradverleih direkt hier im Hotel wird angedacht. Schließlich wird man sich bei einem gemütlichen Umtrunk zum Sonnenuntergang draußen auf der Hotelterrasse einig: Brigitte und Reinhard machen ihre Ankündigung wahr, werden ihren Laden in Deutschland verkaufen und kommen dann in einem halben Jahr dauerhaft nach Thailand zu Jürgen und Phoo. Hurra!

    Damit ist diese Story wohl endgültig ausgelutscht und Kabel 1 schiebt deshalb schnell noch eine weitere unpassende Geschichte nach. Die spielt schon wieder auf Mallorca und dreht sich um Markus Redlich, der hierher ausgewandert ist und seinen Lebensunterhalt als Immobilienmakler bestreitet. Sein heutiger Fall sind zwei russische Damen, Mutter und Tochter, die sich erfreulicherweise ohne Budgetbeschränkung für eine standesgemäße Bleibe auf der spanischen Ferieninsel interessieren. Der Deutsche hat dicke Dollar- oder Rubelzeichen in den Augen und holt die beiden Frauen samt Bodyguard persönlich im dicken Daimler vom Flughafen ab. Das war es dann aber auch schon, denn dieser Handlungsfaden ist ein so genannter Cliffhanger. Erst in der nächsten Folge erfahren wir, ob und wie Markus es schafft, den Russinnen seine 11-Millionen-Finca anzudrehen und was für ein toller Typ er doch ist.

    Puh, das war schon wieder eine echt langweilige Folge, was haben die nur aus dieser früher so spannenden Serie gemacht? Eine allerletzte Chance gebe ich Kabel 1 noch in der nächsten Woche. Wenn da wieder nur Hängengebliebene und längst Etablierte vorkommen, gucke ich mir die Sendung nicht mehr an, dazu ist mir meine Zeit zu schade!!! :-(

    Nachtrag vom 01.09.2010

    Habe mir die Vorschau für die nächste Folge angesehen: Es bleibt alles wie gehabt, Makler schwänzeln um stinkreiche Kundschaft und unsympathische Deutsche protzen mit ihren geilen Karrieren im Ausland. Dazwischen versucht eine vor 15 Monaten ausgewanderte Familie, mit einem Wechsel der Behausung auch ihre internen Konflikte in den Griff zu kriegen. Schade, schade, schade. Keine Sprach-ignoranten Skandinavien-Auswanderer mit Prollallüren, keine entnervten Büromenschen, die sich ihren Lebenstraum erfüllen und unter der spanischen Sonne einen Grillimbiss eröffnen, ohne jemals zuvor eine Wurst in die Pfanne gehauen zu haben und ähnliche Glanzlichter. Unter diesen Umständen sage ich der Serie “Mein neues Leben” erst mal Adieu… :-(

  • Hi Leute,

    heute startet Gastropapst Christian Rach mit einem neuen Format in den Fernsehherbst: In “Rachs Restaurantschule” zeigt der Gutmensch aus Hamburg einem Dutzend Menschen ohne Job oder ohne Ausbildung, wo im Restaurant der Hammer hängt. Wenn sie sich gut anstellen, sind vielleicht ein festes Arbeitsverhältnis oder ein Ausbildungsvertrag drin, wenn nicht, bleiben immerhin die 15 Minuten Berühmtsein, auf die lt. Andy Warhol jeder Mensch ein Anrecht hat. Muss ja nicht unbedingt positive Berühmtheit sein, vollständiges Blamieren kann schließlich auch bekannt machen…

    Die Sache startet im Chilehaus in Hamburg. Hier will Rach innerhalb von 2 Monaten aus dem Nichts ein Restaurant aufbauen – nur mit seinem überragenden Talent und 12 Lernwilligen, um die der Erfolg bisher eine Kurve gemacht hat. Zunächst castet der Meisterkoch aus hunderten von Bewerbern seine neue Küchencrew zusammen. Während er die Bewerbungsmappen durchblättert, erfahren wir die wichtigsten Facts:

    Angelika ist die Seniorin der Gruppe und hat mit ihren 44 Jahren schon drei Ausbildungen hinter sich, das war aber wohl alles nichts und sie lebt von Hartz IV. Zuhause beschäftigt sie sich vorrangig mit der Aufzucht von Plüschbären.

    Tim war drei Jahre im Urlaub auf Staatskosten in Vechta und hat dort im Knast eine Kochausbildung gemacht, findet aber keinen Job. Mal sehen, wenn es hier nichts wird, kann er es mit seiner Vita bestimmt noch mal bei DSDS versuchen…

    Nina (19) hat zwar noch keine Ausbildung, aber dafür schon ein eineinhalbjähriges Kind – und damit wiederum keine Zeit mehr für eine Ausbildung. Trotzdem legt sie gesteigerten Wert auf ihr Äußeres und erinnert mich darin sehr an Kim Debkowski aus der letzten DSDS-Staffel.

    Rena “hat vieles probiert” (unfreiwilliger Joke!), findet aber “aufgrund ihrer Körperlichkeit” keine Anstellung, soll heißen: Sie ist ziemlich mollig geraten, passt mit 135 Kilogramm bei 175cm Größe vom Format her zwar gut in einen 16:9-Fernseher, aber schlecht in eine Küche – jedenfalls bisher. Nach meinen Trash-TV-Erfahrungen würde ich Rena ohne zu zögern in die Schublade “Nervensägen ab hundert Dezibel” einordnen. Die kriegt im Verlauf der Serie bestimmt noch einen Wutanfall und wird dann seeeeehr laut.

    Das blonde Bauernkind Jasmina arbeitet seit 5 Jahren als Aushilfe in der Gastronomie und möchte den Job jetzt mal richtig von der Pike auf lernen. Typmäßig wäre auch sie gut bei DSDS aufgehoben, mit ihrer positiven Ausstrahlung käme sie garantiert in den Recall.

    Gymnasiast Paul hält sich für ziemlich intellektuell, kommt aus “sehr gutem Elternhaus”, hat aber die Schule abgebrochen. Aus irgend einem Grund glaubt er, der geborene Küchenmeister zu sein und will später – ganz bescheiden – sogar ein eigenes Restaurant führen. Die Figur dafür hat er jedenfalls schon…

    Rapper Nourddine ist eigentlich zu cool für diese Welt, hat die Hauptschule abgebrochen und kann nichts außer Musik. Warum er dann ausgerechnet in dieser Sendung auftaucht, bleibt das Geheimnis der Drehbuchschreiber.

    Der Berliner Marco wittert nach über 100 vergeblichen Bewerbungen eine Chance an der Waterkant, ist aber ansonsten zunächst noch ziemlich still.

    Küken Jennifer (17) möchte unbedingt Köchin werden, aber Rach hält sie für zu jung und darum darf sie natürlich gern in der Sendung mitspielen.

    Can kocht für sein Leben gern und weil Rach gern einen Kandidaten “mit Migrationshintergrund” dabei haben möchte, gehört er ab heute in den RTL-Montag.

    Johnny war schon früher Lehrling im Chilehaus, hat bei der Polizei trotz jugendlichen Alters schon eine ansehnliche Akte und das befähigt ihn lt. Drehbuch heftigst zur Teilnahme an Rachs Restaurantschule.

    Der 28jährige Collin bekommt sogar einen eigenen Einspieler, so bunt ist sein verpfuschtes Leben. Gerade ist er bei seiner schwangeren Freundin rausgeflogen, vagabundiert nun auf der Suche nach einem Schlafplatz über die Reeperbahn und berichtet währenddessen dem Fernsehteam in schwer verständlichen Worten (Untertitel!) von seinem freudlosen Alltag.

    Zunächst müssen sich die 11 (Jasmina fehlt anfangs) bei Rach in seinem Hauptrestaurant, dem Tafelhaus an der Elbe, vorstellen und zwei Probetage überstehen. Dort gibt es gleich die erste Aufgabe, nämlich Warenkunde. Ein Haufen Grünzeugs wird den Neulingen im Rohzustand (als Pflanze im Topf) präsentiert und durch Riechen, Schmecken und Fühlen sollen sie herausbekommen, worum es sich handelt. Danach geht es weiter mit Fisch, der tot, aber namenlos vor den Kandidaten liegt und bestimmt werden soll. Und wem das noch zu leicht war, der kriegt jetzt auch noch rohes Fleisch und muss das zugehörige Tier raten. Das ist wieder DIE Gelegenheit für den Meister, die Hände über dem Kopf zusammen zu schlagen, denn die meisten Ergebnisse sind Kokolores.

    Rach ist in seinem Element und ordnet nun ein Diktat, einen kleinen Mathetest und eine Prüfung des Allgemeinwissens an. Bei Marco führt die vermeintlich leichte Frage “An welchem Fluss liegt Frankfurt am Main?” zu ratlosem Kopfkratzen und der traurigen Antwort “Elbe”, was Can dann auch noch schadenfroh in die Kamera posaunt. Da fragt man sich natürlich insgeheim, wie solch ein Kandidat es überhaupt unbeschadet von Berlin nach Hamburg schaffen konnte, normalerweise dürfte der ja nicht mal allein zum Einkaufen gehen.

    Als der erste Tag schon fast gelaufen ist, kommt Jasmina doch noch in die Tür: Ihr sei auf dem Weg von Sachen-Anhalt nach Hamburg der Auspuff abgefallen, aber nun sei sie ja trotzdem da, hallo zusammen. Rach ist sichtlich angepisst, hält den Ball für seine Verhältnisse aber noch flach und droht der permanent grinsenden Blondine nur, er werde sich bis morgen noch überlegen, ob er das durchgehen lassen könne. Nach einem abschließenden gemeinsamen Eisessen sind die nunmehr 12 Schüler für den Tag entlassen und können sich bis morgen erholen.

    Der zweite Tag beginnt, Jasmina darf natürlich bleiben. Heute geht es gleich in die Küche vom Tafelhaus. Hier müssen die Schüler nun ihre Gaumen testen, es gilt, die vier Grundgeschmacksrichtungen zu erkennen: süß, salzig, sauer und bitter. Für Rena wird es gleich doppelt bitter, denn sie sträubt sich, die vier Häppchen auf ihrem Teller zu probieren und weckt damit Rachs Zorn. Sie sei falsch in dieser Veranstaltung, wenn sie das nicht mal könne, wird ihr attestiert. Danach müssen Rot- und Weißwein unterschieden werden, serviert in dunklen, undurchsichtigen Gläsern. Gar nicht mal so einfach. In der Küche geht der Stress dann weiter, hier werden heute Pfannkuchen hergestellt mit allem, was dazugehört: Teig anrühren, Zwiebeln schneiden und anbraten. Rena ignoriert den Tipp vom Küchenausbilder Frank, durch den Mund zu atmen, atmet stattdessen wie gewohnt durch die Nase und heult plötzlich. Ja, sie könne nunmal nicht durch den Mund atmen, behauptet die Schülerin mit der Rubensfigur.

    Dann kochen sie sich alle zusammen ihr heutiges Mittagessen: Brathähnchen. Paul und Collin wollen beim Zerteilen der Vögel glänzen, scheinen dabei aber eher Hackfleisch zu produzieren. Auch Angelika versucht bei dieser Gelegenheit, Rach für sich einzunehmen: Sie zieht eine Tupperdose mit medizinisch aussehendem Inhalt aus ihrem Rucksack, behauptet, das sei ihr Lieblingsgericht Fischsuppe und überreicht das ganze dem leicht angeekelt wirkenden Küchenchef als Geschenk. Upps, äh, danke, wie alt das denn sei und ob sie das auch immer gut gekühlt habe, fragt er, wohl sehr um seine Gesundheit besorgt. Aha, naja, dann wolle er das nachher gleich mal probieren, gibt sich Rach vorsichtig. Ich wette, die graue Glibberbrühe findet sich spätestens in 5 Minuten in der Hamburger Kanalisation wieder. Und siehe da: Ein paar Szenen später öffnet er die Dose hinten in der Küche wie ein Bombenentschärfer einen gefährlichen Blindgänger, hält kurz sein wertvolles Riechorgan in Richtung Fischsuppe, zuckt entsetzt zurück und verkündet: “Das stinkt, das werde ich NICHT essen.” (Angelika zeigt sich nachher einigermaßen beleidigt von des Meisters Urteil.)

    Während nun alles anfängt zu mümmeln, zieht Rach eine erste Zwischenbilanz: Seine Schüler sollten alle viel mehr Gas geben, er will “Feuer” sehen, wer das nicht könne, solle sich lieber etwas anderes vornehmen. Daraus wird ein allgemeines Gesinnungsgespräch, alle bekennen sich zu dem gesteckten Ziel. Can verspricht, sein Leben werde sich um 360° ändern… womit er dann ja wieder dort wäre, wo er anfing! Rena ist unzufrieden mit sich, aber Papa Rach baut sie auf, hat gemerkt, dass sie ihre Piercings abgenommen hat und wertet das als gutes Zeichen für ihren Veränderungswillen. Nachdem auch der Rest der Truppe verbal die Hosen heruntergelassen hat, verkündet Rach seine Entscheidung: Alle 12 haben die Probetage überstanden und dürfen nun in den nächsten 2 Monaten um eine Festanstellung bzw. einen Ausbildungsplatz kämpfen. Als kleine Hausaufgabe verteilt der Gastropapst nun sein eigenes Buch; das sollen alle in den nächsten zwei Tagen durchlesen.

    Der Ernst des Lebens beginnt mit einem ersten Besuch in der zukünftigen Wirkungsstätte im Chilehaus. Das zuvor dort bestehende Restaurant “Weinhexe” wurde aufgegeben und steht seit einiger Zeit leer. Die Einrichtung ist völlig versifft und verstaubt, das sieht nach einem Arsch voll Arbeit aus für die 12 Schüler. Rach freut sich offensichtlich, dass seine Eleven es nicht allzu einfach haben werden. Einen weiteren Dämpfer verpasst er der Bande in der nächsten Szene, denn jetzt beziehen sie ihre gemeinsame Unterkunft (”gemeinsam” heißt natürlich nicht, dass auch Rach dort einzieht, logo). Vom Fernsehen werden zwei 5er- und eine 2er-Wohnung gestellt, die Aufteilung müssen die Schüler selbst organisieren, was ihnen nach einigem Hin und Her auch gelingt. Die neuen “dicken” (kein Kommentar) Freunde Tim und Paul teilen sich dabei die begehrte 2er-Wohnung. Rach macht klar, dass das hinterher genau so aussehen muss, wie jetzt am Anfang. Mal sehen, ich ahne Schlimmes, als die ersten Jungs auf dem Balkon erscheinen und mit lautem Grölen ihr neues Revier markieren. Aber noch viel schlimmer: Die 44jährige Angelika schleppt beim Einzug wie selbstverständlich ihr fast lebensgroßes Stoffpony hinter sich die Treppe hinauf, ohne das sie nach eigenen Angaben nicht schlafen kann. Nach dem Fischsuppenattentat ist das schon der zweite Negativpunkt auf ihrem Konto und ein echter Moment zum Fremdschämen.

    Am letzten Tag dieser Folge beginnt das große Aufräumen im Restaurant im Chilehaus. Schnell machen unsere Jungköche Bekanntschaft mit der norddeutschen Tierwelt, z.B. mit Spinnen und Kakerlaken, allerdings toten. Es folgt ein gemeinsames Nudelessen, dessen Zutaten die Pferdefreundin Angelika und Ex-Knacki Tim aus dem nahen Supermarkt besorgt haben. Rach weigert sich, die Tiefkühlkräuter auch nur anzusehen, der eingeschweißte Gouda wird ebenfalls heftig kritisiert. Die Tischmanieren der Anwesenden geben ebenfalls Anlass zur Beschwerde und eröffnen dem Meister für die nächsten Wochen ein weites Betätigungsfeld.

    Ach, was hat er sich doch für eine übermenschliche Aufgabe ausgesucht, der Gute… ;-) Aber Mitleid durch die Fernsehzuschauer ist nicht angebracht, der Mann wird dafür bezahlt. Und außerdem wissen wir aus seinen vorherigen Sendungen, dass er die Herausforderungen liebt: Wenn es einen Menschen gibt im Universum, der das schaffen kann, dann ist das Christian Rach! In diesem Sinne freuen wir uns also auf die nächste Woche.

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  • Jasmine, Becci, Santana, Vanessa, Roger, Ben, Cengiz und Denis sind die neuen Akteure in der RTL2 Doku-Soap “Abenteuer Afrika”. Die acht, teilweise lebensgefährlich (für sich und andere ;-) , wie ich finde) übergewichtigen Teenies verbringen drei Wochen in der namibischen Kalahari-Wüste bei dem Stamm der Ju/’hoansi.
    Für die Teenies geht es ums Abspecken, für uns ums satt sehen, denn in der Kalahari gibt es keine Luxus und vor allem kein Span-Ferkel am Spieß, keine Kartoffeln in Bratensoße oder eine Sahne-Torte – mhhh lecker ;-)
    Nachdem unsere Schwergewichte in der letzten Sendung bereits nach Afrika eingeflogen wurden (ich frag mich ja ob mit einer Maschine oder zwei ;-) ), beginnt diese Folge nach der ersten Nacht und natürlich Soap-Drehbuch reif mit einem handfesten Teenie-Zoff (die RTL2-Regie ist doch die Beste…), denn unsere zarte Wuchtbrumme Becci hat sich so gleich in Cengiz (den schlankesten der Gruppe) verliebt und Seite an Seite mit ihm die Nacht verbracht – ach wie süß (Cengiz meinte: “Ich fands schön”). Am nächsten Tag will Cengiz aber nix mehr von der gemeinsamen Nacht wissen und das gibt natürlich Stress! Vor den schreienden Mädels bekommen sogar die Ju/’hoansi Angst – man soll ja auch einer stampfenden Elefantenherde nicht zu nah kommen.
    Damit die Jungs und Mädels nicht die ganze Zeit streiten oder rumlungern (nicht dass die Teenies nachher noch dicker heim kommen) – beschließt Campleiter Arno Oosthuysen am nächsten Tag mit der Gruppe jagen zu gehen. Becci, Vanessa, Roger, Cengiz und auch Ben, der erst mal ein bisschen schwerfällig angetrieben werden musste, gehen mit auf die Jagd. Die Herde setzt sich also in Bewegung aber schon nach einer kurzen Weile schwinden bei den drei Mädels Becci, Vanessa und Ben (er gilt bei allen in der Gruppe als kein echter Mann) die Kräfte bzw. die Schwerkraft hat mal wieder gewonnen. Wildtiere hatte die Gruppe auch noch nicht gesehen – kein Wunder wenn 5 Jumbos durch die Wildnis trampeln, wie ich finde. Gerade so – vor allem Ben – schaffen es die drei zurück ins Camp und Ben fällt einfach um wie ein Kartoffelsack. Kaum aus seinem Tiefschlaf erwacht, packen Ben dann auch die Qualen der langen Jagd. Er hat durch das viele Laufen einen Krampf in den Waden bekommen und wird daraufhin auch gleich als Weichtüte abgestempelt da seine Schmerzgrenze, wie uns die Stimme aus dem Off verrät, sehr gering eingeschätzt wird. Wenn ihr wissen wollt wie nun sein schmerzverzerrtes Gesicht aussieht – dann presst einfach fünf Hamburgerscheiben fest zusammen. Ach ja nun wird uns von RTL2 Bens Rückblende eingespielt und die wird – ich wollte euch es eigentlich nicht verraten – als Überraschung wenn ihr es selbst guckt – in Unterwäsche gezeigt – Ja richtig in Unterwäsche! Sogar der Grand Ass Canyon ähm ich meine die Poritze… Im Rückblick erzählen uns seine Geschwister, allesamt dünn, dass Ben nie mit nach draußen gegangen ist als Kind, sondern immer daheim blieb… Sein Arzt gibt ihm außerdem auch noch eine Lebenserwartung von weiteren neun Jahren – das tut mir echt Leid… Zurück im Camp behandelt der Buschdoktor Ben und danach 188 kg Mann Denis – dieser hat unter dem Bauch einen riesigen Furunkel – arg ekelig – er schneidet sie auf… Dr Redman sollten sich unsere Kids als Beispiel nehmen denn er ist klug, aufgeschlossen und vor allem schlank.
    Am nächsten Tag erliegt der erste Dicke dem Abenteuer – Jasmin gibt auf – täuscht sogar mehr oder weniger einen Schwächanfall vor um endlich nach Hause zu dürfen und alle freuen sich – niemand konnte Jasmin leiden da sie zickig und launisch war. Schade für uns Zuschauer denn ihre Auftritte waren eine echte Lach-Garantie, finde ich ;-)
    Als nächstes beginnt Ben mit der Operation “Entkomme dem Camp”. Allerdings macht er es viel perfider ;-) Er leidet unter dem unerträglichen Kulturschock – die Ju/’hoansi haben nix aber sind trotzdem glücklich – das geht einfach nicht in seinen Kopf wie er selbst sagt und fängt an zu heulen. Er jammert “Ich kann nicht mehr – das wars – ich kann nicht mehr – das geht einfach nicht in meinen Kopf rein”. Ganz ehrlich ich glaub er will einfach nur nach Hause und sucht nach einer Ausrede dafür…
    Zum Glück fängt sich Ben wieder (der Plan hat wohl doch nicht geklappt) und geht zur täglichen Untersuchung – dabei wird sein Bauchumfang gemessen wobei ich glaube dass man hier nicht von messen sprechen kann, denn wie für mich aussieht ist das Maßband zu klein – man müsste also eigentlich von schätzen sprechen – zum Glück für Ben scheint aber alles positiv zu verlaufen ;-)
    Aber die Abbrecher geben nicht auf, als nächstes versucht es Denis. Er macht sich Sorgen um seine pflegebedürftige Mutter und will deswegen unbedingt nach Hause – wie es mit ihm und den anderen ausgeht erfahren wir aber erst in der nächsten Folge….

  • Hallo zusammen,

    Kabel Eins beginnt heute mit einer neuen Staffel der beliebten Castingshow “Deutschland sucht den naivsten Auswanderer”, die hier allerdings etwas langweilig “Mein neues Leben” heißt. Der Vorspann ist frisch renoviert – hoffentlich hat man sich mit dem Inhalt auch so viel Mühe gegeben und ein paar schöne Deppen ins Licht der Kamera gezerrt.

    Mein persönliches, bisher unübertroffenes Highlight der Serie ist übrigens noch immer die Hartz-4-Familie aus Zonesien, die in der 2007er Staffel ohne Vorbereitung und Verstand nach Norwegen auswandert, sprich: Sie können alle kein einziges Wort Norwegisch. In ihrer neuen Heimat angekommen, pöbeln sie den norwegischen Vermieter auf Prolldeutsch an, weil ihre mitgebrachten Möbel nicht mehr in das unbesehen möbliert (!) gemietete Haus passen, werfen kurzerhand alle vorhandenen Möbel über den Balkon raus, merken dann, dass sie dabei versehentlich auch den einzigen Herd beseitigt haben und kochen sich gegen Ende der Folge eine Frikadelle auf der Heizung. Darüber habe ich noch wochenlang gelacht… :-)

    Zurück zur heutigen Folge. Wie immer werden heute drei unterschiedliche Schicksale präsentiert, zerhackt in kleine, auch für den unbedarften Kommerzglotzer leicht verdauliche Häppchen. Ich sortiere die Handlungsstränge hier mal nach Protagonisten und fange mit dem langweiligsten an, nämlich mit dem, der es nach ökonomischen Maßstäben wohl “geschafft” hat. Thomas Kramer lebt bereits seit einigen Jahren in Miami, Florida und nervt gleich in der ersten Szene durch überhebliche Arroganz: Wir sehen ihn bei einer Tour durch das abendliche Lichtermeer seiner Wahlheimat in einer fetten Limousine und später bei einer Massage. Der “Immobilientycoon” wohnt in einem 45 Millionen Dollar teuren Haus auf bescheidenen 1.500 Quadratmetern direkt am Wasser und ist – man glaubt es kaum – noch Junggeselle. (Komisch, normalerweise findet sich doch in dieser Preisklasse für jeden Kotzbrocken noch ein hirnlos-heiratswilliges It-Girl, insbesondere, wenn der Kandidat schon etwas angegraut ist und sein Lebenswandel Hoffnung auf eine hübsche Erbschaft in vertretbar naher Zukunft weckt?! )

    Kabel Eins hat eine läppische Rahmenhandlung zusammengestrickt, bei der Übermensch Kramer einem angeblichen Repräsentanten (man nennt ihn “Anton”) irgendeines investitionsfreudigen arabischen Ölscheichs zeigen will, welche Wundertaten er in der amerikanischen Metropole so vollbracht hat und dabei praktischerweise gleich das Fernsehteam mitnimmt. Gähn, ist das langweilig! Wir schippern mit einem Bötchen über diverse Kanäle und lauschen den selbstverliebten, mit Business Buzzwords gespickten Ergüssen des Meisters über das von ihm gebaute Stadtviertel (”T-K-Land”). Ein schöner Satz: “Dieses Haus ist mein Masterpiece.” Keine Ahnung, wie das zu den Versagergeschichten der früheren Staffeln passen soll, so habe ich mir das jedenfalls nicht vorgestellt und darum boykottiere ich den Sack ab jetzt: Wer sich für Thomas Kramer interessiert, den Meister des bekannten Universums, muss sich leider die Wiederholung der Folge selbst ansehen… :-(

    (Der weitere Verlauf der Sendung gibt mir übrigens Recht, beim Vorspulen der Kramerschen Szenen kommen nämlich noch ein paar richtig eklige Momente, als der Multimillionär dem Fernsehteam seine in einem Sarg (!) gelagerte Sammlung von Sado-Maso-Sexspielzeug vorführt. Völlig ungeniert erklärt er der dafür sicherlich dankbaren Filmcrew seine Vorlieben im Bett und auch die Funktion des “Angel Recovery Room”, der direkt an das Kramersche Schlafzimmer grenzt, bleibt nicht im Dunkeln. Jetzt verstehe ich doch, warum der Typ noch Single ist. In puncto Schamlosigkeit und Mediengeilheit übertrifft Kramer sogar noch Jürgen Drews – und das will echt was heißen.)

    Der Kontrast zur nächsten Story könnte nicht größer sein. Wir kommen zurück nach Deutschland, ach ne Spanien, genauer gesagt nach Cala Blava auf der Insel Mallorca. Hier hausen seit einigen Jahren Lothar Bünder und Hans-Jürgen Baumgarten buchstäblich in einer Höhle, sie sind nämlich obdachlos. Beide gerieten durch persönliche Schicksalsschläge aus der Bahn und blieben auf Malle hängen, der eine saß früher mal im Knast, der andere wurde Opfer eines Raubüberfalls. Heute haben die beiden so gut wie nichts – und das teilen sie auch noch brüderlich. Aber immerhin hängt hinten an der Höhlenwand eine schwarz-rot-goldene Fahne…

    Hier auf Malle geht es kurz nach dem Aufstehen um eher profane Dinge, das Klopapier ist alle und irgendwie fiel auch noch das appetitanregende Wort “Hämorrhoiden”. Unwillkürlich möchte man den Protz-Kramer von der ersten Geschichte mal für eine Nacht hier in Lothar oder Hans-Jürgens Schlafsack in der Höhle einquartieren. Kramers einzigen Gesundheitsprobleme sind vermutlich die Hornhaut vom Geldzählen und der Tennisarm vom Sich-selbst-auf-die-Schulter-klopfen. Da könnte man glatt zum Kommunisten werden…

    Allerdings verscherzt sich Lothar schnell meine Sympathien, denn er zeigt sich von einer sehr gewalttätigen Seite, als er andere Obdachlose mit Faust und Messer von “seinem” Stamm-Müllcontainer hinter dem Supermarkt vertreibt. Die Container mit Gemüseresten können die ja gern haben, aber über die Verteilung des weggeworfenen Fleisches entscheidet Lothar ganz allein, so ist hier die Hackordnung. “Und wem da nicht passt, dem schlage ich den Schädel ein!”, setzt er wenig konziliant noch hinzu. Übrigens ist Deutsch auf Mallorca offensichtlich auch unter den Obdachlosen die gängige Verkehrssprache.

    Warum Kabel Eins meint, der wenig glorreiche Obdachlosen-Alltag sei ein interessantes Thema für diese Auswandererserie, bleibt mir schleierhaft. Mich jedenfalls stößt der in martialischer Tarnuniform mit Springerstiefeln und gegelter Minimalfrisur durch das winterliche El Arenal stromernde Lothar mit seinem ihm devot ergebenen Freund Hans-Jürgen eher ab. Und so spannend ist es auch nicht, wie die beiden auf der Suche nach Kleingeld an Telefonzellen herumprökeln (Tagesergebnis: ca. 1,50 Euro) und in windigen Läden nach Gelegenheitsjobs fragen. Ihr Highlight der Woche ist ein Auftrag zur Poolreinigung in einer 10 km entfernten Villa, zu der sie zu Fuß latschen müssen, weil sie kein Autofahrer als Anhalter mitnehmen will. Die so verdienten 35 Euro werden im Supermarkt postwendend in deutsches Bier und Grünkohl (!) umgesetzt und ab geht’s zum gemütlichen Tagesausklang in die heimische Höhle. So ein Leben kann man ja wohl kaum als geplante Auswanderung bezeichnen, die bedauernswert verunglückten Biografien von Lothar und Hans-Jürgen gehören meines Erachtens eher in eine Sozialreportage über die Schattenseiten der Balearenmetropole.

    Und auch die dritte Geschichte der heutigen Folge zeigt keine Neuauswanderer. Jürgen und Phoo Füller betreiben bereits seit drei Jahren ein Hotel-Resort im bergigen Norden von Thailand und sind schon in früheren Folgen von “Mein neues Leben” aufgetreten. Für dieses Mal sieht das Drehbuch die Errichtung zweier neuer Bungalows in dem ehemaligen Reisfeld vor, aus dem inzwischen eine Art Hotelanlage geworden ist. So weit, so langweilig. Im Grunde genommen geht es in dieser Geschichte um Jürgens stetigen, aber vergeblichen Kampf als pingeliger, pünktlichkeitsgewohnter Diplom-Kaufmann gegen die allgemeine Lahmarschigkeit in der neuen Heimat, wobei seine einheimische – und erheblich jüngere – Ehefrau immer etwas zwischen beiden Welten hin- und hergerissen zu sein scheint. Im Vergleich zu früher ist Jürgen in seinen Ansprüchen allerdings schon erkennbar milder geworden, vermutlich bleiben die Jahre im feucht-warmen Klima Thailands auch mental nicht ganz ohne Folgen.

    Einen Vorzug haben Follow-Up-Stories aus der “was macht eigentlich…”-Kiste natürlich für den Sender: Man kann ellenlange Rückblicke aus den früheren Folgen zeigen. Wir erleben also noch einmal mit, wie Jürgen mit Frau und Kind vor drei Jahren bei den Schwiegereltern in den Reissümpfen ankommt und zunächst mit einer kleinen Nothütte vorlieb nehmen muss. Das eigentlich schlüsselfertig erwartete eigene Hotel ist nämlich nicht nur nicht fertig, sondern wurde noch gar nicht begonnen, ja noch nicht einmal genehmigt. Ich frage mich bei dieser Gelegenheit, für wen der Kulturschock eigentlich größer ist, für Jürgen, der aus seiner durchorganisierten deutschen Heimat direkt in ein knietief unter Wasser stehendes Reisfeld umzieht oder für Phoo, die irgendwie ihren Eltern verklickern muss, weshalb sie aus Deutschland mit einem grauhaarigen Zausel zurückkommt, der altersmäßig glatt ihr Vater sein könnte. :-)

    Für die mediale Vermarktung etwas hinderlich ist, dass Phoo bedauerlicherweise gar nicht so ein fieses Deutsch spricht wie Narumol, unsere Thailänderin der Herzen aus “Bauer sucht Frau“. Im Gegenzug scheint Jürgen allerdings noch immer nicht der thailändischen Sprache mächtig, Phoo fungiert für alle seine umfassenden Anweisungen an die Bauarbeiter als Dolmetscherin. Und sie übersetzt auch Jürgens schroffe Befehle in eine kompatible Sprache, so dass die einheimischen Bauarbeiter bei Kritik nicht gleich ihr Gesicht verlieren. Ob das möglicherweise auch eine Ursache für die diversen Missverständnisse ist, die hier an der Tagesordnung zu sein scheinen, kann nur vermutet werden.Vielleicht hat Jürgen aber auch mit seiner unausgesprochenen Vermutung Recht, dass hier sowieso alle dämliche Pfuscher sind, zumindest scheint er das zu denken, wenn er wie ein Feldherr mit strengem Blick und Maßband über seine Baustelle schreitet.

    Heute erregt der zu geringe Abstand zwischen den neuen Bungalows Jürgens Missfallen. Warum er das erst jetzt bemerkt, wo die Fundamente – oder wie man die Löcher mit plattgeklopfter Erde hier nennt – schon fertig sind, bleibt sein Geheimnis. Er genießt jedenfalls sichtlich seinen Triumph, einen Fehler gefunden zu haben. Ja, so sind wir Deutschen eben, lieber Recht behalten und einen Freund verlieren, als anders herum… Phoo kriegt es jedenfalls auf diplomatische Art hin, dass der düpierte Bauleiter den Bungalow-Grundriss noch einmal neu absteckt. Zur Belohnung darf die gesamte Belegschaft auch im Fischteich des Hotels angeln. Sie sollten dort nur “keine Bombe oder elektrisch machen”, wie Frau Füller etwas narumolistisch einschränkt.

    Noch eine Rückblende zum Thema Pfusch am Bau: Vor zwei Jahren, beim letzten Besuch des Fernsehens, war draußen Regenzeit und auch drinnen gab es fließend Wasser, weil nämlich die Fenster nicht dicht waren, um es mal gelinde zu sagen. Jürgen kriegte schon damals wegen der thailändischen Arbeitsmentalität die Pimpernellen. Die Fenster gingen entweder nicht zu oder nicht auf, alles war aufgequollen und verzogen. Danach sollten die Fenster auf “Bitten” des Deutschen ausgetauscht werden und weg sind sie auch tatsächlich, allerdings gab es inzwischen auch keinen richtigen Ersatz, das Glas in den Rahmen fehlt immer noch.

    In der nächsten Sequenz bereiten sich Jürgen und Phoo auf die Ankunft einiger Investoren vor, denen sie eine Beteiligung an ihrem Hotel schmackhaft machen wollen. Zwischendurch fällt mal wieder der Strom aus, was bei Jürgen zu einigen cholerischen Anwandlungen führt. Danach müssen sie die Trümmer eines Wegweisers zusammensammeln, der den Weg von der Hauptstraße zu ihrem wohl doch etwas abseits gelegenen Hotel erleichtern soll. Irgend ein Hirbel macht sich scheinbar einen Spaß daraus, das Teil in regelmäßigen Abständen zu zerpflücken, was Jürgens Begeisterung für Land und Leute nicht wesentlich verbessert.

    So, wenn man nun denkt, kurz vor dem Ende der zwei Stunden “Mein neues Leben” würden nun alle offenen Punkte der Stories geklärt und das wäre es dann, sieht man sich schwer getäuscht, um nicht zu sagen: enttäuscht. Kabel Eins hat nämlich das Konzept der Sendung geändert, in der nächsten Woche geht es laut Vorankündigung WEITER mit der Thailand- und mit der Mallorca-Geschichte. Also gibt es nicht nur keine richtigen Neuauswanderer mehr, sondern die ohnehin schon sterbenslangweiligen Stories werden auch noch zu endlosen Serien verlängert. So ein Mist!!! Glauben die vom Fernsehen echt, irgendwen interessiert es, ob die Grottenolme in El Urinal auch in der nächsten Woche ranziges Fleisch aus dem Container ziehen oder ob unsere fleißigen Reisfeldbewohner in Thailand-Nord einen Teilhaber finden? Wenigstens hat man Florida-Thomas abgesägt, aber der hat eh schon alles gesagt und gezeigt, im wahrsten Sinne des Wortes ALLES. Und was verbindet die drei Stories? Klar, in allen Geschichten liefern herrisch-überhebliche Deutsche die Fremdschämmomente, deshalb auch der ironische Titel dieses Blogs.

    Schade, früher war diese Serie mal ein interessantes Format, man konnte vom Sofa aus mit den Auswanderern mitzittern oder sich genüsslich über ihre Blödheit beömmeln. Offenbar hat das Fernsehen diese Spezies Mensch aber inzwischen bis zur Ausrottung gejagt und die heutige Sendung ist nun das Ergebnis. Wenn das in den nächsten Wochen nicht besser wird, kann mir “Mein neues Leben”, was das Bloggen anbetrifft, mal gepflegt den Buckel runterrutschen. :-(

  • Michaela Helmecke (17) aus Hamburg ist ein versoffenes und vor allem faules Prinzesschen, wie ich finde. Ihr Lebensinhalt besteht darin, die Schule zu schwänzen und stattdessen ein Bierchen zu trinken. Tino Feldkamp (17) aus Köln ist ein stolzer Assi, wie er selbst sagt. Sein Leben: Kiffen, Trinken, Geldabziehen – das ist ja glatt schlimmer als bei Michaela.
    Bis auf die Pfunde auf den Hüften haben die beiden aber eins gemeinsam: – ihre Mütter schicken sie (unter dem Vorwand eines Partyurlaubs) zu den strengsten Eltern der Welt nach Rumänien.
    Die Carloantas betreiben einen Bergbauernhof in den Karpaten wie vor 100 Jahren. Ihr Erziehungskonzept: Liebe, Geduld und Strenge. Hoffentlich bringen Sie unsere Chaos-Teenager auf den rechten Pfad.

    Tja, den Partyurlaub haben sich die beiden irgendwie anders vorgestellt (wie doof muss man auch sein um auf so einen Trick rein zufallen). Stattdessen finden sich die beiden in mitten der Einöde wieder und finden das, wie sie selbst sagen, “Scheiße!” (Oh, Mann, die Jugend von heute sagt auch zu allem “Scheiße!”).

    Für Tino wird es noch schlimmer. als er sieh,t dass die Gastmutter Lucretia ein Kopftuch trägt – ist sie wohl möglich eine Türkin – so eine Muslima? – Tino befürchtet Schlimmstes…
    Dumitru, der Gastvater, ist von Tino auch nicht so begeistert. Der tut auf harten Kerl aber wir sollen keine Sorgen haben – das harte Leben hier wird ihn schon brechen, meint Dumitru.
    Noch schlimmer fällt Lucretias Urteil über Michaela aus – die sei ja fett und penetrant geschminkt – gibt sie vor der Kamera zu besten. Finde ich übrigens auch ;-)

    Nach der lange Reise drückt natürlich bei beiden die Blase und Zeit für eine Dusche wäre ja auch mal. Die Gasteltern zeigen Ihnen natürlich liebend gerne den Weg zur Dusche und zur Toilette. Dabei handelt es sich um einen Wassereimer und ein Plumpsklo – was die beiden Terror-Kids aber noch nicht wissen.
    Dass irgendwas faul ist, hätten die beiden eigentlich schon merken müssen, als sie der Weg in den Viehstall führt. Kühe und Pferden drängen sich dort und lassen einfach unter sich auf den Boden. Tino und Michaela halten sich die Nase zu, aber bei Tino reicht das nicht, er bekommt fast einen Brechanfall. Und dann noch das – die Gasteltern erklären, dass die beiden hier demnächst arbeiten sollen – beide verweigern sich mit den Worten: “Wir sind Stadtkinder und kommen nicht vom Bauernhof.”
    Tino, das vollschlanke Kind, hat übrigens – außer um sich die Nase zu zu halten,bisher nicht einmal die Hände  aus den Taschen genommen. Das nenne ich Motivation und Respekt gegenüber den Gasteltern.
    Endlich durch den Stall durch, geht es über einen schlammigen (könnte auch wieder Sch… sein…) Pfad auf ein Feld. Und wo ist jetzt das Bad, denken sich Tino und Michaela.
    Plötzlich zeigt Dumitru den beiden einen Wassereimer – damit könnten sie sich waschen, meint er zu den beiden.
    Tino und Michaela können es nicht fassen. Aber es kommt noch besser. Als nächstes geht es weiter zu einem Gartenhäuschen. Als Dumitru die Tür öffnet, entpuppt sich das Gartenhäuschen als Plumpsklo. Das ist nun wirklich zu viel für Michaela und Tino. Tino schmiedet sogar Mordpläne gegen seine Mutter, die ihm das eingebrockt hat, und Michaela will sofort ausziehen, wenn sie wieder daheim  ist.
    Wer so lebt, muss wohl behindert sein, denken und sagen die beiden auch später.
    Was die beiden aber nicht wissen – es gibt ein richtiges Bad. Dumitru und Lucretia finden aber, dass Tino und Michaela sich dieses erst einmal verdienen müssen.

    In der ersten Nacht können Tino und Michaela natürlich nicht schlafen und begeben sich auf Entdeckungstour mit einer Nachtsichtkamera (wahrscheinlich wurde sie dafür vom Fernseh-Team angestachelt – da frag ich mich auch – wo schlafen eigentlich die???) und entdecken ein geheimes voll Ausgestattetes und vor allem gefliestes Badezimmer.

    Am nächsten Tag stellen die beiden ihre Gasteltern zur Rede – diese erklären den beide,n dass sie erst ins Badezimmer dürfen, wenn sie artig und tüchtig sind. Natürlich halten die beiden sich daran nicht und benutzen es – um die Arbeit drücken sie sich übrigens auch!
    Da sie den Tag über nix mehr zu tun haben, gehen die beiden mit geklautem Geld auf Einkaufstour – ein bisschen Stoff, also  Alk – kaufen. Leider gibt es es das nur für Leute ab 18.” Scheißland!” befinden beide.

    Natürlich bleibt das ganze nicht ohne Strafe und die beiden müssen draußen essen.

    Am nächsten Tag fügen sich beide etwas – naja, nur Michaela. Sie hilft mit und es macht ihr sogar Spaß. Tino hingegen schläft lange und raucht auch noch, statt zu arbeiten. Dumitru versucht es auf vielerlei Art und Weise, ihn zu erreichen – ohne Erfolg.
    Als Michaela von der Arbeit gut gelaunt – voller Hoffnung auf eine Dusche wiederkommt – stellt sie fest, dass Tino nichts getan hat. Sie weiß was das bedeutet. Beide werden für Tinos Versagen bestraft… und die Strafe ist ziemlich heftig dieses Mal. Dumitru schmeißt die beiden raus!
    Voller Trotz freuen sich beide darüber, denn endlich können sie hier weg. Zumindest hält dieses Gefühl bis zur Hoftür, denn dann finden sich beide wieder in der Einöde der Karpaten ohne Geld. Aber Michaela hat eine geniale Idee. Sie kann ja Englisch und schreibt auf eine Stück Pappe “Airport”. Damit, denkt sie, kommen die beiden bestimmt zum Flughafen…
    Klappt sogar, wenigstens teilweise. Sie werden zwar mitgenommen, müssen aber für ihre Fahrten zu ihrer Überraschung bezahlen.
    Nach sechs Stunden der Flucht kehren beide wieder reumütig zurück. Die beiden beschließen, ab nun artig zu sein. Und es lohnt sich für beide. Tino wird ruhig und ausgeglichen durch die Arbeit. Besonders als Dumitru ihn lobt und ihm Aufgaben gibt, die er selbständig erfüllt, blüht er regelrecht auf. Er fühlt sich das erste Mal geliebt und gefördert. Michaela geht es ähnlich.
    Michaela beschließt, zu Hause auch mehr zu machen – Tino hingehen zieht zu Hause erst mal aus, da er seiner Mutter vorwirft ihn nicht zu lieben – die tut auch nicht viel dafür vor der Kamera – man bekommt als Zuschauer wirklich das Gefühl, ihr sei ihr Sohn egal. Hoffentlich wird das wieder besser.